Samstag, 19. August 2017

Kukolka von Lana Lux.


Originalausgabe - Erschienen im Aufbau Verlag - 2017 - Vielen herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar! 

Ukraine, 90er Jahre. Große Party der Freiheit. Manche tanzen und fressen oben auf dem Trümmerhaufen der Sowjetunion, andere versuchen noch, ihn zu erklimmen. Auch Samira. Mit sieben Jahren macht sie sich auf die Suche nach Freiheit und Wohlstand. Während teure Autos die Straßen schmücken, lebt Samira mit ein paar anderen Kids in einem Haus, wo es keinen Strom, kein warmes Wasser und kein Klo gibt. Aber es geht ihr bestens. Sie hat ein eigenes Sofa zum Schlafen und eine fast erwachsene Freundin, die ihr alles beibringt. Außerdem hat sie einen Job, und den macht sie gut: betteln. Niemand kann diesem schönen Kind widerstehen, auch Rocky nicht. Er nennt sie Kukolka, Püppchen. Wenn Kukolka ihn lange genug massiert, gibt er ihr sogar Schokolade. Alles scheint perfekt zu sein. Doch Samira hält an ihrem Traum von Deutschland fest. Und ihr Traum wird in Erfüllung gehen, komme, was wolle. 

Zum ersten Mal bin ich froh, dass ich die Rezension zu einem Buch nicht direkt nach dem Lesen geschrieben habe. Schon vor 3 Monate habe ich "Kukolka" von Lana Lux gelesen und hätte danach wohl nur Ausrufezeichen und aufgeregte gifs hier einbauen können. Obwohl. Moment. Warum eigentlich nicht?


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Auch jetzt nach 3 Monaten ist es schwierig in Worte zu fassen, was "Kukolka" so anziehend macht. Denn die Ausgangslage ist alles anderes als sympathisch. Samira ist Waise und lebt in einem Kinderheim in der Ukraine. Ihre beste Freundin wird von einem deutschen Ehepaar adoptiert und ab diesem Zeitpunkt gibt es für Samira nur noch einen Traum: Deutschland. Eines Tages wird sie dort leben. Komme, was wolle. Und es kommt so einiges. Samira läuft weg und lebt von nun an auf der Straße, schließt sich einer Kinder-Bettel-Gruppe an, lernt dort das kleine 1x1 des Stehlens und Bettelns und darf schmierigen Anführer Rocky zu schmierigen Partys begleiten. Denn Samira ist eine Schönheit – Für Rocky eine Kapitalanlage. Und so wird Samira zu Kukolka, einem Püppchen, das man schön anzieht und seinen reichen Freunden zeigt und ihnen zum spielen überlässt.

"Liebe ist Vertrauen. Das habe ich mal auf einer Werbung für Kondome gelesen." (Seite 308f.)

Die Kaltblütigkeit (und ich meine das im besten Sinne des Wortes), mit der Lana Lux das Leben eines Straßenmädchens beschreibt, macht diese Geschichte so einzigartig. Es gibt nichts Gutes, nichts Schönes im Leben von Samira, das weiß sie selbst. Und so macht sie sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Eine Barbiepuppe wird zum Heiligtum. Die Hausarbeit zur tröstenden Konstante. Und wenn man eine Nacht nicht zusammen mit Rocky auf der Matratze schlafen muss, ist das ein Freudenfest.

Lana Lux gelingt es, dieses Leid nicht zu verkitschen, nicht eine anrührende Geschichte zu erzählen, die den Leser betroffen macht und nach dem Ende des Buches wischt man sich die Träne aus dem Gesicht und geht in die Küche um Kartoffelpüree zu kochen. Nein. "Kukolka" bleibt wie Samira steif, neutral und nimmt die Dinge, wie sie sind. Ohne die rosarote Brille. Was den Kontrast zum sehr überzogenen Cover noch viel großartiger macht. Überhaupt. Dieses Cover. Diese Buchgestaltung! Kann ich bitte ein Poster mit dem gruseligen Blick des puppenhaften Mädchens haben?

"Kukolka" ist keine einfach Lektüre, fordert den Leser heraus und ist gerade deswegen ein vorzügliches Vergnügen. Bitte mehr davon Frau Lux! 

Sonntag, 6. August 2017

Neu im Bücherregal - Die Juli-Bücher 2017


Haltet euch an eurem Kissen oder Smartphone fest, setzt euch lieber und holt nochmal tief Luft: Was Herr Dachs sagt, ist die Wahrheit. Ich habe im Juli kein Buch gekauft, kein Buch geschenkt bekommen, kein Rezensionsexemplar erhalten oder irgendwie sonst ein buchiges Etwas bei mir einziehen lassen. Keins. Kein einziges! 

Wie kam es dazu?

Eine richtige Erklärung habe ich nicht. Vielleicht mangelte es mir an Möglichkeiten. Wenn man eine Woche in Marokko ist, kann man schon mal eine Woche lang keine Bücher kaufen. Davor und danach scheint nie die richtige Gelegenheit gekommen zu sein, um neue Bücher zu erwerben. Und in der letzten Woche des Julis hat mich dann der Ehrgeiz gepackt. Schaffe ich einen Monat ohne Bücherkauf? 

Wie man sieht – ich habe es geschafft. Gut, dafür sind bereits in der ersten Woche des Augustes drei neue Bücher bei mir eingezogen, aber davon soll an dieser Stelle noch nicht die Rede sein. 

Eine spontane Verlängerung des buchkauflosen Monats wird es dementsprechend nicht geben. Dafür ist meine Merkliste viel zu lang und in den verschiedensten Buchhandlungen weinen die Bücher bestimmt schon, weil sie sich meine Aufmerksamkeit wünschen. Oder so ähnlich.

Deswegen auch gleich die Frage: Habt ihr euch im Juli ein Buch gekauft, welches ich mir unbedingt näher angucken sollte? Und habt ihr auch manchmal Phasen, in denen der Bücherkauf nebensächlich wird? 

Freitag, 4. August 2017

Vier Bücher für ... Feminismus Level 1.

"Feminismus, der: eine Ideologie und gesellschaftliche Bewegung, die die Gleichberechtigung der Frau in allen Lebensbereichen und eine Veränderung der gesellschaftlichen Rollen von Frauen anstrebt." 

So sagt es Google, so wird es wohl sein. Auch ohne Emma-Abo und verbrannten BHs ist es doch so, dass mir doch immer wieder Merkwürdigkeiten auffallen. Und dafür muss ich nicht weit gucken, mein Arbeitsumfeld reicht dafür schon – wie kann es sein, dass in der Buchbranche 80 % der Beschäftigten weiblich sind, aber nur 34 % der leitenden Postionen von Frauen besetzt sind (Quelle: Bücherfrauen)? Ganz praktisches Beispiel: In meinem Studienjahrgang waren ungefähr vier männliche Studenten bei einer Studiengruppe von ungefähr 40 Studierenden. Das heißt, diese vier Kommilitonen werden mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit mal meine Vorgesetzten. Weil sie – im Gegensatz zu mir – einen Penis haben. Irgendwie ein komischer Grund.

Für alle Frauen (und Männer), denen solche Merkwürdigkeiten auch schon mal aufgefallen sind, das aber nicht wirklich richtig benennen können, gibt es nun einen Einstiegskurs ins feministische Denken. DEN einen wahren Feminismus gibt es nämlich nicht. Überraschung! Deswegen hier nun vier sehr subjektive Empfehlungen für feministische Bücher. Über noch mehr Tipps, Meinungen und Anregungen freue ich mich gar sehr! 



Wenn Männer mir die Welt erklären von Rebecca Solnit
Wenn mir Bücher (in diesem Fall "Untenrum frei", siehe zwei Plätze weiter unten) andere Bücher empfehlen, dann ist das schon sehr nett. In diesem Fall ist es auch ein echter Glücksgriff, denn die Essays von Rebecca Solnit beschäftigen sich mit unterschiedlichsten Aspekten des Frau-seins in einer patriarchischen Welt. Allein der erste Text lässt einen mit Kopfschütteln zurück. Und nach der Lektüre möchte man unbedingt wieder mehr von Virginia Woolf lesen. Ein ewiger Lesekreis des Lebens!   
Originaltitel: Men Explain Things to Me - Aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Razum und Bettina Münch - Erschienen bei btb - 2017
Der Report der Magd von Margaret Atwood
"Ach, ist doch alles nicht so wild. Wird schon seine Gründe haben, warum Frauen nicht im Aufsichtsrat von BMW sitzen. Und wenn Mama daheim bleibt, geht den Kindern eh einfach am besten. Weiß man doch! Hat doch bisher auch alles super funktioniert!"
Wohin dieses Denken führen kann, erzählt Margaret Atwood in "Der Report der Magd" eindrucksvoll und beängstigend realistisch. 
Originaltitel: The Handmaid's Tale - Aus dem kanadischen Englisch von Helga Pfetsch - Erschienen im Piper Verlag - 2017
Untenrum frei von Margarete Stokowski
Nach "Weil ein Aufschrei nicht reicht" von Anne Wizorek mein zweites modernes Feminismus-Sachbuch, wobei mir dieses hier ein klein wenig besser gefällt. Wahrscheinlich, weil es weniger ein Sachbuch als ein persönlicher Leitfaden in den Feminismus ist. Was ich daraus mitnehme: Jeder kann Penisse malen, aber niemand eine erkennbare Vulva (im Selbstversuch getestet!), Feminismus sollte nicht als neuer heißer Scheiß betrachtet werden, mit dem man Follower bei Instagram sammeln kann und "wir können untenrum nicht frei sein, wenn wir obenrum nicht frei sind. Und andersrum." (Seite 7). 
Originalausgabe - Erschienen im Rowohlt Verlag - 2016
The Power von Naomi Alderman
Eigentlich wollte ich in diese Liste nur Bücher aufnehmen, die ich bereits gelesen habe. Aber bei "The Power" muss ich eine Ausnahme machen, weil mich alleine Karla Pauls kurze Vorstellung bei Instagram Stories so neugierig gemacht hat, dass ich das Buch direkt bestellt habe. Um was gehts also? Eines Tages stellen alle Frauen fest, dass sie THE POWER haben. Was auch immer das sein mag, es sorgt dafür, dass die Männer plötzlich richtig Angst haben ... und die Kontrolle verlieren. Klingt nicht gerade nach Gleichberechtigung, ich werde aber nach meiner Lektüre noch einmal darüber berichten, ob das Buch hier richtig steht oder nicht. 
Originalausgabe - Erschienen bei Penguin - 2017

Sonntag, 30. Juli 2017

Panikherz von Benjamin von Stuckrad-Barre.


Originalausgabe - Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch - 2016

Benjamin von Stuckrad-Barre erzählt eine Geschichte, wie man sie sich nicht ausdenken kann: Er wollte den Rockstar-Taumel und das Rockstar-Leben, bekam beides und folgerichtig auch den Rockstar-Absturz. Früher Ruhm, Realitätsverlust, Drogenabhängigkeit. Udo Lindenbergs rebellische Märchenlieder prägten und verführten ihn, doch Udo selbst wird Freund und später Retter. Und dann eine Selbstfindung am dafür unwahrscheinlichsten Ort – im mythenumrankten Hotel »Chateau Marmont« in Hollywood. Was als Rückzug und Klausur geplant war, erweist sich als Rückkehr ins Schreiben und in ein Leben als Roman. Drumherum tobt der Rausch, der Erzähler bleibt diesmal nüchtern. Schreibend erinnert er sich an seine Träume und Helden – und trifft viele von ihnen wieder, am Ende auch sich selbst.

Zum Einstieg: Ich bin kein Fan von Udo Lindenberg. Ehrlich gesagt habe ich den Herren mit dem Hut und der Sonnenbrille und dem Wohnsitz im Hotel nicht wirklich als Musiker in meinem Kopf gespeichert. Der tritt manchmal im Fernsehen auf, oder? Und will mit einem Sonderzug nach Pankow. Musicalreif. Mehr Assoziationen gibt es bei mir nicht. 

Bei Benjamin von Stuckrad-Barre sieht das schon anders aus. Während der Ausbildung zur Buchhändlerin hat mir ein lieber Kollege sowohl "Soloalbum" als auch "Livealbum" ans Herz gelegt. Das ist nun aber fast 10 Jahre her, 2008 wurden die beiden Bücher mit Freude von mir gelesen. Danach ebbte die Beziehung zwischen Stucki und mir ab. Zuletzt habe ich ihn in einer alten Folge der Harald Schmidt Show gesehen, eine gar großartige Folge, in der Harald Schmidt als Claus Peyman mit Benjamin von Stuckrad-Barre eine Hose kaufen geht (mit der Chronologie hab ich es nicht so, Herr Gatsby und ich gucken uns häufig sehr alte Folgen von Harald Schmidt an). 

"Ich habe einen Knoten im Kopf: Wenn Ellis etwas vorgeblich Selbstbezeugtes live überträgt, ohne selbst dabei zu sein, und wenn ich hier auf dem Balkon stehe, auf dem sein Held stand in dem Buch, das es gar nicht gibt, und wenn Knausgård jetzt also 600 Seiten lang Milch einkaufen ginge – was zur Hölle würde das dann alles bedeuten?", Seite 212.

Nun also "Panikherz", Stuckrad-Barres Denkmal an Udo Lindenberg. Denn genau das ist es. Ein Denkmal an einen Künstler, der ein ganzes Leben geformt hat. Unbewusst. Und so sehr der Spruch auf dem Cover-Sticker am Anfang noch absurd wirkt ("Es ist schon ein Flash, das mal so im Ganzen zu lesen, wie meine Songs da durch ein ganzes Leben geistern." – Udo Lindenberg), so wahr ist er doch, wenn man die 564 Seiten beendet hat. 

"Ich sitze mit Udo auf dem Balkon, wir schauen auf den Pool. Nichts ist ja schöner als ein beleuchteter Pool bei Nacht, dieses schimmernde Türkis, automatisch blickanziehend, wie ein Glas Absinth oder das grüne Licht im großen Gatsby.", Seite 67.

Benjamin von Stuckrad-Barre (darf ich an dieser Stelle kurz erwähnen, dass ich mir bei diesem Namen ein wohliger Schauer über den Rücken fährt? Kann man in einen Namen verliebt sein? Anscheinend schon) entblößt sich bis aufs Letzte und macht den Leser zum heimlichen Beobachter eines Verfalls, eines Absturz mit Ansage. Vom Plakatekleber zum Gag-Schreiber für Harald Schmidt, vom Bestseller-Autor zum Patienten in einer, nein, mehreren Entzugskliniken. Benjamin von Stuckrad-Barre ist magersüchtig, kokainabhängig, musikbegeistert, talentiert, nervlich am Abgrund. Und im Gegensatz zu anderen Romanen über Drogenabhängigkeit schafft es Stucki mich mit jeder Seite, mit jeder Zeile mehr an sich zu fesseln. Und dann ist da noch Udo Lindenberg.

"... und obwohl selbst in der niedersächsischen Einöde aufgewachsen, empfand auch ich mich als Gesinnungsnorddeutscher und Kind des Nordseestrandes, der Hafen war auch mein Sehnsuchtsgebiet, da bekam ich Heimweh der verlässlichsten Sorte, nämlich nach einer Heimat, die es nie gegeben hat.", Seite 134.

Udo Lindenberg ist nicht Benjamins Retter in strahlender Rüstung. Er ist selbst kaputt und schafft es doch auf seine ganz eigene verquere Weise dem jungen Mann die Hand zu reichen, um den Aufprall etwas abzumildern. Benjamin von Stuckrad-Barre mag seinen Kindheitshelden glorifizieren, macht das aber so herrlich sympathisch, dass man nichts zu meckern hat. 

Und weil ich gerade von Kindheitshelden gesprochen habe, möchte ich eine Episode aus dem Buch hervorheben, die mir das Herz gebrochen hat. Benjamin von Stuckrad-Barre guckt sich im Drogenrausch eine neue Folge von Harald Schmidt an, in der sich diese Lichtgestalt über ihn, den gefallenen Sohn, öffentlich lustig macht. Was macht es mit einem, wenn der eigene Held einen selbst als Witzfigur betrachtet? Diese Frage stellt sich Benjamin Jahre später wieder als er mit Bret Easton Ellis in Hollywood sitzt. Was man eben so in den USA tut. 

Und so zieht sich durch "Panikherz" nicht nur die Bewunderung zu Udo Lindenberg, sondern zu so vielen Berühmtheiten, die das Leben von Benjamin von Stuckrad-Barre auf die eine oder andere Weise berührt haben. Eine vorzügliche Biografie, der man ein gutes Ende wünscht. Wie auch immer das aussehen mag. 

"Gut gepasst hätte jetzt diese dezent eingeschnappt klingende Navigationssystemstimme: 'Sie haben Ihr Ziel erreicht'.", Seite 66.

Sonntag, 16. Juli 2017

Eine Reise-Breze in Marokko

Der Koffer ist ausgepackt, die Mitbringsel präsentiert und die Fotos durchsortiert – nach einer Woche Marokko mit Ayla und Tina (unter dem Hashtag #atmgoesmorocco findet man bei Instagram und Twitter noch weitere Einblicke) bin ich zurück voller neuer Eindrücke und Erinnerungen.

Was haben wir doch alles im Voraus gehört. Passt auf euch auf! Cremt euch alle 5 Minuten mit Sonnencreme LSF 100+ ein! Fahrt nicht in die Wüste und bringt (keine) Kamele mit nach Hause.

Und was ist passiert?

Wir wurden nicht entführt, ich hatte nur einmal panische Angst, dass in unsere airbnb-Wohnung eingebrochen wird (weswegen Tina mit mir Händchen haltend ins Erdgeschoss laufen musste), selbstverständlich habe ich  gestreiften Sonnenbrand an den Beinen, wir waren in einer Steinwüste und sind mit Dromedaren (Kamele gibt es nicht, so heißt nur die Tierfamilie. Dromedare gehören zu den Altweltkamele und haben einen Höcker, Trampeltiere hingegen zwei #wikipedia) über die Autobahn geritten.

Wir wurden wahlweise als "Snow White", "Lady Gaga", "Spice Girls" oder "Hannah Montana" betitelt, meistens noch mit den Adjektiven "lovely" oder "nice" verziert. Wir haben fantastisch gegessen, egal ob Kefta Tajine, Sfenj, Orangen mit Zimt oder Linsen und Bohnen als Vorspeise. Vitamin C gab es in Form von Orangensaft für 5 Dirham.

Wir flanierten durch den Garten von Yves Saint Laurent, lagen gemütlich in unserem Riad am Mini-Pool in Marrakesch, am nebligen Strand und auf der beeindruckenden Dachterrasse unserer airbnb-Wohnung in Essaouira. Selbstverständlich habe ich es geschafft viel zu wenige Bücher mitzunehmen (dafür waren die beiden Bücher ausgesprochen gut, dazu aber demnächst mehr), saß deswegen auf dem Trockenen und musste mich mit E-Books auf meinem Handy trösten.

40 Grad sind in Marrakesch gar nicht so unangenehm durch die schattigen Gassen und in Essaouira gab es Gänsehaut unterm Sonnenschirm.

Trotzdem oder gerade deswegen – ein sehr entspannter Urlaub. 


Sonntag, 2. Juli 2017

Neu im Bücherregal - Die Juni-Bücher 2017

Paroles, Paroles, Paroles! So singt Dalida sehr richtig. Zu Dalida habe ich beim Filmfest München ein Biopic gesehen und seitdem höre ich plötzlich französische Schlager. So auch jetzt. Und bei all den Worten, nur Worten, die sich zwischen den hier abgebildeten Buchdeckeln befinden, könnte man sich die Frage stellen, wann genau ich das alles lesen soll. Aber hey – eine kurze Recherche hat ergeben, dass ich von den 11 neuen Büchern im Juni 2016 genau 2 gelesen habe. Die Quote steht also auf meiner Seite. Nicht. Lustiger Zufall aber: Auch 2017 steht im Juni wieder ein Buch von Antonia Baum auf der Liste. Welche Bücher sonst noch so dabei sind, sieht man hier: 


Blankets von Craig Thompsons. Nach "Ein Sommer am See" und "Baby's in black" eine weitere Graphic Novel und ein Geschenk von Herrn Gatsby. Gelesen habe ich das Buch auch schon und bin sehr angetan von der Komposition aus Bildern und Geschichte. 

Gotland von Michael Stavarič. Beim Indiebookday entdeckt und nun ins Bücherregal gepackt. Es geht um einen Mann auf der Suche nach Gott. Oder so. Ich erhoffe mir eine ähnliche großartige Lektüre wie von Saša Stanišić.

4 3 2 1 von Paul Auster. Hallo, du Schönheit. Seit Monaten schleich ich um dieses Buch herum, jetzt habe ich es mir zum Geburtstag gewünscht und schwupps, ist es auch da. Und es ist so schön. Und schwer. Und Paul Auster widmet das Buch Siri Hustvedt, was mein kleines Romantiker-Herz entzückt. Wann ich die 1259 Seiten jemals bezwingen soll, weiß wohl niemand.

Tony Soprano stirbt nicht von Antonia Baum. Da! Hab ich es nicht oben schon erwähnt? Der Juni ist wohl ein Baum-Monat. Mal sehen, ob ich es bis Juni 2018 schaffe, wenigstens eins der beiden Baum-Bücher zu lesen. 

Peter Pan von J. M. Barrie. Stellt euch dieses Buch bitte nur zur Hälfte auf dem Bild vor, denn dieses Buch teile ich mir mit Herrn Gatsby. Deswegen muss er mir auch immer vor dem Schlafen gehen daraus vorlesen. Dabei konnten wir schon feststellen, dass "Peter Pan" voll die grausame Geschichte ist! Mr. und Mrs. Darling müssen nämlich nach Wendys Geburt erstmal zwei Wochen überlegen, ob sie Wendy überhaupt behalten. Und das Kindermädchen Nana wird zu Unrecht in die Hundehütte geschickt! Wie soll man denn da schlafen können?

Das weiße Leintuch von Antanas Škėma. Immer diese Blogger-Empfehlungen. Weil Herr 54books mich bei der Leipziger Buchmesse zum Stand des Guggolz Verlages mitgenommen hat, habe ich deren Verlagsvorschau mitgenommen, was dann dazu geführt hat, dass mir eben jenes Buch ins Auge sprang. Kurz hatte ATM überlegt, dieses Buch in den ATM-Buchclub aufzunehmen (oder steht das immer noch in der Planung?), jetzt habe ich es aber erstmal von Herrn Gatsby zum Geburtstag bekommen. Litauische Literatur!

Die zwei Gesichter des Januars von Patricia Highsmith. Das kommt dabei heraus, wenn man über den Lisar-Bücherflohmarkt flaniert. Die Verfilmung des Buches habe ich schon mal gesehen und fand sie ganz nett. Von Highsmith wollte ich eh endlich mal was lesen (wir ignorieren an dieser Stelle den Fakt, dass "Der talentierte Mr. Ripley" bereits in meinem Regal steht ... ungelesen). Außerdem hat die Bücherflohmarkt-Verkäuferin gemeint, sie hat sich das Buch damals als Urlaubslektüre für Griechenland gekauft, "weil das Buch ja in Griechenland spielt". Guter Grund. 

Swing Time von Zadie Smith. Von Zadie Smith steht "Von der Schönheit" bisher ungelesen im Bücherregal und wenn ich etwas gut kann, dann weitere Bücher von bisher ungelesenen Autoren ranschaffen. Wie auch hier. 

Shotgun Lovesongs von Nickolas Butler. Ein weiterer Lisar-Bücherflohmarkt-Find. Bei dem ich sehr gehadert habe, denn das Buch hat anscheinend schon mal mit Wasser eine nähere Bekanntschaft geschlossen und ist deswegen ein bisschen aus der Form geraten. Aber bei einem Euro Kaufpreis und der heftigen Empfehlung eines Arbeitskollegen kann man dann auch nichts mehr dagegen sagen. Vorerst. 

Hagard von Lukas Bärfuss. Einer meiner Favoriten beim Preis der Leipziger Buchmesse. Creepy Verfolgungsgeschichten sprechen meine niederen Instinkte an. 

Die Tochter der Patientin von Felix Bonke. Beim Hörgang lauschten wir noch dem Autor, nun ist das Buch in meine Lesefinger gelangt. Nach der Lektüre muss ich zugeben, dass ich ein bisschen zu euphorisch war. Die Geschichte selbst ist schon ganz nett, aber die Charaktere interagieren ein wenig zu monoton, vorhersehbar und ohne Entwicklung. Dafür hab ich das wunderschöne Wort "Delta-Dackel" kennengelernt. 

Alle Toten fliegen hoch - Amerika von Joachim Meyerhoff. Ich hatte schon erwähnt, dass ich mir dieses Buch kaufen musste, nachdem wir Joachim Meyerhoff im Deutschen Schauspielhof in "Die Schule der Frauen" gesehen haben. Schauspiel hat jetzt erstmal wenig mit der Schreibqualität zu tun, aber – oh, wie großartig ist Meyerhoff bitte? Die weiteren Bände der "Alle Toten fliegen hoch"-Reihe sind schon so gut wie gekauft und ich freue mich einen Ast ab, dass im Herbst schon Band 4 erscheint.

Samstag, 1. Juli 2017

Fotobreze - Juni 2017

Der Juni ist ein guter Monat, weil Geburtstagsmonat und wenn man dann auch noch nach Hamburg fahren kann, ist das ja wohl genug Grund, diesem Monat den Stempel "Gut" aufzudrücken". Zwei Wochen Urlaub sorgten außerdem dafür, dass ich sowohl mein Lese- als auch mein Entspanntheitskonto auffüllen konnte. Deswegen folgen nun viele entspannte Fotos mit einem großen Draußen-Anteil. Grün, grün, grün! Und blau.


// Einmal bitte komplett einpacken, danke. Wer gerade in Hamburg weilt: Bei Winkel van Sinkel gibt es derzeit G20-bedingt 20 % auf alle Pflanzen! Ach, wäre ich doch noch da! //
// Ist es eigentlich noch Street Art, wenn der Toast im Hausflur hängt? //
// Schöne Buchhandlungen gehen immer. Hier im Bild: cohen + dobernigg. Mehr Hamburg-Tipps gibt es im letzten Beitrag //


// Herr Gatsby und ich üben jetzt schon mal das Rentnerdasein – auf einer Parkbank sitzen und lesen. Klappt super //
// Wenn die Ufo-Pflanze Babys bekommt, hüpft mein Herz vor Freude //
// Und im Osten kann es doch auch ganz  nett sein. Hier: Halle //


// Alte Angestellten-Regel: Wer zwei Wochen Urlaub macht, sollte danach mit Gebäck in die Arbeit zurückkehren //
// Südfranzbrötchen ist mir als Username dann doch zu lang, aber es wäre auch sehr passend //
// Geburtstagskuchen auf Finnisch. Läuft bei mir! Danke J und D! //


// Dieses Draußen kann schon manchmal ganz schick sein //
// Hallo Köln! Arbeitstechnische Kurzbesuche sind doch immer nett //
// Dramatic Himmel is dramatic. Und das alles, um auch mal beim Tollwood gewesen zu sein //


// Der arbeitstechnische Kurzbesuch in Köln hat mein Fangirl-Herz erfreut, weil ich ein Foto von einem Foto von Jan Böhmermann machen konnte. Läuft! //
// Das Geburtstagskind freut sich sehr //
// Filmfest München bedeutet, dass man sich endlich mal Kinokarten für das teuerste Kino in München leisten kann. Ha! Dafür gibt es da Fußhocker an jedem Platz und extrabreite Sitze //

Samstag, 17. Juni 2017

Eine Reise-Breze in Hamburg

Mein in Bayern aufgewachsenes Herz schlägt nicht unbedingt für Berge. Viel mehr zieht es mich zu den wässrigen Gefilden, insbesondere in den Norden Deutschlands. Hamburg, oh du mein heimlicher Heimathafen (Alliterationen sind doch immer wieder schön)! Seit drei Jahren blieb ich dir fern. Eine unfassbar lange Zeit. Mit Desktophintergründen aus Hamburg und Livestreams aus der Elbphilharmonie habe ich mich getröstet, doch irgendwann reichen auch diese Ersatzstoffe nicht mehr.

Deswegen habe ich mir zum Geburtstag eine Hamburg-Reise geschenkt. Fünf Tage Elbluft schnuppern. Ein großer Spaß. 

Und weil mir die Karte für Berlin so gut gefallen hat, gibt es hier nun eine Karte für Hamburg mit zehn Orten, die den Stempel "Gefällt der Nordbreze" tragen dürfen. Nicht als Extrapunkt: Die Elbphilharmonie, die ich mir für die nächste irgendwann stattfindende Reise aufgespart habe. Aber schon jetzt bin ich arg entzückt, dieses riesige Bauwerk endlich ohne Baukräne sehen zu können. 

  1. Hamburger Hauptbahnhof. Zur Orientierung und als Start- und Endpunkt unserer Reise. Mit dem Zug nach Hamburg fahren ist schließlich Tradition. Außerdem habe ich dort gefühlt ständig Franzbrötchen gekauft. Deswegen auch die sehr unförmige Zeichnung eines Franzbrötchens. Vielleicht sollte ich mich in Südfranzbrötchen umbenennen ...
  2. Deutsches Schauspielhaus Hamburg. Gleich zweimal waren Herr Gatsby und ich im Theater. Einmal für "Ich kann nicht mehr" und einmal für "Die Schule der Frauen". Letzeres ist wohl das beste Theaterstück, welches ich je gesehen habe. Joachim Meyerhoff! Ein Tier von einem Schauspieler! Am nächsten Tag habe ich mir direkt das erste Buch seiner Reihe "Alle Toten fliegen hoch" gekauft. Amüsante Anekdote 1: Herr Gatsby und ich haben uns zum ersten Mal in eben jenem Theater getroffen. Quasi das erste Date. Ohne Datecharakter. 
  3. Winkel van Sinkel (Wexstraße 28). Warnhinweis: Dieser bezaubernde Laden kann spontane Kaufanfälle auslösen. Ach, hätte ich doch nur ein paar der Pflanzen einpacken können! So erwarb ich nur einen Wasserzerstäuber, der meine Sukkulenten daheim sehr glücklich macht. Und beim nächsten Mal wird dann mit einem LKW einfach alles mitgenommen.
  4. Ottos' Burger (Schanzenstraße 58). Wer in Hamburg ist, der isst Hamburger. Oder so. In diesem Fall kann ich nur über die Süßkartoffelpommes sprechen (sehr lecker!), weil wir an dem Tag schon mittags sehr vorzüglich in einem afghanischen Restaurant gegessen haben und dann passte einfach nichts mehr in den Magen. 
  5. Hatari the corner (Beim Grünen Jäger 21). Liebe Hamburger, ich habe eine Frage. Wenn ein Lokal um 10 Uhr aufmacht und ihr möchtet dort frühstücken, warum seid ihr dann nicht alle schon um 10 Uhr da? In München bekommt man um diese Uhrzeit gar keinen Platz mehr. Im Hatari the corner gab es stattdessen freie Platzwahl und ein phänomenales Frühstück mit Egg Benedict. Eines Tages werde ich mich trauen diese Eierspeise auch in den heimischen vier Wänden zu kochen ... eines Tages! Amüsante Anekdote 2: Mir haben die Gläser in diesem Lokal so gut gefallen, dass wir die Bedienung nach dem Hersteller fragen mussten. Und wie es der Zufall so will, haben wir eben jene Gläser gestern spontan in München entdeckt und gekauft. Ha! 
  6. stories! (Große Bleichen 36). Buchhandlungen kann man nie genug besuchen. Und um es direkt zu sagen: Ich habe mich zurückgehalten und nur ein Buch gekauft (eben jenes von Joachim Meyerhoff). Dafür sind einige Bücher auf meiner Merkliste gelandet. Bei stories! besonders schön: Die vielen Graphic Novels.
  7. Felix Jud Buchhandlung (Neuer Wall 13). Diese großartige Buchhandlung sorgt regelmäßig dafür, dass ich mich gar nicht in die Verkaufsräume reintraue, weil sie so prächtig wirken. Empfehlenswert: Das ausgelegte Magazin "5 plus", ein Magazin mit Buchempfehlungen aus fünf verschiedenen Buchhandlungen. 
  8. Flohschanze (Neuer Kamp 30). Wenn die heimische Wohnung genug Platz aufweisen würde, hätte ich mir auf dem Flohmarkt nicht nur ein großes und großartiges Gemälde eines Segelschiffes gekauft, sondern auch mehrere Stühle. Die heimische Wohnung hat aber keinen Platz und deswegen musste ich mit leeren Händen wieder gehen.
  9. cohen + dobernigg (Sternstraße 4). Noch eine Buchhandlung! Die runde Anordnung der Regale finde ich sehr fein. Hier lief ich sehr oft (weil ich im Kreis lief, ne) an "Die elf Gehirne der Seidenspinnerraupe" vorbei. Was für ein Titel! Ich spüre es schon in meinem kleinen Finger, dieses Buch wird bald gekauft!
  10. Grilly Idol (Clemens-Schultz-Straße 40). Direkt gegenüber unserer Airbnb-Wohnung gab es hier Burger satt. Und meine spontane Liebe für Cocktails mit Gin und Grapefruit wurde geweckt. Dabei mag ich normalerweise gar keinen Gin. 
Ja. Hamburg mag ich schon sehr gerne. Außerdem geht noch ein Dank in den Süden von Hamburg, wo wir mit Kuchen und Hähnchen versorgt wurden. Und weil ich mir zum Geburtstag nicht nur eine Reise, sondern auch ein Kameraobjektiv geschenkt habe, kann man hier nun noch einige Fotos aus Hamburg bewundern. Die ich mir nun auch mit sehr viel Fernweh noch einmal angucke. Hamburg, ich komm bald wieder!