Montag, 1. November 2021

Neu im Bücherregal - Die Oktober-Bücher 2021

Wenn einen der Stapel an neuen Büchern fröhlich anlacht und man selber verkniffen zurücklächelt, um sich anschließend im Bett zu verstecken, dann ist die Leselaune im Keller und feiert dort eine Party, zu der man selber nicht eingeladen ist. So oder so ähnlich fühle ich mich jedenfalls gerade. Ich hoffe, die Party ist bald vorbei und ich kann wieder mit Buchbegleitung auf die Couch zurückkehren, anstatt nur zum Smartphone zu greifen und mich im stundenlangen Downscrolling zu verlieren. Macht es also schlauer als ich und greift jetzt direkt zum Buch. Okay. Erst noch diesen Beitrag lesen, dann zum Buch greifen!

»Zum Paradies« von Hanya Yanagihara.
Ich habe mich schon lange nicht mehr so sehr über Buchpost gefreut wie in diesem Fall. Im Januar 2022 erscheint »Zum Paradies« und nun liegt das Buch aber schon hier und das ist schon ganz schön wunderbar. Mit »Ein wenig Leben« hat Hanya Yanagihara mein Herz gebrochen, bei »Das Volk der Bäume« blieb ich verwirrt zurück und nun liegen hier neue 895 Seiten, die ich ehrfürchtig betrachte. Wahrscheinlich wird das eine »Zwischen den Feiertagen«-Lektüre. Im Januar dann mehr dazu!

»Hotel du Lac« von Anita Brookner.
Wieder so ein Fall von Büchern, die mich zu anderen Büchern führen. In diesem Fall hat Daniel Schreiber in »Allein« unter anderem von »Hotel du Lac« erzählt, sodass das Buch direkt auf meiner Merkliste gelandet ist. Und wie man sieht, wenig später den Weg in mein Bücherregal gefunden hat. Der nächste Schritt: Ich würde gerne Urlaub im selben Schweizer Hotel wie Daniel Schreiber machen. 

»Schöne Welt, wo bist du« von Sally Rooney.
Ja nun. Nach »Gespräche mit Freunden« nun mein zweites Buch von Sally Rooney (weil ich »Normale Menschen« immer noch nicht gelesen habe) und es hat mir wieder gut gefallen, weil Sally Rooney als Autorin den Ton für ihre Protagonist*innen immer richtig trifft. Aber. Die Person Sally Rooney versteh ich nicht wirklich, nachdem sie ihr Buch nicht bei einem israelischen Verlag veröffentlicht sehen möchte. Sollte man hier Werk und Autorin trennen oder doch lieber kopfschüttelnd auf die weitere Lektüre verzichten? 

»Blaue Frau« von Antje Rávik Strubel.
Die Leseprobe von »Blaue Frau« konnte mich bei der Longlist des Deutschen Buchpreises noch nicht so richtig überzeugen. Dafür fand ich die Rede von Antje Rávik Strubel, als sie den Deutschen Buchpreis gewonnen hat, umso beeindruckender und deswegen schließe ich mich nun der Leserunde von »Mädels, die lesen« an und lese im November die »Blaue Frau«. 

»Ein strahlendes Licht« von Audre Lorde.
Ein neuer Verlag ist im Haus! Der Aki Verlag hat im Oktober sein erstes Programm veröffentlicht mit fünf Büchern von fünf spannenden Frauen und ich habe mich sehr gefreut, dass ich mir ein Buch als Rezensionsexemplar aussuchen durfte. Audre Lorde ist mir nun schon öfter in anderen Büchern begegnet, umso gespannter bin ich auf ihre eigenen Worte. Und beim nächsten Besuch in einer Buchhandlung hol ich mir noch »Landschaft verschluckt« von Deborah Levy. 

»Einsame Schwestern« von Ekaterine Togonidze.
Das Buch stand schon länger auf meiner Merkliste, weswegen es bei der letzten Bestellung bei Cheaboo fast von alleine in den Warenkorb gehüpft ist.

»Pu der Bär - Rückkehr in den Hundert-sechzig-Morgen-Wald« von David Benedictus.
Pu der Bär ist mein Lieblingsbücherbär und einer der Gründe, warum ich unbedingt einmal nach New York möchte, weil ich mir in der New York Library den echten Pu angucken möchte. Nun geht es also zurück in den Hundert-sechzig-Morgen-Wald. Geständnis: Letztens habe ich den Film »Christopher Robin« mit Ewan McGregor gesehen und ab der zweite Minute fast durchgängig geweint, weil mich dieser Teddybär so rührt. Wie kann sowas denn sein?

»Dein Bücherregal verrät dich« von Grant Snider.
Bei Büchern über Bücher bin ich anfangs immer etwas skeptisch, weil mir das oft zu einfach ist. Aber der erste Blick in »Dein Bücherregal verrät dich« zeigte schon sehr niedliche, kurzweilige Comics rund um die Bücherliebe, deswegen bin ich hier doch ganz positiv gestimmt, Außerdem hat das Cover ein Loch im Deckel, das amüsiert mich schon sehr. Es sind die kleinen Dinge. 

»The Bass Rock« von Evie Wyld.
Meine aktuelle Lektüre, die es mir nicht gerade leicht macht. Das liegt nicht unbedingt am Buch selbst, sondern an mir, denn meine Leselust ist gerade sehr launisch und so bewege ich mich in Mini-Schritten durch die schottische Küstenlandschaft. 

Samstag, 16. Oktober 2021

Deutscher Buchpreis 2021 - Die Shortlist #dbp21

 


Am Montag, den 18. Oktober, wird der Deutsche Buchpreis 2021 vergeben und ich bin schon sehr gespannt, welches der sechs Bücher aus der Shortlist gewinnen wird. Kurz vor knapp folgt nun deshalb noch mein Kommentar zur Shortlist und der Hinweis, dass die Preisverleihung am Montag ab 18 Uhr auf der Seite des Deutschen Buchpreises live mitverfolgt werden kann. Guess, we have a date! 


"Der zweite Jakob" von Norbert Gstrein. Erschienen im Carl Hanser Verlag.
Hm. Nee. Überzeugt mich leider immer noch nicht. 

"Vati" von Monika Helfer. Erschienen im Carl Hanser Verlag.
Ich sag mal so, der Titel ist fast richtig, ich hätte mir nur lieber "Vater und ich" auf der Shortlist gewünscht. 

"Eurotrash" von Christian Kracht. Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch. 
Mich amüsiert es sehr, dass ich das Buch seit Erscheinen lesen möchte, es mir aber immer noch nicht gekauft habe, weil ich dann doch jedes Mal ein anderes Buch mehr anspricht. Wenn das Buch nun den Deutschen Buchpreis gewinnt, kauf ich es aber wirklich. Versprochen!

"Zandschower Klinken" von Thomas Kunst. Erschienen im Suhrkamp Verlag.
Ich war so verwirrt von der Leseprobe, ich habe keine Ahnung, was dieses Buch möchte. Das könnte bedeuten, dass das Buch gute Chancen hat zu gewinnen. 

"Identitti" von Mithu Sanyal. Erschienen im Carl Hanser Verlag.
Mein Gewinnerbuch der Herzen. Wie schön wäre es, wenn Mithu Sanyal den Preis nach Hause nehmen könnte?!

"Blaue Frau" von Antje Rávik Strubel. Erschienen im S. Fischer Verlag.
Von der Leseprobe war ich leider nicht so überzeugt, aber einzige Rezensionen haben mich nun doch neugierig auf das Buch gemacht. Vielleicht les ich das dann doch mal. 

Sonntag, 3. Oktober 2021

Neu im Bücherregal - Die September-Bücher 2021

Rainer Maria Rilke sagt, dass es im Herbst Zeit wird zu lesen (meine freie Interpretation von "Herbsttag"). Da hat er irgendwie Recht, denn wenn es draußen kälter wird, Laub auf den Wegen liegt und sich Kastanien in den Jackentaschen sammeln, kann man ganz wunderbar den Tag im Bett mit guten Büchern verbringen. Ich verrate euch ein Geheimnis: Das funktioniert aber auch zu jeder anderen Jahreszeit sehr gut. Habe ich für euch getestet und für gut befunden. Wer aber keine Lust aufs unruhige Wandern oder Häuser bauen hat, der kann sich Rilke und mir anschließen. Ich muss mich nur noch entscheiden, welches der Bücher, die im September neu ins Regal gezogen sind, ich nun lesen werde. 


Dienstag, 28. September 2021

»Allein« von Daniel Schreiber

Originalausgabe - Erschienen bei Hanser Berlin - 2021 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar!

Zu keiner Zeit haben so viele Menschen allein gelebt, und nie war elementarer zu spüren, wie brutal das selbstbestimmte Leben in Einsamkeit umschlagen kann. Aber kann man überhaupt glücklich sein allein? Und warum wird in einer Gesellschaft von Individualisten das Alleinleben als schambehaftetes Scheitern wahrgenommen?
Im Rückgriff auf eigene Erfahrungen, philosophische und soziologische Ideen ergründet Daniel Schreiber das Spannungsverhältnis zwischen dem Wunsch nach Rückzug und Freiheit und dem nach Nähe, Liebe und Gemeinschaft. Dabei leuchtet er aus, welche Rolle Freundschaften in diesem Lebensmodell spielen: Können sie eine Antwort auf den Sinnverlust in einer krisenhaften Welt sein? Ein zutiefst erhellendes Buch über die Frage, wie wir leben wollen.

Es gibt so Bücher, bei denen weiß man schon seit der ersten Ankündigung, dass das ein gutes Buch werden wird. Es vergeht Zeit bis zur Veröffentlichung, irgendwann liegt das Buch in der Post (besonders hübsch eingepackt vom Autor und dem Verlagsteam, Applaus dafür!) und man freut sich auf die Lektüre. Und gleichzeitig hat man Angst davor. Was, wenn die hohen Erwartungen doch nicht erfüllt werden können? Was, wenn es in eine ganz andere Richtung als gedacht geht?

Doch all diese Sorgen waren bei »Allein« von Daniel Schreiber unberechtigt. Ich nehme es direkt vorweg: Dieses Buch ist jetzt schon eines meiner Jahreshighlights 2021. Selten hatte ich ein so kluges, ein so intimes, ein so richtiges Buch in den Händen. Ist das nun die Stelle, an der ich mich beim Autor bedanken kann? Danke, Daniel.

In »Allein« erzählt Daniel Schreiber nicht einfach nur vom Alleinsein und der großen Bedeutung dahinter. Daniel Schreiber konzentriert sich auf die vergangenen zwei Jahre, in denen so viele von uns auf unterschiedliche Arten alleine waren. Corona und die damit verbundenen Einschränkungen des Soziallebens haben uns alle getroffen. Und wir alle waren und sind irgendwie alleine. Das betrifft Alleinstehende ebenso wie Paare und Familien. Wir alle haben weniger Zeit mit anderen Menschen verbracht. Wir alle mussten in den vergangenen zwei Jahren lernen, allein zu sein. Nicht nur allein, sondern auch einsam. Nur das zuzugeben, fällt schwer. 

Bei Daniel Schreiber beginnt alles mit einem Garten. Denn er bietet einem befreundeten Paar an, sich um den Garten des neubezogenen Hauses zu kümmern. Schließlich hat Daniel Schreiber eine Leidenschaft für Pflanzen und Gärten. Und es ist eine Möglichkeit, mehr Zeit mit dem Paar zu verbringen, das Berlin für einen Umzug aufs Land verlassen haben. Daniel hat Angst, dass er sich ohne sie in Berlin alleine fühlt. Ganz ohne Partner. Nur auf sich gestellt. 

Für mich ist »Allein« im schönsten Sinne ein kluges Tagebuch, das Daniel Schreiber für uns öffnet. Er erzählt von seinen Ängsten, von Reisen in die Schweiz und auf die Kanarischen Inseln, von der Liebe zum Wandern, von depressiven Phasen und der tiefen Dunkelheit. Er spricht von Freundschaften im gesellschaftlichen und kulturellen Kontext. Wie wichtig Freundschaften sind und warum sie einen ebenso hohen Stellenwert wie Beziehung haben. Und immer wieder kommt er auf andere Autor*innen zurück, die vom Alleinsein berichten. Joan Didion, Annie Ernaux, Eva Illouz, Deborah Levy, Olivia Laing, Maggie Nelson, Rebecca Solnit und so viele mehr. Einer der Gründe, warum ich die Lektüre häufig unterbrechen musste, um mal wieder meinen Bleistift zu suchen und ein weiteres Buch aus dem Literaturverzeichnis zu notieren. Denn ich liebe es sehr, wenn mich ein Buch zu vielen anderen interessanten Büchern führt. 

»Zwischen all den Geschichten, die wir uns erzählen, um zu leben, und zwischen all den Versuchen, diese Geschichten abzulegen, wenn wir merken, dass sie unsere Sicht auf die Dinge verzerren und zu selbstgebauten Gefängnissen werden, gibt es Momente der Stille.« (Seite 140)

Lesen ist eine sehr einsame Tätigkeit. Mit »Allein« fühlt man sich dabei aber ganz und gar nicht allein. Und wenn doch, ist das auch vollkommen okay.

Sonntag, 19. September 2021

»Die nicht sterben« von Dana Grigorcea

Originalausgabe - Erschienen im Penguin Verlag - 2021 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar im Rahmen des Deutschen Buchpreises!

B. ist eine kleine Stadt in den Bergen, an der Grenze zu Transsilvanien. Eine junge, in Paris ausgebildete Künstlerin, verbringt hier ihre Sommerferien in der Villa ihrer Großtante. Sie liebt die Natur, die bukolische Landschaft und das einfache Leben der Einheimischen. Was sie lange Zeit nicht wahrhaben will, sind die sozialen Abgründe, die Perspektivlosigkeit und Verzweiflung ihrer Freunde. Das Unheil aber kommt mit dem Fund einer Leiche – übel zugerichtet wie vom Fürsten der Finsternis.


Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2021 ist »Die nicht sterben« von Dana Grigorcea mein Patenbuch beim #buchpreisbloggen. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich vor der Bekanntgabe der Longlist den Titel so gar nicht auf dem Schirm hatte und nicht so recht wusste, was mich da bei der Lektüre erwartet. Ein Glücksfall, wie ich nun feststellen darf, denn wer weiß, ob ich ohne das Buchpreisbloggen überhaupt zu »Die nicht sterben« gegriffen hätte.


Dana Grigorcea erzählt in »Die nicht sterben« eine erfrischend moderne Variante des Dracula-Mythos mit der richtigen Portion Historie, Fantasie und Gegenwartskritik. Inklusive eines kleinen Seitenhiebes auf »Twilight«, was mich als zugegebenermaßen früheres Fangirl doch arg erheitert hat.