Sonntag, 22. Oktober 2017

10 Jahre Nordbreze und so. 10 Buchempfehlungen oder so. Tag 5: paper and poetry.


Liebe Nordbreze,

zu allererst: die herzlichsten Glückwünsche zum Bloggeburtstag! 10 Jahre. Wow! Da kann sich so manch einer ein Scheibchen von abschneiden. Oder vielleicht lieber nicht, sonst hätten wir ja nur eine halbe Breze – und das wäre sehr doof!

Du hast mich nach einem Buchtipp gefragt und damit habe ich mich in der Tat ein wenig schwer getan. Es ist nicht so, als hätte ich keine Empfehlungen parat, aber, es soll ja zu dir passen und vor allem: du sollst es noch nicht gelesen haben! Ich wollte dir also ein Buch empfehlen, das du noch gar nicht kennst. Und dann dachte ich: wieso eigentlich? Wieso dir nicht eines schmackhaft machen, das du schon greifbar in der Nähe hast? Da wir beide große F. Scott Fitzgerald Fans sind, empfehle ich dir nun also „Westlich des Sunset“ von Stewart O’Nan. Ein Buch, das sich mit dem Leben der Fitzgeralds nach der ganz wilden Zeit in den 1920ern auseinandersetzt. Zelda befindet sich mittlerweile in einer Nervenheilanstalt und Scott versucht sein Glück in Hollywood. Irgendwie ist da immer noch was zwischen den beiden, aber mehr eine alte, längst verblasste Liebe. Sie haben sich auseinandergelebt, jeder geht seine eigenen Wege, mehr schlecht als recht. Was ich besonders schön an diesem Roman finde, ist die Feinfühligkeit, mit der O’Nan diese Zeit wiedergibt, die dadurch unfassbar echt und greifbar wirkt und, dass er sich hier mal nicht mit den goldenen Zwanzigern, sondern mit dem, was danach passiert, befasst - und so neben den Schattenseiten des (ehemals) Berühmtseins auch wichtige Personen der 1930er Jahre miteinarbeitet. Aber der Hauptgrund ist natürlich: ganz viel Fitzgerald! (Auch wenn Zelda – wie so oft – leider viel zu kurz kommt!) So, liebe Nordbreze, ich hoffe, du greifst jetzt ganz schnell zum Buch und – noch viel wichtiger – bleibst uns mindestens weitere zehn Jahre erhalten!

Danke für jeden Beitrag, jede Instagramstory, jeden wunderbaren Buchtipp und deinen unvergleichlichen Humor!

Die Mia


Wo sie Recht hat, da hat sie Recht, die gute Mia! Die Chance, dass ich eine der Buchempfehlungen aus dieser Reihe lese, steigt natürlich, wenn ich das Buch bereits besitze. Und das ist der Fall bei "Westlich des Sunset". Lange Zeit bin ich um das Buch herumgeschlichen, weil ich mir so unsicher war. Kann der Autor überhaupt den Geist, die Stimmung, das Leben der Fitzgeralds einfangen? Muss das überhaupt sein? Am Ende siegte die Neugierde, deswegen steht das Buch nun im Bücherregal. 

Nach Mias Buchempfehlung darf "Westlich des Sunset" einen großen Sprung auf der "Lese ich demnächst dann mal"-Liste machen. Vielleicht schaffe ich es sogar noch diesen Monat, das Buch zu beginnen. Gerade wäre auch ein guter Zeitpunkt, weil ich durch "Babylon Berlin" komplett dem Zwanziger Jahre-Fieber erlegen bin. Kurze Werbeunterbrechung an dieser Stelle: Guckt bitte diese Serie, denn sie ist sehr gut. Allein das Ende der zweiten Folge ist ein Augenschmaus für jeden Serienliebhaber. I like!

Und wenn ich schon beim Liken bin – Mias Instagram-Account ist ein optisches Freudenfest. Mit viel Liebe zum Detail, schlicht und mit viel Herz präsentiert Mia dort Einblicke in ihr Bücherleben. Und irgendwann möchte ich bitte auch einen so wunderschönen Holztisch haben.

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Zum 10-jährigen Jubiläum meines Blog wünsche ich mir von 10 lieben Menschen 10 Buchempfehlungen. Alle Infos zu dieser Reihe und zum dazugehörigen Gewinnspiel findet ihr hier

Samstag, 21. Oktober 2017

10 Jahre Nordbreze und so. 10 Buchempfehlungen oder so. Tag 4: 54books.


Jubiläum!
Bestimmt ist ständig irgendwo ein Jubiläum, aber 10 Jahre sind schon stattlich. Apropos stattlich, kann Dir gut ein Buch empfehlen, weiß nur nicht welches.

Aber weißt Du, ich empfehle Dir "Beton Rouge" von Simone Buchholz. Quasi die einzigen Krimis, die ich lesen kann. Schnodderig und schnell, nicht klebrige Traurigkeit und Wehmut und dazu ganz viel Hamburg. Und Norden magst Du doch?!


Oh no. Krimis? Wirklich? Eines der wenigen Genres, die ich in den meisten Fällen bei einem Buchladenbesuch links liegen lassen. Ich bin kein guter Krimileser, denn ich die Suche nach dem Mörder langweilt mich meist so sehr, dass ich zum Ende vorblättere, um nachzugucken, wer es denn jetzt gewesen ist. Whodunit hat sich bei mir also meistens nach wenigen Seiten schon wieder erledigt. Ich les dann das Buch auch weiter, wenn die Geschichte interessant ist, aber diese Ungewissheit nervt mich einfach zu sehr. 

Nun kenne ich aber auch Tilmans unfassbar genialen Beitrag zu Simone Buchholz, indem es eigentlich um "Blaue Nacht" gehen sollte, die Schlachtung eines Schweines aber die Hauptrolle spielt. Wohl einer meiner liebsten Blog-Beiträge, weil er so herrlich anders ist und Tilman so herrlich trocken von Blut, Messern und Gedärmen schreibt. 

Und mit dem Norden hat der gute Mann eben auch Recht. Ich vertraue ihm also und setze "Beton Rouge" auf die Leseliste. Nur ist die Frage, ob ich vorher "Blaue Nacht" lesen sollte?

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Freitag, 20. Oktober 2017

10 Jahre Nordbreze und so. 10 Buchempfehlungen oder so. Tag 3: Herzpotenzial.


Liebe Marina, zu deinem Blogjubiläum haben wir lang überlegt: Wir lieben alle drei Hemingway und Fitzgerald, wir lesen gern über außergewöhnliche Frauen und leckeres Essen. Aber wir versuchen uns auch alle gerade an der Pflege von Zimmerpflanzen. Und deshalb ist unser Buchtipp für dich „Grüner Wohnen“ von Ulrike Herzog aus dem Christian Verlag. Das Buch enthält nicht nur wundervoll inspirierende Bilder von tollen Zimmeroasen, es erklärt auch sehr anschaulich die Vorteile von Zimmerpflanzen für die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Kreativität. Aber das Beste ist: Ein Teil des Buches ist aufgeteilt nach Räumen und erklärt, welche Pflanzen wo am besten gedeihen und nützen. Warum einige Sukkulenten nie ins Schlafzimmer sollten und weshalb ein Kaktus nicht ins Bad gehört - hier wird es erklärt. Wir finden dieses Buch unheimlich nützlich und blättern regelmäßig darin. Du vielleicht auch bald?


Bei Mareike und Maike war ich ja sehr gespannt auf die Buchempfehlung, weil sich hier ein Problem auftut: Wir haben einen wirklich sehr ähnlichen Lesegeschmack, sodass es gut sein kann, dass ich das empfohlene Buch bereits gelesen habe. Aber Probleme sind schließlich nur dornige Chancen (danke Christian Linder!) und über die Empfehlung eines Sachbuches freue ich mich umso mehr! 

Denn die beiden haben Recht. Nachdem mein nicht vorhandener grüner Daumen jahrelang dafür gesorgt hat, dass ich mir keine Zimmerpflanzen zugelegt habe, konnte ich dank des Trendthemas Sukkulenten nun auch meine Fensterbank im Wohnzimmer begrünen. Sukkulenten kriege ich so schnell nicht tot. Bisher jedenfalls noch nicht. Die traurige Ausnahme ist der lebende Stein, aber da läuft gerade das Projekt Frankenstein, damit ich dieser Pflanze wieder Leben einhauche. 

Im Bereich Lifestyle-/Interior-/Wohnen-/Pflanzen-Bücher bin ich ein unbeschriebenes Blatt. Schön finde ich einige der Bücher, aber wirklich damit beschäftigt habe ich mich noch nie damit. Euer Tipp klingt aber gerade wegen der Einteilung in verschiedene Räume sehr spannend. Im Bad hätte ich nämlich auch gerne mal eine Pflanze stehen. Vielleicht sollte ich mir hier wirklich Inspiration aus Büchern holen. Daran hatte ich bisher noch nicht gedacht. I like! 

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Donnerstag, 19. Oktober 2017

10 Jahre Nordbreze und so. 10 Buchempfehlungen oder so. Tag 2: Revolution, Baby, Revolution.


Mein Buchtipp für Marini: Zsuzsa Bánk – Der Schwimmer

Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Jahre es her ist, dass ich „Der Schwimmer“ gelesen habe – acht bestimmt! Das Leseerlebnis ist mir dennoch im Kopf geblieben und wenn ich das Buch beim Buchhandlungsbesuch irgendwo sehe, empfehle ich es auch gern jedem, der mit dabei ist. Vielleicht habe ich es auch dir, liebe Marina, schon einmal empfohlen. Falls ja, tut es mir leid, aber wir sprechen so viel über Bücher – unmöglich, den Überblick zu behalten! Falls nein, entschuldige ich mich für die Verspätung: Denn „Der Schwimmer“ ist einfach ein wunderbarer Roman!

Die Erzählerin Kata beschreibt ihre Kindheit in Ungarn Mitte der 1950er Jahre mit dem Vater Kálmán, dem Bruder Isti und ohne die Mutter Katalin, die sich während der Unruhen gen Westen aufgemacht hat – ohne ihre Familie. Zu dritt ziehen sie durchs Land – von Freunden zu anderen Familienmitgliedern und wieder zurück, immer im Zug, immer mit den Abfahrtszeiten im Kopf. Bis sie am See ankommen und eine neue Heimat finden, sich in Gedanken eine eigene Welt bauen – ohne den Vater, der in seiner Melancholie abtaucht.

Zsuzsa Bánk schafft es mit ihren leisen, aber kraftvollen Worten, die Atmosphäre in der Familie, zwischen den Geschwistern und in der Natur perfekt einzufangen. Sehr dicht strickt sie die Geschichte und die Personen mit ihrem Schreibstil zu einem unvergesslichen Lesevergnügen, das absolut zu recht von den Kritikern bejubelt wurde und das mir auch Jahre später noch im Gedächtnis bleibt.

Ich kann mir nur vorstellen, dass dir das Buch auch gut gefällt – nicht nur, weil es in Ungarn spielt – und hoffe sehr, dass ich richtig liege!


Von Tina kriege ich sehr häufig Buchtipps, deswegen freut es mich sehr, heute hier einmal einen schriftlich festgehaltenen Tipp präsentieren zu können. Normalerweise läuft das eher so ab, dass wir gemeinsam in Buchhandlungen stehen und uns gegenseitig Bücher vor die Nase halten. Oder in der Mittagspause über Bücher sprechen. Oder bei Whatsapp Nachrichten schreiben. Man könnte sagen, dass mich mit Tina eine sehr buchige Freundschaft verbindet. 

Ob du mir schon einmal "Der Schwimmer" von Zsuzsa Bánk empfohlen hast, kann ich nun aber auch nicht sagen. Ich habe gerade nachgeguckt, ein Buch der Autorin steht bereits in meinem Bücherregal und zwar "Die hellen Tage". 

Für "Der Schwimmer" spricht nicht nur der Titel (denn schwimmen kann man bekanntlich nur im Wasser und Wasser ist immer gut), die Ungarn-Verbindung (daran ist Herr Gatsby schuld), sondern auch ein Satz, der sich nicht direkt in Tinas Buchempfehlung befindet, sondern in der Mail, die sie mir dazu geschrieben hat: "Sollte das Buch dich tatsächlich interessieren und du hast es nicht schon im Regal, wäre es in der braunen Papiertüte, die du jetzt bei dir in der Wohnung stehen hast." 

Da sich Fräulein Tina gerade auf einer fantastischen Panama-Reise befindet (auf ihrem wunderbaren Instagram-Account kann man die Reise mitverfolgen – aber seid gewarnt! Man wird sehr schnell sehr neidisch!), hüte ich nämlich einige Taschen und Koffer. Und wenn sich in diesen Taschen und Koffern Bücher befinden, die ich lesen könnte, freut mich das umso mehr. 

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Mittwoch, 18. Oktober 2017

10 Jahre Nordbreze und so. 10 Buchempfehlungen oder so. Tag 1: Pinkfisch.


Als Du mich um eine Buchempfehlung gebeten hast, musste ich erstmal mein Buchregal und parallel dazu deinen Blog durchforsten. Gar nicht so einfach! Am Ende blieben dann zwei Bücher übrig (ist das geschummelt? Ich konnte mich unmöglich nur auf eines festlegen. Also nenne ich No. 2 jetzt einfach unauffällig trotzdem. Lies "Das Tiefland" von Jhumpa Lahiri, weil die Autorin viel zu unbekannt ist und deutlich mehr Leserinnen und Leser verdient! Weil es ein grandioser Roman über Familie, Heimat und Ursprünge ist, über Politik und Entscheidungen). Das zweite Buch, das ich Dir ans Herz legen möchte ist "The Art of Asking" von Amanda Palmer. Eine unheimlich interessante Künstlerin und Persönlichkeit, die andere Wege gegangen ist als üblich und damit ganz besondere Erfolge feiern konnte - indem sie um Hilfe gebeten hat. Mir hat dieser Ansatz und ihre sehr lebendige und offene Art des Erzählens enorm gefallen und ich könnte mir vorstellen, dass es Dir ähnlich gehen wird =) 

Happy Breze-10th-Anniversary!

Sarah von Pinkfisch

Danke Sarah! Auf deinen Buchtipp bzw. auf deine Buchtipps war ich ganz besonders gespannt. Denn als Buchhändlerin stellt sich für dich die Frage nach persönlichen Buchempfehlungen schließlich jeden Tag. Und obwohl ich selbst im Buchhandel gearbeitet habe, trau ich mich nie in einem Buchladen nach Buchempfehlungen zu fragen. Das ist jetzt also die perfekte Gelegenheit!

"Das Tiefland" von Jhumpa Lahiri kannte ich bisher nicht. Ein kurzer Blick in die Inhaltsangabe stimmt mich aber neugierig. Kurze Nacherzählung: Es geht um zwei Brüder, die in Indien aufwachsen und eine sehr innige Beziehung zueinander haben. Doch je älter sie werden, desto unterschiedlicher entwickeln sich die Lebenswege der beiden. Da Indien bisher eher selten auf meiner Buchliste steht und ich gerne Familiendramen lese (Tolstoi lässt grüßen), möchte ich das Buch auf jeden Fall lesen.

Geschummelterweise steht in deinem Text noch ein zweites Buch – "The Art of Asking" von Amanda Palmer. Und eben jenes Buch steht schon seit längerer Zeit auf meiner Wunschliste, weil ich (wie du bereits geschrieben hast), ihre Persönlichkeit sehr faszinierend finde. Nach deiner Empfehlung rutscht das Buch also direkt etwas weiter nach oben auf der Liste!

Wer Sarah bisher noch nicht kennt, sollte sich ganz dringend ihren Blog "Pinkfisch" zu Gemüte führen! Denn Sarah schreibt hier kurz, knapp und authentisch über Bücher, die sie beschäftigen. Ich freue mich immer sehr, wenn sie mir pinkgelaunt auf einer Buchmesse über den Weg läuft. Und irgendwann schaffe ich es auch einmal in den Buchladen am Freiheitsplatz in Hanau, um sie in ihrem natürlichen Arbeitsumfeld zu beobachten. Ganz bestimmt! 

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Zum 10-jährigen Jubiläum meines Blog wünsche ich mir von 10 lieben Menschen 10 Buchempfehlungen. Alle Infos zu dieser Reihe und zum dazugehörigen Gewinnspiel findet ihr hier

10 Jahre Nordbreze und so. 10 Buchempfehlungen oder so. Die Übersicht.


Vor zehn Jahren entstand der erste Beitrag in diesem Blog. Noch nicht ausgereift, nur als Ersatzplattform geplant, denn der eigentliche Blog bestand damals noch bei blogigo (gibt es das überhaupt noch?). Entstanden ist "Nordbreze und so" (beziehungsweise hieß der Blog damals noch anders) als persönliches Tagebuch im Internet. Deswegen bin ich bei der Lektüre alter Beiträge auch etwas peinlich berührt. Aber löschen möchte ich nichts, schließlich gehört das auch zu mir. Erst in den letzten Jahren wurde die Literatur auf dieser Plattform immer wichtiger – weil sie auch in meinem Leben immer wichtiger wurde. Und es freut mich gar sehr, dass dieser kleine, aber doch feine Blog über die Jahre zahlreiche Leser gefunden hat. Leser, aus denen Freunde wurden. Leser, die mich nicht nur auf dem Blog, sondern auch auf meinen anderen Social-Media-Kanälen begleiten. An dieser Stelle geht schon einmal ein großes Dankeschön an euch heraus. Whoop-Whoop!

Um den 10-jährigen Geburtstag meines Blog angemessen zu feiern, habe ich mir etwas ausgedacht. Und zwar wünsche ich mir zum Geburtstag Buchempfehlungen. Deswegen gibt es in den nächsten zehn Tagen zehn Buchempfehlungen von lieben Menschen, die ich zum großen Teil durch den Blog (oder etwas weiter gefasst: Durch das Internet) kennen lernen durfte. Freut euch also schon einmal auf einen bunten Blumenstrauß an Buchtipps! 

Tag 6: Ayla von mucbook/spottedbylocals
Tag 7: Tobias von Buchrevier
Tag 8: Petzi von Die Liebe zu den Büchern
Tag 9: Josefina von You talk in paragraphs, I write my sentence.
Tag 10: Bröselchen von Brösels Bücherregal

Als guter Geburtstagsgastgeber gibt es aber nicht nur Geschenke für mich, sondern auch für euch. Oh ja! Ich verlose einen 20-Euro-Bücherscheck zum Jubiläum. Quasi für die letzten 10 Jahre und die kommenden 10 Jahre. Oder so. 

Was ihr dafür tun müsst? 

Kommentiert bis einschließlich 28.10.2017 einen der zehn kommenden Beiträge im Rahmen von "10 Jahre Nordbreze und so. 10 Buchempfehlungen oder so." und empfehlt mir in eurem Kommentar ein Buch! Was sollte ich unbedingt mal lesen? Am 29.10.2017 landen alle Kommentatoren in einer Lostrommel und der hoffentlich sehr glückliche Gewinner wird gezogen. 

Rechtliche Hinweise:

- Um an diesem Gewinnspiel teilzunehmen, müsst ihr über 18 Jahre alt sein oder die Erlaubnis eurer Eltern haben
- Teilnahmebedingung ist das Hinterlassen eines Kommentars bei einem der zehn "10 Jahre Nordbreze und so. 10 Buchempfehlungen oder so."-Beiträgen
- Das Gewinnspiel endet am 28.10.2017
- Der Gewinner des 20-Euro-Bücherschecks wird am 29.10.2017 bekannt gegeben und per E-Mail benachrichtigt
- Eine Barauszahlung ist nicht möglich
- Der Rechtsweg ist ausgeschlossen


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Sonntag, 1. Oktober 2017

Neu im Bücherregal - Die September-Bücher 2017

Nein, ich werde nicht darüber jammern, dass im September schon wieder viel zu viele Bücher bei mir eingezogen sind. Nein, ich werde nicht darüber grollen, dass das Bücherregal nun eigentlich wirklich voll ist und bald die Bücher zweireihig stehen müssen (zwei Reihen! Wer macht denn sowas???). Nein, ich werde mich nicht beklagen, dass ich einfach keine Zurückhaltung kenne und es deswegen beim Kauf von Büchern immer übertreibe. 

Stattdessen erfreue ich mich an den vielen Büchern, denen ich ein neues Zuhause bieten kann. Wo, ist dabei doch erst einmal zweitrangig. Hauptsache, sie haben es warm und trocken und werden von mir regelmäßig abgestaubt. 


Chronik 1971 von Siegfried Unseld. Meine heimliche Leidenschaft: Verlagsgeschichte. Insbesondere für die Verlage S. FISCHER und Suhrkamp schlägt mein Geschichtsherz. Könnte etwas mit meiner Masterarbeit zu tun haben (wir erinnern uns: „Das Geschäftliche überlasse ich dem Gatten Gottfried“ Die Rolle der Ehefrau in der Autor-Verleger-Beziehung am Beispiel des Briefwechsels zwischen Carl Zuckmayer und Gottfried Bermann Fischer). Jetzt also ein Chronik-Band von Siegfried Unseld. Schon die erste Seite konnte mich begeistern, denn da schreibt Unseld über Ingeborg Bachmann und dass er den Umbruch von "Malina" gelesen hat.  

Romeo oder Julia von Gerhard Falkner. Hab ich nicht gesagt, dass ich bald anfangen werde, mir Bücher aus der Long- und Shortlist des Deutschen Buchpreises zu kaufen? Tada! Aber! Ich bin leider nach der Lektüre von "Romeo oder Julia" nicht mehr ganz so begeistert. Die Leseprobe versprach so viel, aber das ganze Buch konnte meine Erwartungen nicht erfüllen. Amüsant ist es fürwahr, aber mehr ist es dann auch nicht.

Das Ende von Eddy von Édouard Louis. Wenn Didier Eribon in mein Bücherregal ziehen darf, dann muss Édouard Louis das natürlich auch machen. Selbstverständlich zur Vorbereitung auf die Veranstaltung mit den beiden in den Münchner Kammerspielen, die gar wunderbar war! Genauso wie das Buch. Ich bin sehr hingerissen von Louis (der mir nach der Veranstaltung auf meine Instagram Story geantwortet hat ♥). Sobald ich "Im Herzen der Gewalt" (siehe weiter unten) und "Rückkehr nach Reims" gelesen habe, folgt ein Mash-up-Blogbeitrag zu den drei Büchern. 

Anna Karenina von Lew Tolstoi. Was macht man, wenn man Karten für eine Ballett-Aufführung von "Anna Karenina" kauft? Man kauft sich danach erst einmal eine Ausgabe des Buches. Selbstverständlich macht man das so. Während der Zugfahrt von Köln zurück nach München habe ich das Buch begonnen und – meine Güte, Tolstoi lässt sich wunderbar lesen. Ganz großes Tennis. 

Eins von Sarah Crossan. Auf die Lektüre dieses Buches bin ich schon sehr gespannt, weil so viele Menschen, die ich sehr schätze, davon so begeistert waren. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass das Lesen anstrengend wird, weil das Buch in Versform geschrieben ist. 

Handlettering Alphabete von Tanja "Frau Hölle" Cappell. I love my job. Insbesondere dann, wenn ich mein privates Fangirltum in die Arbeit packen kann. Das ist dann alles etwas rosa und gold und mit viel Liebe vollgepackt. Und mit dem Buch im Gepäck hab ich mich nun endlich getraut mal wirklich den Stift in die Hand zu nehmen und mit Anleitung zu lettern. Ein großer Spaß. Kann ich nur empfehlen! 

Im Herzen der Gewalt von Édouard Louis. War ja klar, dass ich nach "Das Ende von Eddy" nicht mal einen Tag warten konnte, um mir "Im Herzen der Gewalt" zu kaufen. Nach der Veranstaltung mit Eribon und Louis möchte ich das Buch auch eigentlich sofort lesen. Aber ach! So viele andere Bücher, die ich gerade wieder gleichzeitig lese ...

Herr Lehmann von Sven Regener. Mit "Wiener Straße" konnte mich Herr Regener auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2017 nicht wirklich mitnehmen. Ich versuche es jetzt aber einfach mal mit seinem ersten Buch, welches von so vielen als "Kultbuch" bezeichnet wird. Außerdem passt das ganz wunderbar, weil ich im November im Rahmen des Literaturfests München zur Lesung von Sven Regener gehe. 

Und wenn die Welt verbrennt von Ulla Scheler. Oh, wie sehr ich mich freue, dass Ulla ein zweites Buch veröffentlicht hat. "Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen" sorgt immer noch für Gänsehaut, deswegen bin ich schon sehr gespannt auf die neue Geschichte. 

Die Geschichte der Baltimores von Joël Dicker. Im Januar durfte aus dem Bücherschrank "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" bei mir einziehen. Das Buch habe ich immer noch nicht gelesen, aber das ist ja kein Argument, um nicht auch noch das zweite Buch des Autors mit nach Hause zu nehmen. Oder? 

Mein Leben als Sohn von Philip Roth. Ach, Herr Roth. Irgendwann werden Sie den Literatur-Nobelpreis erhalten und dann kann ich sagen "Ich wusste es schon immer!". Darauf freu ich mich schon sehr. Bis dahin sammle ich weiterhin Bücher von Ihnen. Ich Roth-Hamster. 

Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war von Joachim Meyerhoff. Der Bücherschrank-Gott liest meinen Blog! Letzten Monat hatte ich noch davon berichtet, dass ich mir "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" gekauft habe und nun aber den Vorgänger-Band brauche. Und schwuppdiwupp stand das Buch im Bücherschrank – gerettet von Herrn Gatsby. Welches Buch soll ich mir nun als nächstes in den Bücherschrank wünschen? Vorschläge, anyone?

Die gleißende Welt von Siri Hustvedt. Frau Hustvedt gehört so wie Margaret Atwood zu den Autorinnen, von denen ich zwar viele Bücher im Regal stehen, aber keines davon bisher gelesen habe. Wie aber soll man eine Büchergilde-Ausgabe für nur 9,95 Euro im Buchladen stehen lassen? Eben! Geht nicht! 

Das Mädchen aus Brooklyn von Guillaume Musso. Mit Musso habe ich eine sehr ambivalente Beziehung. Mal finde ich die Geschichte langweilig, mal kann ich nicht aufhören zu lesen. Wir werden sehen, zu welcher Kategorie "Das Mädchen aus Brooklyn" gehören wird. Was mich jetzt schon fertig macht: Auf dem Cover sieht man das Flatiron Building – und das steht nicht in Brooklyn!

Graben von Cynan Jones. Hiermit bin ich wohl offiziell die letzte Person, die sich nach Karlas Empfehlung dieses Buch kauft. Zuvor hat sich mein Hasenfuß-Gen geweigert "Graben" in Betracht zu ziehen. Schließlich wird schon auf dem Cover ein Dachs von mehreren Hunden eher unfreundlich angegangen. Jetzt bin ich aber einfach mal mutig genug und werde dann von meinen Albträumen berichten, sollten sie nach dem Lesen auftauchen. 

Freitag, 29. September 2017

Vier Bücher für ... Lieblingsautorliebe. #buchpassion-Edition


Schon zum zweiten Mal veranstaltet Janine/Kapri-ziös die Blog-Parade #buchpassion – Dieses Jahr unter dem Motto "Lieblingsautorinnen und - Autoren". Und wenn ich etwas in rauen Mengen haben, dann Bücher Lieblingsautoren.

Deswegen folgen hier vier Autoren, die zu meinen Lieblingsautoren gehören. Inklusive vier Bücher, die ich potenziellen Neu-Fans empfehlen würde. Quasi Vier Bücher für Lieblingsautorliebe!

Thomas Glavinic. Bei keinem Autor war ich öfter bei Lesungen. Von keinem anderen Autor besitze ich so viele Bücher (fast richtig. Von Joanne K. Rowling habe ich mehr Bücher, aber hey! Die hat auch eine Reihe geschrieben!). Thomas Glavinic ploppt sofort in meinem Kopf auf, wenn ich Lieblingsautoren benennen muss. In letzter Zeit bin ich gegenüber der Person Thomas Glavinic skeptisch geworden, weil er doch sehr oft sehr eigenartige Dinge tut und ich werde wohl auch sein neuestes Buch über Selbstverteidigung nicht lesen, weil mich das Thema so komplett gar nicht interessiert, dass nicht mal sein Name mich dazu verführen kann. Trotzdem. Ohne Thomas Glavinic wäre mein Bücherregal und meine Leserbiografie um einiges ärmer. Deswegen kann ich meinem ehemaligen Buchhändlerarbeitskollegen gar nicht genug danken für die Heranführung an Glavinic.
Welches Buch man nicht verpassen sollte? Die Arbeit der Nacht. Für alle, die sich manchmal wünschen, ganz alleine auf der Welt zu sein.

F. Scott Fitzgerald. Keine Überraschung, oder? Herr Fitzgerald gebührt selbstverständlich ein Platz auf dieser Lieblingsautor-Liste. Zwanziger Jahre! Roaring Twenties! A little party never killed somebody. Mittendrin: Der große Gatsby. "Er trägt einen rosa Anzug." (Seite 144). Auch wenn mich die meisten Erzählungen von Fitzgerald nicht ganz so begeistern konnten, ist doch der Mythos Fitzgerald (Zelda! Man darf Zelda nicht vergessen!) groß genug, dass man mich mit weiterführender Literatur, die Fitzgerald im Klappentext erwähnt, sofort fangen kann.  

Sarah Kuttner. Wenn Sarah Kuttner keine Buchautorin wäre, hätte sie trotzdem für all die schönen Momente, die sie mir beschert hat, einen Platz in meinem Herzen. All die Fernsehsendungen, die ich mir wegen ihr angesehen habe. All die Tattoo-Ideen in meinem Kopf, die ihren Ausgangspunkt bei Sarah Kuttners Ellbogen-Tattoo hatten. All die Tweets, für die ich sie gefeiert habe. Und dann schreibt sie eben doch noch nebenbei so großartige Bücher wie "180 Grad Meer". Eine "Berliner Hipster ist unzufrieden und will mehr"-Geschichte, die so viel Meer ist. In keinem anderen Buch habe ich mich so sehr daheim gefühlt. 

Saša Stanišić. Die Letzten sollen die Ersten sein. Saša, oh Saša. Mit "Vor dem Fest" hat mich der Autor sprachlos zurückgelassen. Deswegen zitiere ich an dieser Stelle meine eigene RezensionWas für mich "Vor dem Fest" auszeichnet, ist die schnörkellose Sprache, die mehr Bilder zeichnet als hundert Adjektive. Und dann kommt er mit "Fallensteller" um die Ecke und ich bin schon wieder verzückt. Und verrückt. Und um eine Breze reicher. Um den Lobgesang etwas realistischer zu gestalten. Vor kurzem habe ich "Wie der Soldat das Grammofon repariert" gelesen und war nicht ganz so begeistert wie gedacht. Lag bestimmt an mir. Oder an der sehr kleinen Buchausgabe, die ich gelesen habe. Irgendwas fühlte sich nicht richtig an. Ich warte einfach gespannt auf das nächste Buch von Herrn Stanišić. Und lade ihn dann auf eine Breze in München ein. 

Sonntag, 17. September 2017

Deutscher Buchpreis 2017 - Die Shortlist #dbp17


Am 12.September wurde die Shortlist des Deutschen Buchpreises bekanntgegeben und damit die Liste der Titel von 20 auf 6 reduziert. Bei der eh sehr geringen Anzahl von Titeln, die ich für interessant/gut befunden habe, bin ich schon davon ausgegangen, dass es nicht viele meiner Favoriten auf die endgültige Shortlist schaffen. Und auch, wenn ich doch wenigstens zwei Titel richtig getippt habe, bin ich vom Rest der Liste doch wenig begeistert. Wie konnte man nur „Walter Nowak bleibt liegen“ vergessen? Mein Herz blutet gar sehr. 

Nichtsdestotrotz folgt nun ein zweites kurzes Fazit zu den sechs Titeln der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2017. Sind eure Favoriten noch mit dabei? Und welchem der Titel räumt ihr die größten Gewinn-Chancen ein?

Romeo oder Julia von Gerhard Falkner.
Nummer 1 meiner richtigen Tipps und mein klarer Gewinner-Favorit. Das liegt auch daran, dass ich mir das Buch nun gekauft habe und mitten in der Lektüre stecke. Meine Begeisterung für diese herrlich abstruse Geschichte bleibt bestehen.

Das Floß der Medusa von Franzobel.
Nummer 2 meiner richtigen Tipps. Ich könnte mir vorstellen, dass das Buch gewinnt, weil es historisch das Thema „Flüchtlinge“ betrachtet und man es gut als Allegorie für die heutige Situation im Mittelmeer benutzen könnte.

Schlafende Sonne von Thomas Lehr.
Eh. Ja. Ist das der Platzhalter für ein literarisch so abgedrehtes Buch, dass sich das Feuilleton fröhlich auf die Schulter klopfen kann? Mit der Leseprobe konnte ich so überhaupt gar nichts anfangen, deswegen bin ich wirklich sehr verwirrt, wie es das Buch auf die Shortlist schaffen konnte. Ist die Leseprobe vielleicht einfach nur falsch gewählt und eigentlich steckt da ein Meisterwerk dahinter?

Die Hauptstadt von Robert Menasse.
Auch hier versteh ich die Juryentscheidung nicht so richtig. Vielleicht war es der Gedankengang „Höhö, bei ‚Hauptstadt‘ denkt jeder, es ginge um Berlin und Berlin zieht immer und dann ist es aber Brüssel und alle schlagen sich mit der Hand gegen die Stirn und  sagen ‚Oh, stimmt! Brüssel ist auch irgendwie eine Hauptstadt! Für Europa! Und Europa ist wichtig!“. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht sind Schweine einfach das literarische Tier der Saison.

Die Kieferninseln von Marion Poschmann. 
Oh, Entschuldigung. Ich bin gerade eingeschlafen. Um was ging es nochmal? Bärtige Forscher, die nach Japan fliegen, um der Mid-Life-Crisis zu entgehen? Gähn.

Außer sich von Sasha Marianna Salzmann.
Das war ja sowas von klar. Das Buch, welches ich abgebrochen habe, landet auf der Shortlist. Ich bin so kurz davor, dass ich die mir fehlenden 100 Seiten doch noch lese, um das Buch wenigstens als „gelesen“ markieren zu können. Und wenn das Buch gewinnt, kann mir dann einer der Leser erklären, um was es überhaupt geht und warum das alles nicht in meinen Kopf geht? Danke.

Sonntag, 10. September 2017

Vier Bücher für ... eine alternative Longlist zum Deutschen Buchpreis 2017.

Es ist Tradition, dass nach Bekanntgabe der Longlist zum Deutschen Buchpreis die Entscheidung der Jury in Frage gestellt wird. Eine perfekte Liste, die alle Buchwünsche erfüllt, kann es nicht geben. Die Jury hat die Aufgabe aus den unzähligen Neuerscheinungen in deutschsprachigen Raum die 20 Bücher auszusuchen, die auf irgendeine Art und Weise herausstechen, besonders sind, den Leser fordern, unterhalten. Das gelingt mal weniger, mal mehr. Am Ende ist es eben doch eine subjektive Entscheidung. 

Deswegen habe ich mir erlaubt, einige Gegenvorschläge zusammenzusuchen. Die Kriterien: Die Bücher müssen zwischen Oktober 2016 und September 2017 erschienen sein, es gelten nur deutschsprachige Originalausgaben, die Bücher dürfen nicht auf der echten Longlist stehen UND ich muss das Buch gelesen (und für gut befunden) haben.

Hier nun also meine Vorschläge für eine alternative Longlist zum Deutschen Buchpreis 2017:



Jürgen von Heinz Strunk
„Jürgen“ von Heinz Strunk ist der perfekte Beziehungsratgeber für alle Singles und die, die es noch werden möchten und hat deswegen selbstverständlich einen Platz auf der Longlist des Deutschen Buchpreises verdient. „Merke: Ein fröhlicher Handschlag ist mehr wert als ein trauriges Küsschen!“ (Seite 10) – Solche lebensnahen Ratschläge wünscht man sich doch vom Gewinnerbuch, oder? Abzüge gibt es für das Ende, welches im Gegensatz zum Rest des Buches etwas schwächer daherkommt. Aber wir sind schließlich nicht alle perfekt.
Originalausgabe - Erschienen im Rowohlt Verlag - April 2017
Ellbogen von Fatma Aydemir
Mit „Ellbogen“ von Fatma Aydemir hätte die Jury den „Es gibt keine Vielfalt auf der Longlist!“-Kritikern entgegengewirkt UND gleichzeitig einem wichtigem Buch die nötige Aufmerksam verschafft. „Ellbogen“ erzählt ungeschönt, kalt und trotzdem extrem emotional, wie eine einzelne falsche Entscheidung ein ganzes Leben verändert, wenn man von Anfang an auf der Verliererseite steht. Und weil es mit diesem Buch nicht geklappt hat, wünsche ich mir jedes weitere Buch von Fatma Aydemir auf der Longlist!
Originalausgabe - Erschienen im Hanser Verlag - 2017
Kukolka von Lana Lux
Mit „Ellbogen“ UND „Kukolka“ von Lana Lux hätte die Jury den „Es gibt keine Vielfalt auf der Longlist!“-Kritikern direkt doppelt entgegengewirkt UND gleichzeitig einem Goldschatz an Buch die nötige Aufmerksam verschafft. Von „Kukolka“ könnte ich stundenlang schwärmen. Oder eben nicht, weil es einen sprachlos zurücklässt bei so viel Sprachschönheit und Schicksalslosigkeit.
Originalausgabe - Erschienen im Aufbau Verlag - 2017
Moment? Das waren jetzt aber nur drei Bücher und nicht vier? Richtig gezählt. Denn als ich vor meinem Bücherregal stand, ergab sich plötzlich ein Problem. Ich habe in den vergangenen Monaten wohl zu wenig deutschsprachige Literatur gelesen, die mir auch gefallen hat. 
Ja, ich hätte sehr gerne "Walter Nowak bleibt liegen" hier genannt, aber das Buch steht schon in echt auf der Longlist.
Ja, "Die Außeridischen" von Doron Rabinovic würde auch noch in die Kriterien passen, aber obwohl ich die Idee fantastisch finde, kann ich es nicht guten Gewissens hier nennen.

Und deswegen bleibt meine Liste unvollständig. 

Das Gute an dieser unvollständigen Liste: Ihr könnt sie füllen! Welchen Titel hättet ihr gerne noch auf der Longlist des Deutschen Buchpreises gesehen und warum? Ich bin gespannt auf eure Nominierungen! 

Sonntag, 3. September 2017

Neu im Bücherregal - Die August-Bücher 2017

Nach einem fulminanten Juli ohne Buchkäufe war es abzusehen, dass ich im August wieder übertreibe. Aber ich kann mir ja einreden, dass sich die Bücher jetzt quasi über zwei Monate verteilen und dann bin ich im Durchschnitt gar nicht mal so schlecht. Oder so ähnlich. Die größten Fallen sind immer noch der Bücherschrank und Ausflüge zu Oxfam. Ansonsten hätte ich alles im Griff. Was vielleicht auch daran liegt, dass ich noch nicht begonnen habe, mir Titel aus der Longlist des Deutschen Buchpreises 2017 zu kaufen. Noch nicht. Jetzt, wo ich es ausgesprochen habe, ändert sich das bestimmt sofort. Wehe mir! 


Wonder Woman – Das erste Jahr von Greg Rucka, Nicola Scott und Bilquis Evely. Hui! Ein Comic! Ich bin ganz ehrlich, beim Comickauf kenn ich mich nicht aus und stand deswegen sehr verwirrt im Comicladen herum, bis ich verstanden habe, dass in dieser Ausgabe 7 Comichefte enthalten sind. Verrückt. Hat sich aber schlussendlich gelohnt, insbesondere der Zeichenstil hat mir sehr gut gefallen. Einem weiteren Ausflug in das Wonder Woman-Universum steht also nichts im Wege!

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke von Joachim Meyerhoff. Wie konnte ich vergessen, dass Meyerhoff mit diesem Buch auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 stand? Wie kommt es, dass ich das Buch erst jetzt in meinen Händen halte? Und werde ich es schaffen, vorher noch "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" zu lesen, um die Reihenfolge einzuhalten?

Rückkehr nach Reims von Didier Eribon. Man sollte viel öfter das Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung betrachten. Und man sollte bei einem Bücherschrank nicht immer nach dem Aussehen der Bücher gehen. Ohne Herrn Gatsby hätte ich diesen Band nämlich nicht entdeckt. Dabei schleiche ich um die Ausgabe von Suhrkamp schon so lange herum. Jetzt ist aber alles gut und vielleicht besuche ich auch demnächst die gemeinsame Lesung des Autors mit Édouard Louis in den Kammerspielen.

Reality-Show von Amélie Nothomb. Vor vielen Jahren habe ich "Quecksilber" von Nothomb gelesen, weil es mir eine Buchhändler-Kollegin empfohlen hat. Danach habe ich wie im Rausch alle weiteren Bücher der Autorin auf meine Wunschliste geschrieben, aber nie wieder ein Buch von ihr gelesen. Auch sehr traurig. "Reality-Show" ist nun ein Versuch, wieder in das Werk von Nothomb einzusteigen. Ein Dank geht an eine meiner liebsten Instagram-Menschinnen straightedge20x für das Buch! 

Die Arglosen von Francesca Segal. Eben jenes Buch steht schon lange auf meiner Wunschliste. Dank eines Ausflugs zu Oxfam steht es nun in meinem Bücherregal. 

Ich bin so hübsch von Hazel Brugger. Ein wenig schwärme ich für Hazel Brugger. Sie ist schließlich Schweizerin. Und schreibt so schöne Dinge wie "... die unzähligen Hamster, die einfach aus Langeweile immer fetter und fetter werden, bis sie schließlich aussehen wie Mädchen. Also wie kleine Maden." oder "Hätten Sie lieber, dass ein Fremder Sie auf der öffentlichen Toilette überrascht oder dass Sie einen Fremden dort überraschen?". Teilweise habe ich mich nicht getraut "Ich bin so hübsch" in der S-Bahn zu lesen, weil ich wirklich ständig laut und irre kichern musste. Ein gar vorzüglich böses Buch. 

Ich bin schwul. Ich bin süchtig. Ich bin ein Genie. von Truman Capote und Lawrence Grobel. Eines Tages werde ich die Gesamtausgabe von Truman Capote besitzen und ein sehr glücklicher Mensch sein. Jawohl. Bis dahin erfreue ich mich an diesem Gesprächsband. Und ist euch auch aufgefallen, dass die letzten drei Bücher von Kein & Aber sind? Eine ungeplante Verlagshäufung. Wie nett. Mir gefallen die Bücher auch alle sehr, ich mag die Grüntürkisblautöne der Buchschnitte.

Westlich des Sunset von Stewart O'Nan. Wie sollte ich ein Buch links liegen lassen, in welchem es um F. Scott Fitzgerald geht? Eben! Und so musste ich bei Oxfam auch dieses Buch einfach einpacken. Genauso wie ...

Katzenauge von Margaret Atwood. Ich glaube, von keiner Autorin habe ich mehr ungelesene Bücher zusammengesammelt wie von Atwood. "Der Report der Magd" löst bei mir immer noch Fuchtelanfälle aus, weil es so gut und doch so furchtbar ist. Mehr Atwood für alle, also! 

Nicht im Bild:

The Power von Naomi Alderman. In meinem Beitrag zu "Vier Bücher für ... Feminismus Level 1" hatte ich dieses Buch aufgenommen, weil ich die Grundidee wahnsinnig interessant fand. Anfang August konnte ich dann nicht mehr länger warten, habe es bestellt, direkt gelesen und direkt entsorgt (das heißt weiterverschenkt). Meine Güte! So eine Enttäuschung. Ich bleibe dabei, dass die Grundidee großartig ist und die vor- bzw. nachgelagerten Briefe sind sehr gewitzt, aber ansonsten verspielt Naomi Alderman ihre Chance mit Religionsgeschwubbel und pseudowissenschaftlichen Erklärungen für The Power, die so gar keinen Sinn ergeben. Oder ich hab es einfach nicht verstanden. Meh. 

Die Außerirdischen von Doron Rabinovici. Dieses Buch ist nicht im Bild, weil ich es gestern verliehen habe, ich schlauer Mensch. Denn das Buch ist gut bzw. hat es ebenso wie "The Power" eine interessante Grundidee, die aber auch interessant umgesetzt wird. Außerirdische landen auf der Erde! Niemand hat sie gesehen, aber sie sind da. Natürlich. Und sie verlangen Menschenopfer. Auf freiwilliger Basis. Und was macht der moderne Mensch? Veranstaltet erstmal einen Wettbewerb – Hunger Games lässt grüßen! Zum Ende hin nimmt das Buch zwar etwas ab, trotzdem gibts einen Daumen nach oben und einen Platz im Bücherregal. 

Freitag, 1. September 2017

Fotobreze - Juli und August 2017

Was ich ganz besonders gut kann: Dinge vor mir herschieben. Am 31.07. dachte ich noch "Huch, denk aber bitte noch an den Fotobrezen-Beitrag für Juli!". Dann war plötzlich der 04.08. und immer noch kein Juli-Beitrag online. Verrückt. Jetzt ist der 01.09. und es gibt einfach einen kunterbunten Juli-August-Mischmasch. Eh viel schöner. So bekommt man die doppelte Portion Sommererinnerungen im Herbst. Ja. Es ist nun offiziell Herbst. Eigentlich schon Weihnachten. Gestern stand an der Supermarktkasse vor mir ein Mann, der hat Lebkuchen gekauft und davon ein Foto gemacht. Solche verrückten Fotos würden mir selbstverständlich nie passieren. Nie. Fast.


// Hallo Bastel-Breze! Ich kann ein Makramee für eine Luftpflanze knüpfen! //
// Kultur, ne. Nach der Pinakothek der Moderne stehen bald auch ihre Schwestern Neu und Alt auf dem Plan //
// Bester Blumentopf //


// Einen Screenshot von einer Instagram Story machen, um das Werbeplakat für einen Lesekreis abzuspeichern. Läuft //
// Schon wieder draußen. Wer kommt nur immer auf diese Ideen? //
// Für die Longlist des Deutschen Buchpreis braucht man die richtige Vorbereitung //


// Ebenso! //
// Gugl sind Freunde und sollten nur mit viel Bedacht gegessen werden //
// Ich konnte mich gerade nicht erinnern, wann und wo ich hier Frühstücken war. Aber hauptsache es hat geschmeckt //


// Jetzt kommt ihr natürlich alle zu spät (weil die Ausstellung nur bis Ende August ging), aber die Fotos von Lindbergh in der Kunsthalle waren gar großartig! //


// Apropos verrückte Fotos: Lasst euch alle mal mit Glitzer tätowieren! //
// Und wir brauchen mehr kitschige Katzenpostkarten aus Mallorca! //
// Und ein Sonntag ist erst dann ein Sonntag, wenn mir Jan und Olli ins Ohr schmatzen ♥ //

Sonntag, 27. August 2017

Deutscher Buchpreis 2017 - Die Longlist #dbp17



It's the most wonderful time of the year! Seit dem 15. August steht sie fest: Die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2017. Wie immer hat die Buchwelt mit Spannung darauf gewartet, wie immer ist die Buchwelt nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Zu wenige Frauen, zu wenige Autoren/Autorinnen mit Migrationshintergrund, zu wenige kleine Verlage, immer dieselben Themen, zu viele Wiederholungsnominierten.
Ja, es sind auffällig wenige Frauen nominiert. Ja, die Longlist könnte sehr viel vielfältiger sein (warum "Ellbogen" von Fatma Aydemir und "Kukolka" von Lana Lux nicht auf der Liste stehen, verwundert mich auch ehrlich gesagt sehr). Hier ist aber der Deutsche Buchpreis nur ein Symptom, das deutsche Feuilleton beschränkt sich allgemein sehr gerne auf den weißen Mann, der intellektuell schreiben kann. Daran etwas zu ändern liegt auch an uns Lesern. Mehr Mut zur Nische und so!

Vorerst möchte ich mir aber die 20 Leseproben der Longlist-Titel genauer ansehen, weswegen ich mich wieder auf die Jagd nach dem Leseproben-Heft gemacht habe. Wie immer ist das in München ein schweres Unterfangen, aber am Ende wird immer alles gut, das Heftchen liegt nun bei mir und wurde bewaffnet mit Eis und Bleistift genauestens durchgearbeitet und mit einer hochprofessionellen Smiley-Skala  (🙂, 😐, ☹️) bewertet. Ich präsentiere voller Stolz und wie gewohnt mit einer Zusammenfassung der Leseprobe und einem Lieblingssatz (zusätzlich gibt es noch eine gif-Bewertung bei Twitter für alle Freunde der bewegten Bilder):

Nordbrezens Deutscher-Buchpreis-Longlist-Leseproben-Lese-Erfahrung


Lichter als der Tag von Mirko Bonné. Erschienen im Verlag Schöffling & Co.
Das Licht im Hamburger Hauptbahnhof glänzt so schön.
"Es schien zu warten, nicht bloß auf Reisende, die aus dem Zug stiegen und verblüfft waren von der Helligkeit, der Herrlichkeit, mit der die Hansestadt sie willkommen hieß; das Licht war eine Wohltat gerade für Einheimische wie ihn, die morgens vor dem Büro oder nach Feierabend über die Bahnsteige schlenderten, als wären sie Bahnangestellte in Zivil."
Weiterlesen? ☹️

Romeo oder Julia von Gerhard Falkner. Erschienen im Berlin Verlag.
Im Hotel verschwinden Schlüssel und schwarze Haare tauchen auf.
"Obwohl ich Kurt heiße, bin ich Schriftsteller."
Weiterlesen? 🙂 (Ich bin kurz davor, das Buch direkt sofort jetzt zu bestellen, weil ich sehr begeistert bin. Herrlich schräg und amüsant!)

Das Floss der Medusa von Franzobel. Erschienen im Paul Zsolnay Verlag
Schiffbrüchige werden gerettet, von deren Schicksal wir das schlimmste annehmen müssen.
"Was hatten die erlebt? Wir wissen es noch nicht, aber gemach, wir werden es erfahren."
Weiterlesen? 🙂

Schau mich an, wenn ich mit dir rede! von Monika Helfer. Erschienen im Jung und Jung Verlag.
Wenn doch nur die Coen-Brüder diese U-Bahn-Fahrt verfilmt hätten.
"Sag es! Sag, dass deine Mama, die jetzt nicht mehr deine Mama ist, dass die blöd ist, sag es! Sag es!"
Weiterlesen? ☹️

Das Jahr der Frauen von Christoph Höhtker. Erschienen im Weissbooks Verlag.
Um auf 12 Frauen im Jahr zu kommen, schreibt der Zwiebel-Mann einer Künstlerin.
"'Pro Monat werde ich versuchen, eine Frau zu verbrauchen. Wie hört sich das für Sie an?'
'Das ist ein durchaus ... ambitionierter Plan. Was versprechen Sie sich davon?'
'Absolut nichts.'"
Weiterlesen? ☹️


Schlafende Sonne von Thomas Lehr. Erschienen im Carl Hanser Verlag.
Die Sonne scheint, die Erde dreht sich und Absätze werden schmerzlich vermisst.
"Modellieren Sie den Raum so, dass er der psychologischen Metrik entspricht."
 Weiterlesen? ☹️

Kraft von Jonas Lüscher.  Erschienen im Verlag C.H. Beck.
Wenn man von Rumsfeld angestarrt wird, kann man nur schwer einen klaren Gedanken fassen.
"Warte nur, denkt sich Kraft am siebten Tag, an dem er, tatenlos unter solcher Beobachtung stehend, sich wieder einmal durch diese Aufmerksamkeit verlangenden Augen aus seinen leeren Gedanken gerissen sieht, dir zum Trotz werde ich nach einem europäischen Ton suchen."
Weiterlesen? 😐 (Da das Buch Gatsby sei Dank schon im Bücherregal steht, werde ich auf jeden Fall reinlesen. Ich glaube hier ist der Ausschnitt nicht besonders gut ausgewählt)

Die Hauptstadt von Robert Menasse. Erschienen im Suhrkamp Verlag. 
Ein Schwein macht Brüssel unsicher.
"Dann sind die Männer von der Entrümpelungsfirma gekommen, um alles Übrige wegzuschaffen, nicht nur was nicht niet- und nagelfest war, sondern auch die Nieten und Nägel, sie rissen heraus, zerlegten, transportierten ab, bis die Wohnung 'besenrein' war, wie man das nannte."
Weiterlesen? ☹️

Flugschnee von Birgit Müller-Wieland. Erschienen im Otto Müller Verlag.
Simon verschwindet und ein weißes Zimmer bleibt zurück.
"Vielleicht hatte es mit ihren Blicken zu tun, die im Kerzenlicht nach innen zu kippen schienen, vielleicht mit ihren langsamen Bewegungen, mit denen sie Kekse anrichteten oder den Schnee von den Schuhen klopften."
Weiterlesen? ☹️

Schreckliche Gewalten von Jakob Nolte. Erschienen im Verlag Matthes & Seitz Berlin. 
Als Mutter Honik eines Nachts aus unruhigen Träumen erwachte, fand sie sich in ihrem Ehebette zu einem wölfischen Wesen verwandelt.
"Eines Nachts, als die Sonne gerade 564 Millionen Tonnen Wasserstoff in 560 Millionen Tonnen Helium fusionierte und ein Teil der dadurch freigesetzten Wärme 8 Minuten und 17 Sekunden später als Licht den Mond erreichte und dieser  Mond, der nicht wirklich ein Planet ist und nicht wirklich ein Stern, sondern ein Mond, voll erleuchtet am Himmel stand, erblickte ihn die Mutter von Iselin und Edvard Honik, war erfasst von seiner Sanftmut, verwandelte sich in ein wölfisches Wesen, biss ihrem Gatten den Nacken durch, zerfleischte Teile seines Oberkörpers und schlief wieder ein."
Weiterlesen? 🙂


Die Kieferninseln von Marion Poschmann. Erschienen im Suhrkamp Verlag
Wenn die eigene Frau einen vermeintlich betrügt, fliegt man als Bartexperte nach Japan.
"Das schwarze Haar Mathildas breitete sich neben ihm auf dem Kissen aus, Tentakel einer bösartigen, in Pech getauchten Meduse."
Weiterlesen? 😐

Nach Onkalo von Kerstin Preiwuß. Erschienen im Berlin Verlag.
Mutter ist tot, doch zum Glück hilft der Russe.
"Der Arzt ist eine Ärztin und jung obendrein."
Weiterlesen? ☹️

Phantome von Robert Prosser. Erschienen im Verlag Ullstein fünf.
Lass uns Graffiti sprayen in Wien mit dem Kopf im Osten.
"Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Mein Wort ist auf jeden Fall tausend Bilder wert."
Weiterlesen? 😐 (Da ich aber die Bücher von Ullstein fünf sehr großartig finde, wird hier auch noch ein längerer Blick riskiert)

Wiener Straße von Sven Regener. Erschienen im Verlag Galiani Berlin.
Kaffeemaschinen sind die neuen neuen Endgegner der Menschheit.
"'Klar ist das Kunst, was denn sonst?'
'Für mich sieht das nach Basteln aus!'"
Weiterlesen? 😐

Außer sich von Sasha Marianna Salzmann. Erschienen im Suhrkamp Verlag.
Mit viel Gepäck in Koffern und im Kopf reist die Familie weg.
"Papa nickt eifrig und guckt gar nicht hin, aber küsst Mama im Vorbeigehen, seine Hände schwitzen, wenn seine Hände schwitzen, heißt das, dass er glücklich ist."
Weiterlesen? 😐 (Anmerkung: Ich habe das Buch bereits gelesen, musste aber dann nach knapp 200 Seiten abbrechen, weil ich komplett nichts verstand. Und ich wollte es wirklich verstehen)


Peter Holtz von Ingo Schulze. Erschienen im S. Fischer Verlag.
Der Bub schnabuliert Eisbein und Fassbrause, bezahlt dafür aber aus sehr guten Gründen nicht.
"Erstes Kapitel – In dem Peter ohne einen Pfennig in der Tasche eine Gaststätte aufsucht und erklärt, warum er das für richtig hält. Überlegungen zum Stellenwert des Geldes im Sozialismus."
Weiterlesen? 🙂

Das Singen der Sirenen von Michael Wildenhain. Erschienen im Klett-Cotta Verlag. 
Den Weg zu einer unbekannten Wohnung zu finden, ist nicht immer leicht, insbesondere, wenn man nicht vor Frauen schwitzen will.
"Während die Buchstaben ihre verfügte Form verlieren, die Schrift sich im flachen Wasser der kaum bewegten Pfütze langsam anfängt aufzulösen, hält er den Blick am Boden."
Weiterlesen? ☹️

Walter Nowak bleibt liegen von Julia Wolf. Erschienen in der Frankfurter Verlagsanstalt. 
Walter Nowak denkt nach.
"Ich muss nur einen Moment mal hier liegen. Einfach nur hier liegen, auf den kühlen Fliesen, und die Decke anstarren. Das ist doch, in Ordnung. Daumen hoch."
Weiterlesen? 🙂🙂🙂 (Denn das Buch habe ich bereits gelesen und wünsche mir gar sehr, dass es gewinnt)

Katie von Christine Wunnicke. Erschienen im Berenberg Verlag. 
Zwei Wissenschaftler unterhalten sich sehr wissenschaftlich. Oder auch nicht.
"Professor Faraday hatte die Sonne gewiss verdient, nach all seinen Diensten für die Krone und für die ganze Welt."
Weiterlesen? 😐 (Vor der Longlist schlich ich schon häufiger um dieses Buch herum. Jetzt bin ich mir nicht mehr ganz so sicher)

Evangelio von Feridun Zaimoglu. Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch.
Früher war nicht alles besser, es klang nur schöner.
"Ich bin am Verrichten, ich reiß mich los von ihrem Hohn. Was der Pöbel plaudert, beißt ein, ihr Wort beißt ein, ich darf's nicht achten."
Weiterlesen? 😐


Um einmal in die Rolle von Volker Weidermann zu schlüpfen:
Das Endergebnis sieht entsprechen so aus – 🙂 = 5, 😐 = 7, ☹️ = 8.

Die meisten der nominierten Bücher sagen mir nicht unbedingt zu. Das macht es auch einfacher eine persönliche Shortlist zu erstellen, die folgendermaßen aussehen würde:
- Romeo oder Julia von Gerhard Falkner
- Das Floss der Medusa von Franzobel
- Kraft von Jonas Lüscher
- Schreckliche Gewalten von Jakob Nolte
- Peter Holtz von Ingo Schulze
- Walter Nowak bleibt liegen von Julia Wolf

Mein Gewinner des Herzens ist "Walter Nowak bleibt liegen". Mit viel Konfettiregen für den Verlag.

Am 12. September wird die offizielle Shortlist veröffentlicht, am 09. Oktober der Sieger gekürt. Ich bin gespannt und harre der Dinge, die da kommen werden.

Wie sieht eure Meinung zur Longlist aus? Gibt es schon Favoriten? Empfehlungen?


Das Archiv:
Die Longlist 2016Die Shortlist 2016
Die Longlist 2015Die Shortlist 2015
Die Longlist 2014Die Shortlist 2014

Samstag, 19. August 2017

Kukolka von Lana Lux.


Originalausgabe - Erschienen im Aufbau Verlag - 2017 - Vielen herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar! 

Ukraine, 90er Jahre. Große Party der Freiheit. Manche tanzen und fressen oben auf dem Trümmerhaufen der Sowjetunion, andere versuchen noch, ihn zu erklimmen. Auch Samira. Mit sieben Jahren macht sie sich auf die Suche nach Freiheit und Wohlstand. Während teure Autos die Straßen schmücken, lebt Samira mit ein paar anderen Kids in einem Haus, wo es keinen Strom, kein warmes Wasser und kein Klo gibt. Aber es geht ihr bestens. Sie hat ein eigenes Sofa zum Schlafen und eine fast erwachsene Freundin, die ihr alles beibringt. Außerdem hat sie einen Job, und den macht sie gut: betteln. Niemand kann diesem schönen Kind widerstehen, auch Rocky nicht. Er nennt sie Kukolka, Püppchen. Wenn Kukolka ihn lange genug massiert, gibt er ihr sogar Schokolade. Alles scheint perfekt zu sein. Doch Samira hält an ihrem Traum von Deutschland fest. Und ihr Traum wird in Erfüllung gehen, komme, was wolle. 

Zum ersten Mal bin ich froh, dass ich die Rezension zu einem Buch nicht direkt nach dem Lesen geschrieben habe. Schon vor 3 Monate habe ich "Kukolka" von Lana Lux gelesen und hätte danach wohl nur Ausrufezeichen und aufgeregte gifs hier einbauen können. Obwohl. Moment. Warum eigentlich nicht?


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Auch jetzt nach 3 Monaten ist es schwierig in Worte zu fassen, was "Kukolka" so anziehend macht. Denn die Ausgangslage ist alles anderes als sympathisch. Samira ist Waise und lebt in einem Kinderheim in der Ukraine. Ihre beste Freundin wird von einem deutschen Ehepaar adoptiert und ab diesem Zeitpunkt gibt es für Samira nur noch einen Traum: Deutschland. Eines Tages wird sie dort leben. Komme, was wolle. Und es kommt so einiges. Samira läuft weg und lebt von nun an auf der Straße, schließt sich einer Kinder-Bettel-Gruppe an, lernt dort das kleine 1x1 des Stehlens und Bettelns und darf schmierigen Anführer Rocky zu schmierigen Partys begleiten. Denn Samira ist eine Schönheit – Für Rocky eine Kapitalanlage. Und so wird Samira zu Kukolka, einem Püppchen, das man schön anzieht und seinen reichen Freunden zeigt und ihnen zum spielen überlässt.

"Liebe ist Vertrauen. Das habe ich mal auf einer Werbung für Kondome gelesen." (Seite 308f.)

Die Kaltblütigkeit (und ich meine das im besten Sinne des Wortes), mit der Lana Lux das Leben eines Straßenmädchens beschreibt, macht diese Geschichte so einzigartig. Es gibt nichts Gutes, nichts Schönes im Leben von Samira, das weiß sie selbst. Und so macht sie sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Eine Barbiepuppe wird zum Heiligtum. Die Hausarbeit zur tröstenden Konstante. Und wenn man eine Nacht nicht zusammen mit Rocky auf der Matratze schlafen muss, ist das ein Freudenfest.

Lana Lux gelingt es, dieses Leid nicht zu verkitschen, nicht eine anrührende Geschichte zu erzählen, die den Leser betroffen macht und nach dem Ende des Buches wischt man sich die Träne aus dem Gesicht und geht in die Küche um Kartoffelpüree zu kochen. Nein. "Kukolka" bleibt wie Samira steif, neutral und nimmt die Dinge, wie sie sind. Ohne die rosarote Brille. Was den Kontrast zum sehr überzogenen Cover noch viel großartiger macht. Überhaupt. Dieses Cover. Diese Buchgestaltung! Kann ich bitte ein Poster mit dem gruseligen Blick des puppenhaften Mädchens haben?

"Kukolka" ist keine einfach Lektüre, fordert den Leser heraus und ist gerade deswegen ein vorzügliches Vergnügen. Bitte mehr davon Frau Lux! 

Sonntag, 6. August 2017

Neu im Bücherregal - Die Juli-Bücher 2017


Haltet euch an eurem Kissen oder Smartphone fest, setzt euch lieber und holt nochmal tief Luft: Was Herr Dachs sagt, ist die Wahrheit. Ich habe im Juli kein Buch gekauft, kein Buch geschenkt bekommen, kein Rezensionsexemplar erhalten oder irgendwie sonst ein buchiges Etwas bei mir einziehen lassen. Keins. Kein einziges! 

Wie kam es dazu?

Eine richtige Erklärung habe ich nicht. Vielleicht mangelte es mir an Möglichkeiten. Wenn man eine Woche in Marokko ist, kann man schon mal eine Woche lang keine Bücher kaufen. Davor und danach scheint nie die richtige Gelegenheit gekommen zu sein, um neue Bücher zu erwerben. Und in der letzten Woche des Julis hat mich dann der Ehrgeiz gepackt. Schaffe ich einen Monat ohne Bücherkauf? 

Wie man sieht – ich habe es geschafft. Gut, dafür sind bereits in der ersten Woche des Augustes drei neue Bücher bei mir eingezogen, aber davon soll an dieser Stelle noch nicht die Rede sein. 

Eine spontane Verlängerung des buchkauflosen Monats wird es dementsprechend nicht geben. Dafür ist meine Merkliste viel zu lang und in den verschiedensten Buchhandlungen weinen die Bücher bestimmt schon, weil sie sich meine Aufmerksamkeit wünschen. Oder so ähnlich.

Deswegen auch gleich die Frage: Habt ihr euch im Juli ein Buch gekauft, welches ich mir unbedingt näher angucken sollte? Und habt ihr auch manchmal Phasen, in denen der Bücherkauf nebensächlich wird? 

Freitag, 4. August 2017

Vier Bücher für ... Feminismus Level 1.

"Feminismus, der: eine Ideologie und gesellschaftliche Bewegung, die die Gleichberechtigung der Frau in allen Lebensbereichen und eine Veränderung der gesellschaftlichen Rollen von Frauen anstrebt." 

So sagt es Google, so wird es wohl sein. Auch ohne Emma-Abo und verbrannten BHs ist es doch so, dass mir doch immer wieder Merkwürdigkeiten auffallen. Und dafür muss ich nicht weit gucken, mein Arbeitsumfeld reicht dafür schon – wie kann es sein, dass in der Buchbranche 80 % der Beschäftigten weiblich sind, aber nur 34 % der leitenden Postionen von Frauen besetzt sind (Quelle: Bücherfrauen)? Ganz praktisches Beispiel: In meinem Studienjahrgang waren ungefähr vier männliche Studenten bei einer Studiengruppe von ungefähr 40 Studierenden. Das heißt, diese vier Kommilitonen werden mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit mal meine Vorgesetzten. Weil sie – im Gegensatz zu mir – einen Penis haben. Irgendwie ein komischer Grund.

Für alle Frauen (und Männer), denen solche Merkwürdigkeiten auch schon mal aufgefallen sind, das aber nicht wirklich richtig benennen können, gibt es nun einen Einstiegskurs ins feministische Denken. DEN einen wahren Feminismus gibt es nämlich nicht. Überraschung! Deswegen hier nun vier sehr subjektive Empfehlungen für feministische Bücher. Über noch mehr Tipps, Meinungen und Anregungen freue ich mich gar sehr! 



Wenn Männer mir die Welt erklären von Rebecca Solnit
Wenn mir Bücher (in diesem Fall "Untenrum frei", siehe zwei Plätze weiter unten) andere Bücher empfehlen, dann ist das schon sehr nett. In diesem Fall ist es auch ein echter Glücksgriff, denn die Essays von Rebecca Solnit beschäftigen sich mit unterschiedlichsten Aspekten des Frau-seins in einer patriarchischen Welt. Allein der erste Text lässt einen mit Kopfschütteln zurück. Und nach der Lektüre möchte man unbedingt wieder mehr von Virginia Woolf lesen. Ein ewiger Lesekreis des Lebens!   
Originaltitel: Men Explain Things to Me - Aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Razum und Bettina Münch - Erschienen bei btb - 2017
Der Report der Magd von Margaret Atwood
"Ach, ist doch alles nicht so wild. Wird schon seine Gründe haben, warum Frauen nicht im Aufsichtsrat von BMW sitzen. Und wenn Mama daheim bleibt, geht den Kindern eh einfach am besten. Weiß man doch! Hat doch bisher auch alles super funktioniert!"
Wohin dieses Denken führen kann, erzählt Margaret Atwood in "Der Report der Magd" eindrucksvoll und beängstigend realistisch. 
Originaltitel: The Handmaid's Tale - Aus dem kanadischen Englisch von Helga Pfetsch - Erschienen im Piper Verlag - 2017
Untenrum frei von Margarete Stokowski
Nach "Weil ein Aufschrei nicht reicht" von Anne Wizorek mein zweites modernes Feminismus-Sachbuch, wobei mir dieses hier ein klein wenig besser gefällt. Wahrscheinlich, weil es weniger ein Sachbuch als ein persönlicher Leitfaden in den Feminismus ist. Was ich daraus mitnehme: Jeder kann Penisse malen, aber niemand eine erkennbare Vulva (im Selbstversuch getestet!), Feminismus sollte nicht als neuer heißer Scheiß betrachtet werden, mit dem man Follower bei Instagram sammeln kann und "wir können untenrum nicht frei sein, wenn wir obenrum nicht frei sind. Und andersrum." (Seite 7). 
Originalausgabe - Erschienen im Rowohlt Verlag - 2016
The Power von Naomi Alderman
Eigentlich wollte ich in diese Liste nur Bücher aufnehmen, die ich bereits gelesen habe. Aber bei "The Power" muss ich eine Ausnahme machen, weil mich alleine Karla Pauls kurze Vorstellung bei Instagram Stories so neugierig gemacht hat, dass ich das Buch direkt bestellt habe. Um was gehts also? Eines Tages stellen alle Frauen fest, dass sie THE POWER haben. Was auch immer das sein mag, es sorgt dafür, dass die Männer plötzlich richtig Angst haben ... und die Kontrolle verlieren. Klingt nicht gerade nach Gleichberechtigung, ich werde aber nach meiner Lektüre noch einmal darüber berichten, ob das Buch hier richtig steht oder nicht. 
Originalausgabe - Erschienen bei Penguin - 2017