Freitag, 10. August 2018

Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst von Jaron Lanier.


Originaltitel: Ten Arguments For Deleting Your Social Media Accounts Right Now - Aus dem amerikanischen Englisch von Martin Bayer und Karsten Petersen - Erschienen bei Hoffmann und Campe - 2018

Jaron Lanier, Tech-Guru und Vordenker des Internets, liefert zehn bestechende Gründe, warum wir mit Social Media Schluss machen müssen. Facebook, Google & Co. überwachen uns, manipulieren unser Verhalten, machen Politik unmöglich und uns zu ekligen, rechthaberischen Menschen. Social Media ist ein allgegenwärtiger Käfig geworden, dem wir nicht entfliehen können. Lanier hat ein aufrüttelndes Buch geschrieben, das seine Erkenntnisse als Insider des Silicon Valleys wiedergibt und dazu anregt, das eigenen Verhalten in den sozialen Netzwerken zu überdenken. Wenn wir den Kampf mit dem Wahnsinn unserer Zeit nicht verlieren wollen, bleibt uns nur eine Möglichkeit: Löschen wir all unsere Accounts! Ein Buch, das jeder lesen muss, der sich im Netz bewegt!

Die Ironie, online über ein Buch zu sprechen, welches einen dazu auffordert, seine Social-Media-Accounts zu löschen, ist mir sehr bewusst und erheitert mich auch ehrlich gesagt sehr. Als ich zum ersten Mal das Buch in einer Instagram Story gezeigt habe, bekam ich auch einige aufgeregte Nachrichten, ob ich denn vorhabe, meinen Account zu löschen.

Deswegen vorab zur Beruhigung: Nein, ich werde nichts löschen. Weder meinen Twitteraccount, noch Instagram oder Facebook. Was aber nicht bedeuten soll, dass Jaron Laniers Plädoyer keinen Eindruck bei mir hinterlassen hat. 

Ganz im Gegenteil.

"Der Titel ist keine Lüge: in diesem Buch werden zehn Gründe präsentiert, alle deine Social-Media-Accounts sofort zu löschen. Ich hoffe, sie werden dich überzeugen. Aber selbst wenn du alle zehn Gründe richtig findest, wirst du vielleicht trotzdem ein paar deiner Accounts behalten wollen. Das ist deine eigene Entscheidung – als Katze." (Seite 9)

Jaron Lanier gehört zu den Größen des Internets – ohne selbst ein Teil davon zu sein. Den Entwicklungen aus dem Silicon Valley steht er kritisch gegenüber. So kritisch, dass er keine Social-Media-Accounts hat. Laut seiner Einschätzung haben alle Sozialen Netzwerke eine Gemeinsamkeit: BUMMER. BUMMER steht für "Behaviors of Users Modified, and Made into an Empire for Rent" (Verhaltensweisen von Nutzern, die verändert und zu einem Imperium gemacht wurden, das jedermann mieten kann - Seite 43). Soziale Netzwerke sind nicht von Grund auf schlecht. Sie basieren nur auf einem Modell, welches BUMMER fördert und so die schlechte Seite der Menschen zum Vorschein bringt.  

Besonders aufrüttelnd war für mich das Kapitel "Social Media macht dich zum Arschloch". Denn genau das tut es. Social Media zieht Arschloch-Verhalten an. Wie oft scrolle ich durch meinen Instagram-Feed und denke mir "Och, die schon wieder!", rolle innerlich mit den Augen über dieses und jenes und fühle mich dabei nicht mal schlecht. Ich urteile über Menschen, die ich gar nicht kenne. Nun schreibe ich nicht unbedingt fiese Kommentare unter Bilder (jedenfalls hoffe ich das), aber wie schnell man selbst zum Arschloch durch Soziale Netzwerke werden kann, ist erschreckend. Die vermeintliche Anonymität lädt uns ein, unsere fiesen Charakterzüge auszuleben. Tut doch niemandem weh. 

Doch. Tut es. Auf der einen Seite unserem Gegenüber, der unsere Kritik ungefragt einstecken muss. Und auf der anderen Seite uns selbst, indem wir uns dieses negative Verhalten angewöhnen und uns davon runterziehen lassen. 

Was mir an "Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst" besonders gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass Jaron Lanier niemals hektisch mit dem moralischen Zeigefinger wedelt, sondern sehr anschaulich die wunden Punkte der Sozialen Netzwerke benennt, die einem ansonsten eher schwammig präsentiert werden. Und auch wenn er keine direkte Lösung parat hat, gibt er doch Denkanstöße für zukünftige Geschäftsmodelle, die Soziale Medien nutzen könnten, um sich von der Manipulation von Verhaltensweisen ihrer Nutzer zu entfernen. Nutzungsgebühren und Entlohnung für Content sind hier zwei interessante Stichpunkte. 

Wenn ich also auch nicht direkt meine Social-Media-Accounts nach der Lektüre von Jaron Laniers Buch lösche, so hat es mir doch wenigstens den Spiegel vorgehalten und ich hoffe, ich kann an meinem Nutzungsverhalten arbeiten, damit ich mich weniger schlecht fühle, wenn ich durch die Sozialen Netzwerke spaziere. 

Und wie sieht es bei euch aus? Habt ihr schon mal eure Nutzung von Sozialen Netzwerken überdacht? Oder direkt einen Account gelöscht? 

Sonntag, 5. August 2018

Neu im Bücherregal - Die Juli-Bücher 2018.

Keine Ausrede von wegen Geburtstagsgeschenke. Keine Ausrede von wegen notwendiger Buchhandelsbesuche. Dafür erfreue ich mich viel zu sehr an den zehn neuen Büchern in meinem Bücherregal. Was mir dabei aufgefallen ist: Ich mag es total, wenn sich die Bücher im Regal verschieben. Wenn ein Buch einen neuen Nachbarn bekommt und sich dadurch das ganze Bild des Regals ändert. Mein Bücherregal ist quasi ein lebender Organismus. Ein dekoratives Element mit Eigenleben. Die Vorstellung gefällt mir gerade gar sehr. 


Die schöne Frau Seidenmann von Andrzej Szczypiorski. Der örtliche Bücherschrank ist eine Lotterie. Mal steht nur Unsinn drin, mal die großartigsten Entdeckungen. In diesem Fall wurde mir "Die schöne Frau Seidenmann" von Herrn Gatsby mitgebracht, weil er der Meinung war, dass mir irgendjemand dieses Buch empfohlen hat. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, bin aber doch positiv angetan vom Klappentext.

Wo die Welt anfängt von Truman Capote. Wenn ich schon nicht die Gesamtausgabe von Truman Capote besitze, stückle ich mir das ganze nun eben selbst zusammen. Denn man kann nie genug von Capote haben. 

Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst von Jaron Lanier. Dieses Buch durfte mich in den letzten Tagen als S-Bahn-Lektüre begleiten. Fast jede zweite hat ein Eselsohr (ja!), um interessante Gedankengänge zu markieren. Jaron Lanier klärt auf ohne mit dem moralischen Zeigefinger zu wedeln. Und nein. Ich werde meine Social Media Accounts nicht löschen. Aber noch etwas ausführlicher über dieses Buch schreiben.

Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve. Eine überraschende Zusendung von Karla Paul, die mich sehr erfreut hat. Irgendwo hatte ich gelesen, dass die Ziege dem kleinen Prinzen Konkurrenz machen soll. Ich habe den kleinen Prinzen nie gelesen, weil ich schon beim Gedanken daran Schüttelfrost bekomme, aber hey. Eine Ziege! Das spricht mich schon sehr viel mehr an!

Nonna von Thomas de Padova. Wer gut aufgepasst hat, kann sich an meinen Beitrag für einen literarischen Urlaub erinnern, in welchem ich dieses Buch erwähnt habe. Nun liegt es endlich bei mir, nachdem ich an einem Samstag plötzlich dieses dringende Bedürfnis hatte, das Buch SOFORT zu kaufen. Rein in die U-Bahn, rein in den Buchladen, Buch geschnappt, Buch bezahlt, raus aus dem Buchladen, zurück in die U-Bahn. So kann es gehen.

Lincoln im Bardo von George Saunders. Frau Hemingway, Das Literarische Quartett, Fuxbooks –  So viele Erwähnungen dieses Buches. Und ein Blick ins Buch in der Buchhandlung sorgte für den letzten Tropfen im berühmten überlaufenden Fass. Was für ein Buch. Ob ich mit der Stimmenvielfalt klar komme, wird sich noch zeigen, aber ich freu mich schon sehr. Bücher, die einen fordern, braucht es viel öfter.

Wiedersehen in Howards End von Edward M. Forster. Wieder so ein Buchschrankmitnehmebuch. Nachdem ich die Die Forsyte-Saga nun zwei Jahre ungelesen im Regal stehen hatte und sie vor kurzem wieder aussortiert habe, darf nun die nächste englische Familiensaga einen Platz im Regal besetzen. 

Als die Kirche den Fluss überquerte von Didi Drobna. Noch eine überraschende Zusendung, dieses Mal vom Piper Verlag. Inklusive Taschentücher, was mir etwas Sorge bereitet. Ich heul doch eh ständig bei Büchern. Aber wie großartig ist bitte dieser Titel? Beim Inhalt muss ich direkt an Tolstoi und "Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich." denken. 

Das weibliche Prinzip von Meg Wolitzer. Ein Dank geht an Alex von Bücherkaffee für dieses Buch, welches ich bei ihr bei Instagram gewonnen habe. Bunt. Feministisch. Yay! Ich bin schon sehr gespannt auf das Buch.

Warren der 13. und das Magische Auge von Tania del Rio und Will Staehle. Dieses Buch ey! Darf ich kurz erwähnen, wie amüsant ich es finde, dass es 13,13 Euro kostet? Die Illustrationen sind famos und Warren ist ein Zuckerstück. Deswegen ist Warren auch das derzeitige "Herr Gatsby liest vor"-Buch, auch wenn schon lange nicht mehr vorgelesen wurde. Das muss sich dringend ändern. 

Dienstag, 31. Juli 2018

Fotobreze - Juli 2018


// Das Filmfest in München lohnt sich schon deswegen sehr, weil man so sehr günstig in sehr fancy Kinos kann. In diesem Fall sahen wir "Hannah" im Gloria Filmpalast // Der Buchclub las "Unsagbare Dinge", ich sage, dass mir "Untenrum frei" etwas besser gefällt, weil sich Laurie Penny (verständlicherweise!) sehr auf den englischsprachigen Kulturbereich fokussiert // Warum kann man eigentlich nicht im Olympiasee schwimmen? // Ich habe Eukalyptus gekauft, ich Held! // Literaturhaus, meine Perle! Im Juli ging es zweimal diese Treppe hoch (und zweimal runter, ne). Einmal zur Hommage für Philip Roth (mit Jo Lendle und Denis Scheck!) und zur einmal zur Lesung von Katharina Adler aus "Ida". Letzteres möchte ich ganz bald mal lesen // Ebenso wie dieses Buch, welches mich aus den heiligen Piper-Hallen erreicht hat. Mit Taschentüchern. Gutes oder schlechtes Zeichen? // Das Dicke-Bücher-Camp läuft! Und wie! // Deswegen habe ich mich ganz besonders gefreut, dass ich am 15.07. bei 1Live Klubbing was darüber erzählen durfte. Radio-Breze! // Wenn man schon keine Zimtschnecken im Café findet (siehe nächstes Bild), dann backt man einfach  selbst Himbeer-Zimtschnecken // Eine weitere Episode von "Zimtschnecken in München und was wir stattdessen gegessen haben" // Biergarten-Zeit – Brezen-Zeit – Obazda-Zeit // Und im Nen waren wir auch noch essen. Sehr vorzüglich! //

Dieser Juli, ey. Mit dem Dicke-Bücher-Camp kamen Spiel, Spaß und viele Bücherseiten daher und werden mich und hoffentlich noch viele weitere Menschen noch den ganzen August begleiten! Nachdem wir im Buchclub "Unsagbare Dinge" abgeschlossen haben, lesen wir nun "Orlando". Daher auch der letzte gelesene Buch-Satz. "Orlando" darf gerade das S-Bahn-Buch sein, nachdem ich "4321" von Paul Auster weiterhin nur auf der heimischen Couch lesen kann. Weil Spontanität hier eher klein geschrieben wird, habe ich Konzertkarten für März 2019 gekauft. 2019! Wer weiß, was bis dahin noch passiert. Aber es ist Florence + the Machine. Da darf man das machen. 

Der letzte gelesene Buch-Satz:
"(Es war stets eine heitere Ruhe um ihn, die das Aussehen der Unschuld hatte, auch wenn das Wort, im eigentlichen Sinne, nicht länger anwendbar war.)"
aus "Orlando" von Virginia Woolf, Seite 20.

Nächsten Monat und so:
Es geht zu einem Workshop von bloomon rund um Blumen, Blumen, Blumen! I like! Und Ende August wird ein Quasi-Sommer-Urlaub in Wien eingelegt. Falls also noch jemand Hipster-Touristen-Tipps für mich hat – her damit! 

Sonntag, 15. Juli 2018

Vier Bücher für ... den literarischen Urlaub.

Mitte Juli, der Balkon lädt zum Sonnenbaden ein, das Freibad ruft, die Sommerferien stehen in Bayern vor der Türe und dann geht es mit Badehose und dem kleinen Schwesterlein Richtung Süden. Oder so ähnlich. Bisher habe ich keinen Strandurlaub geplant (ist wahrscheinlich auch besser so, den Sonnenbrand krieg ich auch in München wunderbar hin), stattdessen geht es Ende August nach Wien. Das ist in meiner geografischen Vorstellung auch irgendwie im Süden, passt also zum Urlaubsthema. Als Leserin muss ich aber gar nicht meine Siebensachen packen, sondern es reicht ein Griff ins Bücherregal, um fremde Länder zu betreten. 

Für die nun folgenden vier Bücher benötigt man glücklicherweise keinen gültigen Reisepass und auch kein vollgetanktes Auto und trotzdem kann man einen Ausflug nach Frankreich, Italien und Griechenland wagen:


Paris, ein Fest fürs Leben von Ernest Hemingways
Dieses Buch stellte sich als die perfekte Lektüre für den Paris-Aufenthalt heraus. Wenn Hemingway davon erzählt, wie er bei Shakespeare & Company Bücher ausleiht und man selbst in eben jener Buchhandlung lustwandet, dann ist das schon ein ganz besonderer Spaß. Und auch, wenn man nicht in Paris ist, reist man durch Hemingways Beschreibungen kopfmäßig direkt an die Stadt an der Seine.
Originaltitel: A Moveable Feast - Aus dem Englischen von Werner Schmitz - Erschienen im Rowohlt Verlag - April 2012
Blanca von Mercedes Lauenstein
Ende Mai las Mercedes Lauenstein aus "Blanca" und bei mir entwickelte sich direkt eine Sehnsucht nach Italien, die in den letzten Jahren verschwunden war. Als Kind war ich mit meiner Familie gefühlt jedes Jahr an der Adriaküste, irgendwann hat man mal genug. Doch mit "Blanca" möchte ich mich direkt ins Auto setzen und über den Brenner Richtung Süden fahren. Das Buch wird wohl auf jeden Fall in den nächsten Wochen noch bei mir einziehen müssen, um wenigstens ein bisschen Italien im Sommer abzubekommen.
Originalausgabe - Erschienen im Aufbau Verlag - Mai 2018
Töchter von Lucy Fricke
Wenn ihr im Sommer nur ein einziges Buch lesen möchtet (warum auch immer), dann lest um Himmels Willen "Töchter"! Lucy Fricke erzählt von einem absurden Road-Trip, der so herrlich amüsant und so tieftraurig ist, dass man zwischen Lachen und Weinen eine Wärme im Herzen spürt, die diese Geschichte so außergewöhnlich macht.
Originalausgabe - Erschienen im Rowohlt Verlag - Februar 2018
Nonna von Thomas de Padova
Schon seit einigen Wochen schleiche ich um dieses Buch herum und wahrscheinlich werde ich dem Kaufdrang demnächst nachgeben. Wie auch bei "Blanca" erzählt dieses Buch von Italien, von einem alten Italien ohne Tourismuskitsch, dafür mit einer Familiengeschichte, die so alltäglich scheint und doch besonders ist.
Originalausgabe - Erschienen im Hanser Verlag - Januar 2018

Samstag, 7. Juli 2018

Neu im Bücherregal - Die Juni-Bücher 2018.

15 neue Bücher. Das ist ungefähr ein Regalbrett in einem der schmalen Billy-Regale. Keine guten Voraussetzungen, wenn man sich die eh schon sehr vollen Bücherregale im Wohnzimmer ansieht. Doch im Geburtstagsmonat darf man auch mal etwas auf den Putz hauen. Finde ich. Und vielleicht lenkt mich das Dicke-Bücher-Camp im Juli und August so sehr ab, dass ich gar nicht dazukomme, neue Bücher zu besorgen. 


Statusmeldungen von Stefanie Sargnagel. Da läuft man beim Bücherflohmarkt an der Isar herum, entdeckt ein Buch, traut sich nicht, nach dem Preis zu fragen, weil es sicherlich teuer sein wird und dann sagt der Verkäufer ganz hinreißend: "Die Sargnagel, die ist ja gerade total angesagt!" und plötzlich habe ich das Buch für 2 Euro erworben. 

Deutsches Theater von Benjamin von Stuckrad-Barre.
Auch Deutsche unter den Opfern von Benjamin von Stuckrad-Barre. Beides weitere Bücherflohmarkt-Funde, beide am selben Stand, beide für insgesamt 3 Euro erbeutet. Denn Stuckrad-Barre geht immer. Wieder. 

Factfulness von Hans Rosling. Ich weiß nicht mehr, wo mir dieses Buch zum ersten Mal begegnet ist. Nun liegt es hier, ich habe ein wenig Angst vor englischen Sachbüchern, möchte es aber unbedingt lesen. "Factfulness" erklärt, was Fakten sind, warum unser Gehirn dazu  neigt, ihnen zu misstrauen und warum die Welt eigentlich gar nicht so schlecht ist, wie wir annehmen. 

Call me Zebra von Azareen van der Vliet Oloomi. In Paris bei Shakespeare and Company entdeckt, aber aufgrund des exorbitant hohen Buchpreises nicht direkt gekauft. Man kann ja auch auf die deutsche Ausgabe warten. Oder auch nicht. Wenn einem plötzlich beim nächtlichen Durchscrollen des Facebook-Feeds eine Werbeanzeige von Thalia ausgespielt wird, die mit 18% auf englischsprachige Bücher wirbt, dann wird plötzlich der Kopf ausgeschalten. Daher kommen auch die beiden anderen englischsprachigen Bücher in dieser Liste.  

I was born for this von Alice Oseman. Alice Oseman himmle ich normalerweise heimlich bei Instagram an. Nach "Solitaire" und "Radio Silence" durfte nun auch ihr drittes Buch bei mir einziehen. An dieser Stelle möchte ich kurz auf ihren fantastischen Web-Comic "Heartstopper" aufmerksam machen. Lest den mal! Er ist herzerwärmend großartig! 

Jude Fawley, der Unbekannte von Thomas Hardy. Ach, Thomas Hardy und ich. Ich liebe "Am grünen Rand der Welt", obwohl ich es immer noch nicht beendet habe. Umso besser, dass Herr Gatsby mich mit weiteren Büchern des Autors versorgt. "Jude Fawley, der Unbekannte" klingt auf jeden Fall sehr vielversprechend. Und die wunderschönen Hanser-Klassiker-Ausgaben sind eh ein Goldstückchen! 

Der letzte Mohikaner von James Fenimore Cooper. Ich wiederhole den letzten Satz des vorherigen Absatzes, denn die Hanser-Klassiker-Ausgaben bleiben großartig. Und auch hier handelt es sich um ein Geschenk von Herrn Gatsby. "Der letzte Mohikaner" hatte ich bisher so gar nicht auf dem Schirm, aber wenn das sogar Goethe gut fand (wie verrückt ist das bitte, dass das Buch so alt ist, dass er das sogar gelesen hat), muss es ja gut sein. 

Süden und Westen von Joan Didion. Ein weiteres Geburtstagsgeschenk von Herrn Gatsby. Ein literarischer Roadtrip durch den Süden der USA, auf den ich mich schon sehr freue. 

Kaffeehaus München - Röstereien, Cafés und schöne Plätze von Petra Kratzert. Ein brüderliches Geburtstagsgeschenk. Es lohnt sich immer gute Cafés in München zu entdecken und den ein oder anderen Einmerker habe ich mir schon gesetzt. Kaffeehäuser, ich komme! 

Fiesta von Ernest Hemingway. Mit "Paris, ein Fest fürs Leben" hat Hemingway genau die richtigen Tasten bei mir gedrückt. Jetzt werde ich wohl die nächste Zeit als Hemingway-Fangirl durch die Welt laufen und dies hier ist das erste Ergebnis der Obsession. 

Zärtlich ist die Nacht von F. Scott Fitzgerald. Fitzgerald! Dieses Buch habe ich bereits gelesen, im Bücherschrank stand dann aber die Ausgabe der Büchergilde herum und so ergab sich ein sehr erfreulicher Tausch, denn der Leinenumschlag ist schon wirklich sehr schick. 

Coco Chanel von Edmonde Charles-Roux. Ein Bücherschrank-Fund. Und Coco Chanel geht eh immer. Da aber mehrere Biografien von verschiedenen Menschen in meinem Bücherregal ein trauriges Warte-Dasein führen, müsste ich mich vielleicht einmal explizit nur diesen Büchern widmen. Im Herbst dann! 

Früher Erfolg von F. Scott Fitzgerald. Manchmal frag ich mich ja wirklich, wo Herr Gatsby nur immer die ganzen Bücher für mich findet. Nachdem Hemingway so herrlich über ihn in "Paris, Ein Fest fürs Leben" erzählt hat, ist es an der Zeit, mal wieder Fitzgerald zu lesen. 

Die Geschichte eines neuen Namens von Elena Ferrante. Seit einiger Zeit lese ich den ersten Band, um dem Geheimnis des Ferrante-Fevers auf die Spur zu kommen. So richtig gepackt hat es mich noch nicht, aber trotzdem hat die Geschichte etwas, was mich neugierig macht. Deswegen hat es mich umso mehr gefreut, als ich den zweiten Band der Reihe im Tauschregal in der Arbeit gefunden habe. 

Donnerstag, 5. Juli 2018

Das Dicke-Bücher-Camp


Die schönsten Ideen sind spontane Ideen. Anfang dieser Woche saß ich mal wieder ratlos vor dem Bücherregal und suchte ein Buch für das Treffen des Buchclubs. Dabei stolperten meine Augen immer wieder über die vielen dicken Bücher, die in meinem Bücherregal mit den ungelesenen Bücher stehen. Ein Trauerspiel, welches ich direkt in einer Instagram Story der Öffentlichkeit mitteilen musste.

Am darauffolgenden Morgen erwachte ich und hatte mehrere Nachrichten in meinem Postfach, in denen mir Menschen ihre Zustimmung ausgedrückt haben. Dicke Bücher – die Ziegelsteine in unseren Bücherregalen. Sie nehmen viel Platz weg. Sie drücken mit ihrem Gewicht auf unser schlechtes Gewissen.

Und wie so oft entstand beim Zähneputzen in meinem Kopf eine Idee. Warum nicht die Sommermonate bewusst dafür nutzen, dicke Bücher zu lesen?

Das Dicke-Bücher-Camp öffnete seine Pforten. 

Unter dem Hashtag #dickebüchercamp teilen immer mehr Leser ihre Bücherstapel voller dicker Bücher, die im Sommer gelesen werden sollen.

Und ich freue mich, wenn das Dicke-Bücher-Camp noch weiter wächst! Ihr wollt mitmachen! Yay! Dann durchstöbert einfach einmal euer Bücherregal nach dicken Büchern (die selbstgetroffene Definition: mehr als 500 Seiten) und fangt einfach zu lesen an! Lasst euch nicht abhalten vom Umfang, vom Gewicht, von den Ausreden, man könnte in der Zeit ja auch viele dünnere Bücher lesen. Lest einfach! Der Juli und der August gehören den dicken Büchern!

Ich selbst habe mich vorerst für "4 3 2 1" von Paul Auster entschieden. 1259 Seiten warten auf mich. Wirklich kein Buch für die S-Bahn-Fahrt, aber sicherlich für zahlreiche lesenwerte Stunden auf der Couch! 

Ihr sucht noch nach Inspiration?


Und unter dem Hashtag #dickebüchercamp findet man großartige Anregungen für die eigene Lektüre. Außerdem kann man so vielleicht auch direkt einen Lesepartner entdecken, der dasselbe dicke Buch liest. Motivationsschübe inklusive!

Seid ihr mit dabei? An welches dicke Buch traut ihr euch ran? Postet auch gerne Links zu euren Beiträge zum Dicke-Bücher-Camp in den Kommentaren!

Ein Update! 
Verrückte Ideen kann man immer noch ein wenig verrückter gestalten. Und so kam es dazu, dass ich ein offizielles Logo für das Dicke-Bücher-Camp erstellt habe. Yay! Wer möchte, darf das Logo gerne nutzen, ein Hinweis auf diese Aktion wäre dabei sehr nett.

Das Logo zum Dicke-Bücher-Camp

Ich habe die Gelegenheit direkt genutzt und mir das Logo auf ein T-Shirt drucken lassen. Ging sehr fix bei Spreadshirt und erfreut mich gar sehr.


Sonntag, 1. Juli 2018

Fotobreze - Juni 2018


// Zimtschneckensuche. Bald können wir daraus eine Reihe machen: "Zimtschnecken in München und was wir stattdessen gegessen haben" // Deswegen hier gleich noch ein Avocdadobrot mit Rührei im Instagramtauglichen Mary's Coffee Club // Der Hund mal wieder. Der kommt viel zu selten zu Besuch! // Dafür gibt es einfach überall Dachse. Gut so! // Salut, Paris! Hier im Café, welches direkt neben Shakespeare & Company liegt // Abendstimmung im Disneyland. Famos, sag ich euch! // Abendstimmung in Paris. Ebenfalls sehr famos und mit Sacré-Cœur ganz klein ganz hinten! // Auch Paris ist der Meinung, dass ich mehr Pflanzen brauche! // Gestern ging es zu einem Blogger-Event bei arsEdition. MyNotes, die Notizbuchreihe des Verlags, stand im Mittelpunkt. Genauso wie Glück und Aquarellmalerei. Und Kuchen! Rote Beete-Schoko-Kuchen von Oma! //

Der Geburtstagsmonat Juni gefällt mir immer ausgesprochen gut. Möglicherweise hat man es bereits bemerkt, ich habe meinen 30. Geburtstag in Paris gefeiert. Im Disneyland. Sehr empfehlenswert. Und auch der Rest des Monats ließ sich nicht lumpen. Essen, Blumen, ein wirklich sehr schönes Blogger-Event und Bücher. Viele Bücher. Glücklicherweise sieht man die hier nun gar nicht, aber der nächste "Neu im Bücherregal"-Beitrag wird etwas länger. 

Der letzte gelesene Buch-Satz:
"Sie wusste bereits, dass ich zur Nachprüfung musste, und wollte mit mir zusammen lernen."
aus "Meine geniale Freundin" von Elena Ferrante, Seite 128.

Nächsten Monat und so:
Das Filmfest hat in München angefangen und so wird es in der nächsten Woche einige Kinobesuche geben. Bereits am Freitag habe ich "Mackie Messer" mit Lars Eidinger gesehen und dann stand Lars Eidinger nach dem Film plötzlich auf der Bühne. Verrückt, sag ich euch. Mehr steht erstmal nicht auf dem Programm. Mehr Zeit zum Lesen!

Sonntag, 17. Juni 2018

Zum 30. Geburtstag – 30 Weisheiten einer Nordbreze.


Es fühlt sich noch sehr ungewohnt an das zu sagen, aber ich bin nun 30 Jahre. Früher dachte ich, mit 30 muss man mit Mann, Kind und Hund im Eigenheim sitzen und eine Schwarzwälder Kirschtorte essen. Stattdessen habe ich meinen 30. Geburtstag im Disneyland Paris verbracht und es war der größte Spaß meines Lebens.

Nachdem mich nun mein Alter auch offiziell als weise Frau ausweist, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um euch 30 Dinge, die ich in den letzten 30 Jahren gelernt habe, mitzuteilen.

Hier nun also 30 Weisheiten einer Nordbreze:
  1. Niemand mag Kalendersprüche wie "Do more of what makes you happy", aber leider stimmt es. Bestes Beispiel: Eben jener Geburtstag im Disneyland wird noch lange für fröhliche Gesichter sorgen. Zum Nachgucken beispielsweise in den Story-Highlights bei Instagram
  2. Freitags sollte man sich frische Blumen kaufen. Kleine Geste, viel Freude am Wochenende. 
  3. Andere Leute werden auch 30. Zum Beispiel Melina von Vanilla Mind, die darüber auch einen fabelhaften Rückblick geschrieben hat. Danke dafür! 
  4. Es macht unfassbar viel Arbeit, aber das Bett neu zu überziehen macht einen spätestens am Abend sehr, sehr glücklich.
  5. Menschen, die einem nicht gut tun, sollte man wirklich nicht in seinem Leben behalten. Danke XING, dass du mich letztens daran erinnert hast
  6. Egal, wie glücklich und fröhlich jemand nach außen hin wirkt: Jeder von uns hat schlechte Tage. Manchmal mehr, manchmal weniger. 
  7. Zimtschnecken sollte man viel öfter essen. Ich empfehle in diesem Zusammenhang shotgun sister.
  8. Ich werde wohl nie damit aufhören an meinen Fingernägel zu kauen.
  9. Auch mit Umwegen und Sackgassen kann man irgendwann beruflich wo landen, wo man sehr glücklich ist. Nimm das, BWL-Studium!
  10. Ich kann mich selten lange konzentrieren, doch bei Fest & Flauschig kann ich eine Stunde lang wirklich mal nichts tun.
  11. Man sollte viel öfter aufs Meer gucken. Weswegen ich eine Wohnung in Hamburg nur befürworten kann. Denn ja, für mich liegt Hamburg am Meer.
  12. Wenn ich ein Lieblingsbuch benennen muss, ist es "Der große Gatsby", was aber weniger mit dem Buch selbst, sondern mehr mit all den wunderbaren Dingen zu tun hat, die ich damit verbinde. Danke Fitzgerald dafür!
  13. Neues Lebensjahr, neue Dinge: Deswegen möchte ich endlich mal aus der gewohnten Bubble raus und mal neue Sachen ausprobieren. Geplant bisher: Ein Besuch der Jungen Verlagsmenschen, Nachhaltigkeit üben mit "Ohne Wenn und Abfall". Endlich mal mit Female Future Force beginnen. 
  14. Weinen hilft. Auch, wenn es vor dem Chef passiert. Weinen hilft.
  15. Es lohnt sich, auf manche Dinge länger zu warten. Über mein Tattoo freu ich mich gerade jeden Morgen.
  16. Ich sollte lernen Kaffee zu kochen.
  17. Menschen, die einem gut tun, sollte man ganz unbedingt behalten. Danke ATM.
  18. Ein Fensterbrett mit Pflanzen ist nicht nur hübsch, sondern man lernt auch Verantwortung. 
  19. Bücher, ne. Das ist so ein Ding. Und wenn man sein Ding gefunden hat, dann ist das schon sehr schön.
  20. Wir brauchen alle viel mehr Kultur in unserem Leben. Ich versuch das jetzt mal mit mehr Theater, mehr Oper, mehr Ballett, mehr Literaturhaus!
  21. Rote Lippen soll man küssen. Ich hab erst ganz frisch gelernt, wie gern ich doch Lippenstift mag. Wenn ich jetzt noch lerne, ihn sinnvoll aufzutragen ...
  22. Mein literarischer Endgegner heißt Thomas Mann und ich nehme mir fest vor "Der Zauberberg" bis zu meinem 31. Geburtstag zu beenden.
  23. Pfannkuchenrezept für Notfälle: 3 Eier, 500 ml Milch, 250 g Mehl. 
  24. Für Lego ist man nie zu alt und wenn ich eine größere Wohnung hätte, hätte ich nicht nur ein eigenes Bücherzimmer, in diesem Bücherzimmer würde auch der Lego Rollercoaster stehen.
  25. Brezen sind das perfekte Nahrungsmittel, weil man sie zu jeder Tages- und Nachtzeit essen kann. Und es ist egal, ob man sie mit Belag oder ohne isst, hauptsache der Bauch ist fluffig.
  26. Drei Serien, die man gucken sollte: Mad Men, Die Sopranos, Jessica Jones.
  27. Drei Nicht-Mainstream-Filme, die man gucken sollte: La Grande Bellezza, All These Sleepless Nights, A Girl Walks Home Alone at Night
  28. Graphic Novels sind großartig, wenn man gerade eine Leseflaute hat.
  29. Pu der Bär ist mein spirit animal, weil Pu einfach alles richtig macht. Man sollte sich viel öfter ein Beispiel an Pu nehmen. 
  30. Das hier ist mein Lieblings-GIF. Es wirkt immer: 

Montag, 4. Juni 2018

Warum ich keine Bücher abbrechen kann.

Ich lese gerne. Ich lese viel. Ich lese die unterschiedlichsten Bücher. Unterhaltungsromane, Bücher aus dem Feuilleton, dicke Bücher, dünne Bücher, Neuerscheinungen, Klassiker. Ich lese auch relativ schnell, 100 Seiten schaffe ich meist in einer Stunde. Vorausgesetzt, die Lektüre hat mich gepackt. Wenn das nicht der Fall ist, verwandelt sich die ansonsten recht glückliche Buchbeziehung zu einem klebrigen Kaugummi. Das beginnt meist mit dem Überfliegen von Absätzen oder Überblättern von ganzen Seiten. Irgendwann wird das Buch zur Seite gelegt und ich lese einfach eine Woche gar nicht. Vielleicht packt mich die Lust ja wieder. Doch dann lacht mich ein anderes Buch an und das alte Buch wird beiseite gelegt. Erst auf den Stapel der angefangenen Bücher. In ganz schlimmen Fällen (Hallo "Der Zauberberg"!) wandert das Buch zurück in das Regal der ungelesenen Bücher. 


Denn bei all den vielen Jahren als Leser habe ich eine Sache nie richtig gelernt: Ich kann keine Bücher abbrechen. Ein Buch zuklappen und bewusst sagen "Nein, das lese ich auf keinen Fall weiter!", das passiert in den seltensten Fällen (die letzte Ausnahme war "One of us is lying").

Aber warum ist das so?

1. In mir nagt immer die Hoffnung, dass das Buch ja noch besser werden könnte. Vielleicht habe ich es nur einfach noch nicht erkennen können. Vielleicht wartet bereits auf der nächsten Seite die ultimative Wendung, die alles in einem neuen Licht erstrahlen lässt. Dazu gehört auch ...

2. Ich bin unfassbar neugierig. Das ist der Grund, warum ich mir schwer tue Krimis und Thriller zu lesen, denn ich will sofort wissen, wer der Mörder ist. Deswegen habe ich auch überhaupt kein Problem damit, verspoilert zu werden (mein Lieblingsbeispiel hierfür: Ich habe nach der ersten Folge "Gossip Girl" bei Wikipedia nachgeguckt, wer hinter Gossip Girl steckt). Wenn ich ein Buch abbreche, verpasse ich aber das Ende. Da helfen auch Wikipedia-Artikel oder Rezensionen nicht, denn vielleicht wird dort ein entscheidender Punkt weggelassen.

3. Ich bin nicht nur neugierig, ich bin auch stur. Wenn ich mit einem Buch angefangen habe, dann will ich es auch zu Ende bringen. Schließlich gab es Gründe, warum ich mich für eben jenes Buch entschieden habe. Und die können ja nicht alle falsch gewesen sein. Ich habe also Zeit und Geld (da schlägt der Schwabe in mir durch) investiert, also wird das Buch jetzt auch beendet. Komme, was wolle.

4. Gruppenzwang. Dafür ist "One of us is lying" ein ganz gutes Beispiel. So viele Blogger fanden das Buch gut. Was ist dann bei mir kaputt, wenn ich nach 139 Seiten das Handtuch werfe, weil ich ansonsten meinen Kopf gegen die Wand werfen muss? Vielleicht wird es ja doch noch besser (siehe Punkt 1)? Oder ...

5. Vielleicht ist das ja gerade nur eine Phase? Bücher passen nicht immer. Manchmal will man den Kopf beim Lesen ausschalten, da kann Thomas Mann noch so schöne Sätze schreiben. Oder einem ist zum Weinen zumute, während die aktuelle Lektüre himmelhochjauchzend vom Glück in der Liebe erzählt. Vielleicht passt das Buch in zwei, drei Wochen besser, da muss man es ja nicht direkt für immer abbrechen ...

Und so wird der Stapel der angefangenen, aber selbstverständlich nicht abgebrochenen Bücher immer höher. Derzeit befinden sich darauf:
- Malina von Ingeborg Bachmann
- Am grünen Rand der Welt von Thomas Hardy
- Anna Karenina von Lew Tolstoi
- Dame, König, As, Spion von John le Carré

(Lustigerweise schrieb ich vor einem Jahr einen Beitrag über aufgeschobene Bücher ... drei der gerade eben genannten Bücher werden dort auch schon erwähnt)

Doch was tun? Ab wann ist endgültig der Punkt erreicht, dass man ein Buch abbrechen sollte? Wann trennt man sich höflich, aber bestimmt von einem Buch, mit dem man schon einige Lesestunden verbracht hat?

Ich brauche Tipps, Tricks und eine Selbsthilfegruppe. Wie handhabt ihr das? Wann brecht ihr rigoros ein Buch ab? Und welches Buch ereilte bei euch zuletzt dieses Schicksal ? 

Sonntag, 3. Juni 2018

Neu im Bücherregal - Die Mai-Bücher 2018

Wie war das nochmal mit der im letzten "Neu im Bücherregal"-Beitrag erwähnten Aussortier-Aktion? Soweit das mich betrifft, hat kein Buch die Wohnung verlassen. Ganz im Gegenteil. Da guckt man einmal nicht richtig hin und schwuppdiwupp ist der Monat zu Ende und es türmen sich schon wieder neue Bücher auf dem Tisch, die darauf warten, ins Regal zu ziehen. Ich gehe langsam davon aus, dass ich Opfer einer unkoordinierten Zellteilung im Bücherregal bin. Nur deswegen werden es immer mehr und mehr und mehr Bücher. Damit kann ich auch direkt die ganze Schuld von mir weisen. Ich hab damit nichts zu tun. Wie bei einer verrückten Katzendame. Nur laufen mir eben Bücher zu. Was mir auch viel sympathischer ist. Katzen wären sehr unpraktisch. Niemand hier mag Katzen (sorry). Bücher dafür umso mehr.


Juja von Nino Haratischwili. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran. Dieses Buch wurde mir von Tobias bei "10 Jahre Nordbreze und so. 10 Buchempfehlungen oder so." empfohlen. Nun war es soweit und das Buch lag reduziert bei Buch & Töne herum und durfte direkt in mein Bücherregal wandern. Ich hoffe, Tobias freut sich! 

Töchter von Lucy Fricke. Ich muss das leider kurz sehr plakativ tun, weil ich noch nicht zu einer ausführlichen Rezension gekommen bin, aber: Oh, wie schön ist dieses Buch bitte! Lest es! Beim Frühlingsmix im Literaturhaus München hat Lucy Fricke daraus gelesen und ich war so entzückt, dass ich das Buch am liebsten sofort verschlungen hätte, nur leider gab es am Büchertisch kein Exemplar mehr. Deswegen musste ich am nächsten Tag geschwind in eine Buchhandlung hopsen, um das Buch dort käuflich zu erwerben. Und es ist so wunderschön. Ein Roadtrip für die Seele. Tragisch-komisch. Herrlich! 

Agnes von Peter Stamm. Dafür liebe ich den Bücherschrank. In meiner Ausgabe von "Agnes" befindet sich vorne ein Bibliotheksstempel des A.-V.-Humboldt-Gymnasiums in Konstanz. Leider wurde dort das Buch wohl nie ausgeliehen. Sehr schade. Ich werde den Stempel dann aber brav ausfüllen, sobald ich das Buch gelesen habe. 

Magical Mystery von Sven Regener. Zwar befindet sich "Herr Lehmann" immer noch ungelesen im Bücherregal, aber es schadet nie, sich weitere Bände des Autors zu besorgen. Die werden ja auch nicht schlecht, ne. 

Die Entdeckung des Glücks von Isabell Prophet. Nachdem ich das Buch bereits gelesen habe, befinden sich in meiner Ausgabe relativ viele Eselsohren bei interessanten Tipps und Tricks für mehr Glück. Ich müsste die nur nochmal alle angucken. Am besten mehr Atmen. Das geht immer. 

Der stumme Tod von Volker Kutscher. Nachdem im Buchclub "Der nasse Fisch" gelesen und für halbwegs gut befunden wurde, ist nun der zweite Teil bei mir eingezogen. An dieser Stelle möchte ich mein Urteil zu "Babylon Berlin", der Serie zum Buch, etwas revidieren. Am besten guckt man nur die ersten beiden Folgen der ersten Staffel, ist hingerissen und vergisst die Serie danach. Wer unbedingt will, guckt die erste Staffel komplett, aber auf keinen Fall, ich wiederhole, auf keinen Fall die zweite Staffel, die in ihrer Absurdität wirklich neue Rekorde einschlägt. Oh weh, oh weh. Wie konnte das nur passieren? Ich sag nur Verfolgungsjagd auf einem fahrenden Zug und muss schon wieder weinen. 

Peter Suhrkamp. Zur Biografie eines Verlegers vorgelegt von Siegfried Unseld. Hier explodiert mein Verlagsgeschichte-Fangirl-Herz quasi. Unseld über Suhrkamp! Die Ausgabe ist zwar sehr ranzig, aber das macht der Inhalt hoffentlich wieder wett. 

Kampfsterne von Alexa Hennig von Lange. Ich wollte schon sehr lange ein Buch von Alexa Hennig von Lange lesen, die ich bisher nur aus alten Folgen der Harald Schmidt-Show kenne. Da trifft es sich sehr gut, dass dieses Buch als Leseexemplar in der Arbeit eingetroffen ist. Der Buchrücken knallt ganz schön, dafür ist das Cover umso schöner. Und die guten alten  Achtzigerjahre gehen auch immer irgendwie. 

Black Hand von Stephan Talty. Wenn man eine Reise tut, insbesondere beruflich und insbesondere mit Verlagsterminen, dann passiert es oft, dass man mit Büchern zurückkommt. In diesem Fall konnte ich der Mafia-Geschichte nicht widerstehen. Und hallo? Das Buch wird mit Leonardo DiCaprio verfilmt. Das Buch erscheint aber erst im November, ich habe also gar nichts gesagt. 

Weil wir längst woanders sind von Rasha Khayat. Aufgrund des ganz wunderbaren Covers und der höchst interessanten Geschichte möchte ich dieses Buch schon lange haben. Teilweise dachte ich bereits, dass ich es schon habe. Stimmte aber gar nicht. Heute in der U-Bahn habe ich die ersten Seiten gelesen und möchte unbedingt sofort weiterlesen. Aber erst muss dieser Beitrag noch geschrieben werden. 

Open City von Teju Cole. Wenn ich mich richtig erinnere, hat mir Josefina dieses Buch schon vor Ewigkeiten empfohlen. Hier ist es nun, dank Oxfam. Und wie bei jedem Buch, welches in New York (in diesem Fall Manhattan) spielt, werde ich wieder sehr wehmütig, dass ich dort immer noch nicht war. Wann klappt das denn nun endlich mal?

Samstag, 2. Juni 2018

Fotobreze - Mai 2018


// Jahrelang darüber nachgedacht und dann in einer Kurzschlussentscheidung einfach mal gemacht. Hiermit gehöre ich offiziell zu den bösen Mädchen, denn ich habe nun ein Tattoo. Und bin sehr glücklich damit  // Im Buchclub wurde zuletzt Henry James gelesen und ich bin schon sehr angetan von seiner Art die kleinen und großen Unterschiede zwischen Europäern und US-Amerikanern zu beschreiben // Helge Schneider im Circus Krone. Sehr verrückt, sehr sympathisch und überraschend, wenn man plötzlich unerwartet Lieblingsmenschen dort trifft // Beim Hörgang laufend Neuhausen-Nymphenburg erkunden und neuer Literatur lauschen – immer wieder schön // Ebenso schön: ATM // Insbesonderen, wenn ATM mal wieder Literatur lauscht. In diesem Fall dem Frühlingsmix im Literaturhaus mit Mareike Fallwickl // Wieder ATM, wieder Literatur. Im Lost Weekend stellte Mercedes Lauenstein ihren neuen Roman "Blanca" vor. Roadtrips durch Italien. Sollte man auch mal machen // Hallo Berlin, mal wieder. Dieses Mal aber nur ein beruflicher Kurztrip inklusive Zugfahrt mit dem wirklich sehr schnellen München-Berlin-Zug // So ne Wand in der Wohnung. Das wäre genau richtig // Rausgehen ist das neue drinnen Lesen – auf zum Modular Festival in Augsburg. Hauptsächlich wegen: // Olli Schulz. Ich hör viel zu selten Musik, aber Olli geht immer // Wenn man länger nicht in Augsburg war, ist es da sogar fast hübsch //

Dieser Mai, ey. Schon wieder vorbei und so vieles was bleibt. Den linken Oberarm ziert nun ein Tattoo bis ich 80 Jahre und noch älter werde. Bei Helge Schneider habe ich eine liebe alte Freundin aus Augsburgzeiten wiedergesehen. Und zum Ende des Monats ging es in eben jene Stadt, um die Festival-Saison zu eröffnen (und direkt wieder zu beenden, wir wollen es jetzt auch nicht übertreiben). Dazu Literatur, Literatur, Literatur! So kann es gerne jeden Monat sein. 

Der letzte gelesene Buch-Satz:
"Heute war der so etwas von allerbeste 20. Juni 2014, den ich haben konnte."
aus "Panthertage" von Sarah Elise Bischof, Seite 192.

Nächsten Monat und so:
Gut, der Juni, der ist jetzt schon zwei Tage alt. Und wie das so üblich ist, ist der Juni der Geburtstagsmonat. Deswegen erfreue ich mich auch gerade am Urlaubsstatus und an der damit verbundenen Reise, die nächste Woche ansteht: Paris, baby! ATM goes Disneyland. Ich finde, das ist die beste Möglichkeit, seinen 30. Geburtstag zu feiern. Keine Widerworte erlaubt. 

Montag, 21. Mai 2018

Die Entdeckung des Glücks von Isabell Prophet.


Originalausgabe - Erschienen Mosaik - 2017 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar

„Bist du glücklich mit deinem Job?“ Auf diese einfache Frage eine klare Antwort zu geben, fällt den meisten Menschen schwer. Gerade wenn es um den Beruf geht, schwanken wir oft zwischen Freude und Disziplin, Ehrgeiz und Überforderung. Doch glücklich sein kann man lernen – es hat uns nur noch niemand gezeigt, wie. Isabell Prophet analysiert und erklärt fundiert und unterhaltsam, welche Weichen wir stellen müssen, um glücklich in unserem Tun zu werden.

Darum mag ich Buchempfehlungen von anderen Menschen so gerne. Man stößt dadurch auf ganz neue Lektüren, die man ansonsten wohl nicht gefunden hätte. So ging es mir mit "Die Entdeckung des Glücks" von Isabell Prophet, welches dank Melina von Vanilla Mind meine Aufmerksamkeit erregt hat. 

Isabell Prophet widmet sich in "Die Entdeckung des Glücks" einem so einfachen und deswegen so schwierigen Thema: Glück in der Arbeit. Dazu muss man eines voranstellen: Durch Arbeit allein wird man nicht glücklich. Wer sein Seelenheil in der Arbeit sucht, sollte viel Ausdauer und eine Grubenlampe mitbringen, um fündig zu werden. Aber wenn man als Standard-Angesteller die meiste Zeit des Tages am Arbeitsplatz verbringt, sollte man sich vielleicht mal damit auseinandersetzen, ob und wie die Arbeit ins eigene Glückskonto einzahlt.

"Die Entdeckung des Glücks" ist dabei in drei Teile eingeteilt. "Wie wir unser Glück verhindern" widmet sich der Frage, was Glück überhaupt ist und warum unser Gehirn dazu neigt, Glück zu ignorieren. In "Wo wir unser Glück finden" versucht die Autorin Glückspunkte zu definieren, die auch und gerade für den Arbeitsplatz gelten. Im letzten Teil "Was wir für unser Glück tun können" geht es um Anregungen, die man direkt umsetzen kann, um sich etwas mehr Glück ins Arbeitsleben zu holen.

Sehr oft habe ich mich bei der Lektüre ertappt gefühlt. Ja, ich lese bereits nach dem Aufstehen im Bett die ersten Mails. Und ja, ich neige dazu, nach Feierabend eher nervige Dinge aus dem Arbeitstag zu erzählen, anstatt mich über die positiven Punkte zu freuen. Und wie? Multitasking ist gar nichts positives? Aber ich kann doch so gut mehrere Dinge gleichzeitig machen! Wirklich ...

Nein. Kann ich nicht. Auch, wenn ich es mir noch so oft einrede, ich kann nicht jemanden zuhören und gleichzeitig auf meinem Smartphone Tweets lesen. Und wenn ich Arbeitsmails schon vor dem Aufstehen lese, will mein Kopf schon während der S-Bahn-Fahrt alle Probleme lösen. All das führt nicht dazu, dass ich mich glücklicher fühle. Aber warum ist es so schwer, aus diesen Routinen auszubrechen?

Das versucht Isabell Prophet mithilfe von Studien und Erkenntnissen aus der Neurowissenschaft und der Psychologie zu erklären und gibt dabei direkt Mini-Anleitungen, wie man Glück in den Arbeitsalltag einbauen kann. Dabei gibt sie selbst zu, dass wir uns viel zu oft viel zu viel Stress machen, um die vermeintliche Selbstverwirklichung, Selbstoptimierung zu erreichen. Das hat wenig mit Glück zu tun. Und manchmal kann man auch noch so viel verändern, Pflanzen auf den Schreibtisch stellen und ein Glückstagebuch führen. Es hilft nicht. Manchmal ist eine Kündigung der richtige Weg zum Glück. 

Ich werde nun sicherlich nicht damit beginnen ein Glückstagebuch zu führen (gegen mehr Pflanzen am Schreibtisch hätte ich aber nichts!), aber vielleicht kann ich meine Morgenroutine ändern und nicht direkt meine Mails lesen. Und doch öfter kleine Pause einlegen, um mal Luft zu holen (Atmen, ey. Atmen ist so ein Thema, dass mich wirklich verfolgt. Sobald ich mich aufs Atmen konzentriere, vergesse ich, wie das überhaupt funktioniert). 

Arbeit allein macht nicht glücklich. Aber ich kann meine Arbeit so gestalten, dass sie zu meinem Glück beiträgt. 

Sonntag, 6. Mai 2018

Neu im Bücherregal - Die April-Bücher 2018

Wenn ich eine Reise tue, dann gehören Ausflüge in Buchhandlungen zum festen Programmbestandteil. Deswegen verbrachte ich in Berlin auch viel Zeit in verschiedenen Buchhandlungen (Hallo Dussmann, hallo Ocelot!) und ging dort selten mit leeren Händen hinaus. Dazu kamen noch Ausflüge in Münchner Buchhandlungen, ein Zeitvertreib-Buchkauf in Frankfurt und postalische Zusendungen. Und schwuppdiwupp ist man bei zwölf neuen Büchern im April. Eine großangelegte Aussortier-Aktion im heimischen Buchregal für mehr Platz sollte wohl für den Mai eingeplant werden. Wie ich  mehr Zeit ranschaffe, um die Bücher zu lesen, müsst ihr mir noch verraten. 


Frauen, die Blumen kaufen von Vanessa Montfort. Ein wenig hatte ich auf ein Buch wie "Die schönste Art, sein Herz zu verlieren" gehofft. Leichte Sommerunterhaltung, ohne seicht zu werden. Naja. Sagen wir mal so, vielleicht ist das Buch auch genau das, aber eben für eine andere Zielgruppe. Mit der Mid-Life-Crisis von 40-jährigen Frauen kann ich so gar nichts anfangen. Und dass eine der Protagonistinnen Marina heißt und nicht aufs Meer will, ist das i-Tüpfelchen ... 

Sturmhöhe von Emily Brontë. Damit nicht gleich ein Aufschrei durch die Menge geht: "Sturmhöhe" habe ich bereits gelesen, doch nur in der Anaconda-Ausgabe. Nun begab es sich aber, dass Herr Gatsby die fürs Auge und für den Kopf viel schönere Ausgabe von Hanser preisreduziert entdeckt und mir mitgebracht hat. Ein Segen, dieser Mann. 

Feminist Fight Club von Jessica Bennett. Ich hatte das dieses Buch bereits in der englischen Ausgabe auf meinen Wunschzettel gepackt und hatte bisher nicht mitbekommen, dass auch eine deutsche Ausgabe erscheint. Umso schöner, dass es Karla bei Instagram vorgestellt hat. Und noch viel schöner, dass ich es im Anschluss dort gewonnen habe. Danke dafür! ♥

Was zu dir gehört von Garth Greenwell. Instagram made me buy ist. In diesem Fall hat der literarische Nerd so großartig von diesem Buch gesprochen, dass ich nicht daran vorbeigehen konnte. 

Wie hoch die Wasser steigen von Anja Kampmann. Dieser Sternenhimmel auf dem Cover, eine Ölplattform mitten im Meer, Sturm, Freundschaft, Tod und Leid – klingt nach der perfekten Lektüre für mich. 

Super, und dir? von Kathrin Weßling. Hierzu hatte ich meine Lobeshymne bereits gesungen und ich bleibe dabei. Wann genau erscheint das nächste Buch von Kathrin Weßling? 

Die Mutter aller Fragen von Rebecca Solnit. Weil ich "Wenn Männer mir die Welt erklären" schon sehr fantastisch fand, durfte nun ein weiteres Buch von Rebecca Solnit in meinem Bücherregal Platz nehmen. Wer sich nun fragt, was die Mutter aller Fragen ist – genau das. "Warum haben Sie keine Kinder?"

Bibliodiversität von Susan Hawthorne. Der kleine Buchbranchen-Nerd hat wieder zugeschlagen. "Der Begriff Bibliodiversität bezeichnet die kulturelle Vielfalt innerhalb des Verlagswesens." In Zeiten, in denen Buchcover gefühlt alle gleich aussehen und sich die immer gleichen Bücher stapelweise in den Buchhandlungen finden, klingt das Thema doch sehr ansprechend. Und nachdem es das Buch beim Indiebookday in den Münchner Buchhandlungen nicht gab, hab ich es nun bei Ocelot in Berlin mitgenommen. 

Notes on 'Camp' von Susan Sontag. Von Susan Sontag habe ich bisher noch nicht gelesen, das sollte sich aber demnächst hoffentlich mal ändern. Irgendwann während der Lektüre habe ich dann auch verstanden, was "Camp" ist ...

The duke in his domain von Truman Capote. Ich finde diese Penguin Modern-Bändchen ja wirklich sehr nett, weil sie klein und handlich und schick und vielseitig sind. Deswegen durfte auch Capote und ... 

Fame von Andy Warhol. ... dieser Band mit. Es wird jetzt auch immer ein Band (also eigentlich nur noch Capote oder Warhol, die anderen habe ich bereits gelesen) in die Tasche gepackt, denn die Büchlein kann ich dann doch mal in der S-Bahn lesen. Hurra. 

Why I am not going to by a computer von Wendell Berry. Der aus der Zeit gefallene Titel hat mich hier gelockt. Das Büchlein wurde auch schon gelesen, aber ich kann nicht wirklich etwas dazu sagen, weil der Text und das Thema in meinen Augen so sehr veraltet sind, dass man nicht mehr wirklich darüber diskutieren kann. Trotzdem aber vom Prinzip recht interessant, weil es sich auch auf andere technische Neuerungen beziehen lässt.

Freitag, 4. Mai 2018

Super, und dir? von Kathrin Weßling.


Originalausgabe - Erschienen bei Ullstein fünf - 2018 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar

Marlene Beckmann ist 31 Jahre alt und lebt das Leben, das sie sich gewünscht hat. Auf die Frage, wie es ihr geht, antwortet sie reflexartig: "Super, un dir?" Tatsächlich fühlt sich aber gar nichts super an. Doch sie wahrt den Schein. Bis sie ihren ersten richtigen Job antritt. Bis sie vor lauter Überstunden kein Privatleben mehr hat. Bis der Druck schließlich größer wird als sie ...

Die Bücher von Kathrin Weßling sind irgendwie wie Helium. Man freut sich davor diebisch, dass man gleich was verrücktes macht, dann inhaliert man sie viel zu schnell, lacht und weint und freut sich sehr und nach viel zu kurzer Zeit ist der Spaß dann auch wieder vorbei.

Schon bei der ersten Ankündigung zu "Super, und dir?" musste ich freudig die Hände in die Höhe werfen, gehört doch Kathrin Weßling zu meinen liebsten Internet-Menschen, so gerne sehe ich ihr bei Instagram beim Leben zu. 

Und nun also "Super, und dir?". Obwohl bereits Anfang April erschienen und obwohl bereits Buch-Blogger wie Mareike von Herzpotenzial positiv berichteten, habe ich es doch erst jetzt geschafft, das Buch zu lesen. Und wie schon zu vermuten war, war es ein viel zu kurzes Vergnügen. Nach knapp vier Stunden schlug ich das Buch zu und dachte nur: "Kann am Ende bitte alles super sein, geht das bitte? Nein? Ich will das aber. Sehr."

"Man sieht nicht, wie das Mädchen ertrinkt, ganz im Gegenteil. Es reitet die Wellen, während der Sturm aufzieht, und es lächelt, es winkt den anderen zu, schon viel zu weit vom Strand entfernt, Wasser in den Lungen, Wasser im Kopf, und ruft: Alles in Ordnung, es geht mir sehr, sehr gut!" (Seite 20)

Marlene Beckmann ist also 31, Volontärin als Community Manager in einer angesagten Firma, die Zeugs verkauft, welches niemand braucht und doch ganz dringend benötigt. Sie arbeitet mit Influencern zusammen, versucht Kampagnen zu pitchen und wer noch mehr Buzzwords braucht, der findet sie auch. Marlene, das sind irgendwie wir. Marlene legt sich ins Zeug, Marlene will was schaffen, Marlene übersieht dabei, dass ihr Privatleben auf der Strecke bleibt und was nicht mithalten kann, das wird zurückgelassen oder schöngeredet oder im Drogenrausch versenkt. Marlene, das sind wir irgendwie natürlich nicht. Wir würden selbstverständlich vorher die Reißleine ziehen, die Alarmsirenen hören, auf uns achten.

Aber würden wir das?

Kathrin Weßling beschreibt in "Super, und dir?" sehr anschaulich, wie aus einem ganz normalen Leben mit ganz  normalen Vorstellungen und Wünschen ganz schnell ein Leben am Abgrund werden kann. Wie sehr man sich verstellen kann, wie wenig offensichtlich offensichtliche Probleme sein können. Wie schnell man den Kontakt zum Boden verliert, wie schnell man sich viel zu viel aufreibt für Job, Ansehen, Likes und vermeintliche Liebe. Und damit entsteht ein Sittenporträt einer Generation, von der man sich eigentlich am liebsten abgrenzen will. Aber wir gehören alle irgendwie dazu, wir spielen alle das Spiel mit und hoffen, dass es am Ende gut ausgeht. Am Ende soll bitte alles super sein, oder?

"Irgendwo im Atlantik schwimmt gerade eine Wal-Familie, und es ist ihr so was von scheißegal, wie traurig und erbärmlich dein Leben ist." (Seite 191)

Montag, 30. April 2018

Fotobreze - April 2018


// Hallo Heinrich Matters, ich mag dich schon sehr gern – insbesondere dein Frühstück // Was ist jetzt? - In Berlin! Endlich mal! // Schon schick auch in dunkel // Der Salbei und ich, wir sind jetzt sehr gute Freunde // Noch mehr von diesem Berlin. Das nächste Mal schaff ich es auch mal in den Reichstag // In Berlin muss man auch zu Dussmann wenn man Bücher mag // Wenn ich die Buchbranche nicht so gerne mögen würde, würde ich in die Politik wechseln, weil die so schöne Gebäude haben // A magazine for the get-up-and-go-generation! // Käse und Flieder, da lass dich nieder! // Immer noch schwer verliebt in Stuckrad-Barre // Haidhausen schmeckt großartig (Lavendel mit Brombeere) // An Pflanzen kann ich gerade sehr schwer vorbeigehen ... Der Stijlmarkt am vergangenen Wochenende war deswegen besonders gefährlich. Stattdessen erwarb ich aber ein Armband. Läuft //

Verrückt, ich war in Berlin! Und nicht krank! Obwohl es geregnet hat. Weswegen ich mich ungeplant im Symposium zu Imre Kertész wiederfand. Und hinter Iris Radisch saß (die mit einem Tintenfüller schreibt und deswegen schwarze Tintenflecken auf ihren Händen hat. Fand ich großartig). Genügend Zeit für viele Schritte durch Berlin, viele Buchkäufe in Berlin und überhaupt Berlin blieb trotzdem. In München schien dann einfach immer dann die Sonne, wenn es darauf ankam. Mit Salbei und Käse auf dem Balkon zu sitzen ist zum Beispiel sehr schick.

Der letzte gelesene Buch-Satz:
"Ich mag keine Männer, die immer Kuchen essen!", erklärte Gertrude und zupfte an dem Fliederbusch.
aus "Die Europäer" von Henry James, Seite 24.

Nächsten Monat und so:
Urlaub. Also jetzt gerade. Und viele Termine mit Literatur. Salvatorplatz 1! Helge Schneider! Hörgang! Frühlings-Mix! Außerdem ein Termin, auf dessen Ergebnis ich schon sehr gespannt bin. Bis dahin wird gelesen. Sehr viel hoffentlich. Muss mal wieder sein. 

Sonntag, 29. April 2018

Nachlese - Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen von Benjamin von Stuckrad-Barre.


Originalausgabe - Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch - 2018 - Vielen lieben Dank für das Rezensionsexemplar!

"Einen besseren Chronisten unserer Zeit gibt es nicht." - Die Zeit
Benjamin von Stuckrad-Barre über: Boris Becker, Jürgen Fliege, Ferdinand von Schirach, Madonna, Christian Ulmen, Sommer ohne iPad, Urlaubsfragen, Helmut Dietl, Thomas Bernhard, Phoshopphing, Rainald Goetz, Fussball-WM, Tattoos, Schweinegrippe, Jan Hofer, Thomas Demand, Jörg Fauser, Helge Malchow, Axel Springer, Berlinale, Harald Schmidts 2013, Walter Kempowski, Happy, Sunset Blvd.

Beginnen wir diesen Text direkt mit sehr viel Gefühlsduselei: Als ich gerade diesen Blogbeitrag angelegt habe, bildete sich plötzlich ein emotionaler Kloß in meinem Hals. Warum? Weil ich mich so wahnsinnig auf die Lesung von Benjamin von Stuckrad-Barre gefreut habe und jetzt ist sie vorbei. Diese Nachbesprechung ist fürs Erste der letzte (hihi) Baustein meiner Stuckrad-Barre-Obsession – bis dann ein neuer Text, ein neues Buch erscheint. 

2017 war "Panikherz" eines meiner am liebsten gelesenen Bücher. Keine Frage also, dass ich mich schon sehr auf "Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen" gefreut habe. Allein der Titel verdient eine Runde Applaus. Remix 3 also. Die beiden Vorgänger kenne ich nicht, bieten aber einen guten Anlass, den Stuckrad-Barre'schen Lesekonsum zu verlängern. 

"Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen" ist eine Textsammlung aus verschiedenen bereits erschienenen Artikeln, die alle um denselben Themenkomplex kreisen: (gescheiterte) Helden. Wie bereits in "Panikherz" lernen wir viel über die Menschen, die Benjamin von Stuckrad-Barre auf die eine oder andere Art verehrt, faszinierend findet. So gucken wir gemeinsam mit Boris Becker das Wimbledon-Finale, schreiben ein Drehbuch mit Hemlut Dietl, trinken in einer kurzen Pause mit Jan Hofer Kaffee und blicken mit Harald Schmidt auf das Jahr 2013 zurück. 

Dem Zeit-Zitat kann ich nur zustimmen. Benjamin von Stuckrad-Barre hat die Gabe, ganz genau hinzusehen, ganz genau zu erfassen, was eine Person umtreibt, ohne die Person dabei bloßzustellen. In jedem Text spürt man Stuckrad-Barres Liebe, Verehrung, Faszination für die porträtierte Person, selbst wenn es sich dabei um Jürgen Fliege handelt, der leichtgläubigen Menschen gesegnetes Wasser verkaufen will. 

Zwei Texte stechen für mich besonders heraus.

In "Eine Redaktionskonferenz zu Thomas Bernhards Geburtstag" schildert Stuckrad-Barre eine eben solche Redaktionskonferenz auf so grandiose Weise, dass man sich das als Kurzfilm wünscht. Oder lieber nicht. Meine Kopfversion ist eh viel besser. 

Und in "Der Verleger" wird eigentlich nur das Büro von Kiepenheuer & Witsch-Verleger Helge Malchow beschrieben und doch steckt so viel mehr zwischen den Zeilen, sodass ich als Buchbranchen-Mensch nur innerlich jubilieren kann. 

"Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen" ist eine wahre Goldgrube für alle, die sich an großartigen Porträts erfreuen können.


Dementsprechend groß war meine Freude auf die "Lesung" mit Stuckrad-Barre in München. Lesung muss hier in Anführungszeichen gesetzt werden, denn das, was Stuckrad-Barre dort oben auf der Bühne abliefert, ist keine Wasserglas-Lesung (ins Wasserglas kommen eh nur die Zigarettenstummel), sondern eine Pop-Performance mit Licht und Musik (Passenderweise hat Janine von Frau Hemingway dazu gerade einen Beitrag geschrieben, dem ich nur kräftig zustimmen kann). Da wird abgeschweift, erzählt, geraucht, plötzlich liest Joko Winterscheidt gemeinsam mit Benjamin von Stuckrad-Barre "Madonna live in L.A." in einer neuen Version, in der Bettina Böttinger die Hauptrolle spielt, die Gucci-Gang macht ein Bühnenfoto und selbstverständlich gibt es zum Ende der "Lesung" Stage Diving zu "Angels" von Robbie Williams. Hallo Literaturhaus, das hätte ich gerne bei der nächsten Lesung mit Carlos Ruiz Zafón auch!

Das ist alles so wirr, so emotional, so übertrieben, so fantastisch – genauso wie Benjamin von Stuckrad-Barre selbst. 

Vollgepumpt mit Glücksgefühlen stehe ich am Ende des Abends in der Signierschlange und erfreue mich besonders daran, dass ich wie bereits bei Saša Stanišić die im Buch genannte "Brezel" von Benjamin von Stuckrad-Barre korrigiert bekomme. Eine Nordbreze muss tun, was eine Nordbreze tun muss. 

"Beim Lesen dieser Geschichten hatte man Glückserlebnisse wie sonst nur bei der Lektüre von Fitzgerald oder Capote, da sitzt jedes Wort, da ist alles an seinem Platz, Poesie durch Reduktion [...]" (Seite 47)

Auch wenn Benjamin von Stuckrad-Barre hier über Ferdinand von Schirach spricht, so passt es doch ebenso gut zu seinem Buch. Texte voller Glückserlebnisse, Lesungen voller Erinnerungen. Ein Fest für Herz und Verstand. 

Freitag, 20. April 2018

One of us is lying von Karen M. McManus.


Originaltitel: One of Us Is Lying - Aus dem Amerikanischen von Anja Galić - Erschienen bei cbj - 2018 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar!

An einem Nachmittag sind fünf Schüler in der Bayview High zum Nachsitzen versammelt. Bronwyn, das Superhirn auf dem Weg nach Yale, bricht niemals die Regeln. Klassenschönheit Addy ist die perfekte Homecoming-Queen. Nate hat seinen Ruf als Drogendealer weg. Cooper glänzt als Baseball-Spieler. Und Simon hat die berüchtigte Gossip-App der Schule unter seiner Kontrolle. Als Simon plötzlich zusammenbricht und kurz darauf im Krankenhaus stirbt, ermittelt die Polizei wegen Mordes. Simon wollte am Folgetag einen Skandalpost absetzen. Im Schlaglicht: Bronwyn, Addy, Nate und Cooper. Jeder der vier hat etwas zu verbergen – und damit ein Motiv...

Als ich "One of us is lying" zum ersten Mal (in der englischen Ausgabe) entdeckt habe, hatte ich mir davon eine ebenso gute Lügengeschichte wie bei "Solange wir lügen" versprochen. Außerdem wurde das Buch mit "The Breakfast Club" verglichen, einen Film, den ich schon lange sehen möchte. Wohlwollende Voraussetzungen für die Lektüre.

Doch dazu kam es nicht.

(Uh, das klingt so schön nach Clickbaiting!)

Auf Seite 139 musste ich das Buch abbrechen. Und ich breche wirklich selten Bücher ab, weil ich eigentlich immer wissen will, wie die Geschichte endet. Doch bei "One of us is lying" war bereits nach einem Drittel der Seiten der Punkt erreicht, an dem ich die bisher schon investierte Lesezeit gerne zurückfordern wollte. Normalerweise würde ich noch einmal die Augen verdrehen und das Buch in den Bücherschrank stellen. Nachdem ich das Buch aber als Rezensionsexemplar erhalten habe, möchte ich die Gründe, weswegen "One of us is lying" für mich zum Abbruchkandidaten wurde, festhalten.

Mir war von Anfang an klar, dass bei einem Buch, welches an einer High School spielt, auch Klischees bedient werden. Aber man kann Klischees bedienen und das kreativ nutzen oder man kann Klischees bedienen und diese unreflektiert stehen lassen. Natürlich haben wir die Streberin in der Runde, natürlich die Schönheit, den Sportler, den Außenseiter und einen, der unbedingt dazugehören will. Natürlich wollen diese Personen nichts miteinander zu tun haben. Aber so platt wie bei "One of us is lying" wurden Protagonisten schon lange nicht beschrieben. Und das sage ich als Fan von "High School Musical"!



Wenden wir uns noch kurz einer Protagonistin zu, die es auf den wenigen von mir gelesenen Seiten schafft, 100 Jahre Feminismus mit den Füßen zu treten. Hallo Addy! Addy ist die Schöne aus der Runde der Verdächtigen und selbstverständlich mit einem der beliebtesten Jungs der Schule zusammen. Und auch, wenn mir mehrere Leser versichert haben, dass Addy noch eine gewaltige Entwicklung durchmacht, komme ich über folgenden Satz einfach nicht hinweg:

"Ich weise Jack nie ab, weil ich immer an das denken muss, was meine Mutter auf der Fahrt zu meinem ersten Frauenarzttermin zu mir gesagt hat: Wenn du zu oft Nein sagst, wird schon bald eine andere Ja sagen." Seite 62.

Weil das noch nicht reicht, zieht sich Addy selbstverständlich so an, wie es der liebe Freund gerne hätte und wird so zum netten Accessoire des netten Freundes. Ich muss leider ein bisschen brechen.

Nachdem ich dann auch noch das Ende des Buches erraten habe, konnten mich die verbliebenen Seiten des Buches wirklich gar nicht mehr locken. Vielleicht entgeht mir dabei eine ganz großartige Geschichte, die sich erst auf den folgenden Seiten entwickelt. Vielleicht würden mich die Protagonisten überraschen. Vielleicht bin ich doch zu hart mit meinem Urteil. Aber wenn es eine Autorin nicht schafft, wenigstens ein wenig Interesse beim Leser zu wecken, dann ist mir meine Lesezeit zu kostbar, um sie weiter in dieses Buch zu stecken.

Wie seht ihr das? Ab welchem Punkt brecht ihr Bücher ab? Hat jemand von euch "One of us is lying" gelesen und wie fällt euer Urteil aus? 

Sonntag, 8. April 2018

Ein anderes Brooklyn von Jacqueline Woodson.


Originaltitel: Another Brooklyn - Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit - Erschienen bei Piper - 2018

Die Freundinnen Angela und Sylvia, August und Gigi ziehen über das glühende Pflaster Brooklyns der Siebzigerjahre. Im Hauseingang nebenan dämmert ein Junkie, Vietnamkriegsveteranen laufen durch die Straßen. Solange die Mädchen zusammen sind, kann ihnen das nichts anhaben. Doch wenn sie zu Frauen werden. werden sie verwundbar. 

Der Trend zum Brooklyn-Buch hält an. Und nach "Ein Baum wächst in Brooklyn" ist dies nun das zweite Buch über den New Yorker Stadtteil, welches mich beeindruckt zurücklässt. In "Ein anderes Brooklyn" versteckt sich ein Kleinod, welchem ich noch viele weitere Leser wünsche. Soviel schon einmal vorweg.

Auf knapp 160 Seiten erzählt Jacqueline Woodson die Geschichte von vier Freundinnen, die im ärmlichen Brooklyn leben und dort die Schwelle zwischen Mädchen und Frau überspringen müssen. Doch wie gelingt die Metamorphose zur Erwachsenen zwischen Armut, Drogendealern, Kriegsveteranen, bedrohlichen Männern und Zukunftsträumen? Angela, Sylvia, Gigi und August – vier Mädchen, vier Schicksale, die sich in einem Wort zusammenfassen lassen: Brooklyn.

August ist dabei unsere Begleiterin durch das Brooklyn der Siebzigerjahre. Gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem jüngeren Bruder ist sie erst vor kurzem nach New York gezogen und beobachtet die eingeschworene Gruppe rund um Angela, Sylvia und Gigi vom Fenster aus. Dazugehören. Das ist das, was sie will. Teil der Geschichte werden. Teil der Erinnerung.

"Ich hob den Kopf, betrachtete die sich färbenden Blätter und dachte, dass wir alle irgendwann heimkehren. Irgendwann wurde das ganze Leben, alles und jeder, Erinnerung." (Seite 153)

Was für mich "Ein anderes Brooklyn" so besonderes macht, ist die Tatsache, dass Jacqueline Woodson auf so eindringliche, auf so einfache Art und Weise das Leben der vier ganz unterschiedlichen Mädchen beschreibt und dafür wenige Worte benötigt, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Es ist auch weniger die Geschichte an sich, die den Reiz von "Ein anderes Brooklyn" ausmacht, es ist die Sprache, die einen in einen Sog zieht, mit dem die Seiten des Buches nur so verfliegen.

Armut, Rassismus, Sexualität, Politik –  "Ein anderes Brooklyn" schafft ein Bewusstsein, wie es sich in den Siebzigerjahren angefühlt haben muss, als Heranwachsende in Brooklyn zu leben. Eine literarische Geschichtsstunde verbunden mit einer höchst poetischen Sprache. Solche Bücher wünscht man sich viel häufiger zu entdecken. 


Dienstag, 3. April 2018

Fotobreze - März 2018


// Und dann ist der Tag gekommen, an dem man zum ersten Mal eine Session hält und der eigene Name steht auf  einem Zettel. Verrückt // Hier so im Lovelace  beim Blogger Market von Mucbook war das nämlich // Darf ich vorstellen? Lauch und Bacon, die beiden sympathischen Zwergkaninchen aus dem Zoohandel im Leipziger Hauptbahnhof. Fast hätten wir sie mitgenommen // Gute-Nacht-Geschichten in der wunderschönen Monacensia. Warum war ich da bisher noch nie? // Die Leipziger Buchmesse 2018 in vier Marina-Varianten - Nr. 1 bei der fancy LYX LOUNGE-Party // Nr. 2 mit Mikrofon beim LovelyBooks Community-Treffen // Nr. 3 mit ATM für die guten alten Zeiten // Nr. 4 beim schönsten Projekt der Messe: Buchregal ausmalen // Manchmal gefällt mir München doch sehr // Dieses Wetter ey, März! Das war kein Spaß mehr // Was für ein Abend! Joachim Meyerhoff liest aus "Die Zweisamkeit der Einzelgänger" und katapultiert sich damit auf Platz 1 meiner liebsten Lesungsmenschen // Es ist angerichtet, es war angerichtet zur Bookshelf-Tour 2.0 //

Bringen wir es direkt hinter uns: Wie verrückt war bitte das Wetter im März? 20 Zentimeter Schnee in Leipzig zur Buchmesse. Mittendrin eine nicht auf Schnee eingestellte Marina. Kein schönes Erlebnis. Dafür war das die Buchmesse umso mehr. Anstrengend, aber wunderschön. Langsam sollte man darauf achten, mich nicht in die Nähe von Mikros zu lassen. Nach der ersten eigenen Session beim Blogger Market in München hatte ich auf der Buchmesse gefühlt immer ein Mikro in der Hand. Außer bei der Bastelstunde, da hatte ich es nur vor der Nase. Wer sich das noch nachträglich angucken will, kann das hier tun. In München ging es buchlastig weiter beim Indiebookday und bei der fantastischen Lesung von Joachim Meyerhoff. Große Liebe. 

Der letzte gelesene Buch-Satz:
"Irgendwann wurde das ganze Leben alles und jeder, Erinnerung."
aus "Ein anderes Brooklyn" von Jacqueline Woodson, Seite 153.

Nächsten Monat und so:
Der April hat nun schon begonnen und mir einen Berlin-Besuch ins Haus gespült. In zwei Wochen hingegen fahre ich nach Berlin – sofern ich nicht schon wieder krank werde. Außerdem geplant: Ein neuer Versuch Yoga in den Kalender einzugliedern. Ende des Monats geht es wieder zu einer Lesung, dieses Mal von und mit Benjamin von Stuckrad-Barre.