Samstag, 31. Dezember 2016

Jahresabschlusshauptversammlung 2016


Pünktlich zum letzten Tag des Jahres gibt es die traditionelle Jahresabschlusshauptversammlung für das Jahr 2016. Wie immer mit einem bunten Blumenstrauß an nordbrezschen Begebenheiten der letzten zwölf Monate.

Wir starten mit dem Januar und der Frage: "Welche Literatursendung soll ich gucken?" (ich möchte unbedingt mal wieder was in dieser Art machen, mir fällt nur kein Thema ein. Vorschläge, anyone?). Außerdem wurden kunstvolle Gewänder bestaunt und das großartige LEGO-Kino aufgebaut. Im Februar geht man immer zum Bücherflohmarkt und bringt ganz viele Bücher nach Hause. März = Buchmesse. So steht es geschrieben, so ist es auch. Zum ersten Mal an einem eigenen Stand, was schon ein Erlebnis für sich ist. Und die Oscar-Verleihung wurde wie immer artig geguckt. Eine Fahrt nach Frankfurt, ein Buchkauf-Verbot und ein Wunschzettel zum Welttag des Buches standen im April auf dem Plan. Der Mai hielt eine weitere Ausgabe der Bookshelf-Tour bereit, die ein liebgewonnenes Ritual der Arbeitskollegen geworden ist. Fremde Bücherregale angucken macht eben doch am meisten Spaß. Im Juni feiert man traditionell Geburtstag und bekommt feine Geschenke. Außerdem eröffnete der Bücherschrank um die Ecke, was dafür gesorgt hat, dass viel zu viele neue Bücher bei mir eingezogen sind. Im Gegenzug bringe ich aber auch immer brav alte Bücher vorbei. Außerdem erfreute sich mein Fan-Herz an der Lesung von Saša Stanišić. Reise-Juli! Fast spontan ging es nach Slowenien ans Meer, um die beste aufblasbare Breze der Welt einzuweihen. Und Alpakas mussten auch gestreichelt werden. Nicht in Slowenien, sondern in Österreich natürlich. Reise-August! Budapest ist schon arg hübsch und auch so ein Instawalk durch München ist immer zu empfehlen. Der September ist der Buchpreis-Monat, denn wie immer musste ich mich auf die Jagd nach dem Leseproben-Heft des Deutschen Buchpreises machen. Eine Herkules-Aufgabe, die ich aber wie immer gemeistert habe. Der Oktober stand dann ganz unter dem Zeichen der Frankfurter Buchmesse, die wie wieder ein Freudenfest war. Den November gibt es nicht, weil mein Kopf nicht mitdenkt, ich kann aber berichten, dass ich im November gelesen und endlich den Budapest-Urlaub im Blog festgehalten habe. Im Dezember flog die Business-Breze nach Köln und nach Berlin (falsche Reihenfolge) und fand das sehr aufregend. Und die Flüge waren nicht mal schlimm, yay! Mit viel zu viel Essen vergingen die Tage und wahrscheinlich wird es damit auch enden, denn heute gibt es eine Silvester-Sause mit besten Menschen und Raclette. 

Conclusion: Persönlich fand ich 2016 sehr nett, weltumspannend aber eher so seminett. Ich möchte bitte nicht noch einmal erleben, dass Facebook eine Sicherheitsabfrage für München macht, wenn das eigene Zuhause nur einen Kilometer vom Tatort entfernt liegt. 2017 kann also hoffentlich in dieser Hinsicht nur besser werden. Hoffe ich jetzt mal.

Letztes Jahr habe ich an dieser Stelle fröhlich verkündet, dass sich mein Volontariat in eine richtige Arbeitsstelle verwandelt hat. Nun kann ich fröhlich verkünden, dass die richtige Arbeitsstelle erhalten bleibt, denn aus dem befristeten Vertrag wurde ein unbefristeter und jetzt steht in meinem Vertrag sehr ulkig, dass ich bis zum Erreichen des gesetzlichen Rentenalters im Unternehmen verbleibe. Rentenalter! Damit bin ich jetzt wohl offiziell alt und erwachsen und meine Haare passen sich dieser neuen Situation direkt an und werden immer häufiger grau. 

Nachdem ich 2016 extrem wenig gebloggt habe, möchte ich mir gerne für 2017 vornehmen, eine gewisse Routine einzubauen und mehr zu schreiben. Wie das funktionieren soll, weiß ich noch nicht, aber wenn ich es jetzt aufschreibe, kann ich dann in 365 Tagen darüber philosophieren, warum es nicht geklappt hat. Sehr erbaulich.

Das mit dem "mehr Reisen" hat 2016 schon mal gut geklappt, ist aber auf jeden Fall noch ausbaufähig. Deswegen nehme ich mir für 2017 still und heimlich vor, dass ich vielleicht-möglicherweise-gegebenenfalls nach New York fliege. Weil ich das schon sehr nett fände. Erst einmal geht es aber nach Berlin (touristenmäßig dieses Mal, nicht arbeitsmäßig), das ist ja auch eine Großstadt, da kann ich schon mal üben, wie man sich nicht peinlich in Großstädten benimmt.

Bei allen Menschen, die mich durch 2016 begleitet oder die ich zum ersten Mal getroffen habe – yay, es war ein Fest! Euch behalte ich.

Ich hoffe, es hat euch auch 2016 bei der Nordbreze gefallen und ihr seid nächstes Jahr wieder mit dabei. Bis dahin wünsche ich alles Gute, Konfettiregen und Sprühsahne! 

Freitag, 30. Dezember 2016

Fotobreze - Dezember 2016

Kinder, ich werde alt. Also nicht nur in echt, sondern auch im Kopf! Es gibt gar keine Fotobreze im November! Wie konnte mir nur das passieren? Glücklicherweise kann man die besten Foto-Hits auch bei Instagram bewundern. Wir widmen uns jetzt einfach direkt dem Dezember. Der ja auch schon fast wieder vorbei ist. Und dann ist das Jahr vorbei und schwuppdiwupp müssen wir einen neuen Kalender benutzen. Ich mag meinen neuen Kalender. Meinen Taschenkalender und meinen Wandkalender. Beide sind mit wunderprächtigen Fotos aus dem vergangenen Jahr geschmückt. Jetzt aber wunderprächtige Fotos aus dem Dezember.


// Pizza-Abend mit ATM und eindeutig zweideutigen Servietten //
// Lampenparty //
// Die allerbeste Tasse vom allerbesten Bröselchen. Ich bin schwer verliebt //


// Anfang des Monats die Business-Breze unterwegs. In Berlin und in Köln. Ich musste früh aufstehen und zum Flughafen und war fürchterlich aufgeregt und es war toll //
// Das ist dieser Kölner Dom, ne //
// Und das ist ein Flugzeug. Und der Himmel. Von oben. //



// Ullstein, Aufbau, Suhrkamp – so viele Verlagstermine //


// Arbeitsweihnachtsessen. Sehr delikat //
// Arbeitsweihnachtsessen. Alpaka und Flamingo sind eine super Tischgesellschaft //
// Driving home for christmas //


// Der Weihnachtshund. Die Eule heißt angeblich Elli und ist ein Türstopper und steht da so rum //
// Der traurige Weihnachtsbaum der Familie. Er ist eher flach. Eigentlich ist es nur ein Ast //
// Weihnachtsessen daheim //

Samstag, 24. Dezember 2016

Ein Weihnachtsgruß.


It's this time of the year. Ich wünsche euch ein gar großartiges, entspanntes Weihnachtsfest hier und dort. Macht es euch in den nächsten Tagen mit guten Büchern und Tee bequem. Das ist jedenfalls mein Plan. 

Sonntag, 18. Dezember 2016

Himbeeren mit Sahne im Ritz von Zelda Fitzgerald.


Aus dem amerikanischen Englisch von Eva Bonné - Erschienen bei Manesse - 2016

Kaum jemand verkörpert den  Zeitgeist der Roaring Twenties so wie Zelda Fitzgerald. Sie war der Prototyp des "Flappers": frech, abenteuerlustig, extravagant. Das Lebensgefühl dieser Ära hat sie in bezaubernden Erzählungen eingefangen, die nun erstmals auf Deutsch zu entdecken sind.

Meine Verehrung für die Zwanziger Jahre und insbesondere für die Familie Fitzgerald ist ungebrochen. Das ist quasi mein buzz word – wenn ich "Fitzgerald" höre, werde ich zum Erdmännchen. Oder so ähnlich. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass ich bei der Ankündigung eines Erzählbandes von Zelda Fitzgerald nicht nur in Erdmännchen-Position ging, sondern auch meine Öhrchen gespitzt habe. Und so kam es, dass ich vor der Lektüre des Buches erst einmal zu einer Lesung im Rahmen des Münchner Literaturfests ging und lauschte, wie Bibiana Beglau aus "Himbeeren mit Sahne im Ritz" vorlas. Ein Freudenfest! Bibiana Beglau ist eine gar großartige Schauspielerin, die ich schon öfter im Residenztheater bewundert habe und deren Stimme mich komplett hypnotisiert. Besser hätte man es also nicht treffen können. Drei Geschichten wurden an dem Abend vorgelesen und schon da witterte ich den ersten Schwachpunkt des Erzählbandes, der sich dann beim Lesen auch weiter bestätigt hat.


Doch zuerst einmal die positiven Seiten. In elf Erzählungen widmet sich Zelda Fitzgerald starken, eigenständigen Mädchen, nein, Frauen, die in den Zwanziger Jahren ihren Platz im Leben suchen. Der Platz befindet sich meistens auf der Bühne oder vor der Kamera, nicht unbedingt an der Seite eines Mannes und schon gar nicht vor dem Herd. Showgirls, angehende und bestehende Schauspielerinnen, Träumerinnen und scharfsinnige Beobachterinnen geben sich hier ein Stelldichein bei Himbeeren mit Sahne im Ritz. 

"Aber es muss furchtbar gewesen sein, ganz allein unter dem vergoldeten Stuck eines Pariser Hotels zu sterben, egal wie kostbar das Gold war und wie gewohnt der Anblick." (Seite 47 f.)

Wenn ich wollte, könnte ich die elf Geschichten mit den elf Protagonistinnen hier nun beschreiben. Das Problem ist aber: Das geht gar nicht wirklich. Denn egal, ob sie nun Gay oder Lou oder Miss Ella heißen, sie sind doch alle die eine – Zelda. Immer ist es Zelda, die da ihren Weg ins Rampenlicht sucht, immer ist es die große, alles verschlingende Beziehung zu F. Scott, die da aufgebaut oder zerbrochen wird. Liegt das nur an mir, dass ich zwischen den Zeilen nur die echte Zelda Fitzgerald sehen kann oder ist dem wirklich so? 

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich in letzter Zeit zwar dachte, dass ich mit Erzählungen gut klar komme, sich die Erzählungen in "Himbeeren mit Sahne im Ritz" aber so ähnlich sind, dass nur die klare Abtrennung durch die Überschriften mich davon abhält, alles in einem Zug und verwoben miteinander zu lesen. 

Im Nachwort fragt Felicitas von Lovenberg, wie wir die vorliegenden Erzählungen wohl lesen würden, wenn sie nicht von Zelda, sondern einer unbekannten Frau geschrieben worden wären. Meine ehrliche Antwort? Gar nicht. So sehr mich die Lektüre erfreut hat, so wenig kann ich damit im Nachhinein anfangen. Umso interessanter finde ich es, dass einige der Erzählungen zu Lebzeiten unter F. Scott Fitzgeralds Namen veröffentlicht wurden. Dieser Aspekt interessiert mich so sehr, dass ich wohl noch ein wenig herumforschen muss, wie eng das schriftstellerische Schaffen des Ehepaars miteinander verwoben war. Falls hier jemand Lektüretipps für mich hat: Immer her damit! 

"Himbeeren mit Sahne im Ritz" ist eine amüsante Zeitreise in die mondänen Zwanziger Jahre mit der besten Reisebegleitung, die man sich hierfür vorstellen kann – Zelda Fitzgerald herself. Ein Vergnügen mit kleinen Schwächen und wohl eher für Liebhaber der Ära und Fitzgerald-Fans geeignet. 

Sonntag, 4. Dezember 2016

Neu im Bücherregal - Die November-Bücher 2016


Na? Da seid ihr sprachlos, ne? Im November habe ich so wenige Bücher gekauft, da muss man die wenigen Exemplare schon mal besonderes groß präsentieren. Vier Bücher. Das ist ja quasi nix. Das heißt doch eigentlich, dass ich dafür im Dezember so richtig zuschlagen darf, oder? Was eh passieren wird, schließlich ist bald Weihnachten.
Und während ich nun meine Schokoladen-Portion aus dem Adventskalender schnabuliere, gibt es hier eine Aufzählung der im November neu erworbenen Bücher:

Hier bin ich von Jonathan Safran Foer. Herrn Foer mag ich schon sehr gerne, auch wenn ich noch nicht alle seine Bücher gelesen habe. "Alles ist erleuchtet" steht noch immer ungelesen im Regal. Damit es dort nicht ganz alleine steht (die anderen Bücher stehen schließlich im Regal mit den gelesenen Büchern), hat es jetzt einen dicken Spielkameraden bekommen. Wann genau ich diesen Backstein an Buch lesen soll, weiß ich auch nicht. Die Buchhändlerin meinte ja, das wäre ein gutes Buch für die Feiertage. "Da hat man schließlich Zeit!" Ob sie damit richtig liegt, sehen wir, wenn das Licht angeht. 

Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen von Emma Braslavsky. Ich habe keine Ahnung, um was genau es in diesem Buch geht, aber der Suhrkamp Verlag hat das Buch so großartig bei Instagram beworben (Einhörner!), da konnte ich dann einfach nicht dran vorbeigehen. Bücher, die mit einer Übersicht der handelnden Personen und Kapitelzusammenfassungen ausgestattet sind, erheitern mein lesendes Herz aber sehr, also kann das doch gar nicht schlecht sein. Oder?

Du sagst es von Connie Palmen. Mein Herz schlägt für Sylvia Plath und ich hoffe, ich darf sowas überhaupt sagen, denn eigentlich habe ich bisher nur "Die Glasglocke" von ihr gelesen. Dafür stehen aber mehrere andere Bücher von ihr hier herum, fidelbumm. Ich muss sie nur mal lesen. Einer fiktiven Autobiografie von Ted Hughes, ihrem Ehemann, konnte ich dann nicht widerstehen. Gelesen habe ich das Buch bereits und ich bin ein bisschen underwhelmed. Wenn ich demnächst dann Zeit habe (zwischen den Feiertagen, ne), gibt es hierzu noch eine Meinungsäußerung.

Becks letzter Sommer von Benedict Wells. Wenn mein Herz für Sylvia Plath schlägt, dann hüpft es im Dreieck für Benedict Wells. Jetzt ist auch die neue Fassung von "Becks letzter Sommer" bei mir eingezogen. Damit habe ich alle Bücher des jungen Mannes. Vergleichen kann ich die alte und die neue Ausgabe aber nicht, denn eine alte Ausgabe habe ich nicht. Ich bleibe aber weiterhin skeptisch, ob man bereits erschienene Bücher wirklich überarbeiten sollte. 

Habt ihr eines der vier Bücher schon gelesen? Sind bei euch im November mehr Bücher eingezogen als bei mir?

Sonntag, 27. November 2016

HELIX & Die Unglückseligen – Die Wissenschaft & ich



HELIX - Sie werden uns ersetzen von Marc Elsberg - Originalausgabe - Erschienen bei Blanvalet - 2016

Die Unglückseligen von Thea Dorn - Originalsausgabe - Erschienen bei Knaus - 2016 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar! 

Die Vermischung von "HELIX - Sie werden uns ersetzen" und "Die Unglückseligen" in eine Rezension mag vielleicht ein bisschen eigenartig wirken. Doch beide Bücher behandeln ein Themengebiet, welches bei meiner Lektüreauswahl normalerweise nicht oft vorkommt – Die Wissenschaft. Beziehungsweise geht es noch etwas spezifischer. Gene! Diese kleinen Minidinger, die uns im Innersten zusammenhalten und zu dem machen, was wir sind, stehen auch im Mittelpunkt der beiden Bücher, die ich in den vergangenen Wochen gelesen habe. Wobei mir erst vor kurzem die Parallele aufgefallen ist, die ich nun hier ausbreiten möchte.

Widmen wir uns zuerst "HELIX - Sie werden uns ersetzen" von Marc Elsberg. Bisher hatte ich vom diesem Autor nichts gelesen, weil sich Wissenschaftsthriller – so würde ich seine Bücher zusammenfassen – eher selten in mein Bücherregal verirren. Ich muss dabei immer an schlechte RTL-2-Sonntagnachmittag-Filme denken, wenn wieder irgendein Wetterphänomen dafür sorgt, dass nur ein einziger Wissenschaftler unser aller Leben retten kann. Und ich habe viele dieser Filme gesehen, danke an meinen Papa an dieser Stelle! "HELIX" nun hat meine Skepsis etwas aufbrechen können. Die Ausgangslage mutet etwas verwirrend an. Der US-Außenminister stirbt plötzlich bei einem Staatsbesuch in München. In verschiedenen Teilen der Erde werden genetisch veränderte Pflanzen und Tiere gefunden. Und einem kinderlosen Ehepaar wird das perfekte Kind versprochen. Was das alles miteinander zu tun hat? Es geht um Genmanipulation, die Möglichkeiten und Grenzen der Wissenschaft und wie weit man diese treiben kann und darf. 

Durch die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten der Genmanipulation, die in "HELIX" behandelt werden, ergeben sich auch viele unterschiedliche Handlungsorte mit unterschiedlichen Personenkonstellationen, was gerade am Anfang sehr verwirrend ist. Sobald sich aber alles auf einen Haupthandlungsstrang verdichtet, kriegt man auch als Leser die Fäden wieder geordnet. Zudem muss man kein ausgebildeter Molekularwissenschaftler sein, um Marc Elsbergs Ausführungen zu verstehen. Das Ende wirkte für mich ein wenig abgehetzt und klischeebeladen (Showdown am Flughafen, yay), dafür kriegt der Epilog nochmal sehr gut die Kurve und zeigt, dass auch in der Wissenschaft nicht alles schwarz oder weiß ist. Insgesamt bleibt es bei einer doch spannenden Story mit verständlichen, aber nicht langweilige Erklärungen und somit ein guter Einstieg ins Genre der Wissenschaftsthriller.

Im Gegensatz dazu macht es einem Thea Dorn mit "Die Unglückseligen" nicht so leicht das Buch gut zu finden. Das Interview in "Druckfrisch" war schuld daran, dass ich das Buch lesen wollte, weil die Geschichte einer Molekularbiologin, die auf einen unsterblichen Physiker aus dem 18. Jahrhundert trifft, nach recht viel Potential klang. Und eines vorweg: Diese Geschichte ist all die Herausforderungen, die sich bei der Lektüre ergeben, wirklich wert! Also lasst euch nicht zurückschrecken. Denn das wird unweigerlich passieren. Thea Dorn bricht mit den gewohnten Lesekonventionen und vermischt altertümliche Sprache mit wissenschaftlichen Fakten, erlaubt dem undurchsichtigen Erzähler (Mephisto? Gott? Oder gar Faust selbst?) immer wieder die Handlung zu unterbrechen und zu kommentieren, erzählt eine Szene aus der Sicht einer Fledermaus und lässt auch ein Feuerwerk der Layoutmöglichkeiten auf den Leser niederprasseln. 

"Verehrter Leser, ich kapitulier: Dies Kapitel ist und bleibet ein Ragout. Ob's daher rührt, das es das dritte ist? Nie konnt ich ihr was abgewinnen – dieser Drei. Doch sind wir eben mal darin gefangen. Drum wundern Sie sich bitte nicht, dass drei der Möglichkeiten just ich seh, wie dies Schlamassel wir mit Anstand meistern. (S. 58)

Johanna Mawet ist Molekularbiologin aus Deutschland, die in den USA Forschungen nachgeht, wie man Menschen unsterblich macht. Eines Tages trifft sie auf Johann Wilhelm Ritter, der behauptet, 1776 geboren zu sein. Der ehemals als Physiker tätige Mann scheint durch verschiedene Experimente dem Tod ein Schnippchen geschlagen zu haben. Johanna ist erst skeptisch, dann verzückt und begibt sich mit Johann auf eine Reise, an deren Ende die Unsterblichkeit wartet. 

Wenn man sich bei der Lektüre eines Buches durch die Seiten kämpfen muss, kann das ein schlechtes Zeichen sein. Bei "Die Unglückseligen" ist dies glücklicherweise nicht der Fall. Schlussendlich wird man mit einer so vielschichten, tiefgehenden Geschichte belohnt, die geradezu nach einer Zweit- oder Dritt-Lektüre schreit, weil es so viele Kleinigkeiten und Anspielungen zu entdecken gibt (die ich auf keinen Fall schon alle entdeckt habe). Großartiges Werk, Frau Dorn!

So sind "HELIX - Sie werden uns ersetzen" und "Die Unglückseligen" zwei Beispiele dafür, wie man ein Thema auf ganz unterschiedliche Art und Weise literarisch verarbeiten kann und es für jeden Lesegeschmack das richtige Buch gibt. 

Für was entscheidet ihr euch? Wissenschaftsthriller oder Wissenschaftsroman?

Sonntag, 20. November 2016

Eine Reise nach Budapest

Vorwort: Dieser Beitrag liegt seit mehreren Monaten brach, weil ich leider an einer sinnvollen Darstellung der Fotos verzweifle. Man möge mir das verzeihen, die Bilder stehen jetzt einfach untereinander und es gibt keine fancy Galerie oder eine Collage. Nur Fotos und alte Erinnerungen, sofern ich mich noch an etwas erinnere. Der Urlaub in Budapet fand schließlich Ende August statt und jetzt ist Ende November. Vielleicht erfreut sich aber trotzdem jemand an diesem lückenhaften Bericht.

Vor gar ewigen Zeiten reisten Herr Gatsby und ich nach Budapest, weil Herr Gatsby Ungarn mag und Ungarisch lernt und ich keine Vorstellung von dem Land hatte und nach Budapest wurde ich mit der Aussicht auf die Donau gelockt. Mit Gewässern kriegt man mich schließlich immer. Insbesondere, wenn diese direkt (DIREKT) vor dem Haus liegen. Wir haben uns nämlich die wohl schönste Wohnung in ganz Budapest bei airbnb ausgesucht. Sie ist so wunderschön, ich möchte bitte dort für immer leben. Allein der Boden! Und die hohen Decken! Und die instagram-würdige Einrichtung! Und es gab einen kleinen Balkon zur Straße hinaus und wenn man dort stand, dann sah man die Donau. Ein großer Spaß! Außerdem lagen zwei (ZWEI!) Pokestopps direkt bei der Wohnung, man konnte also auf der Couch liegen und alle fünf Minuten fleißig Pokebälle einsammeln. Konnte man. Hat man natürlich nicht ständig gemacht, weil wir schließlich in Touristen-Mission unterwegs waren.




Natürlich war nicht nur unsere Wohnung ein Augenschmaus. Auch Budapest selbst besticht durch seinen bunten Mix der Epochen. Was für ein schöner Satz, der könnte auch in einem Reiseführer stehen.




Bei verfallenen Häusern und Ruinen wird mein Münchner Immobilienherz ja immer ganz unruhig und überlegt, wie viele Leute dort eigentlich wohnen könnte, weswegen man mich von solchen Stätten und Städten besser fernhält. In Budapest war das aber okay. Da passte das irgendwie. Insbesondere die ganzen verfallenen Hinterhöfe, die als Parkplätze oder hippe Burger-Restaurant-Flächen genutzt wurden, fand ich doch sehr nett.



Wir liefen meist ohne großen Plan durch die kleine Stadt, weil es für Pläne viel zu heiß war. Herr Gatsby hat sich heimlich nur gewünscht, so viele Buchläden wie nur möglich zu betreten, was wir auch taten, was dazu führte, dass ich leise vor mich hinweinte, weil, was soll ich denn mit ungarischen Büchern? Eine Erkenntnis konnte ich aber mitnehmen: Was haben wir in Deutschland doch für wunderschöne Buchcover! Lobet und preiset die Verlage dafür! 


Wenn es einen Plan gab, dann betraf dieser meistens das Essen. Essen ist schließlich wichtig und das großartige Weiße-Schokolade-Lavendel-Eis in Rosenform würde ich jetzt gerne auch wieder schnabulieren. Palatschinken gab es selbstverständlich auch. Und Gyros. Sehr viel. Denn irgendwann wird man vom vielen planlosen Laufen so faul, dass man abends nur noch zum nächsten Imbissladen läuft, um sich Gyros für ein Couch-Abendessen mitzunehmen. Was ich auch gegessen habe: Einen Ziegenkäse-Burger ohne Fleisch, weil ich nicht fähig war, die Speisekarte zu verstehen und wenn da "Ziegenkäse-Burger" steht, dann kann das schon mal bedeutet, dass man ein riesiges Stück Ziegenkäse kriegt. Punkt. War aber lecker. Außerdem noch Gulasch, aber bei Menza, was das ganze bestimmt weniger authentisch macht. Was ich nicht gegessen habe: Lángos. Aber das ist doch ein Grund, bald mal wieder nach Budapest zu fahren, oder?


Pro-Tipp! Wenn ihr in Budapest seid, fahrt mit der M1. Beste U-Bahn ever. Älteste U-Bahn auf dem europäischen Kontintent. Liegt gefühlt einen Meter unter der Straßenoberfläche. Ein großer Spaß! Außerdem kommt man damit ins Stadtwäldchen, von wo aus man angeblich in den Zoo gucken kann, was aber nach meiner örtlichen Recherche gar nicht geht. Dafür gibt es eine lustige Burg, man kann auf dem Rasen sitzen und lesen und sich vom vielen Laufen erholen. 


Dinge, für die Ungarn anscheinend berühmt ist: Der Zauberwürfel und Columbo. Weil Columbo einen Hund dabei hat, ist das auch irgendwie in Ordnung. Direkt gegenüber vom Hund befand sich unsere Wohnung. Überhaupt gab es in Budapest viel zu viele großartige Hunde, die ich alle gerne eingepackt hätte. 



Eigentlich hatten wir vor ins Terror Háza (Haus des Terrors) zu gehen, aber wenn man Pläne macht, dann macht man das doch nie. Oder so ähnlich. Und man muss sich ja noch Dinge aufheben, die man beim nächsten Städtebesuch machen kann.


Stattdessen waren wir im Literaturmuseum. Wenn man kein Ungarisch kann, ist die Daueraustellung zu Sándor Petőfi ein wenig ... unverständlich. Aber das passte wenigstens zum Kauf der Karten, denn die Kassenfrau war anscheinend ein wenig überfordert damit, dass Herr Gatsby einen Studentenausweis hat, ich aber nicht. It's magic! Dafür gab es eine Ausstellung zu Essen in der Literatur und eine über Drachen. Da konnte man sich einen Drachen stempeln! Der Spaß meines Lebens! Ja, es war eine Ausstellung für Kinder. Nein, ich sehe da gar kein Problem. 



Den Burgpalast auf dem Burgberg im Burgviertel haben wir uns auch angesehen. Von außen. Vorher liefen wir Hunderte von Kilometern zu einem Saturn, weil Herr Gatsby ungarische Filme kaufen wollte. Leider war der Ausflug nicht von Erfolg gekrönt, aber ich weiß jetzt, dass es in ungarischen Saturn-Filialen dieselben Dinge gibt wie in deutschen Filialen. Und mit dem Umrechnungskurs von Forint werde ich niemals klar kommen. 



Der beste Ausblick. Auf der Margareteninsel saßen wir meistens am Abend auf einer Bank und lasen. Das Ganze wurde in meinem Fall ein Hardcore-Lesemarathon, weil ich unbedingt "Der Jonas-Komplex" beenden wollte, aber das Licht der Straßenlaternen nicht mehr dafür ausreichte. Vielleicht habe ich also auf den letzten Seiten auch nur noch Unsinn gelesen ...
Ich würde mich aber jederzeit wieder dort niederlassen und lesen. Denn wenn man einen guten Leseort gefunden hat, dann muss man sich den merken. Deswegen fahren wir sicherlich mal wieder nach Budapest. 

Wart ihr schon mal in Budapest? Hab ich etwas ganz wichtiges verpasst? 

Samstag, 5. November 2016

Neu im Bücherregal - Die Oktober-Bücher 2016

Bei Instagram Stories konnte man mein Leid mit der Bücherkauf-Liste im Oktober schon bestaunen. Vielleicht ist "Leid" das falsche Wort. Vergesslichkeit trifft es wohl eher. Angeblich habe ich im Oktober einen Irving erworben, höchstwahrscheinlich aus dem Bücherschrank. Ich wüsste aber nicht, welches Irving-Buch das sein sollte. Würde ich meine Liste ordentlich führen, wäre das jetzt kein Problem. Aber nein. Ich kritzel da irgendwelche Wörter hin, vergesse die Hälfte und wundere mich dann, warum es ewig dauert, alle Bücher aus dem vergangenen Monat für ein Foto zusammenzusammeln. Ein schönes Wort. Zusammensammeln. Weitere Gedankengänge in diesem Zusammenhang: Gibt es ein Verb für die Tätigkeit, bei Instagram Stories ein Video aufzunehmen? Heißt es überhaupt Instagram Stories oder benutzt man da die Einzahl? Da ich zu faul bin, diese Frage bei Google einzugeben, müsst ihr jetzt einfach mit Instagram Stories leben. Und ohne dazu passendes Verb. Das macht mich ein wenig traurig. Deswegen zur Aufmunterung: All die schönen Bücher, die im Oktober neu bei mir eingezogen sind. Formschön präsentiert in einer Weinkiste, die auf meinem Balkon steht, weswegen ich für dieses Foto auf dem kalten Balkonboden lag. 


Since you've been gone von Morgan Matson. Wenn andere Leute ihre Bücher aussortieren, bin ich gerne zur Stelle. So auch in diesem Fall. Ein Dank an die edle Spenderin. Englische Jugendromane gehen immer. Und nach Jenny Han (wenn ich einen 48-Stunden-Tag bekomme, folgt auch bald eine Rezension zu den beiden Büchern) brauche ich neuen, leichten Teenie-Stoff. Außerdem singt mein Kopf immer das Lied von Kelly Clarkson, wenn ich den Titel sehe. 

Morgen mehr von Tilman Rammstedt. Vor fast einem Jahr wurde beim #bookup im Hanser Verlag das Projekt "Ich schreibe einen Roman und ihr könnt jeden Tag dabei sein!" von Tilman Rammstedt vorgestellt. Schon damals fand ich das ganz nett, aber für einen finalen Kauf bzw. den Abschluss eines Abos hat meine Begeisterung dann doch immer nicht gereicht. Anfang des Monats gab es dann einen Livestream mit dem Autor und ich wurde quasi gedrängt, das Buch käuflich zu erwerben, weil man mich damit lockte, dass im Online-Shop noch signierte Exemplare vorhanden wären. Und Bücher, in die jemand reingekritzelt hat, sind besonders großartig.

Tage mit Leuchtkäfern von Zoe Hagen. Es folgen: Drei Bücher, die in meinem Halloween-Wichtelpaket waren. Überhaupt war das Wichtelpaket eine Quell der Freude,, aber insbesondere über die Bücher habe ich mich sehr gefreut, weil das alles Titel waren, die ich vor Ewigkeiten auf meinen Wunschzettel gesetzt, aber dann wieder vergessen habe. So auch die Leuchtkäfer. Und die schmalen Bücher sind die perfekte S-Bahn-Lektüre. Sofern ich denn in der S-Bahn mal wieder lesen würde ...

Hertzmann's Coffee von Vanessa F. Fogel. Eine Familiengeschichte mit New York und Kaffee und dem Bruch zwischen der Eltern- und der Kindergeneration. Das klingt doch schon mal sehr nett. Überhaupt habe ich derzeit einen kleinen Faible für New York (I blame you, New York Diaries!). Heimlich, still und leise überlege ich ja, ob ich eine große Spardose aufstelle, um Ende 2017 nach New York zu fliegen. So wie Millionen anderer Deutsche – Christmas Shopping in New York. 

Der Himmel über uns von Favel Parrett. "Das Meer kennt keinen Anfang und kein Ende." ♥ Erst konnte ich das Buch gar nicht zuordnen, aber dann habe ich festgestellt, dass ich einfach nur die Hardcover-Ausgabe auf meinem Wunschzettel hatte und dort war ein niedlicher Pinguin abgebildet. Hier zwar auch, aber eine andere Art von Pinguin. Seefahrer-Geschichten gehen aber eh immer. Egal, ob mit oder ohne Pinguin.

Johnny und Jean von Teresa Präauer. Während Frau Präauer bereits mit ihrem neuen Buch "Oh Schimmi." in aller Munde ist, bin ich zwei Jahre im Rückstand und beschäftige mich erst einmal mit "Johnny und Jean". Das ist ja das praktische an Büchern. Sie beginnen nicht zu schimmeln, wenn man sie erst nach Jahren liest. Außer man lagert sie in einem feuchten Keller. 

Dienstag, 1. November 2016

Fotobreze - Oktober 2016

Ha! Da staunt ihr! Und ich erst! Der Oktober hat wirklich ein paar mehr Fotos hervorgebracht als der gemeine September. War ja auch viel los. Buchmesse, baby! Und hauptsächlich wurde wohl gegessen. Alles wie immer also. Außerdem finde ich die Zeitumstellung doof. Es ist erst 17 Uhr und bereits dunkel. Was ist das für 1 Zeit?



// Dogcontent 1: Durch den väterlichen Geburtstag wurde auch der Hund mal wieder besucht. So eine feine, alte Dame //
// Dogcontent 2: Bester Snapchat-Filter //
// Mein großartiges Halloween-Wichtel-Paket erfreut mich immer noch gar sehr //


// Sehen Sie hier: Das allererste Lamm //
// Ursula Poznanski und Arno Strobel sitzen in unserem Livestream-Wohnzimmer. Schon schick //
// Sonntagswaffelglück. Es sollte viel öfter Waffeln geben //


// Dieses Frankfurt. Überall hohe Häuser und Banken, aber keine funktionierenden Bankautomaten! //
// Mit diesen Fotos sollten wir unbedingt die Reise nach Flandern gewinnen //
// Höhö //


// Und da guckt man sich die Instagram Stories der Buchmesse so an und es geht um Jutebeutel und man denkt noch "Wie lustig es doch wäre, wenn da jetzt ein LB-Beute auftaucht" und plötzlich passiert das und es ist auch noch meiner! //
// Sascha Lobo gesehen. Denis Scheck auch. Damit habe ich das Buchmessen-Bingo quasi durchgespielt //
// Kann ich bitte noch einmal Miffy streicheln? //

Sonntag, 16. Oktober 2016

Ein neues Bücherregal und andere schöne Dinge.

Seit knapp drei Jahre (wir feiern das Jubiläum dann im Februar oder so) wohnen Herr Gatsby nun in unserer Wohnung und wir mögen diese immer noch gar sehr. Trotzdem gibt es Dinge, an denen man sich irgendwann satt gesehen hat. In meinem Fall war das die rote Wand im Wohnzimmer, die wir von unseren Vormietern übernommen haben. In Herrn Gatsbys Fall waren das die nicht zusammenpassenden Bücherregale, die in der Bücherecke standen.

Und so entstand der Entschluss, dass es Zeit wäre, das Wohnzimmer zu verändern. Ich machte einen Ausflug in den Baumarkt und suchte eine schicke Wandfarbe (erst tendierte ich zu einer grauen Farbe, dann eher zu einem grau-grün oder grau-blau und jetzt ist es doch eher ein petrol mit Hang ins waldgrün geworden. Aber es gefällt mir gar sehr und ich bin begeistert, wie gleichmäßig ich das hinbekommen habe. Naja. Fast), Herr Gatbsy bestellte neue Bücherregale (das ist nicht ganz richtig, wir bestellten zusammen die Bücherregale, aber aus dramaturgischen Gründen muss das jetzt eine Einzelhandlung sein). 15, um genau zu sein. Ja. Fünfzehn. Richtig gelesen. 15 schmale, weiße Billy-Regale. Ein Fest. Dazu kamen noch 15 Aufsätze, um die Deckenhöhe auszunutzen. Und ein paar Extra Regalböden. Und eine fesche Lampe. 

In meinem übertriebenen Aktionismus habe ich direkt nach der Regal-Bestellung alle bisherigen Regale bei ebay Kleinanzeigen eingestellt, was dazu führte, dass wir am nächsten Tag schon alle Regale ausräumen mussten, weil ich sie weiterverkauft habe. Deswegen standen und lagen die Bücher nun eine Woche lange auf dem Boden und im Schlafzimmer. Auch ein Fest. 


Beachtet bitte die noch freien Regalfächer! Wir haben noch freie Regalfächer! Ich kann es gar nicht glauben und möchte sofort in einen Buchladen rennen. Oder Deko-Krams da rein stellen. Wie es Herr Gatsby schon mit seinen Gin-Flaschen getan hat. 


Die Ordnung der Bücher hat sich ein klein wenig geändert. Es fängt an mit den Mischmasch-Büchern (gelesene + ungelesene Bücher von Herrn Gatbsy + meine gelesenen Bücher – ungarische Bücher bzw. Bücher aus dem Ungarischen – meine ungelesenen Bücher)


Aber jetzt. Jetzt ist alles gut und schön und ich bin ein ganz klein wenig verliebt. Eigentlich ein bisschen sehr. Ich habe es mir nämlich ehrlich gesagt nicht so schön vorgestellt, wie es nun in Wirklichkeit ist. Ich hatte nämlich große Angst, dass das Wohnzimmer durch die vielen Regale (15! Beziehungsweise ja 16, weil ein Regal schon da war) zu vollgestopft aussieht. Aber das tut es gar nicht. Und die Ecke! Die Ecke sieht so toll aus. Hat Herr Gatsby ganz gar wunderbar gemacht. 


Für Vorher-Fotos verweise ich auf diesen alten Beitrag. Was man auf den alten Fotos nicht sieht: Im Laufe der Zeit kam noch ein schmales, weißes Billy-Regal neben dem Esstisch hinzu, welches jetzt quasi das rangälteste Regal hier im Wohnzimmer ist. 


Die Fernseh-Ecke war vom Renovierungswahn nicht betroffen, aber die beiden Regalbretter über dem Fernseher sind auch erst im Sommer bei uns eingezogen. 

Was ich mir jetzt noch wünsche: Einen richtigen Lesesessel. Der Poäng ist erstens nicht bequem, zweitens viel zu klein und drittens hat der Bezug auch schon seine besten Tage hinter sich gebracht. Doch dieser Wunsch musst erstmal ein wenig warten. Denn – 15 Bücherregale kaufen ist gar nicht mal so günstig. Außerdem habe ich so absurde Ansprüche an einen Lesesessel, dass die Suche danach sicherlich noch eine Weile dauern wird. 



Langfristig hätte ich auch gerne noch einen anderen Esstisch, aber das kann auch erstmal warten. Erst einmal bewundere ich unser Werk und erfreue mich am Geruch der neuen Möbeln. Das ist so ähnlich wie bei einem neuen Auto. Es macht ein bisschen süchtig. Und setzt Glückshormone frei.

Sonntag, 2. Oktober 2016

Neu im Bücherregal - Die September-Bücher 2016

Zur Feier des ersten Oktoberwochenendes habe ich meine Teekanne reaktiviert und Tee gekocht. Schockierenderweise habe ich nämlich in den letzten Monaten so gut wie gar keinen Tee getrunken. Stattdessen kam es manchmal vor, dass ich zwei (ZWEI!) Tassen Kaffee in der Arbeit getrunken habe. Verrückte Welt. Auf Fotos mit Büchern macht sich eine Teekanne aber immer noch am besten. Das behaupte ich jetzt einfach. Auch aus dem Grund, weil ich gar keine Möglichkeit habe, daheim Kaffee herzustellen. Den Krümmel-Instant-Kaffee will ja immer niemand als richtigen Kaffee bezeichnen. 

Ich trinke nun also wieder Tee (Saisonstart mit Earl Grey tea with lavendel von HEMA, ein gar vorzüglicher Tee) und berichte voller Scham und trotzdem erfreut, welche Bücher im September bei mir eingezogen sind.


Die Forsyte-Saga (Band 1 - 3) von John Galsworthy. Ich habe keine Ahnung, um was es in diesen backsteinähnlichen Büchern geht. Herr Gatsby hat sie mir bei unserem letzten Ausflug zum Bücherschrank in die Hand gedrückt (nur den ersten Band, weil alle drei Bände kann man gleichzeitig gar nicht halten) und meinte "Hier, das ist was für dich!". Und wer wäre ich, wenn ich dem widersprechen würde. Der Klappentext verrät mir, dass Herr Galsworthy den Literaturnobelpreis erhalten hat. Außerdem findet sich im Inneren der Bücher ein beeindruckender Stammbaum der Familie Forsyte. Ich höre leise "Downton Abbey!!!" rufen und deswegen durften die Bücher auch erst einmal mit. Wann der Tag kommt, da ich mich hinsetze und über 2400 Seiten lesen werde, ... nun ja.

Das Bild aus meinem Traum von Antoine Laurain. Überraschungspost ist die beste Post. Deswegen hüpfte mein Herz auch vor Freude, als ich das Paket vom Atlantik Verlag vor einiger Zeit öffnete. Bisher habe ich keines der Bücher von Antoine Laurain gelesen, aber wenn er mir sogar eine Grußbotschaft schreibt, sollte ich mich schon mal hinsetzen und sein Buch lesen, oder?

Rebel Belle von Rachel Hawkins. Wenn ich schon dabei bin, mich wieder in englischsprachigen Jugendbüchern zu ertränken, dann kann ich auch diese Schönheit kaufen. Irgendwann habe ich "Rebel Belle" bei Instagram entdeckt, ich weiß noch nicht ganz genau, um was es nun geht, aber hey - kämpfende Südstaatenschönheiten klingen doch grundsätzlich ganz nett.

To all the boys I've loved before von Jenny Han. Bei englischen Büchern bin ich lesetempomäßig immer etwas langsamer, weil es doch einen Unterschied macht, ob man einen Satz wirklich liest oder nur darüber hinwegfliegt (wozu ich leider bei deutschen Büchern manchmal neige). "To all the boys I've loved before" habe ich aber weginhaliert wie ansonsten nur mein Nasenspray wenn ich Schnupfen habe. Oh, Jenny Han! Was hast du nur mit mir gemacht? Ich bin fürchterlich verliebt in die Song girls. Deswegen steht für mich auch die Beziehung zwischen den drei Schwestern viel mehr im Mittelpunkt als die Liebesgeschichte(n). 

P.S. I still love you von Jenny Han. Nachdem ich den ersten Teil gelesen habe, hatte ich das dringende Bedürfnis SOFORT die Fortsetzung zu verschlingen. Aufgrund der Tatsache, dass das Buch aber im örtlichen Buchhandel nicht vorrätig war, musste sich mein Buchhunger gedulden. Jetzt steht es hier und ich kann es nicht direkt lesen, weil ich gerade gefühlt zehn andere Bücher gleichzeitig lese und ich wenigstens eines davon beenden will, bevor ich mit "P.S. I still love you" weitermache. 

Die Welt im Rücken von Thomas Melle. Wenn ich schon ständig behaupte, dass dieses Buch mein Favorit aus der Shortlist des Deutschen Buchpreises ist, dann kann ich doch nicht einfach im Buchladen daran vorbeilaufen als wäre nix. Eben. Und deswegen wohnt Herr Melle jetzt hier. Ich habe auch schon mit der Lektüre angefangen und .... uff. Harte Kost. Gute, harte Kost. Die Art von anstrengend, die den Kopf ganz fiebrig macht, weil man nachdenken muss. Gefällt. 

Boy von Wytske Versteeg. Wieder so ein Buch, welches ich mit komplett falschen Bildern im Kopf gekauft habe. Und trotzdem freue ich mich sehr darüber. In meinem Kopf handelte es sich hierbei nämlich um ein Jugendbuch. Ich glaube, das liegt daran, dass ich immer an "Eins" von Sarah Crossan denken musste. Nichtsdestotrotz klingt der Klappentext mit der Geschichte eines afrikanischen Jungen, der adoptiert wird, schon mal recht gut. Und auch  nicht so klischeebeladen. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Samstag, 1. Oktober 2016

Fotobreze - September 2016

Oh Schreck! Der September, der ist weg! Dafür ist nun Oktober und das ist schon ein bisschen verrückt, wenn man mit T-Shirt und Stoffschuhen draußen in der Sonne herumhüpfen und dabei Kastanien sammeln kann. Etwas ähnliches muss ich wohl auch im September gemacht haben, denn das virtuelle Fotoalbum ist sehr spärlich nur besetzt. Auf dem Oktober lasten nun hohe Ansprüche. In 30 Tagen sehen wir, ob er ihnen standhalten konnte. Oder so ähnlich.


// Ich bin immer noch gegen Gin. Da kann selbst das Bild an der Wand nichts gegen ausrichten //
// Ein Blümlein steht auf dem Tische, ganz still und stumm //
// Herr Alex Capus erzählt gestenreich von seiner Arbeit als Schriftsteller und Barbesitzer //


// Ausgewogenes Mittagessen kann ich //
// Dem Dachs schmeckt es auch //
// Und für eine Breze bin ich immer zu haben //

Sonntag, 25. September 2016

Vier Bücher für ... die letzten Sommertage.

Na, Hallo! Was bist denn du? Doch nicht etwa ein neuer Beitrag in der jungfräulichen "Vier Bücher für ..."-Kategorie, die ich mit viel Applaus eingeführt und dann vernachlässigt habe? Das ist auch der Grund, warum ich kein Haustier habe. Oder warum es gut ist, dass sich Herr Gatsby auch um sich selber kümmern kann.

Naja. Jedenfalls. Es ist Ende September und draußen scheint die Sonne. 20 Grad, liebe Kinder! T-Shirt-Wetter! Es gibt nichts besseres als sich übers Wetter zu unterhalten, wenn man nicht weiß, über was man sich unterhalten soll. Um dem entgegenzuwirken sprechen wir lieber über Bücher. Und zwar Bücher, die perfekt zum Wetter passen. Ist das ein Fall für "Zwei Fliegen, eine Klappe"? Die nachfolgenden vier Bücher eignen sich auf jeden Fall vorzüglich dafür, das Sommergefühl in die Länge zu ziehen. Oder auch, um das Fernweh nach dem nächsten Urlaubsziel zu vergrößern. Und wenn nächste Woche doch der richtige Herbst hier einzieht, können wir uns immer noch das Gefühl der Sonnenstrahlen auf unserer Haut ins Gedächtnis rufen, während wir eingemummelt mit Decke und Tee auf der Couch liegen. 

Hier nun also:


Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier.
Es ist schon sehr lange her, da ist dieses Buch gelesen habe. Ich habe auch erst den Film gesehen, vielleicht hat mich das stark beeinflusst, weil ich gar kein wirkliches Bild von Lissabon in meinem Kopf habe, ich war da noch nie. Aber "Nachtzug nach Lissabon" ist wohl eines der Bücher, bei deren Erwähnung ich mich am liebsten in den nächsten Zug setzen möchte, um nach Lissabon zu fahren. Wenn das mal nicht nach einem verlängerten Sommer schreit.  
Originalausgabe - Erschienen bei btb - April 2006
New York Diaries – Claire von Ally Taylor.
Da ich "Mein bester letzter Sommer" nicht schon wieder in diese Kategorie einbauen kann (warum eigentlich nicht?), nehm ich einfach ein anderes Buch der Autorin. Ally Taylor ist nämlich ein Pseudonym von Anne Freytag. Und "New York Diaries – Claire", welches ich erst heute beendet habe, ist der erste Band einer neuen Reihe, die sich um ein heruntergekommenes Gebäude in New York dreht. Beziehungsweise um dessen Bewohner. Bei Claire findet man alle Irrungen und Wirrungen, die zu einer Liebesgeschichte in New York gehören. Und natürlich ist es heiß. Sowohl temperaturmäßig als auch zwischenmenschlich. Und ich packe meinen Koffer, sobald mein Sparschwein dick genug ist, um endlich mal nach New York zu kommen ... 
Originalausgabe - Erschienen bei Knaur - Oktober 2016
Die vier Jahreszeiten des Sommers von Grégoire Delacourt.
Ein Sommer. Ein Strand. Ein nordfranzösischer Badeort. Viermal geht es um die Liebe. Viermal zeigt sie sich in ihren unterschiedlichen Facetten. Die erste Liebe. Die letzte Liebe. Herzschmerz. Leidenschaft. Dieses Buch strotzt vor Gegensätzen und Schattierungen. Die perfekte (Sommer-)Lektüre für alle, die wissen, dass Liebe mehr ist als das happy end im Märchen. Und durch die Prise Meer ein fantastischer Sommerverlängerer. 
Originaltitel: Les quatre saisons de l'été - Aus dem Französischen von Claudia Steinitz - Erschienen bei Atlantik - Juli 2016
Jeden Tag, jede Stunde von Nataša Dragnić.
Seit "Bora" kann ich nicht genug von kroatischen Meer-Büchern bekommen. Nataša Dragnić liefert genau den Stoff, den ich brauche. Es gibt Meer, es gibt Strand, es gibt Leidenschaft und Leben. Es gibt eine Liebe, die den Widrigkeiten des Lebens trotzt und daran scheitert. Solche Bücher brauche ich, um durch den dunklen Herbst zu kommen. Um mich auf eine Insel zu träumen und zwischen den Seiten zu zergehen. 
Originalausgabe - Erschienen bei btb - Mai 2012

Freitag, 23. September 2016

Deutscher Buchpreis 2016 - Die Shortlist #dbp16

Die Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2016 ist da! Gut. Schon seit Dienstag, aber hey! Berufstätige Menschen können nicht alles stehen und liegen lassen, um einen ausgefeilten Blogbeitrag über die Shortlist zu schreiben. Also. Andere können das bestimmt. Ich kann das nicht. Deswegen ist heute Freitag und die Neuigkeiten sind gar nicht mehr so neu, aber noch längst nicht alt.

Dieses Jahr haben es zwei meiner Favoriten auf die Shortlist geschafft. Wenn ich jetzt den Gewinner vorhersagen müsste, würde ich weiterhin auf "Die Welt im Rücken" von Thomas Melle setzen. Und ihr so? Auf welches Bücherpferd setzt ihr euer Jahresgehalt? 

Für die visuellen Menschen hier ein Überblick:


Für schriftliche Menschen hier ein Überblick:

Fremde Seele, dunkler Wald von Reinhard Kaiser-Mühlecker.
Das Buch steht sogar auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises. Verrückt. Die Leseprobe hat mich nicht so gezeigt und ich bleib erstmal bei diesem Urteil, bis ich vom Gegenteil überzeugt werde.

Widerfahrnis von Bodo Kirchhoff.
Als Freundin der Frankfurter Verlagsanstalt freut es mich gar sehr, dass ein Buch aus diesem Hause auf der Shortlist steht. Und weil es um eine Fahrt Richtung Süden geht, möchte ich es auch weiterhin gerne lesen.

Skizze eines Sommers von André Kubiczek.
Wenn ich das Cover nochmal genauer angucke, erinnert es mich irgendwie an die Graphic Novel "Rein in die Fluten!". Hauptsache blau. Weiterer Erinnerungspunkt: Der Klappentext klingt ein bisschen nach "Tschick", aber "Tschick" mochte ich gar nicht so gerne (Entschuldigung). Trotzdem möchte ich in die Sommerskizzen reinlesen.

Die Welt im Rücken von Thomas Melle.
Yay! Mein Favorit hat es auf die Shortlist geschafft! Ich möchte auch weiterhin bitte, dass Herr Melle gewinnt. Auf meiner imaginären Leseliste ist "3000 Euro" auf jeden Fall schon auf Platz 1 vorgerückt. Wenn ich denn dann mal meine anderen angefangenen Bücher mal beende.

Ein langes Jahr von Eva Schmidt. 
Da weiß ich leider weiterhin nicht, was ich davon halten soll. Die Leseprobe war irgendwie so nichtssagend. Hat jemand das Buch schon gelesen? Kann man mir einen besseren Eindruck verschaffen?

Hool von Philipp Winkler. 
Von meinem "Vielleicht weiterlesen"-Urteil bin ich jetzt auf ein "Ja, lesen!"-Urteil hochgesprungen. Das ist doch auch mal was. Die Umsetzung dieses Planes kann sich aber noch ein wenig ziehen.

Sonntag, 11. September 2016

Der Jonas-Komplex von Thomas Glavinic


Originalausgabe - Erschienen bei S. FISCHER - 2016

Ein Jahr im Leben eines Wiener Schriftstellers, zwischen Drogen, Alkohol und Frauen. Ein Abenteuer, das Jonas und seine große Liebe Marie bis zum Südpol führen soll. Und ein dreizehnjähriger Junge, der leidenschaftlich Schach spielt, um seinem Alltag zu entfliehen. Dazu Nebenfiguren wie aus einem Tarantino-Film: Ein Anwalt der Hells Angels, ein WingTsun-Großmeister und eine Mörderin, die die Leichen ihrer Liebhaber mit einer Kettensäge zerlegt. Die wirkliche Welt trifft auf die Sehnsucht nach einem anderen Leben. Und Thomas Glavinic gelingt das große Kunststück, all das in einen mitreißenden Roman über die entscheidenden Fragen zu verwandeln: Wer will ich sein? Und habe ich den Mut, die richtigen Entscheidungen dafür zu treffen?

Hallo, mein Name ist Marina und ich bin ein Glavinic-Fangirl. Trotzdem hat es eine Weile gedauert, bis ich mich an das neue Werk herangetraut habe. Oder vielleicht gerade deswegen. "Das größere Wunder" ist eines meiner Lieblingsbücher, wobei "Die Arbeit der Nacht" wohl noch eine Treppenstufe darüber steht. Bei so viel Vorschusslorbeeren kann man schon mal vor Ehrfurcht erstarren und das Buch einfach nur im Regal stehen haben. Doch eine sieben Stunden lange Zugfahrt eignet sich vorzüglich dafür, ein Buch aus dem Olymp herunterzuholen. Oder so ähnlich.

"Der Jonas-Komplex" also. Jonas, unser aller Lieblingsprotagonist, der dieses Mal nicht nur denselben Namen wie der Protagonist aus "Das größere Wunder" hat, sondern auch eben jene Figur ist, steht nach der (Nicht-)Besteigung des Mount Everest vor der nächsten Herausforderung. Marie möchte gemeinsam mit ihm zum Südpol. Obwohl Jonas vor keinem noch so großen Abenteuer zurückschreckt, hat er dieses Mal doch kein gutes Gefühl bei der Sache. Warum zum Südpol? Warum nur die beiden ohne Guide? Um diesen Fragen zu entfliehen, lässt sich Jonas von seinem Anwalt verstecken. Immer wieder wacht er an unbekannten Orten auf und versucht von dort aus nach Hause zu kommen. Auch eine Art, sich auf eine Südpol-Expedition vorzubereiten. Denn von dieser lässt sich Marie nicht abbringen. Und so ziehen die beiden doch noch los.

Weststeiermark. 1985. Eine andere Geschichte. Kein Jonas, nirgends. Dafür ein Junge, der bei einer Frau lebt. Ein Außenseiter. Ein Schachspieler. Die Frau, vom Jungen Uriella genannt, bringt jeden Abend einen anderen Mann mit nach Hause. Vom Jungen selbst bekommt sie in ihrem Alkohlrausch nur selten etwas mit. Der entflieht dem Alltag durch sein Schachbrett. Und durch die kurze Freundschaft mit Baby, einem alten Mann, der Angst hat. Ein Baby eben.

Die dritte Handlungsebene – die Geschichte eines Wiener Schriftstellers. Ein Jahr lang erleben wir seinen Drogenkonsum hautnah mit, denn das ist wohl der Hauptbestandteil dieser Episoden. Drogen. Er führt Buch darüber, an welchen Tagen er keine Drogen genommen, keinen Alkohol getrunken hat. Er wacht verkatert neben fremden nackten Frauen auf. Er reist in die USA, nach Rom, kümmert sich liebevoll um seinen Sohn, besucht eine Mörderin im Gefängnis und landet im Krankenhaus.

"Die Tür geht auf. Ein Arzt tritt ans Bett und gibt mir die Hand. 'Schöne Bücher', sagt er. 'Schlechter Lebenswandel.'" (S. 621)

Wer Thomas Glavinic im Internet verfolgt, der kommt nicht umhin, die eine oder andere Parallele zwischen diesem Wiener Schriftsteller und dem Autor selbst zu ziehen. Schon in "Das bin doch ich" verschwammen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, in "Der Jonas-Komplex" geht das Ganze noch eine Stufe weiter. Vielleicht empfinde ich das auch nur so, weil ich seitdem über Thomas Glavinic weiß. Weil ich im intensiver folge. Vielleicht ist das aber auch alles nur Fassade. Vielleicht sind all die Instagram-Bilder, all die Facebook-Posts nur gestellt, damit die Realität zur Fiktion passt. Wer weiß. Ich will auch gar nicht wissen, wie viel vom echten Thomas Glavinic in "Der Jonas-Komplex" steckt. Das Buch funktioniert auch ohne dieses Wissen. Und es funktioniert. Jedenfalls streckenweise.

Oberflächlich betrachtet haben die drei Geschichten nichts miteinander zu tun. Ich selbst würde behaupten, es geht ums Suchen. Um das Suchen nach der eigenen Identität, nach einem Zuhause, nach einem anderen Leben. Und deswegen passt für mich der schachspielende Junge nicht richtig rein. Diese Passagen haben mich beim Lesen immer herausgerissen, was auch daran liegt, dass ich neunmalkluge Kinder in Büchern immer furchtbar anstrengend finde. Der Junge sucht nicht oder wenn, dann steht er erst am Anfang einer Suche. Er bleibt passiv und bleich, im Gegensatz zu den anderen zwei Geschichten langweilt mich hier der Protagonist. Vielleicht ist das als Kontrast zu dem Extrem-Abenteurer Jonas und dem Extrem-Schriftsteller ganz in Ordnung.

Für mich kommt "Der Jonas-Komplex" nicht ganz an Bücher wie "Die Arbeit der Nacht" oder "Das größere Wunder" heran. Trotzdem ist es herrlich, Thomas Glavinic beim Bearbeiten des Stoffs zuzusehen. Und ein Bearbeiten ist es, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich sehe einen Thomas Glavinic vor mir, der einen Felsen mit Hammer und Meißel bearbeiten, um daraus ein Buch zu formen. Das ist gelungen. Mit Ecken und Kanten, aber gelungen.

(Eine Anekdote am Rande. Ich hab das Buch nicht während der Zugfahrt beendet, sondern einige Tage später, als wir Abends in Budapest auf der Margareteninsel saßen. Das war dann ein schierer Gewaltakt, weil es so früh dunkel wurde, ich das Buch aber unbedingt noch fertig lesen wollte. Was dann dazu führte, dass ich mich auf der Parkbank komplett verrenkt habe, um im Schein der Straßenlaterne noch etwas erkennen zu können ...) 

Sonntag, 4. September 2016

Neu im Bücherregal - Die August-Bücher 2016

Acht kleine Bücher, die wohnen jetzt neu bei mir. Diesen Satz solltet ihr bitte mit der Melodie von "Zehn kleine Negerlein" in eurem Kopf singen. Oder doch lieber "Zehn kleine Jägermeister". Mit ein bisschen Fantasie passt das auch in die Melodie. Bei mir tut es das jedenfalls. Wie es schon wieder so viele Bücher sein konnten, die ich im August gekauft oder anderweitig erhalten habe, das weiß ich selber nicht. Statt einem Buchkaufverbot sollte ich wohl eher über eine Bücherregaloptimierung nachdenken. Vielleicht muss ich mal wieder radikal ausmisten. Mit dem Ergebnis, dass ich mich von zwei Büchern trenne. Ich kenn mich doch.

Habt ihr eins der August-Bücher schon gelesen? Und Hand aufs Herz – Wie viele neue Bücher sind im August bei euch eingezogen? Lasst mich hier nicht allein blank ziehen!