Sonntag, 21. April 2019

Der Buchclub – Menschen, Bücher, Weißwein.

Dass ich gerne und viel lese, sollte man bei der Lektüre meines Blogs bereits mitbekommen haben. Damit gehöre ich - laut der Studie "Buch und Buchhandel in Zahlen" zu einer angeblich aussterbenden Gruppe. Immer weniger Menschen lesen (54,5% der Deutschen zählen als Selten- und Nichtleser. Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels). Ich befinde mich aber in der glücklichen Situation, einen belesenen Freundes- und Bekanntenkreis zu haben – Birds of a feather flock together. Und so kommt es auch, dass ich seit Oktober 2017 Teil eines Buchclubs bin.


Buchclub? 

Sonntag, 7. April 2019

Neu im Bücherregal - Die März-Bücher 2019.

Ignorieren wir einfach mal die exorbitante Anzahl von vierzehn neuen Büchern im März, sondern wenden uns viel interessanteren Fragen zu: Was haltet ihr von einem Bücherregal hinter der Couch? Neuer Platz quasi. Und man kann direkt von der Couch aus neue Lektüre greifen. Und man hätte neuen Stellplatz für neue Pflanzen. Und neue Lego-Kästen. Alles neu also! Blöderweise habe ich anscheinend kein kreatives räumliches Vorstellungsvermögen, denn ich weiß wirklich nicht, wie das aussieht, wenn die Couch nicht direkt an der Wand steht. Und wenn die Couch plötzlich keine Eckcouch mehr ist, sondern eine ohne Ecke (denn eine Eckcouch würde bei der Buchregal-Lösung nicht mehr ins Zimmer passen). Hat man auf einer Couch ohne Ecke nicht auch viel weniger Platz? Wie soll man denn ohne Platz gemütlich auf der Couch sitzen und eines der neuen Bücher lesen? 


Sonntag, 31. März 2019

Fotobreze - März 2019


// Glitzer auf dem Boden ist immer ein gutes Zeichen. In diesem Fall bezeichnet es sehr gut das Florence + The Machine-Konzert am Anfang des Monats. Was für ein Spaß! // Bücherflohmarkt in Gröbenzell und ich habe nur zwei Bücher gekauft. Dafür aber zwei sehr feine Bücher, die dann im nächsten Blogbeitrag gezeigt werden // Und dann kam im März irgendwie plötzlich die Sonne raus (Mütze muss trotzdem sein) // Bloggermarket, Kinder! Da lernt man was über Smartphone-Fotografie, Whatsapp-Chatbots und gute Getränke! // Und dann natürlich: Die Leipziger Buchmesse. Mit neuem Stand an einem neuem Ort und viel Programm // Und großartige Menschen treffen // Und mit Büchern natürlich! // Und dann, dann sitzt man plötzlich beim "50 Jahre Der Herr der Ringe"-Abend in der ersten Reihe // In München fand eine Dackel-Parade statt und ich wollte einfach alle Dackeltierchen mitnehmen // Bei der "Garten München"-Messe duften wir uns als Florist*innen versuchen und mein Blumenstrauß besteht möglicherweise hauptsächlich aus Eukalyptus, weil Eukalyptus einfach wunderbar ist // Die Vorliebe für weiße Sneaker zeigt sich auch in Hotelbars in Leipzig // Und dann war da noch so ein Hund, den ich gerne einfach mitnehmen wollte, stattdessen habe ich mich auf die Blumen konzentriert, was ja auch ganz nett ist //

Von der Leipziger Buchmesse habe ich nicht nur ungeplant vier Bücher, sondern auch eine fiese Erkältung mitgebracht, die mich in der letzten Woche komplett lahmgelegt hat. Braucht auch echt kein Mensch. Dafür bräuchte man auf der Buchmesse so viel mehr Zeit und Körper, um alle Menschen, die man gerne sehen möchte, auch zu sehen. War aber trotzdem wieder sehr prima. Bei einem Community-Treffen zum Thema Fantasy vor 300 Leuten stehen und sagen, dass man keine Fantasy-Bücher liest, ist auch mal was anderes. Und dann gab es noch Sonne und Blumen und überhaupt. Guter März, würde ich sagen. 

Der letzte gelesene Buch-Satz:
"Er verortete ihn erneut im Zentrum der drei Hauptströmungen der hellenistischen Philosophie, die sich mit der Frage beschäftigt hatten, wie man leben soll."
aus "Wie soll ich leben? oder Das Leben Montaignes in einer Frage und zwanzig Antworten" von Sarah Bakewell, Seite 172.

Nächsten Monat und so:
Warum ist denn plötzlich schon April? Wir hatten doch gestern erst Februar, oder? Jedenfalls widme ich mich der Hochkultur und gehe ins Ballett! Außerdem kommt Sophie Passmann nach München und der Welttag des Buches ist auch noch im April! 

Samstag, 30. März 2019

Zum Welttag der Poesie ... #vikingworldpoetryday

Dieser Beitrag ist mit freundlicher Unterstützung von Viking Österreich entstanden, die mir das Material für die kreative Umsetzung zur Verfügung gestellt haben.

"Herz, mein Herz, sei nicht beklommen, und ertrage dein Geschick ..." Wenn mich jemand spontan auf der Straße nach einem Gedichtvortrag fragen würde (kommt sicherlich häufiger vor als man denkt), könnte ich exakt diese eine Zeile von Heinrich Heine wiedergeben. Mehr Lyrik hat sich mein Kopf nicht gemerkt (und auch diese eine Zeile kenne ich nur von einer sehr schönen Grußkarte, die ich mir mal selbstgekauft habe). 

Zum Anlass des Welttag der Poesie am 21.03. habe ich nun dank Viking Österreich die Gelegenheit, meine rudimentären Poesie-Kenntnisse der Welt zu offenbaren. Oder so ähnlich. Um das schöngeistige Thema passend umzusetzen, wurden mir ausgewählte Produkte aus dem Sortiment von Viking zur Verfügung gestellt. Insbesondere das Kalligrafie-Set  hat es mir sehr angetan. Gleichzeitig hatte ich erstmal sehr viel Respekt vor den unterschiedlichen Federn, die man in den Halter einklemmen (Fachbegriffe kann ich ...) kann. Doch die Tintenkleckse haben sich netterweise nur auf meinen Händen und nicht auf dem Papier verteilt. Das "Poetry"-Notizheft gefällt mir auch außerordentlich gut, mal sehen, wann ich mich traue, dort etwas reinzuschreiben (Kennt ihr diese Angst vor den weißen Seiten eines neuen Notizheftes? Man könnte den Reiz ja mit banalen Aussagen zerstören. Aus diesem Grund habe ich einen Schuhkarton voll mit unbenutzten Notizheften).

Das Material für eine (hoffentlich) kreative Poesie-Gestaltung lag also bereit. Was fehlte, war ein passendes Gedicht. Und mein Bücherregal gibt lyrikmäßig leider nicht so viel her ... dachte ich! Bis mir eingefallen ist, dass ich von einer meiner liebsten Lieblingsschriftstellerinnen einen Gedichtband besitze! "Der Koloss" von Sylvia Plath (in der übertrieben schönen Letterpress-Ausgabe). Bisher ungelesen, doch bei einem kurzen Durchblättern fand ich ein sehr passendes Gedicht und habe mal wieder festgestellt, dass Sylvia Plath einfach eine großartige Schreiberin ist, deren Sätze einendirekt ganz tief in der Seele packen und die gleichzeitig so viel Humor und Düsternis in ihre Texte packt,wie ich es selten erlebt habe. 


Die Interpretation von "Metaphern" überlasse ich den Profis, aber alleine, dass in dem Gedicht das Wort "hefig" vorkommt, spricht für sich. 

Auf jeden Fall lasse ich den Gedichtband von Sylvia Plath direkt mal draußen liegen, um noch das ein oder andere Gedicht darin zu lesen. Vielleicht weckt es ja eine spontane Poesie-Liebe in mir. 

Oder habt ihr andere Empfehlungen für mich? Die Bücher von Ruby Kaur hatte ich zwar schon öfter in der Hand, der Funke ist aber bisher nie wirklich übergesprungen. 

Donnerstag, 7. März 2019

Alte weiße Männer von Sophie Passmann.


Originalausgabe - Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch - März 2019

Sophie Passmann ist Feministin und sie fragt sich, ob der alte weiße Mann wirklich an allem schuld ist. Um das herauszufinden, trifft sie bekannte deutsche Männer, um mit ihnen über Sexismus, Feminismus, Chancengleichheit und die Frauenquote zu sprechen. Sie beobachtet mit Robert Habeck an der Spree den Kormoran, picknickt mit Claus von Wagner im Englischen Garten, teilt sehr unfreiwillig ihr Essen mit Rainer Langhans, sie trifft Peter Tauber in der Eisdiele, Kevin Kühnert im Studentencafé, lässt sich von Kai Diekmann auf Frühlingsrollen einladen und pocht bei all den Treffen darauf, Lösungen zu finden auf die Frage: Wie können wir den Geschlechterkampf beenden?

Auf der Frankfurter Buchmesse 2018 lief ich gerade von einem Termin zum nächsten, als mein Fangirl-Radar plötzlich Alarm schlug. Spotted: Sophie Passmann. 5 Sekunden überlegte ich, was ich jetzt machen soll. Und ich entschied mich schlussendlich für die ungewöhnlichste Variante: Ich sprach Sophie Passmann an. Crazy. Und nur ein bisschen creepy (wenn ich mich richtig erinnere sagte ich "Ich kenn dich von Instagram!" oder irgendetwas anderes Bescheuertes). Dafür unterhielten wir uns im Anschluss kurz über ihr bald erscheinendes Buch und ihre Buchempfehlungen bei Instagram (zu dem Zeitpunkt hatte ich wegen ihr "Hochdeutschland" gelesen und fand es ganz furchtbar ...). Und weil ich ein bescheidener Mensch bin und nicht weiß, wie man seriös danach fragt, gibt es von dieser kurzen Begegnung keine Fotos. Dafür sehr viel Liebe in meinem Herzen.

Denn, ja. Ich schwärme für Sophie Passmann. Egal, ob sie bei Instagram mit Alltagsgegenständen politische Zusammenhänge erklärt, im Neo Magazin Royale einen Bericht über Sexismus bei der Berlinale zeigt oder im Zeit-Podcast "Alles gesagt?" vier Stunden lang über Wein redet – count me in!

Nun also ein Buch von Sophie Passmann. Über den alten weißen Mann. Oder mit alten weißen Männern, die mit Sophie Passmann darüber gesprochen haben, was das überhaupt sein soll: ein alter weißer Mann. 

"Nicht jeder Mann, der alt und auch weiß ist, gehört automatisch zum Feindbild 'alter weißer Mann'. Das Gefühl der Überlegenheit gepaart mit der scheinbar völligen Blindheit für die eigenen Privilegien macht für mich eher dieses Feindbild aus." (Seite 10)

Dazu hat sich Sophie Passmann mit sechzehn ganz unterschiedlichen Männern getroffen, die verschiedene Machtpositionen besetzen, um zu klären, was sie eigentlich unter einem "alten weißen Mann" verstehen, welche Haltung sie zu Sexismus und Feminismus haben und was man denn jetzt mal tun sollte für die Gleichberechtigung der Geschlechter.

Herausgekommen sind sechzehn ganz unterschiedliche Porträts. Dabei gelingt es Sophie Passmann sogar Männer, die man selbst für unsympathische Gesprächspartner hält (siehe Kai Diekmann, Micky Beisenherz etc.), interessant darzustellen. Man muss ihnen deswegen aber noch lange nicht zustimmen.

Besonders schön sind die Texte dann, wenn Sophie Passmann nicht nur die Argumente wiedergibt, sondern mit den kleinen Beobachtungen spielt, die zwischen den Sätzen des Gesprächs liegen. Wenn Robert Habeck über einen Zaun springt, um den perfekten Ort für das Gespräch zu finden und anschließend verträumt über Vögel spricht (und dann so Sätze sagt wie "Ich wollte nicht Teil der patriarchalen Machtdominanz sein.", was ich für einen großartigen T-Shirt-Spruch halte). Wenn Claus von Wagner im Englischen Garten über die berittene Polizei in München spricht. Und wenn Sophie Passmann versucht, mit ihrem Vater beim Steak-Essen über Feminismus zu sprechen und dabei noch ganz andere Hürden auftauchen als nur, wer jetzt den Wein aussuchen darf. 

Nein, nach der Lektüre von "Alte weiße Männer" ist nicht abschließend geklärt, was ein alter weißer Mann überhaupt ist und was wir gegen ihn unternehmen können. Dafür dürfen wir einige Stunden mit der bezaubernden Sophie Passmann verbringen und ihren sehr klugen Gedanken folgen.

Denn, auch wenn es vielleicht anders erscheinen mag: Für mich stehen in "Alte weiße Männer" nicht die Männer im Vordergrund. Sondern Sophie Passmann, die sich als Feministin positioniert, den Männern zuhört, aber auch Contra gibt und dabei nie ihren ganz eigenen Witz und Charme verliert.