Sonntag, 19. Februar 2017

Vier Bücher für ... misstrauische Leser.

Es ist mal wieder Zeit für "Vier Bücher für ...", denn dieses Mal möchte ich euch ausnutzen. Ich stelle euch vier Bücher vor, die ich sehr gerne gelesen habe und im Gegenzug möchte ich von euch weitere Buchtipps, die in diese Richtung gehen. "Diese" ist in diesem Fall schwierig zu fassen, weswegen ich sehr lange nach einem Titel gesucht habe. Zwischendurch hieß es mal "Vier Bücher für Menschen, die Bücher mit Plot Twist mögen" oder "Vier Bücher für unzuverlässige Protagonisten", aber das klang alles so eigenartig. Deswegen hier nun also die endgültige Version. Enttäuscht mich nicht, ich möchte nämlich gerne mal wieder ein Buch dazu lesen.

Trommelwirbel: 





Gone Girl von Gillian Flynn
Der Klassiker aus dem "Traue niemals den Protagonisten"-Genre! Sowohl das Buch als auch der Film sorgen bei mir für positive Gänsehaut-Momente, weil die ganze Geschichte so wunderbar herrlich mindfucking ist. Eine verschwundene Frau. Ein sich sorgender Ehemann. Ein bösartiger Verdacht. Danach guckt man erstmal misstrauisch seinen Partner an und fragt sich, was er wohl gerade plant. 
Originaltitel: Gone Girl - Aus dem Amerikanischen von Christine Strüh - Erschienen im FISCHER Verlag - September 2014
Die Witwe von Fiona Barton
Ähnlich wie bei "Gone Girl" geht man bei "Die Witwe" von einer klassischen Rollenverteilung aus. Der böse Mann. Die arme Frau. Die Polizei sucht nach einem entführten Kind und eine Journalistin wittert die ganz große Story. Doch was hinter der ganzen Geschichte steckt, geht sehr viel tiefer und wird sehr viel düsterer, als es der unbedarfte Leser gedacht hat.
Originaltitel: The Widow - Aus dem Englischen von Sabine Längsfeld - Erschienen bei Wunderlich - Juni 2016
Ich. Bin. So. Glücklich. von Jessica Knoll
Meine Begeisterung für dieses Buch habe ich bereits einmal kundgetan. Weiterhin bin ich sehr enttäuscht vom Klappentext, aber sehr glücklich über Jessica Knolls Fähigkeiten, eine oberflächlich wirkende Geschichte mit so vielen Fallstricken und Bösartigkeiten auszustatten, dass man sich bequem in seinem Lesesessel fürchten kann.
Originaltitel: Luckiest Girl Alive - Ins Deutsche übertragen von Kristiana Dorn-Ruhl - Erschienen bei Ink - 2015
Solange wir lügen von E. Lockhart.
Einer dieser Zufallsglücksgriffe. Eine anfänglich harmlos wirkende Geschichte über vier Jugendliche, die auf einer Privatinsel den Sommer und die erste Liebe genießen, entwickelt sich zu einem wahren Pageturner (schlimmes Wort)  mit dunklen, mysteriösen Geheimnissen. Wahrheit und Fiktion verschwimmen hier gar großartig.
Originaltitel: We Were Liars - Aus dem Amerikanischen von Alexandra Rak - Erschienen im Ravensburger Buchverlag - 2015

Sonntag, 5. Februar 2017

Neu im Bücherregal - Die Januar-Bücher 2017

Der erste Monat des neuen Jahres ist vorbei und wie man gleich auf dem Foto sehen wird, fällt die Kaufausbeute schockierenderweise sehr gering aus. Ha! Damit hättet ihr sicherlich nicht gerechnet, ne? Dafür gabs ja auch Eukalyptus, mein neues Lieblingsding, nachdem ich mehrere Wochen indirekt danach gesucht habe – eigentlich habe ich nie den Fuß vor die Tür gesetzt, um aktiv nach Eukalyptus zu suchen. Bis gestern. Da wurde ich dann auch auf dem Viktualienmarkt fündig und jetzt muss ich so viele Bücherfotos mit Eukalyptus machen, bis die Pflanze tot ist. Davor gibts aber erstmal ein Bild und eine Aufzählung der neuen Bücher im Januar 2017:


Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert von Joël Dicker. Ein glücklicher Glückszufallstreffer im örtlichen Bücherschrank. In letzter Zeit steht da ständig nur Unsinn drin, ewig alte Readers Digest-Ausgaben, fünf verschiedene Nora Roberts-Bände und moralisch eher fragwürdige Mädchenromane aus den 50er Jahren (und ich habe "Cornelia erlebt Oberammergau" gelesen. Mich schreckt so schnell nichts). Doch dann erblickten meine müden Äuglein dieses Büchlein (ha!) und weil ich eh mal von Joël Dicker lesen wollte, war dies die perfekte Gelegenheit. 

Die drei Sonnen von Cixin Liu. Ein Berlin-Buch. Wurde in Berlin gekauft. Bei Dussmann. Man sollte immer dicke Bücher kaufe, wenn man mit Handgepäck im Flugzeug unterwegs ist, jawohl. Der große Science-Fiction-Leser bin ich nun ja nicht, aber von "Die drei Sonnen" wurde überall so jubelierend erzählt und da bin ich doch neugierig geworden. 

Am I normal yet? von Holly Bourne. Noch ein Berlin-Buch, noch ein Dussmann-Buch. Weil das Buch vor einer Weile in einer Young-Adult-Feminist-List auftauchte (wenn ich nur wüsste, welche Liste es war. Erst dachte ich, es wäre diese bei Buzzfeed, aber es könnte auch diese hier von Maximum Pop sein) und weil sich das ganze zu einer netten Reihe ausweitet. Darum.

Das sind ganz schön wenig Bücher für den Januar, oder? Aber halt! Es gibt noch zwei Kandidaten, die sind im Januar bei mir ein- und direkt wieder ausgezogen!

Nicht im Bild:

Salt to the sea von Ruta Sepetys. Auch ein Berlin-Buch. Für 5 Euro aus einer Bücherkiste bei Hundt Hammer Stein gezogen. Und jetzt müssen leider alle Fangirls weggucken oder sich an einem Kissen festhalten: Ich fand das Buch nicht so gut. Mir wurde gesagt, dass ich am Ende weinen muss (und ich muss bekanntlich immer weinen), aber die Protagonisten haben mich alle so kalt gelassen, dass ich nach der letzten Seite mit den Schultern zuckte und das Buch auf den Aussortierungsstapel legte. 

Dein Leuchten von Jay Asher. Im Dezember lauerte dieses Buch in wohl jedem Instagram-Account. Gefühlt jedenfalls. Und weil mich das Cover so verzaubert hat, wollte ich es auch unbedingt lesen. Die fantastische Mia von Paper and Poetry hat mir dann angeboten, dass sie mir das Buch zuschicken könnte, weil sie es selbst nicht so gut fand. Hätte ich hier doch gleich mal besser aufgepasst. Aber nein, ich ließ mich weiterhin vom kitschigen Cover blenden und verschwendete somit einen Lesetag an dieses wirklich sehr flache Weihnachtsgeschichtlein. 

Ich hoffe, "Salt to the sea" und "Dein Leuchten" haben im Bücherschrank einen besseren, neuen Besitzer als mich gefunden. Habt ihr eines dieser beiden Bücher auch schon gelesen und durften die Bücher nach der Lektüre in euer Bücherregal ziehen? Oder habt ihr schon eines der anderen drei Bücher gelesen, die ich bisher noch nicht begonnen habe?

Mittwoch, 1. Februar 2017

Nachlese – Hier bin ich von Jonathan Safran Foer



Originaltitel: Here I am - Aus dem amerikanischen Englisch von Henning Ahrens - Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch - 2016

"Hier bin ich" ist ein meisterhafter Roman über das Auseinanderbrechen einer Familie. In nur vier Wochen gerät die Welt von Julia und Jacob Bloch und ihren drei heranwachsenden Söhnen aus den Fugen. Nach seinen Bestsellern "Alles ist erleuchtet" und "Extrem laut und unglaublich nah" zeigt Janathan Safran Foer erneut seine Könnerschaft.

Wenn man über das neue Buch von Jonathan Safran Foer schreibt, gehört es zum guten Ton, zu erwähnen, dass dies das erste Buch des jungen Mannes seit elf Jahren ist. Elf Jahre musste man auf eine weitere Veröffentlichung des literarischen Wunderkindes warten, aus dem Jungspund wurde in der Zwischenzeit ein Mann (auch wenn er immer noch aussieht wie Mitte 20 und bei meiner Kritzelei ein wenig böse guckt), der auf 683 Seiten versucht zu beweisen, dass er das alles immer noch kann. Schreiben. Fesseln. Analysieren. Offenbaren. 

Kann er es denn noch? Ja. Und nein. 

"Hier bin ich" ist für mich kein typischer Foer, was eigentlich eine Behauptung ist, die ich so gar nicht aufstellen darf, denn bisher habe ich von ihm nur "Extrem laut und unglaublich nah" (Top!) und "Tiere essen" (Top!) gelesen. "Alles ist erleuchtet" steht immer noch ungelesen im Regal und das schon seit mehreren Jahren. Dafür ist meine Ausgabe von "Extrem laut und unglaublich nah" so zerlesen, dass komplette Seitenblöcke aus dem Buchblock herausfallen. Hauptsächlich deswegen, weil ich das Buch so oft (zweimal) verliehen habe. Nach diesem kleinen Exkurs kehren wir zurück zu meiner Behauptung, dass "Hier bin ich" kein typischer Foer ist. Denn Foer ist erwachsener geworden, beobachtet detaillierter das Drama im Kleinen wie im Großen unter dem Mikroskop. Das gelingt ihm meisterhaft, doch manchmal auch etwas langatmig. So wie das Leben eben ist. 

In "Hier bin ich" befindet sich die Familie Bloch am Scheideweg ihres vor Langeweile dahinplätschernden Lebens. Die Eltern geben sich der Illusion einer harmonischen Beziehung hin, die nur noch durch den eingespielten Alltag mit den drei Söhnen zusammengehalten wird. Der erste Riss entsteht, weil Sam, der älteste Sohn, keine Bar Mizwa möchte. Der zweite Riss entsteht, weil Julia das zweite Handy von Jacob findet. Und der dritte Riss entsteht in Israel bei einem furchtbaren Erdbeben, welches die komplette Region in den Kriegszustand versetzt. 

Nach der Lektüre hatte ich das Problem, dass ich das Buch zwar irgendwie gut fand, aber nicht mehr genau sagen konnte, um was es überhaupt ging. Substanziell ist bei mir nicht viel hängen geblieben, was vielleicht an meinem Kopf liegen mag, aber vielleicht will Jonathan Safran Foer auch zu viel. Es geht um die jüdische Identität, es geht um die Familie, es geht um Politik, es geht um Beziehungen, um Kindererziehung und den Tod und irgendwie findet Herr Foer zwar die richtigen Worte, aber man fühlt sich nach dem Lesen wie wenn man eine komplette Tafel Schokolade gegessen hat – glücklich, pappsatt, aber nach 10 Minuten muss man die Tüte Chips aus dem Schrank holen. 

Gemeinerweise hatte ich nach der gestrigen Lesung von Jonathan Safran Foer im Literaturhaus München wieder mehr Lust, mich mit "Hier bin ich" zu beschäftigen, weswegen es ganz praktisch ist, dass ich zu dem Buch bisher noch nichts geschrieben habe. Denn Herr Foer schafft es durch seine sympathische, kluge Art und Weise, einen für sein Buch zu begeistern. Jedenfalls ging es mir so. Gelesen wurde auf Deutsch (sehr großartig hier: René Dumont) und Englisch, vom Frageteil hatte ich mir etwas mehr erwartet, weil es eigentlich gar nicht um das Buch ging, sondern hauptsächlich um Jonathan Safran Foers Meinung zur aktuellen Lage in den USA. Kluge Dinge hat er aber nichtsdestotrotz gesagt. Man kann gar nicht immer da sein.

Vielleicht war deswegen die Lesung auch so fix vorbei, weil Herr Foer nicht immer da sein kann.

Dienstag, 31. Januar 2017

Fotobreze - Januar 2017

Hollari, hollari, hollaro! 31 Januar-Tage liegen schon wieder hinter uns, 2017 ist quasi schon fast wieder vorbei und es ist ganz schön viel passiert. Ich war in Berlin, ich habe gegessen, ich war krank und ich war arbeiten. So kann es weitergehen. Ohne Erkältung. Und in diesem ereignisreichen Monat habe ich bereits geschafft 7 Bücher zu lesen. So kann es auch gerne weitergehen. 


// Berlin, ne //
// Hier sehen Sie ein seltenes Exemplar der Nordbreze in freier Natur //
// Ne, Berlin //


// Kuchen vom Bäcker ist immer lecker //
// Während meines Urlaubs lag ich mehrere Tage mit einer furchtbaren Erkältung im Bett und nur Eis und die Gilmore Girls konnten mich am Leben erhalten //
// In Berlin im District Coffee gegessen und dann zu Herrn Gatsbys Geburtstag nachgemacht – Pancakes! //


// Wenn man schon zu den Eltern fährt, um einen Laptop einzurichten, dann kann man den Hund auch mal streicheln //
// Schnee, Eis und Tulpen //
// Mein kleiner, grüner Kaktus steht jetzt neben mir im Büro, hollari, hollari, hollaro!

Montag, 30. Januar 2017

Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara.


Originaltitel: A Little Life - Aus dem Englischen von Stephan Kleiner - Erschienen bei Hanser Berlin - 2016


"Ein wenig Leben" handelt von der lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern, die sich am College kennengelernt haben. Der brillanteste und charismatischste von ihnen ist Jude St. Francis, ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch. Wie in ein scharzes Loch werden die Freunde in Judes dunkle, schmerzhafte Welt hineingesogen, deren Ungeheuer nach und nach hervortreten. "Ein wenig Leben" ist eine Geschichte von Freundschaft als wahre Liebe – ein mit kaum fasslicher Dringlichkeit und Schönheit erzähltes Epos, das sich an du dunkelsten Orte begibt, an die Literatur sich wagen kann, und dabei immer wieder zum hellen Licht durchbricht.

"Sie werden über dieses Buch sprechen wollen." – So wirbt Hanser Berlin für "Ein wenig Leben". Und oh ja. Noch nie habe ich einen so wahren Werbespruch gehört (abgesehen von "Dafür stehe ich mit meinem Namen."). Ich MÖCHTE über dieses Buch sprechen, denn über dieses Buch muss man sprechen, sonst zieht es einen sehr tief nach unten. 

Gelesen habe ich "Ein wenig Leben" schon vor über zwei Wochen. Und so im Nachhinein ist es doch ganz gut, dass ich nicht direkt eine Rezension geschrieben habe. Denn zuerst fehlten mir die Worte für dieses aufwühlende, emotionale, anstrengende und fordernde Buch. Mit ein bisschen Abstand und Reflexion sollte es jetzt aber besser gelingen, diese Sprachlosigkeit in Worte zu fassen. 

Beginnen wir diese Annäherung an "Ein wenig Leben" von außen nach innen. Das Cover. Der erste Eindruck ist eher ein "Hm, was soll das denn?". Begeisterung sieht anders aus. Und diese Hürde, die sich das Buch hier selbst aufstellt, muss erst einmal überwunden werden. Hanya Yanagihara sagt selbst, dass das Foto (Peter Hujars Fotografie »Orgasmic Man«) "übergriffig [...], zu intim, zu herausfordernd" ist. Und damit passt es während und nach der Lektüre einfach fabelhaft zum Text. Chapeau also an den Verlag (sowohl an amerikanischen als auch an den deutschen), dass man sich doch für genau dieses Bild entschieden hat. Manchmal muss man den Leser etwas abschrecken, um die richtige Stimmung für das Buch zu schaffen.

Eigentlich möchte ich an dieser Stelle nicht zu viel über den Inhalt sprechen. Nicht, weil ich niemanden spoilern möchte, die Geschichte von "Ein wenig Leben" ist keine Geschichte, bei der Spoiler ausschlaggebend wären. Das Problem ist eher – wo anfangen? Wie fasst man ein Mammut-Werkt von 958 Seiten zusammen, wenn sich die wirklichen Emotionen, das wirkliche Leid im Kopf des Lesers abspielen?

Wir haben also vier Freunde. Malcolm, JB, Willem und Jude St. Francis. Sie lernen sich im College kennen, aus der Jugendfreundschaft wird ein Band, welches die nächsten 30, 40 Jahre nicht abbricht. Die vier sind eine Einheit, so verschieden sie auch sind, so unterschiedlich ihre Lebensentwürfe auch sein mögen. Malcolm ist Architekt und versucht krampfhaft die Checkliste eines normalen erwachsenen Lebens zu erfüllen - Haus, Frau, Kind. JB ist Künstler, der den Weg zum großen Ruhm sucht, Willem Schauspieler, der nicht fassen kann, dass er plötzlich Erfolg hat und Jude ist Rechtsanwalt mit der wohl dunkelsten Vergangenheit und einer Krankheit, die ihn im Verlauf der Geschichte immer mehr einschränkt. 

Anfangs war ich begeistert, wie viel Zeit sich die Autorin nimmt, jeden der vier Freunde genauer zu beleuchten. So konnte man sich wirklich ein Bild der Beziehung der vier Männer machen. Im Laufe der Geschichte rücken dann aber Willem und Jude als Hauptdarsteller in den Mittelpunkt, was einerseits verständlich, aber andererseits auch schade ist, weil ich gerade Malcolm, den "normalen" Typen in dieser Vierer-Konstellation interessant fand, er aber immer mehr in den Hintergrund gerückt wird.

Der Fokus bei "Ein wenig Leben" ist auf Willem und Jude gerichtet. Willem, ein Mann, der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und sich von seiner Familie abgewendet hat, um ein anderes Leben führen zu können. Jude hingegen hatte nie eine Familie, er ist im Kloster aufgewachsen und auf Irrwegen im College gelandet, seine Vergangenheit bleibt selbst für seine engsten Freunde ein Buch mit sieben Siegeln. Erst im Verlauf der Geschichte öffnet sich Jude Willem und lässt ihn einen Blick auf all die Schrecken werfen, die er erleiden musste. 

Hanya Yanagihara gelingt es, in einem relativ nüchternen Ton die großen Gefühle des menschlichen Lebens zu beschreiben. Liebe, Hass, Angst, Wut, Ekel, Freude, Trauer – all das vermischt sich zu einer intensiven Charakterstudie. 

"Ein wenig Leben" ist anstrengend und fordernd den Leser, sich auch mit sehr erschreckenden Themen auseinanderzusetzen. Für mich persönlich am schwierigsten waren die sehr detaillierten und ausufernden Beschreibungen zu Judes selbstverletztendem Verhalten. Ich bin da vielleicht auch etwas empfindlich, aber bei den Szenen musste ich regelmäßig das Buch kurz weglegen, weil mir wirklich schlecht wurde.

Was aber irgendwie auch für Hanya Yanagihara spricht. Sie zwingt dem Leser die dunkelsten Seiten ihrer Protagonisten auf und schafft so eine Intimität, die dafür sorgt, dass man sich emotional an die Protagonisten bindet. 

Ein schwieriges Buch bleibt "Ein wenig Leben" trotzdem. Ich kann nicht sagen, dass ich das Buch mochte. Ich kann das Buch niemanden guten Gewissens empfehlen. Aber lesenswert ist es allemal.

Habt ihr "Ein wenig Leben" schon gelesen oder es noch vor? Wie erging es euch bei der Lektüre?