Mittwoch, 8. April 2026

Lesezeit im März 2026

In besonders stressigen Monaten lese ich entweder gar nichts oder sehr, sehr viel. Ein gesundes Mittelmaß scheint es hier einfach nicht zu geben. Und nun können wir einmal alle gemeinsam raten, was die sechs gelesenen Bücher im März wohl bedeuten könnten? Hurra, Vertreter:innen-Sitzungswoche, ein Konzert von Florence + the Machine, Lesungen, Theaterbesuche, Kinovorstellungen, Oscar-Preisverleihung (das klingt so, als wäre ich vor Ort gewesen), Leipziger Buchmesse, voller Kalender und private Talfahrten haben für enorm viele gelesene Seiten gesorgt. Wie auch immer das zeitmäßig überhaupt funktioniert. Dafür war die Lektüre in den meisten Fällen auch sehr lohnend, das ist doch auch sehr schön. Und vielleicht bringt der April auch ein klein wenig mehr Ruhe, schließlich fängt der Monat auch schon mit einem langen Wochenende an. Das bedeutet auch wieder eine Extraportion Lesezeit. 

Im März habe ich diese sechs Bücher gelesen:

»Du, hier« von Julia Wolf.
Eh immer große Julia-Wolf-Liebe! »Walter Nowak bleibt liegen« ist eines dieser Bücher, an die ich häufig zurückdenken muss. Deswegen habe ich mich sehr über neuen Lesestoff von Julia Wolf gefreut und »Du, hier« erfreut durch insgesamt elf ganz unterschiedliche Stories, in denen ganz unterschiedliche Frauen ganz unterschiedliche Probleme bewältigen wollen/müssen/sollen: Die Enkelin im LKW mitnehmen und gemeinsam schweigen, das Haus der verstorbenen Schwiegermutter ausräumen, eine lang vergessene Freundin wieder treffen. Ich liebe den unaufgeregten, sehr eindringlichen Stil von Julia Wolf und wie sie wirklich in jeder Story den Frauen ein ganz eigenes Leben zugesteht. 

»Our Wives Under The Sea« von Julia Armfield.
Die letzte Buchclub-Lektüre stand bei mir schon etwas länger im Regal und ich habe mich sehr gefreut, das im Rahmen des Buchclubs lesen zu können, weil so nochmal ganz unterschiedliche Interpretationen der Geschichte möglich waren. Leah und Miri sind ein Paar, Leah ist eine Art Unterwasserforscherin, die von einer Forschungsmission in einem U-Boot sechs Monate zu spät zurückkehrt und irgendwie ... verändert ist. Während Miri versucht, ihrer Partnerin zu helfen, löst sich Leah immer mehr auf. In einem sehr eigenwilligen Sinn des Wortes. 

»Träume aus Salz« von Anika Landsteiner.
Ich liebe, wie Anika Landsteiner in ihren Büchern ein Setting erschafft, in welches man am allerliebsten sofort einsteigen möchte. Dieses Mal also eine kleine griechische Insel, auf der Flo und ihr Freund Urlaub machen. Den allerersten Urlaub dieser jungen Beziehung. Dabei treffen sie auf Sofia, die Hellseherin ist, und Flo dazu zwingt, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen, obwohl sie diese doch so gut verpackt und und verstaut hat. Ein undurchsichtiges Spiel aus Wissen, Intuition, Träumen und Realität liegt plötzlich zwischen den drei Protagonist:innen und lässt sich nur mit einigem Schmerz auffächern. 

»Wie kann sie nur?« von Sophie Passmann.
Zwischen Sophie Passmann und mir ist das wohl eine sehr parasoziale On-Off-Beziehung. Mal bin ich ganz begeistert, mal sehr genervt. Ich höre seit Ewigkeiten ihre Podcasts nicht mehr, ich mochte »Pick me Girl« gar nicht, dafür »Komplett Gänsehaut« sehr und bei »Alte weiße Männer« bin ich mit der Zeit sehr ambivalent geworden. On-Off, eben.  Nun also »Wie kann sie nur?« und damit ist der Schalter erst einmal wieder auf on. Wenn 

»Anti Müller« von Yade Yasemin Önder.
Welch ein wunderbarer Zufalls-Glücksgriff war das doch, als ich auf der Leipziger Buchmesse dieses Buch mitgenommen UND direkt von der Autorin signiert bekommen habe. Der Klappentext sagt so schön, dass dieser Roman kein Liebesroman ist, stattdessen bekommt man einen kritischen Blick auf den Literaturbetrieb mit ganz liebenswerten Details wie dem »Buchpreis-Dreisprung Leipzig, Frankfurt, Darmstadt« und damit berührt man mein Herz viel mehr als romantische Beziehungsbeschreibungen.  

»Mit beiden Händen den Himmel stützen« von Lilli Tollkien.
Unsere aktuelle Buchclub-Lektüre habe ich recht schnell beenden können und ich bin schon sehr gespannt auf die gemeinsame Diskussion, denn ich bin mir immer noch nicht so ganz sicher, was ich von diesem Buch halten soll. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mädchens, das in den 80er Jahren in einer Männer-Kommune aufwächst und darin steckt so viel Traurigkeit (in Ermangelung eines passenderen Wortes), weil ihr Leben geprägt ist vom Drogenkonsum ihrer Mutter, von Verwahrlosung, von Missbrauch und all das ist zwar sehr eindringlich erzählt, hat mich aber trotzdem auf Distanz gehalten.

Keine Kommentare: