Wie war das im März noch mit stressigen Zeiten und der damit steigenden Anzahl gelesener Bücher? Lol, im April habe ich anscheinend sieben Bücher gelesen, ich kann nicht mal genau sagen, wie und wann das passiert ist, weil ich das Gefühl habe, der April war schon wieder so – voll. Aber jetzt, jetzt ist Mai und der Monat fängt (wieder) mit einem langen Wochenende an und die Sonne scheint und da bin ich eine einfache Pflanze, wenn die Sonne scheint, wirkt sich das sehr positiv auf mein Gemüt aus. Also auf in einen guten nächsten Monat mit weiterhin guter Lektüre, denn alle sieben gelesenen Bücher im April waren wirklich lesenswert:
Lara Rüter ist Lyrikerin, die mehrere Jahre als Aushilfe in der Primatenforschung im Leipziger Zoo gearbeitet hat und in »Affenliebe« eine unfassbar gekonnte Kombination aus Beobachtungen im Leben der Affen und in ihrem eigenen Leben hinlegt. Wie viel Menschlichkeit sprechen wir Affen zu? Wann verschwimmt die Grenze zwischen Tier und Mensch? Wer beobachtet wen? Aber es sind nicht nur die Affen, über die Lara Rüter reflektiert, es geht um ihr eigenes Schreiben als Lyrikerin, um die Suche oder Nichtsuche nach ihrem leiblichen Vater, um die Frage nach Vaterschaft, um Schwangerschaft und Freundschaft und wie sich das alles doch in den Beobachtungen der Affen widerspiegelt. Und dann, dann tauchen dazwischen immer kluge Literaturbezüge auf, zum Beispiel Emily Dickinson: »Es ist kalt, und mir fällt Dickinson ein, die sagt, sie wisse, es sei Lyrik, wenn ihr beim Lesen so kalt werde, dass kein Feuer sie wärmen könne.«
»Die zitternde Frau« von Siri Hustvedt. Aus dem Englischen von Uli Aumüller und Grete Osterwald.
Weil ich Anfang April »Ghost Stories« noch nicht hatte, hab ich einfach zu einem anderen ungelesenen Buch von Siri Hustvedt gegriffen. In »Die zitternde Frau« schreibt Siri Hustvedt ihre eigene Krankengeschichte neu und versucht zu ergründen, warum sie bei einer Gedenkfeier für ihren verstorbenen Vater plötzlich einen Zitteranfall bekommen hat, der auf den ersten Blick keine körperlichen Hintergründe hatte. Sehr klug, sehr persönlich und überraschend humorvoll.
»Ghost Stories« von Siri Hustvedt. Aus dem Englischen von Grete Osterwald und Uli Aumüller.
Ich habe bei Instagram schon sehr über dieses Buch geschwärmt, deswegen möchte ich mich nicht wiederholen, sondern nur sagen, dass 2026 möglicherweise das große Siri Hustvedt-Jahr wird, ich hab mir alle Bücher, die ich noch nicht von ihr habe, auf meine Merkliste gesetzt, weil ich ganz viel noch von ihr lesen möchte. Und außerdem habe ich mir ein Ticket für das Konzert von Sophie Auster gekauft, das family business muss weiterhin unterstützt werden!
»Happiness & Love« von Zoe Dubno.
Ein halbes Jahr nach dem New-York-Urlaub hab ich nun endlich auch mal eines der vielen Bücher gelesen, die ich vor Ort gekauft habe. »Happiness & Love« ist basically »Holzfällen« von Thomas Bernhard, aber in einem modernen New York-Setting. Auch hier wird viel rumgesessen, nur nicht in einem Ohrensessel, sondern auf einem weißen Leinensofa, auch hier werden die Partygäste bzw. Gastgeber detailliert auseinandergenommen und irgendwie hat das auch seinen ganz eigenen Reiz, aber schlussendlich hat mir der besondere Twist gefehlt. Außerdem ist das Ende wirklich arg versöhnlich, ein bisschen weniger »Happiness & Love« hätte dem Ganzen gut getan.
»Im Licht der Lofoten« von Sophie Van der Linden. Aus dem Französischen von Valerie Schneider.
Ein kleines, schmales Bändchen über die schwedische Malerin Anna Boberg, die in den 1930er Jahren alleine auf den Lofoten malt, um dieses ganz eigene Licht einzufangen. Manchmal braucht man mitten in der Frühlingssonne ein Buch voll Schnee und Eis.
»Wildhof« von Eva Strasser.
Für Bücher, in denen Frauen alleine in einem Haus/in einer Hütte/in der Natur Zeit verbringen, um ihr Leben oder das Haus oder ihre Vergangenheit aufzuräumen, habe ich gerade einen besonderen soft spot. Lina kehrt in das Haus ihrer Kindheit zurück, nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall gestorben sind. Und nun wird aufgeräumt. Das Haus, die Vergangenheit und ihr Leben. Eine tragische Geschichte, die nie den Witz im Alltag scheut und dann wird eben auch einmal im Rathaus der Geburtstagskuchen gestreichelt. Man kennt es. Ich lieb es.

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