Donnerstag, 24. September 2009

Die Liebesblödigkeit.


Ich bin ehrlich. Ich kaufte das Buch eigentlich nur wegen zwei Gründen. Dem Titel und dem Cover. Das wirkte in Kombination irgendwie so - schön. So passend. Die Geschichte hörte sich zwar auch nett an, aber jetzt nichts was ich unbedingt lesen müsste. Ein alter Mann hadert mit sich und seinem Schicksal. Er hat zwei Frauen, keine weiß von der anderen und seine größte Angst ist es, dass wenn er einmal im Krankenhaus liegt die beiden Frauen ihn gleichzeitig besuchen.
Nun fand ich schon bei Philip Roths Exit Ghost es extremst anstrengend als junges weibliches Wesen sich in den Kopf eines alten männlichen Greises zu versetzen.
Doch hier - oh, Herr Genazino, ich schmolz dahin! Noch nie - ausser vielleicht bei Siddharta - habe ich so viele Sätze unterstrichen, so viele Sätze unterstreichen MÜSSEN, weil sie so wahr sind und so ehrlich und so einfach. Und doch das wichtigste auf den Punkt bringen.
Dieser alte Mann ist nicht einfach ein böser Mann, dem es Spass macht seine beiden Frauen miteinander zu betrügen, nein, er liebt sie beide, voll und ganz, weil sie so verschieden sind, gerade weil sie so verschieden sind und er braucht sie alle beide für sein Leben. Und so läuft er durch die Stadt, bemerkt Nebensächlichkeiten, die normalerweise keiner beachtet und versucht herauszufinden welche der beiden Frauen er verlassen soll. Die Menschen, die er dabei trifft, sind so abgrundtief-skurill und trotzdem nicht abgehoben. Sie sind echt. Genauso wie der Mann, der Krampfanfälle im Bein beim Sex bekommt und deswegen schon ängstlich das Ende seine Libido erwartet. Die paar Sexszenen die im Buch vorkommen sind so herrlich normal, so wahnsinnig alltäglich und ich hoffe doch sehr, dass ich in dem Alter auch noch so aktiv sein werde.
Gestern Abend angefangen, heute Mittag beendet. Und das obwohl ich in letzter Zeit so wenig Lust zum lesen hatte.
Die Dame vergibt 4 von 5 Punkten, weil ich manchmal nicht verstehe von was der Mann spricht wenn er von seiner Arbeit als Apokalyptiker spricht. Dafür bin ich zu dumm.

Ich wünsche allen Männern zwei Frauen und allen Frauen zwei Männern, wenigstens phasenweise.

Mein Leben fasziniert mich, aber nachdem es mich eine Weile fasziniert hat, langweilt es mich plötzlich.

Im Grunde weiß ich bis heute nicht, wie man mit einem vertrauten Menschen einen ganzen Abend verbringt.

Wieder tritt die Frage an mich heran, ob ich mich für das, was um mich herum geschieht, interessieren soll oder nicht.

Kommentare:

  1. *eeek* Man unterstreicht doch nichts in Büchern! O.O

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  2. Doch, tut man. Sogar mit einem dicken, rosa Filzstift.

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