Dienstag, 7. Mai 2019

Neu im Bücherregal - Die April-Bücher 2019.

Kurzes Buchregal-Update: Noch gibt es keine Bücherregale hinter der Couch. Dafür füllt sich meine Pinterest-Pinnwand mit Beispiel-Fotos, wie das ganze denn aussehen könnte. Sehr buchig, auf jeden Fall. In der Zwischenzeit befülle ich die vorhandenen Bücherregale nicht nur mit Büchern, sondern auch mit anderen dekorativen Stücken. Zum Beispiel einem kleinen Porzellan-Dackel, der jetzt die suhrkamp taschenbuch wissenschaft-Reihe bewachen darf. Dazu gibt es noch kleine Vasen mit Schleierkraut, ein gerahmtes Foto von einem Dackel, ein LEGO-Big Ben, ein Kleingeld-Glas und ein "Blogger"-Schild, welches ich bei der letzten Preiverleihung des Bayerischen Buchpreises mitgenommen habe. Damit die Bücher nicht so alleine rumstehen. Habt ihr neben den Büchern noch andere Gegenstände zur Auflockerung im Bücherregal stehen? 

Der Porzellan-Dackel muss sich nun auf jeden Fall den Platz mit folgenden Büchern, die im April dazugekommen sind, teilen: 



Kinderland von Mawil. Auf der Leipziger Buchmesse bei einer Lesung neugierig entdeckt und dann direkt verschlungen. I like! Mir gefällt die Fokussierung auf die kindliche Perspektive – und dann fällt halt einfach mal die Mauer. Dazu ein sehr schöner, einfacher Zeichenstil. Mawil behalte ich mal im Kopf!

Schäfchen im Trockenen von Anke Stelling. Ich sags direkt an dieser Stelle: Ich hatte die beiden Bücher, die auch im Literarischen Quartett besprochen wurden, schon vor der Sendung, ne! Okay, bei "Schäfchen im Trockenen" war es nur ein Tag im Voraus, aber trotzdem. Die Schäfchen habe ich auch schon gelesen und fand es doch erstaunlich nicht. Könnte thematisch sehr viel mehr Gejammere sein, die Autorin hält hier aber gut die Waage, wie ich finde. Und dann stehen da halt auch so gute Sätze wie "Und du verspürst Mitleid mit Opa Raimund, siehst ihn bei uns am Kaffeetisch sitzen und Käsekuchen essen und erkennst, dass Kuchen nicht ausreicht, um den Hunger seines Herzens zu stillen." (Seite 82)

Das Leben ist eins der Härtesten von Giulia Becker. Die Autorin mag ich ja auch echt gern, umso gespannter war ich nun auf ihren ersten Roman. Denn so eine Fahrt ins Paradies Tropical Island ist viel amüsant-melancholischer als man vielleicht denkt. Einziger Kritikpunkt: Das Buch hätte gerne noch ein paar Seiten länger sein dürfen, um den Charakteren mehr Raum zu geben. Beim nächsten Mal dann bitte!

Das Herz kommt zuletzt von Margaret Atwood. Weil ich wirklich viel mehr von Margaret Atwood lesen sollte, musste dieses Mängelexemplar bei texxt mit. Für noch mehr Atwood-Lektüreempfehlungen bin ich sehr dankbar!

Herz aus Eis von Isabelle Autissier. Ebenfalls ein Mängelexemplar-Kauf bei texxt. Für mehr Meer-Bücher und so. Dazu könnte man auch mal einen Lesemonat machen ...

Der Lärm der Zeit von Julian Barnes. Der dritte und letzte Mängelexemplar-Kauf. Bei "Der Lärm der Zeit" denke ich jedes Mal, wenn ich es in einer Buchhandlung stehen sehe, dass ich das Buch schon habe. Habe ich aber gar nicht. Jetzt schon. Hoffentlich werde ich mich beim nächsten Mal daran erinnern ...

GRM von Sibylle Berg. Das Internet hat sich zu diesem Buch überschlagen, plötzlich war es überall ausverkauft und mit dem Hashtag #findyourGRM konnte man Sichtungen in Buchhandlungen festhalten. Eine Hugendubel-Filiale in München hatte anscheinend vorsorglich die Bücher gebunkert, weswegen ich dem Gruppenzwang erlegen bin. Außerdem ist Sibylle Berg eh ein ganz großartiger Mensch, ne. (Und mal so nebenbei: Warum ist das Buch so schwer? So dick ist es jetzt auch wieder nicht, aber mein Arm fühlt sich etwas überfordert, wenn ich es aus dem Regal nehme)

Love. Her. Wild. von Atticus. Ich bin nicht unbedingt der Lyrik-Leser (dazu hatten wir ja erst letztens einen Beitrag zum Welttag der Poesie), aber diesen Gedichtband habe ich nun bei Instagram gewonnen (mit meiner großartigen Ergänzung des Gedichts "Poesie ist für mich, im Dunkeln zu tappen auf der Suche nach Worten für das Gefühl ..." mit "von Brausestäbchen auf der Zunge" – merkt euch meinen Namen, wenn ich bald einen Lyrik-Preis nach dem anderen abräume!). So richtig versteh ich den Hype um Atticus nicht, aber gucken kann man ja mal.

Herkunft von Saša Stanišić. Wer immer noch kein Buch von Saša Stanišić gelesen hat, der klickt jetzt direkt auf diesen Link, liest die Rezension zu "Herkunft" und kauft im Anschluss das Buch. Herzlichen Dank. 

Nicht im Bild (weil nachhaltig an weitere Leser*innen weitergegeben):

Umweltliebe von Jennifer Sieglar. Das Buch ist  umweltfreundlich gedruckt und wohl auch biologisch abbaubar (hab ich nicht getestet, ne!), was ich bei dem Thema für eine gute Entscheidung halte. Inhaltlich hab ich ein paar Anregungen mitnehmen können, es war mir aber insgesamt fast etwas zu "einfach" geschrieben. Gurken ohne Plastikfolie kaufen, Kinder! Ich kauf einfach gar keine Gurken, weil mir die nicht schmecken.

Montag, 6. Mai 2019

Fotobreze - April 2019


// Hochkultur in der Bayerischen Staatsoper: In diesem Fall "Spartacus" als Ballett // Meine Beobachtung: Menschen gehen ins Ballett, um dann sehr viele Fotos von sich selbst in den Erfrischungsräumen zu machen. Wir passen uns diesem Trend mal an // Frau Passmann bei einer Lesung zu "Alte weiße Männer" gesehen und mein Fangirl-Herz ist hocherfreut // Noch mehr Kultur! Im Museum Brandhorst kann man Bilder von Alex Katz bewundern. Schon schön // Mein April-Highlight: Ich habe einen Corgi gesehen. Einen Corgi, Kinder. Einen echten Corgi in München! // Food Content: Linsen-Bolognese. Kann man mal machen // Food Content: Sehr viele Brotaufstriche für das letzte Buchclub-Treffen // Guter Kaffee und Norwegen-Häuschen // Ich war wieder mal beim Flohmarkt auf der Theresienwiese und ... // ... habe einen kleinen Dackel gekauft. Kitschig, niedlich, notwendig! // Neue Freizeitbeschäftigung: Aquarellmalerei. Üben, üben, üben. // Und dann hab ich mir noch einen Bioabfall-Eimer besorgt. Auch schön //

Samstag, 27. April 2019

Herkunft von Saša Stanišić.


Originalausgabe - Erschienen im Luchterhand Literaturverlag - März 2019 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar!

"Herkunft" ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt.

Saša Stanišić gehört zu meinen persönlichen Lieblingsautoren – und das schon sehr lange wie ein Blick ins Archiv zeigt ("Vor dem Fest" im Januar 2015, "Fallensteller" im Mai 2016, Lesungsbericht im Juni 2016). Nun ist also mit "Herkunft" ein weiteres Buch von ihm erschienen, welches ich mit viel Vorfreude erwartet habe. "Herkunft" also. Schweres Thema. Großes Thema. 

In "Herkunft" verwebt Saša Stanišić Realität und Fiktion zu (s)einem persönlichen Herkunftsmythos, erzählt, erfindet, erschafft einen eigenen Herkunftsteppich voller Geschichte und Geschichten. Und Drachen.

"Früher hatte Großmutter behauptet - da war ich zehn oder fünf oder sieben -, ich würde niemals täuschen und lügen, sondern immer nur übertreiben und erfinden." (S. 19)

Wohl jeder Text über Stanišić spricht nicht nur vom "Sprachzauberer", sondern auch von seiner Herkunft – Jugoslawien wohl. Oder halt auch nicht. Vielleicht Višegrad, vielleicht Oskoruša, vielleicht Heidelberg, vielleicht Hamburg. Vielleicht einfach alles davon und noch mehr oder weniger. 

Nun spricht Stanišić selbst über Herkunft und was das überhaupt ist und bedeutet. Erzählt die eigene Familiengeschichte, die sich so oder so ähnlich zugetragen hat oder haben könnte. Kein roter Faden führt uns, sondern ein unzuverlässiger Erzähler, der sich selbst und seinen Erinnerungen nicht geheuer ist. Und erschafft dabei wieder diese Sprachbilder (Zauberer, ne!), bei denen mein Bleistift hektisch zuckt, weil sie so schön sind. 

Stanišić spielt nicht nur mit den Erinnerungen, sondern auch mit seinen Leser*innen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Am Ende des Buches gibt es kein Ende. Jedenfalls kein einheitliches. Denn der/die Leser*in entscheidet selbst, wie die Geschichte endet – "Choose your own adventure". So wie damals bei "Die Insel der 1000 Gefahren". Das hat mich schon als Kind fürchterlich gestresst. Ich will alle Enden kennen! Das gilt auch für "Herkunft". Wobei ich mich bisher zusammengerissen habe und nur eine - meine - Version gelesen habe. 

"Literatur ist ein schwacher Kitt. Das merke ich auch bei diesem Text. Ich beschwöre das Heile und überbrücke das Kaputte, beschreibe das Leben vor und nach der Erschütterung, und in Wirklichkeit vergesse ich Geburtstage und nehme Einladungen zu Hochzeiten nicht wahr. Ich muss nachdenken, um mich zu erinnern, wie die Kinder meiner Cousinen heißen. An den Gräbern meiner Großeltern mütterlicherseits habe ich noch kein einziges Mal eine Kerze angezündet." (S. 212)

"Herkunft" erzählt davon, wie es ist mit 14 aus einem kriegserschütterten Land zu fliehen. Wie man versucht, in einem Land Fuß zu fassen, das einem so fremd und kühl erscheint. Wie man die eigene Herkunft bewahren will und sich deswegen eine neue erfindet. 

Eselsohren pflastern meinen Weg durch dieses Buch und ich finde, das ist ein gutes Zeichen. 

Auf der Leipziger Buchmesse habe ich die Lesung mit Saša Stanišić leider verpasst (was dann aber doch noch passiert ist, kann man hier nachlesen), umso mehr freue ich mich auf die Lesung im Literaturhaus München am 08.05.2019. – ich werde dann noch davon berichten (soweit ich gesehen habe, kommt das Wort "Brezel" bzw. "Breze"  nicht vor. So schlimm wie beim letzten Mal kann es also nicht werden). 

Sonntag, 21. April 2019

Der Buchclub – Menschen, Bücher, Weißwein.

Dass ich gerne und viel lese, sollte man bei der Lektüre meines Blogs bereits mitbekommen haben. Damit gehöre ich - laut der Studie "Buch und Buchhandel in Zahlen" zu einer angeblich aussterbenden Gruppe. Immer weniger Menschen lesen (54,5% der Deutschen zählen als Selten- und Nichtleser. Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels). Ich befinde mich aber in der glücklichen Situation, einen belesenen Freundes- und Bekanntenkreis zu haben – Birds of a feather flock together. Und so kommt es auch, dass ich seit Oktober 2017 Teil eines Buchclubs bin.


Buchclub? 

Sonntag, 7. April 2019

Neu im Bücherregal - Die März-Bücher 2019.

Ignorieren wir einfach mal die exorbitante Anzahl von vierzehn neuen Büchern im März, sondern wenden uns viel interessanteren Fragen zu: Was haltet ihr von einem Bücherregal hinter der Couch? Neuer Platz quasi. Und man kann direkt von der Couch aus neue Lektüre greifen. Und man hätte neuen Stellplatz für neue Pflanzen. Und neue Lego-Kästen. Alles neu also! Blöderweise habe ich anscheinend kein kreatives räumliches Vorstellungsvermögen, denn ich weiß wirklich nicht, wie das aussieht, wenn die Couch nicht direkt an der Wand steht. Und wenn die Couch plötzlich keine Eckcouch mehr ist, sondern eine ohne Ecke (denn eine Eckcouch würde bei der Buchregal-Lösung nicht mehr ins Zimmer passen). Hat man auf einer Couch ohne Ecke nicht auch viel weniger Platz? Wie soll man denn ohne Platz gemütlich auf der Couch sitzen und eines der neuen Bücher lesen?