Mittwoch, 22. Oktober 2014

Worte, nur Worte, nur Worte. Tag 22.


Daheim. Ich sitze nun daheim, draußen regnet es, ich war heute schon in der Arbeit und in der Uni und jetzt sitze ich eben daheim und trinke Tee. Daheim ist ein sehr wandlungsfähiger Begriff, wie ich in den letzten Jahren festgestellt habe. Daheim war 24 Jahre lang dort, wo meine Eltern noch heute leben. Daheim eben. Wir sind als Familie nur ein einziges Mal umgezogen und zwar drei Straßen weiter von einem Mehrfamilienhaus in ein Reihenhaus. Aber da war ich sechs Jahre alt, für  mich ist das Reihenhaus daheim. Beziehungsweise die ganze Stadt dazu. Dort, wo ich in den Kindergarten und zur Schule gegangen bin (Grundschule, Realschule, FOS) und von wo aus man nach Augsburg fahren konnte, weil ich dort meine Ausbildung gemacht habe. Von daheim aus konnte man auch nach München zum Studium fahren. Dann zog ich nach Hamburg und aus einem Daheim wurden zwei Daheims. Je nach Standpunkt. Ich hatte in Hamburg ein Daheim und fuhr nach Hause zu meinen Eltern. Jetzt wohne ich in München und die zwei Daheims gibt es immer noch. Wobei das Eltern-Daheim etwas kleiner geworden ist und an Bedeutung verloren hat. Mein Zimmer gibt es dort nicht mehr. Mein Bruder wohnt jetzt in meinem ehemaligen Zimmer. Ich könnte im Keller schlafen. Aber ich schlafe lieber daheim. Hier. In meinem Bett. In meiner Wohnung. 
Ich finde das nicht komisch, dass ich mein Elternhaus immer noch als daheim ansehe. Da hab ich den größten Teil meines Lebens verbracht, da weiß ich immer noch, wo die Handtücher liegen und die Gläser stehen. Deswegen fühle ich mich irgendwie auf nostalgische Art und Weise damit verbunden, obwohl ich wohl nicht mehr dorthin zurückziehen würde. Und irgendwie finde ich es seltsam, wenn man sein Leben lang immer nur in der gleichen Stadt lebt. Wenn Kinder schon Bauplätze im Dorf haben. Dann ist doch schon alles so festgeschrieben. Festgeschriebenheit, Festgefahrenheit ist nicht gut. Daheim sollte flexibel sein. Flexibel gestaltbar und änderbar. 

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