Sonntag, 17. September 2017

Deutscher Buchpreis 2017 - Die Shortlist #dbp17


Am 12.September wurde die Shortlist des Deutschen Buchpreises bekanntgegeben und damit die Liste der Titel von 20 auf 6 reduziert. Bei der eh sehr geringen Anzahl von Titeln, die ich für interessant/gut befunden habe, bin ich schon davon ausgegangen, dass es nicht viele meiner Favoriten auf die endgültige Shortlist schaffen. Und auch, wenn ich doch wenigstens zwei Titel richtig getippt habe, bin ich vom Rest der Liste doch wenig begeistert. Wie konnte man nur „Walter Nowak bleibt liegen“ vergessen? Mein Herz blutet gar sehr. 

Nichtsdestotrotz folgt nun ein zweites kurzes Fazit zu den sechs Titeln der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2017. Sind eure Favoriten noch mit dabei? Und welchem der Titel räumt ihr die größten Gewinn-Chancen ein?

Romeo oder Julia von Gerhard Falkner.
Nummer 1 meiner richtigen Tipps und mein klarer Gewinner-Favorit. Das liegt auch daran, dass ich mir das Buch nun gekauft habe und mitten in der Lektüre stecke. Meine Begeisterung für diese herrlich abstruse Geschichte bleibt bestehen.

Das Floß der Medusa von Franzobel.
Nummer 2 meiner richtigen Tipps. Ich könnte mir vorstellen, dass das Buch gewinnt, weil es historisch das Thema „Flüchtlinge“ betrachtet und man es gut als Allegorie für die heutige Situation im Mittelmeer benutzen könnte.

Schlafende Sonne von Thomas Lehr.
Eh. Ja. Ist das der Platzhalter für ein literarisch so abgedrehtes Buch, dass sich das Feuilleton fröhlich auf die Schulter klopfen kann? Mit der Leseprobe konnte ich so überhaupt gar nichts anfangen, deswegen bin ich wirklich sehr verwirrt, wie es das Buch auf die Shortlist schaffen konnte. Ist die Leseprobe vielleicht einfach nur falsch gewählt und eigentlich steckt da ein Meisterwerk dahinter?

Die Hauptstadt von Robert Menasse.
Auch hier versteh ich die Juryentscheidung nicht so richtig. Vielleicht war es der Gedankengang „Höhö, bei ‚Hauptstadt‘ denkt jeder, es ginge um Berlin und Berlin zieht immer und dann ist es aber Brüssel und alle schlagen sich mit der Hand gegen die Stirn und  sagen ‚Oh, stimmt! Brüssel ist auch irgendwie eine Hauptstadt! Für Europa! Und Europa ist wichtig!“. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht sind Schweine einfach das literarische Tier der Saison.

Die Kieferninseln von Marion Poschmann. 
Oh, Entschuldigung. Ich bin gerade eingeschlafen. Um was ging es nochmal? Bärtige Forscher, die nach Japan fliegen, um der Mid-Life-Crisis zu entgehen? Gähn.

Außer sich von Sasha Marianna Salzmann.
Das war ja sowas von klar. Das Buch, welches ich abgebrochen habe, landet auf der Shortlist. Ich bin so kurz davor, dass ich die mir fehlenden 100 Seiten doch noch lese, um das Buch wenigstens als „gelesen“ markieren zu können. Und wenn das Buch gewinnt, kann mir dann einer der Leser erklären, um was es überhaupt geht und warum das alles nicht in meinen Kopf geht? Danke.

Sonntag, 10. September 2017

Vier Bücher für ... eine alternative Longlist zum Deutschen Buchpreis 2017.

Es ist Tradition, dass nach Bekanntgabe der Longlist zum Deutschen Buchpreis die Entscheidung der Jury in Frage gestellt wird. Eine perfekte Liste, die alle Buchwünsche erfüllt, kann es nicht geben. Die Jury hat die Aufgabe aus den unzähligen Neuerscheinungen in deutschsprachigen Raum die 20 Bücher auszusuchen, die auf irgendeine Art und Weise herausstechen, besonders sind, den Leser fordern, unterhalten. Das gelingt mal weniger, mal mehr. Am Ende ist es eben doch eine subjektive Entscheidung. 

Deswegen habe ich mir erlaubt, einige Gegenvorschläge zusammenzusuchen. Die Kriterien: Die Bücher müssen zwischen Oktober 2016 und September 2017 erschienen sein, es gelten nur deutschsprachige Originalausgaben, die Bücher dürfen nicht auf der echten Longlist stehen UND ich muss das Buch gelesen (und für gut befunden) haben.

Hier nun also meine Vorschläge für eine alternative Longlist zum Deutschen Buchpreis 2017:



Jürgen von Heinz Strunk
„Jürgen“ von Heinz Strunk ist der perfekte Beziehungsratgeber für alle Singles und die, die es noch werden möchten und hat deswegen selbstverständlich einen Platz auf der Longlist des Deutschen Buchpreises verdient. „Merke: Ein fröhlicher Handschlag ist mehr wert als ein trauriges Küsschen!“ (Seite 10) – Solche lebensnahen Ratschläge wünscht man sich doch vom Gewinnerbuch, oder? Abzüge gibt es für das Ende, welches im Gegensatz zum Rest des Buches etwas schwächer daherkommt. Aber wir sind schließlich nicht alle perfekt.
Originalausgabe - Erschienen im Rowohlt Verlag - April 2017
Ellbogen von Fatma Aydemir
Mit „Ellbogen“ von Fatma Aydemir hätte die Jury den „Es gibt keine Vielfalt auf der Longlist!“-Kritikern entgegengewirkt UND gleichzeitig einem wichtigem Buch die nötige Aufmerksam verschafft. „Ellbogen“ erzählt ungeschönt, kalt und trotzdem extrem emotional, wie eine einzelne falsche Entscheidung ein ganzes Leben verändert, wenn man von Anfang an auf der Verliererseite steht. Und weil es mit diesem Buch nicht geklappt hat, wünsche ich mir jedes weitere Buch von Fatma Aydemir auf der Longlist!
Originalausgabe - Erschienen im Hanser Verlag - 2017
Kukolka von Lana Lux
Mit „Ellbogen“ UND „Kukolka“ von Lana Lux hätte die Jury den „Es gibt keine Vielfalt auf der Longlist!“-Kritikern direkt doppelt entgegengewirkt UND gleichzeitig einem Goldschatz an Buch die nötige Aufmerksam verschafft. Von „Kukolka“ könnte ich stundenlang schwärmen. Oder eben nicht, weil es einen sprachlos zurücklässt bei so viel Sprachschönheit und Schicksalslosigkeit.
Originalausgabe - Erschienen im Aufbau Verlag - 2017
Moment? Das waren jetzt aber nur drei Bücher und nicht vier? Richtig gezählt. Denn als ich vor meinem Bücherregal stand, ergab sich plötzlich ein Problem. Ich habe in den vergangenen Monaten wohl zu wenig deutschsprachige Literatur gelesen, die mir auch gefallen hat. 
Ja, ich hätte sehr gerne "Walter Nowak bleibt liegen" hier genannt, aber das Buch steht schon in echt auf der Longlist.
Ja, "Die Außeridischen" von Doron Rabinovic würde auch noch in die Kriterien passen, aber obwohl ich die Idee fantastisch finde, kann ich es nicht guten Gewissens hier nennen.

Und deswegen bleibt meine Liste unvollständig. 

Das Gute an dieser unvollständigen Liste: Ihr könnt sie füllen! Welchen Titel hättet ihr gerne noch auf der Longlist des Deutschen Buchpreises gesehen und warum? Ich bin gespannt auf eure Nominierungen! 

Sonntag, 3. September 2017

Neu im Bücherregal - Die August-Bücher 2017

Nach einem fulminanten Juli ohne Buchkäufe war es abzusehen, dass ich im August wieder übertreibe. Aber ich kann mir ja einreden, dass sich die Bücher jetzt quasi über zwei Monate verteilen und dann bin ich im Durchschnitt gar nicht mal so schlecht. Oder so ähnlich. Die größten Fallen sind immer noch der Bücherschrank und Ausflüge zu Oxfam. Ansonsten hätte ich alles im Griff. Was vielleicht auch daran liegt, dass ich noch nicht begonnen habe, mir Titel aus der Longlist des Deutschen Buchpreises 2017 zu kaufen. Noch nicht. Jetzt, wo ich es ausgesprochen habe, ändert sich das bestimmt sofort. Wehe mir! 


Wonder Woman – Das erste Jahr von Greg Rucka, Nicola Scott und Bilquis Evely. Hui! Ein Comic! Ich bin ganz ehrlich, beim Comickauf kenn ich mich nicht aus und stand deswegen sehr verwirrt im Comicladen herum, bis ich verstanden habe, dass in dieser Ausgabe 7 Comichefte enthalten sind. Verrückt. Hat sich aber schlussendlich gelohnt, insbesondere der Zeichenstil hat mir sehr gut gefallen. Einem weiteren Ausflug in das Wonder Woman-Universum steht also nichts im Wege!

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke von Joachim Meyerhoff. Wie konnte ich vergessen, dass Meyerhoff mit diesem Buch auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 stand? Wie kommt es, dass ich das Buch erst jetzt in meinen Händen halte? Und werde ich es schaffen, vorher noch "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" zu lesen, um die Reihenfolge einzuhalten?

Rückkehr nach Reims von Didier Eribon. Man sollte viel öfter das Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung betrachten. Und man sollte bei einem Bücherschrank nicht immer nach dem Aussehen der Bücher gehen. Ohne Herrn Gatsby hätte ich diesen Band nämlich nicht entdeckt. Dabei schleiche ich um die Ausgabe von Suhrkamp schon so lange herum. Jetzt ist aber alles gut und vielleicht besuche ich auch demnächst die gemeinsame Lesung des Autors mit Édouard Louis in den Kammerspielen.

Reality-Show von Amélie Nothomb. Vor vielen Jahren habe ich "Quecksilber" von Nothomb gelesen, weil es mir eine Buchhändler-Kollegin empfohlen hat. Danach habe ich wie im Rausch alle weiteren Bücher der Autorin auf meine Wunschliste geschrieben, aber nie wieder ein Buch von ihr gelesen. Auch sehr traurig. "Reality-Show" ist nun ein Versuch, wieder in das Werk von Nothomb einzusteigen. Ein Dank geht an eine meiner liebsten Instagram-Menschinnen straightedge20x für das Buch! 

Die Arglosen von Francesca Segal. Eben jenes Buch steht schon lange auf meiner Wunschliste. Dank eines Ausflugs zu Oxfam steht es nun in meinem Bücherregal. 

Ich bin so hübsch von Hazel Brugger. Ein wenig schwärme ich für Hazel Brugger. Sie ist schließlich Schweizerin. Und schreibt so schöne Dinge wie "... die unzähligen Hamster, die einfach aus Langeweile immer fetter und fetter werden, bis sie schließlich aussehen wie Mädchen. Also wie kleine Maden." oder "Hätten Sie lieber, dass ein Fremder Sie auf der öffentlichen Toilette überrascht oder dass Sie einen Fremden dort überraschen?". Teilweise habe ich mich nicht getraut "Ich bin so hübsch" in der S-Bahn zu lesen, weil ich wirklich ständig laut und irre kichern musste. Ein gar vorzüglich böses Buch. 

Ich bin schwul. Ich bin süchtig. Ich bin ein Genie. von Truman Capote und Lawrence Grobel. Eines Tages werde ich die Gesamtausgabe von Truman Capote besitzen und ein sehr glücklicher Mensch sein. Jawohl. Bis dahin erfreue ich mich an diesem Gesprächsband. Und ist euch auch aufgefallen, dass die letzten drei Bücher von Kein & Aber sind? Eine ungeplante Verlagshäufung. Wie nett. Mir gefallen die Bücher auch alle sehr, ich mag die Grüntürkisblautöne der Buchschnitte.

Westlich des Sunset von Stewart O'Nan. Wie sollte ich ein Buch links liegen lassen, in welchem es um F. Scott Fitzgerald geht? Eben! Und so musste ich bei Oxfam auch dieses Buch einfach einpacken. Genauso wie ...

Katzenauge von Margaret Atwood. Ich glaube, von keiner Autorin habe ich mehr ungelesene Bücher zusammengesammelt wie von Atwood. "Der Report der Magd" löst bei mir immer noch Fuchtelanfälle aus, weil es so gut und doch so furchtbar ist. Mehr Atwood für alle, also! 

Nicht im Bild:

The Power von Naomi Alderman. In meinem Beitrag zu "Vier Bücher für ... Feminismus Level 1" hatte ich dieses Buch aufgenommen, weil ich die Grundidee wahnsinnig interessant fand. Anfang August konnte ich dann nicht mehr länger warten, habe es bestellt, direkt gelesen und direkt entsorgt (das heißt weiterverschenkt). Meine Güte! So eine Enttäuschung. Ich bleibe dabei, dass die Grundidee großartig ist und die vor- bzw. nachgelagerten Briefe sind sehr gewitzt, aber ansonsten verspielt Naomi Alderman ihre Chance mit Religionsgeschwubbel und pseudowissenschaftlichen Erklärungen für The Power, die so gar keinen Sinn ergeben. Oder ich hab es einfach nicht verstanden. Meh. 

Die Außerirdischen von Doron Rabinovici. Dieses Buch ist nicht im Bild, weil ich es gestern verliehen habe, ich schlauer Mensch. Denn das Buch ist gut bzw. hat es ebenso wie "The Power" eine interessante Grundidee, die aber auch interessant umgesetzt wird. Außerirdische landen auf der Erde! Niemand hat sie gesehen, aber sie sind da. Natürlich. Und sie verlangen Menschenopfer. Auf freiwilliger Basis. Und was macht der moderne Mensch? Veranstaltet erstmal einen Wettbewerb – Hunger Games lässt grüßen! Zum Ende hin nimmt das Buch zwar etwas ab, trotzdem gibts einen Daumen nach oben und einen Platz im Bücherregal. 

Freitag, 1. September 2017

Fotobreze - Juli und August 2017

Was ich ganz besonders gut kann: Dinge vor mir herschieben. Am 31.07. dachte ich noch "Huch, denk aber bitte noch an den Fotobrezen-Beitrag für Juli!". Dann war plötzlich der 04.08. und immer noch kein Juli-Beitrag online. Verrückt. Jetzt ist der 01.09. und es gibt einfach einen kunterbunten Juli-August-Mischmasch. Eh viel schöner. So bekommt man die doppelte Portion Sommererinnerungen im Herbst. Ja. Es ist nun offiziell Herbst. Eigentlich schon Weihnachten. Gestern stand an der Supermarktkasse vor mir ein Mann, der hat Lebkuchen gekauft und davon ein Foto gemacht. Solche verrückten Fotos würden mir selbstverständlich nie passieren. Nie. Fast.


// Hallo Bastel-Breze! Ich kann ein Makramee für eine Luftpflanze knüpfen! //
// Kultur, ne. Nach der Pinakothek der Moderne stehen bald auch ihre Schwestern Neu und Alt auf dem Plan //
// Bester Blumentopf //


// Einen Screenshot von einer Instagram Story machen, um das Werbeplakat für einen Lesekreis abzuspeichern. Läuft //
// Schon wieder draußen. Wer kommt nur immer auf diese Ideen? //
// Für die Longlist des Deutschen Buchpreis braucht man die richtige Vorbereitung //


// Ebenso! //
// Gugl sind Freunde und sollten nur mit viel Bedacht gegessen werden //
// Ich konnte mich gerade nicht erinnern, wann und wo ich hier Frühstücken war. Aber hauptsache es hat geschmeckt //


// Jetzt kommt ihr natürlich alle zu spät (weil die Ausstellung nur bis Ende August ging), aber die Fotos von Lindbergh in der Kunsthalle waren gar großartig! //


// Apropos verrückte Fotos: Lasst euch alle mal mit Glitzer tätowieren! //
// Und wir brauchen mehr kitschige Katzenpostkarten aus Mallorca! //
// Und ein Sonntag ist erst dann ein Sonntag, wenn mir Jan und Olli ins Ohr schmatzen ♥ //

Sonntag, 27. August 2017

Deutscher Buchpreis 2017 - Die Longlist #dbp17



It's the most wonderful time of the year! Seit dem 15. August steht sie fest: Die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2017. Wie immer hat die Buchwelt mit Spannung darauf gewartet, wie immer ist die Buchwelt nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Zu wenige Frauen, zu wenige Autoren/Autorinnen mit Migrationshintergrund, zu wenige kleine Verlage, immer dieselben Themen, zu viele Wiederholungsnominierten.
Ja, es sind auffällig wenige Frauen nominiert. Ja, die Longlist könnte sehr viel vielfältiger sein (warum "Ellbogen" von Fatma Aydemir und "Kukolka" von Lana Lux nicht auf der Liste stehen, verwundert mich auch ehrlich gesagt sehr). Hier ist aber der Deutsche Buchpreis nur ein Symptom, das deutsche Feuilleton beschränkt sich allgemein sehr gerne auf den weißen Mann, der intellektuell schreiben kann. Daran etwas zu ändern liegt auch an uns Lesern. Mehr Mut zur Nische und so!

Vorerst möchte ich mir aber die 20 Leseproben der Longlist-Titel genauer ansehen, weswegen ich mich wieder auf die Jagd nach dem Leseproben-Heft gemacht habe. Wie immer ist das in München ein schweres Unterfangen, aber am Ende wird immer alles gut, das Heftchen liegt nun bei mir und wurde bewaffnet mit Eis und Bleistift genauestens durchgearbeitet und mit einer hochprofessionellen Smiley-Skala  (🙂, 😐, ☹️) bewertet. Ich präsentiere voller Stolz und wie gewohnt mit einer Zusammenfassung der Leseprobe und einem Lieblingssatz (zusätzlich gibt es noch eine gif-Bewertung bei Twitter für alle Freunde der bewegten Bilder):

Nordbrezens Deutscher-Buchpreis-Longlist-Leseproben-Lese-Erfahrung


Lichter als der Tag von Mirko Bonné. Erschienen im Verlag Schöffling & Co.
Das Licht im Hamburger Hauptbahnhof glänzt so schön.
"Es schien zu warten, nicht bloß auf Reisende, die aus dem Zug stiegen und verblüfft waren von der Helligkeit, der Herrlichkeit, mit der die Hansestadt sie willkommen hieß; das Licht war eine Wohltat gerade für Einheimische wie ihn, die morgens vor dem Büro oder nach Feierabend über die Bahnsteige schlenderten, als wären sie Bahnangestellte in Zivil."
Weiterlesen? ☹️

Romeo oder Julia von Gerhard Falkner. Erschienen im Berlin Verlag.
Im Hotel verschwinden Schlüssel und schwarze Haare tauchen auf.
"Obwohl ich Kurt heiße, bin ich Schriftsteller."
Weiterlesen? 🙂 (Ich bin kurz davor, das Buch direkt sofort jetzt zu bestellen, weil ich sehr begeistert bin. Herrlich schräg und amüsant!)

Das Floss der Medusa von Franzobel. Erschienen im Paul Zsolnay Verlag
Schiffbrüchige werden gerettet, von deren Schicksal wir das schlimmste annehmen müssen.
"Was hatten die erlebt? Wir wissen es noch nicht, aber gemach, wir werden es erfahren."
Weiterlesen? 🙂

Schau mich an, wenn ich mit dir rede! von Monika Helfer. Erschienen im Jung und Jung Verlag.
Wenn doch nur die Coen-Brüder diese U-Bahn-Fahrt verfilmt hätten.
"Sag es! Sag, dass deine Mama, die jetzt nicht mehr deine Mama ist, dass die blöd ist, sag es! Sag es!"
Weiterlesen? ☹️

Das Jahr der Frauen von Christoph Höhtker. Erschienen im Weissbooks Verlag.
Um auf 12 Frauen im Jahr zu kommen, schreibt der Zwiebel-Mann einer Künstlerin.
"'Pro Monat werde ich versuchen, eine Frau zu verbrauchen. Wie hört sich das für Sie an?'
'Das ist ein durchaus ... ambitionierter Plan. Was versprechen Sie sich davon?'
'Absolut nichts.'"
Weiterlesen? ☹️


Schlafende Sonne von Thomas Lehr. Erschienen im Carl Hanser Verlag.
Die Sonne scheint, die Erde dreht sich und Absätze werden schmerzlich vermisst.
"Modellieren Sie den Raum so, dass er der psychologischen Metrik entspricht."
 Weiterlesen? ☹️

Kraft von Jonas Lüscher.  Erschienen im Verlag C.H. Beck.
Wenn man von Rumsfeld angestarrt wird, kann man nur schwer einen klaren Gedanken fassen.
"Warte nur, denkt sich Kraft am siebten Tag, an dem er, tatenlos unter solcher Beobachtung stehend, sich wieder einmal durch diese Aufmerksamkeit verlangenden Augen aus seinen leeren Gedanken gerissen sieht, dir zum Trotz werde ich nach einem europäischen Ton suchen."
Weiterlesen? 😐 (Da das Buch Gatsby sei Dank schon im Bücherregal steht, werde ich auf jeden Fall reinlesen. Ich glaube hier ist der Ausschnitt nicht besonders gut ausgewählt)

Die Hauptstadt von Robert Menasse. Erschienen im Suhrkamp Verlag. 
Ein Schwein macht Brüssel unsicher.
"Dann sind die Männer von der Entrümpelungsfirma gekommen, um alles Übrige wegzuschaffen, nicht nur was nicht niet- und nagelfest war, sondern auch die Nieten und Nägel, sie rissen heraus, zerlegten, transportierten ab, bis die Wohnung 'besenrein' war, wie man das nannte."
Weiterlesen? ☹️

Flugschnee von Birgit Müller-Wieland. Erschienen im Otto Müller Verlag.
Simon verschwindet und ein weißes Zimmer bleibt zurück.
"Vielleicht hatte es mit ihren Blicken zu tun, die im Kerzenlicht nach innen zu kippen schienen, vielleicht mit ihren langsamen Bewegungen, mit denen sie Kekse anrichteten oder den Schnee von den Schuhen klopften."
Weiterlesen? ☹️

Schreckliche Gewalten von Jakob Nolte. Erschienen im Verlag Matthes & Seitz Berlin. 
Als Mutter Honik eines Nachts aus unruhigen Träumen erwachte, fand sie sich in ihrem Ehebette zu einem wölfischen Wesen verwandelt.
"Eines Nachts, als die Sonne gerade 564 Millionen Tonnen Wasserstoff in 560 Millionen Tonnen Helium fusionierte und ein Teil der dadurch freigesetzten Wärme 8 Minuten und 17 Sekunden später als Licht den Mond erreichte und dieser  Mond, der nicht wirklich ein Planet ist und nicht wirklich ein Stern, sondern ein Mond, voll erleuchtet am Himmel stand, erblickte ihn die Mutter von Iselin und Edvard Honik, war erfasst von seiner Sanftmut, verwandelte sich in ein wölfisches Wesen, biss ihrem Gatten den Nacken durch, zerfleischte Teile seines Oberkörpers und schlief wieder ein."
Weiterlesen? 🙂


Die Kieferninseln von Marion Poschmann. Erschienen im Suhrkamp Verlag
Wenn die eigene Frau einen vermeintlich betrügt, fliegt man als Bartexperte nach Japan.
"Das schwarze Haar Mathildas breitete sich neben ihm auf dem Kissen aus, Tentakel einer bösartigen, in Pech getauchten Meduse."
Weiterlesen? 😐

Nach Onkalo von Kerstin Preiwuß. Erschienen im Berlin Verlag.
Mutter ist tot, doch zum Glück hilft der Russe.
"Der Arzt ist eine Ärztin und jung obendrein."
Weiterlesen? ☹️

Phantome von Robert Prosser. Erschienen im Verlag Ullstein fünf.
Lass uns Graffiti sprayen in Wien mit dem Kopf im Osten.
"Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Mein Wort ist auf jeden Fall tausend Bilder wert."
Weiterlesen? 😐 (Da ich aber die Bücher von Ullstein fünf sehr großartig finde, wird hier auch noch ein längerer Blick riskiert)

Wiener Straße von Sven Regener. Erschienen im Verlag Galiani Berlin.
Kaffeemaschinen sind die neuen neuen Endgegner der Menschheit.
"'Klar ist das Kunst, was denn sonst?'
'Für mich sieht das nach Basteln aus!'"
Weiterlesen? 😐

Außer sich von Sasha Marianna Salzmann. Erschienen im Suhrkamp Verlag.
Mit viel Gepäck in Koffern und im Kopf reist die Familie weg.
"Papa nickt eifrig und guckt gar nicht hin, aber küsst Mama im Vorbeigehen, seine Hände schwitzen, wenn seine Hände schwitzen, heißt das, dass er glücklich ist."
Weiterlesen? 😐 (Anmerkung: Ich habe das Buch bereits gelesen, musste aber dann nach knapp 200 Seiten abbrechen, weil ich komplett nichts verstand. Und ich wollte es wirklich verstehen)


Peter Holtz von Ingo Schulze. Erschienen im S. Fischer Verlag.
Der Bub schnabuliert Eisbein und Fassbrause, bezahlt dafür aber aus sehr guten Gründen nicht.
"Erstes Kapitel – In dem Peter ohne einen Pfennig in der Tasche eine Gaststätte aufsucht und erklärt, warum er das für richtig hält. Überlegungen zum Stellenwert des Geldes im Sozialismus."
Weiterlesen? 🙂

Das Singen der Sirenen von Michael Wildenhain. Erschienen im Klett-Cotta Verlag. 
Den Weg zu einer unbekannten Wohnung zu finden, ist nicht immer leicht, insbesondere, wenn man nicht vor Frauen schwitzen will.
"Während die Buchstaben ihre verfügte Form verlieren, die Schrift sich im flachen Wasser der kaum bewegten Pfütze langsam anfängt aufzulösen, hält er den Blick am Boden."
Weiterlesen? ☹️

Walter Nowak bleibt liegen von Julia Wolf. Erschienen in der Frankfurter Verlagsanstalt. 
Walter Nowak denkt nach.
"Ich muss nur einen Moment mal hier liegen. Einfach nur hier liegen, auf den kühlen Fliesen, und die Decke anstarren. Das ist doch, in Ordnung. Daumen hoch."
Weiterlesen? 🙂🙂🙂 (Denn das Buch habe ich bereits gelesen und wünsche mir gar sehr, dass es gewinnt)

Katie von Christine Wunnicke. Erschienen im Berenberg Verlag. 
Zwei Wissenschaftler unterhalten sich sehr wissenschaftlich. Oder auch nicht.
"Professor Faraday hatte die Sonne gewiss verdient, nach all seinen Diensten für die Krone und für die ganze Welt."
Weiterlesen? 😐 (Vor der Longlist schlich ich schon häufiger um dieses Buch herum. Jetzt bin ich mir nicht mehr ganz so sicher)

Evangelio von Feridun Zaimoglu. Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch.
Früher war nicht alles besser, es klang nur schöner.
"Ich bin am Verrichten, ich reiß mich los von ihrem Hohn. Was der Pöbel plaudert, beißt ein, ihr Wort beißt ein, ich darf's nicht achten."
Weiterlesen? 😐


Um einmal in die Rolle von Volker Weidermann zu schlüpfen:
Das Endergebnis sieht entsprechen so aus – 🙂 = 5, 😐 = 7, ☹️ = 8.

Die meisten der nominierten Bücher sagen mir nicht unbedingt zu. Das macht es auch einfacher eine persönliche Shortlist zu erstellen, die folgendermaßen aussehen würde:
- Romeo oder Julia von Gerhard Falkner
- Das Floss der Medusa von Franzobel
- Kraft von Jonas Lüscher
- Schreckliche Gewalten von Jakob Nolte
- Peter Holtz von Ingo Schulze
- Walter Nowak bleibt liegen von Julia Wolf

Mein Gewinner des Herzens ist "Walter Nowak bleibt liegen". Mit viel Konfettiregen für den Verlag.

Am 12. September wird die offizielle Shortlist veröffentlicht, am 09. Oktober der Sieger gekürt. Ich bin gespannt und harre der Dinge, die da kommen werden.

Wie sieht eure Meinung zur Longlist aus? Gibt es schon Favoriten? Empfehlungen?


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