Samstag, 11. Juli 2020

Neu im Bücherregal - Die Juni-Bücher 2020

Die englischen Bücher aus dem Juni habe ich hier bereits vorgestellt. Nun folgt der Rest der Juni-Bücher. Eine ganze Menge. Geburtstag und so. Dafür habe ich fünf der zehn Bücher auch schon gelesen. Guter Schnitt, wie ich finde.

Sonntag, 5. Juli 2020

Fotobreze - Juni 2020



// "Die Toten" lesen mit Kaffee // "Das Licht ist hier viel heller" lesen auf Treppenstufen // "Der Zorn des Meeres" lesen neben dem Kräutertopf //  "Nackt im Hotel" lesen mit den Birkenstocks, die ich kurz danach weggegeben habe, weil ich nach 3 Jahren immer noch Blasen beim Tragen bekommen habe // Beste Aussicht: Buchläden // Beste Beschäftigung: Alle Pflanzen neu sortieren // Bester Grund "Das literarische Quartett" zu gucken: Sven Regener. Ansonsten ist das leider ein arges Trauerspiel, seitdem Thea Dorn die Moderation übernommen hat // Beste spontane Entscheidung: Hallo zweites Tattoo // Der Geburtstagskuchen und der Geburtstagsbär lassen schön grüßen // Überhaupt: Kuchen // Zum Beispiel selbst gebackener Käsekuchen // Oder Scones. Scones sind auch famos //

Irgendwie fies. Ich hab den Juni als gemein-verregneten Monat im Kopf und auf den Fotos sieht es nun gar nicht so aus. Zum Glück. Regenbedingt war meine Laune im Keller, deswegen musste es häufig Kuchen geben. Guter Trostspender. Ebenso wie Bücher und Pflanzen. Und an dem sehr spontan entstandenen Tattoo erfreue ich mich auch sehr. 

Der letzte gelesene Satz:
"Zu Befehl, mein Fräulein."
aus "Die Spiegelreisende – Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast" von Christelle Dabos, Seite 341

Nächsten Monat und so:
Das Dicke-Bücher-Camp hat seine Tore geöffnet und ich freue mich gar sehr, dass so viele schon ihre imaginären Koffer mit dicken Büchern gepackt haben, um mit dabei zu sein. Und sonst so? Mal sehen. Ich hoffe auf weitere Gelegenheiten, draußen in der Sonne lesen zu können. Kleine Wünsche und so. 

Dienstag, 30. Juni 2020

Das Dicke-Bücher-Camp 2020


Was 2018 als spontane Idee beim Zähneputzen entstand und 2019 sehr erfolgreich wiederholt wurde, wird nun 2020 zur lieb gewordenen Tradition: Das Dicke-Bücher-Camp ist zurück!

Dicke-Bücher-Camp? Was soll das denn sein?

Zuallererst einmal: eine amüsante Lesegemeinschaft oder gemeinsame Leser*innenschaft! Ich möchte euch dazu anregen, im Juli und August ganz bewusst zu dickeren Büchern zu greifen, die sonst bei der Lektürewahl oft links liegen gelassen werden. Zu schwer, zu zeitfressend – das sind die üblichen Ausreden, warum man gerade wieder nicht zu einem dicken Buch greifen kann.

Schluss damit und ran ans Buch!

Dienstag, 23. Juni 2020

Neu im Bücherregal - Die Juni-Bücher 2020 - English Edition

Let's read in English! Oder so ähnlich. Keine Sorge, ich werde nun keine Beiträge auf Englisch verfassen (da steht ja auch "read" und nicht "write"), aber der Juni ist so pickepackevoll mit Büchern ("pickepackevoll" sollte man als Wort auch viel öfter nutzen), dass ich die Neuankömmlinge im Bücherregal auf zwei Beiträge aufteilen muss. Wupps. 

In letzter Zeit  sind durch magicpages und lottelikesbooks immer mehr englischsprachige Bücher auf meiner Büchermerkliste gelandet. Und was liegt da näher, als einen Teil des Geburtstagsgeldes in eben jene englischsprachigen Bücher zu investieren? Eben. Die Entscheidung war nicht leicht, aber schlussendlich habe ich diese bunte Mischung ausgewählt. Danach ist mir aufgefallen, dass die Bücher alle von Autorinnen stammen, was mich sehr erfreut. Der Plan ist nun, in den nächsten Wochen immer wieder zu englischen Büchern zu greifen. Dafür bin ich nämlich sonst immer zu faul, um ehrlich zu sein. Hoffen wir einmal, dass es mit dieser Auswahl klappt:

Sonntag, 14. Juni 2020

Unsichtbare Frauen von Caroline Criado-Perez.


Originaltitel: Invisible Women. Exposing data in a world designed for men - Aus dem Englischen von Stephanie Singh - Erschienen bei btb - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar! 

Unsere Welt ist von Männern für Männer gemacht und tendiert dazu, die Hälfte der Bevölkerung zu ignorieren. Caroline Criado-Perez erklärt, wie dieses System funktioniert. Sie legt die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Erhebung wissenschaftlicher Daten offen. Die so entstandene Wissenslücke liegt der kontinuierlichen und systematischen Diskriminierung von Frauen zugrunde und erzeugt eine unsichtbare Verzerrung, die sich stark auf das Leben von Frauen auswirkt. Kraftvoll und provokant plädiert Criado-Perez für einen Wandel dieses Systems und lässt uns die Welt mit neuen Augen sehen.

Was Caroline Criado-Perez mit diesem Buch zeigen will, ist ein ehrenwertes Unterfangen. Diskriminierung von Frauen beschränkt sich nicht auf die üblichen Themen wie weniger Gehalt, weniger Rente, weniger Karriere, dafür mehr Care-Arbeit. Um es sehr vereinfacht darzustellen: Frauen werden in so gut wie allen Bereichen ignoriert, weil wir in einer Welt leben, die von Männern für Männer gemacht ist. Und dabei werden Frauen häufig nicht absichtlich ausgeklammert, sondern durch mangelnde Datenerfassung aus dem System subtrahiert. 

Für mich waren viele der angesprochenen Themen komplett neu, sodass ich beim Lesen nur verwundert den Kopf schütteln konnte. Stadtplanung zum Beispiel. Hier werden häufig Autos gegenüber Fußgänger*innen bevorzugt. Frauen sind aber häufiger zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Eine schwedische Stadt hat daraufhin ihren Schneeräumplan geändert und statt zuerst die Hauptverkehrswege zu räumen, wurden Gehwege und Routen öffentlicher Verkehrsmittel bevorzugt, was dazu führte, dass die Zahl der Verletzungen durch rutschige Gehwege zurückging – hier waren vorher mehrheitlich Frauen betroffen. 

Beim Thema Arbeitssicherheit müssen sich Frauen häufig mit zu großen Handschuhen oder Sicherheitswesten herumschlagen, die zu Unfällen führen können. Bei Medikamententests sind Frauen seltener in den Testgruppen, weil durch den Menstruationszyklus die Wirkung des Medikaments beeinflusst werden könnte und so keine neutrale Testsituation möglich ist. Verrückt – als würden Frauen ansonsten bei der Medikamenteneinnahme ihren Zyklus einfach pausieren. 

Care-Arbeit als Wirtschaftsfaktor, Smartphones die nicht für Frauenhände (geschweige denn Frauenhosentaschen ... wenn es überhaupt Hosentaschen gibt) gebaut sind, Algorithmen, die Frauen ignorieren, die Pflug-Theorie, die besagt, dass Gesellschaften, in denen früher Pflüge genutzt wurden, weniger gleichberechtigt sind (weil zum Beispiel ein Pflug schwerer ist als eine Hacke. Bei der Bearbeitung eines Feldes mit eine Hacke kann die Arbeit auch jederzeit unterbrochen werden, um beispielsweise ein Kind zu versorgen). So viele interessante neue Punkte konnte ich aus dem gut recherchierten Buch von Caroline Criado-Perez mitnehmen.

Wenn da nicht ein sehr großes "Aber" in meinem Kopf wäre.

Sitzen zwei Homosexuelle im Flugzeug. Sagt die eine zur anderen: "Bestimmt haben sich jetzt alle zwei Schwule vorgestellt."

Wie wichtig in diesem Kontext Sprache ist, zeigt Criado-Perez bereits in der Einleitung zu "Unsichtbare Frauen". In einer englischsprachigen Untersuchung sollte eine Testgruppe genderneutrale Begriffe wie "user", "person" oder "designer" bildlich darstellen. Und - guess what: "Es zeigt sich, dass die scheinbar geschlechtsneutralen Begriffe nicht als gleichermaßen männlich und weiblich wahrgenommen wurden." (Seite 27). 

Sprache baut Bilder in unserem Kopf. Aus diesem Grund ärgert es mich sehr, dass die deutsche Übersetzung von "Unsichtbare Frauen" versäumt konsequent zu gendern. Mal wird von "Lehrerinnen und Lehrern" gesprochen, mal von "Gutachter/in",  dann  aber wieder von "Managern" ohne, dass der Kontext sich nur auf männliche Manager beziehen würde. 

Ich weiß, dass ich beim Thema "genderneutrale Sprache" selbst noch viel lernen muss, aber gerade bei einem Buch zum Thema Frauendiskriminierung (inklusive einer Einleitung, in der es genau darum geht!), setze ich doch etwas mehr Feingefühl voraus.

Und so bleibt ein fader Beigeschmack nach der Lektüre von "Unsichtbare Frauen". So viele wichtige Themen werden angesprochen, so wenige Grundlagen werden eingesetzt.