Sonntag, 17. Juni 2018

Zum 30. Geburtstag – 30 Weisheiten einer Nordbreze.


Es fühlt sich noch sehr ungewohnt an das zu sagen, aber ich bin nun 30 Jahre. Früher dachte ich, mit 30 muss man mit Mann, Kind und Hund im Eigenheim sitzen und eine Schwarzwälder Kirschtorte essen. Stattdessen habe ich meinen 30. Geburtstag im Disneyland Paris verbracht und es war der größte Spaß meines Lebens.

Nachdem mich nun mein Alter auch offiziell als weise Frau ausweist, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um euch 30 Dinge, die ich in den letzten 30 Jahren gelernt habe, mitzuteilen.

Hier nun also 30 Weisheiten einer Nordbreze:
  1. Niemand mag Kalendersprüche wie "Do more of what makes you happy", aber leider stimmt es. Bestes Beispiel: Eben jener Geburtstag im Disneyland wird noch lange für fröhliche Gesichter sorgen. Zum Nachgucken beispielsweise in den Story-Highlights bei Instagram
  2. Freitags sollte man sich frische Blumen kaufen. Kleine Geste, viel Freude am Wochenende. 
  3. Andere Leute werden auch 30. Zum Beispiel Melina von Vanilla Mind, die darüber auch einen fabelhaften Rückblick geschrieben hat. Danke dafür! 
  4. Es macht unfassbar viel Arbeit, aber das Bett neu zu überziehen macht einen spätestens am Abend sehr, sehr glücklich.
  5. Menschen, die einem nicht gut tun, sollte man wirklich nicht in seinem Leben behalten. Danke XING, dass du mich letztens daran erinnert hast
  6. Egal, wie glücklich und fröhlich jemand nach außen hin wirkt: Jeder von uns hat schlechte Tage. Manchmal mehr, manchmal weniger. 
  7. Zimtschnecken sollte man viel öfter essen. Ich empfehle in diesem Zusammenhang shotgun sister.
  8. Ich werde wohl nie damit aufhören an meinen Fingernägel zu kauen.
  9. Auch mit Umwegen und Sackgassen kann man irgendwann beruflich wo landen, wo man sehr glücklich ist. Nimm das, BWL-Studium!
  10. Ich kann mich selten lange konzentrieren, doch bei Fest & Flauschig kann ich eine Stunde lang wirklich mal nichts tun.
  11. Man sollte viel öfter aufs Meer gucken. Weswegen ich eine Wohnung in Hamburg nur befürworten kann. Denn ja, für mich liegt Hamburg am Meer.
  12. Wenn ich ein Lieblingsbuch benennen muss, ist es "Der große Gatsby", was aber weniger mit dem Buch selbst, sondern mehr mit all den wunderbaren Dingen zu tun hat, die ich damit verbinde. Danke Fitzgerald dafür!
  13. Neues Lebensjahr, neue Dinge: Deswegen möchte ich endlich mal aus der gewohnten Bubble raus und mal neue Sachen ausprobieren. Geplant bisher: Ein Besuch der Jungen Verlagsmenschen, Nachhaltigkeit üben mit "Ohne Wenn und Abfall". Endlich mal mit Female Future Force beginnen. 
  14. Weinen hilft. Auch, wenn es vor dem Chef passiert. Weinen hilft.
  15. Es lohnt sich, auf manche Dinge länger zu warten. Über mein Tattoo freu ich mich gerade jeden Morgen.
  16. Ich sollte lernen Kaffee zu kochen.
  17. Menschen, die einem gut tun, sollte man ganz unbedingt behalten. Danke ATM.
  18. Ein Fensterbrett mit Pflanzen ist nicht nur hübsch, sondern man lernt auch Verantwortung. 
  19. Bücher, ne. Das ist so ein Ding. Und wenn man sein Ding gefunden hat, dann ist das schon sehr schön.
  20. Wir brauchen alle viel mehr Kultur in unserem Leben. Ich versuch das jetzt mal mit mehr Theater, mehr Oper, mehr Ballett, mehr Literaturhaus!
  21. Rote Lippen soll man küssen. Ich hab erst ganz frisch gelernt, wie gern ich doch Lippenstift mag. Wenn ich jetzt noch lerne, ihn sinnvoll aufzutragen ...
  22. Mein literarischer Endgegner heißt Thomas Mann und ich nehme mir fest vor "Der Zauberberg" bis zu meinem 31. Geburtstag zu beenden.
  23. Pfannkuchenrezept für Notfälle: 3 Eier, 500 ml Milch, 250 g Mehl. 
  24. Für Lego ist man nie zu alt und wenn ich eine größere Wohnung hätte, hätte ich nicht nur ein eigenes Bücherzimmer, in diesem Bücherzimmer würde auch der Lego Rollercoaster stehen.
  25. Brezen sind das perfekte Nahrungsmittel, weil man sie zu jeder Tages- und Nachtzeit essen kann. Und es ist egal, ob man sie mit Belag oder ohne isst, hauptsache der Bauch ist fluffig.
  26. Drei Serien, die man gucken sollte: Mad Men, Die Sopranos, Jessica Jones.
  27. Drei Nicht-Mainstream-Filme, die man gucken sollte: La Grande Bellezza, All These Sleepless Nights, A Girl Walks Home Alone at Night
  28. Graphic Novels sind großartig, wenn man gerade eine Leseflaute hat.
  29. Pu der Bär ist mein spirit animal, weil Pu einfach alles richtig macht. Man sollte sich viel öfter ein Beispiel an Pu nehmen. 
  30. Das hier ist mein Lieblings-GIF. Es wirkt immer: 

Montag, 4. Juni 2018

Warum ich keine Bücher abbrechen kann.

Ich lese gerne. Ich lese viel. Ich lese die unterschiedlichsten Bücher. Unterhaltungsromane, Bücher aus dem Feuilleton, dicke Bücher, dünne Bücher, Neuerscheinungen, Klassiker. Ich lese auch relativ schnell, 100 Seiten schaffe ich meist in einer Stunde. Vorausgesetzt, die Lektüre hat mich gepackt. Wenn das nicht der Fall ist, verwandelt sich die ansonsten recht glückliche Buchbeziehung zu einem klebrigen Kaugummi. Das beginnt meist mit dem Überfliegen von Absätzen oder Überblättern von ganzen Seiten. Irgendwann wird das Buch zur Seite gelegt und ich lese einfach eine Woche gar nicht. Vielleicht packt mich die Lust ja wieder. Doch dann lacht mich ein anderes Buch an und das alte Buch wird beiseite gelegt. Erst auf den Stapel der angefangenen Bücher. In ganz schlimmen Fällen (Hallo "Der Zauberberg"!) wandert das Buch zurück in das Regal der ungelesenen Bücher. 


Denn bei all den vielen Jahren als Leser habe ich eine Sache nie richtig gelernt: Ich kann keine Bücher abbrechen. Ein Buch zuklappen und bewusst sagen "Nein, das lese ich auf keinen Fall weiter!", das passiert in den seltensten Fällen (die letzte Ausnahme war "One of us is lying").

Aber warum ist das so?

1. In mir nagt immer die Hoffnung, dass das Buch ja noch besser werden könnte. Vielleicht habe ich es nur einfach noch nicht erkennen können. Vielleicht wartet bereits auf der nächsten Seite die ultimative Wendung, die alles in einem neuen Licht erstrahlen lässt. Dazu gehört auch ...

2. Ich bin unfassbar neugierig. Das ist der Grund, warum ich mir schwer tue Krimis und Thriller zu lesen, denn ich will sofort wissen, wer der Mörder ist. Deswegen habe ich auch überhaupt kein Problem damit, verspoilert zu werden (mein Lieblingsbeispiel hierfür: Ich habe nach der ersten Folge "Gossip Girl" bei Wikipedia nachgeguckt, wer hinter Gossip Girl steckt). Wenn ich ein Buch abbreche, verpasse ich aber das Ende. Da helfen auch Wikipedia-Artikel oder Rezensionen nicht, denn vielleicht wird dort ein entscheidender Punkt weggelassen.

3. Ich bin nicht nur neugierig, ich bin auch stur. Wenn ich mit einem Buch angefangen habe, dann will ich es auch zu Ende bringen. Schließlich gab es Gründe, warum ich mich für eben jenes Buch entschieden habe. Und die können ja nicht alle falsch gewesen sein. Ich habe also Zeit und Geld (da schlägt der Schwabe in mir durch) investiert, also wird das Buch jetzt auch beendet. Komme, was wolle.

4. Gruppenzwang. Dafür ist "One of us is lying" ein ganz gutes Beispiel. So viele Blogger fanden das Buch gut. Was ist dann bei mir kaputt, wenn ich nach 139 Seiten das Handtuch werfe, weil ich ansonsten meinen Kopf gegen die Wand werfen muss? Vielleicht wird es ja doch noch besser (siehe Punkt 1)? Oder ...

5. Vielleicht ist das ja gerade nur eine Phase? Bücher passen nicht immer. Manchmal will man den Kopf beim Lesen ausschalten, da kann Thomas Mann noch so schöne Sätze schreiben. Oder einem ist zum Weinen zumute, während die aktuelle Lektüre himmelhochjauchzend vom Glück in der Liebe erzählt. Vielleicht passt das Buch in zwei, drei Wochen besser, da muss man es ja nicht direkt für immer abbrechen ...

Und so wird der Stapel der angefangenen, aber selbstverständlich nicht abgebrochenen Bücher immer höher. Derzeit befinden sich darauf:
- Malina von Ingeborg Bachmann
- Am grünen Rand der Welt von Thomas Hardy
- Anna Karenina von Lew Tolstoi
- Dame, König, As, Spion von John le Carré

(Lustigerweise schrieb ich vor einem Jahr einen Beitrag über aufgeschobene Bücher ... drei der gerade eben genannten Bücher werden dort auch schon erwähnt)

Doch was tun? Ab wann ist endgültig der Punkt erreicht, dass man ein Buch abbrechen sollte? Wann trennt man sich höflich, aber bestimmt von einem Buch, mit dem man schon einige Lesestunden verbracht hat?

Ich brauche Tipps, Tricks und eine Selbsthilfegruppe. Wie handhabt ihr das? Wann brecht ihr rigoros ein Buch ab? Und welches Buch ereilte bei euch zuletzt dieses Schicksal ? 

Sonntag, 3. Juni 2018

Neu im Bücherregal - Die Mai-Bücher 2018

Wie war das nochmal mit der im letzten "Neu im Bücherregal"-Beitrag erwähnten Aussortier-Aktion? Soweit das mich betrifft, hat kein Buch die Wohnung verlassen. Ganz im Gegenteil. Da guckt man einmal nicht richtig hin und schwuppdiwupp ist der Monat zu Ende und es türmen sich schon wieder neue Bücher auf dem Tisch, die darauf warten, ins Regal zu ziehen. Ich gehe langsam davon aus, dass ich Opfer einer unkoordinierten Zellteilung im Bücherregal bin. Nur deswegen werden es immer mehr und mehr und mehr Bücher. Damit kann ich auch direkt die ganze Schuld von mir weisen. Ich hab damit nichts zu tun. Wie bei einer verrückten Katzendame. Nur laufen mir eben Bücher zu. Was mir auch viel sympathischer ist. Katzen wären sehr unpraktisch. Niemand hier mag Katzen (sorry). Bücher dafür umso mehr.


Juja von Nino Haratischwili. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran. Dieses Buch wurde mir von Tobias bei "10 Jahre Nordbreze und so. 10 Buchempfehlungen oder so." empfohlen. Nun war es soweit und das Buch lag reduziert bei Buch & Töne herum und durfte direkt in mein Bücherregal wandern. Ich hoffe, Tobias freut sich! 

Töchter von Lucy Fricke. Ich muss das leider kurz sehr plakativ tun, weil ich noch nicht zu einer ausführlichen Rezension gekommen bin, aber: Oh, wie schön ist dieses Buch bitte! Lest es! Beim Frühlingsmix im Literaturhaus München hat Lucy Fricke daraus gelesen und ich war so entzückt, dass ich das Buch am liebsten sofort verschlungen hätte, nur leider gab es am Büchertisch kein Exemplar mehr. Deswegen musste ich am nächsten Tag geschwind in eine Buchhandlung hopsen, um das Buch dort käuflich zu erwerben. Und es ist so wunderschön. Ein Roadtrip für die Seele. Tragisch-komisch. Herrlich! 

Agnes von Peter Stamm. Dafür liebe ich den Bücherschrank. In meiner Ausgabe von "Agnes" befindet sich vorne ein Bibliotheksstempel des A.-V.-Humboldt-Gymnasiums in Konstanz. Leider wurde dort das Buch wohl nie ausgeliehen. Sehr schade. Ich werde den Stempel dann aber brav ausfüllen, sobald ich das Buch gelesen habe. 

Magical Mystery von Sven Regener. Zwar befindet sich "Herr Lehmann" immer noch ungelesen im Bücherregal, aber es schadet nie, sich weitere Bände des Autors zu besorgen. Die werden ja auch nicht schlecht, ne. 

Die Entdeckung des Glücks von Isabell Prophet. Nachdem ich das Buch bereits gelesen habe, befinden sich in meiner Ausgabe relativ viele Eselsohren bei interessanten Tipps und Tricks für mehr Glück. Ich müsste die nur nochmal alle angucken. Am besten mehr Atmen. Das geht immer. 

Der stumme Tod von Volker Kutscher. Nachdem im Buchclub "Der nasse Fisch" gelesen und für halbwegs gut befunden wurde, ist nun der zweite Teil bei mir eingezogen. An dieser Stelle möchte ich mein Urteil zu "Babylon Berlin", der Serie zum Buch, etwas revidieren. Am besten guckt man nur die ersten beiden Folgen der ersten Staffel, ist hingerissen und vergisst die Serie danach. Wer unbedingt will, guckt die erste Staffel komplett, aber auf keinen Fall, ich wiederhole, auf keinen Fall die zweite Staffel, die in ihrer Absurdität wirklich neue Rekorde einschlägt. Oh weh, oh weh. Wie konnte das nur passieren? Ich sag nur Verfolgungsjagd auf einem fahrenden Zug und muss schon wieder weinen. 

Peter Suhrkamp. Zur Biografie eines Verlegers vorgelegt von Siegfried Unseld. Hier explodiert mein Verlagsgeschichte-Fangirl-Herz quasi. Unseld über Suhrkamp! Die Ausgabe ist zwar sehr ranzig, aber das macht der Inhalt hoffentlich wieder wett. 

Kampfsterne von Alexa Hennig von Lange. Ich wollte schon sehr lange ein Buch von Alexa Hennig von Lange lesen, die ich bisher nur aus alten Folgen der Harald Schmidt-Show kenne. Da trifft es sich sehr gut, dass dieses Buch als Leseexemplar in der Arbeit eingetroffen ist. Der Buchrücken knallt ganz schön, dafür ist das Cover umso schöner. Und die guten alten  Achtzigerjahre gehen auch immer irgendwie. 

Black Hand von Stephan Talty. Wenn man eine Reise tut, insbesondere beruflich und insbesondere mit Verlagsterminen, dann passiert es oft, dass man mit Büchern zurückkommt. In diesem Fall konnte ich der Mafia-Geschichte nicht widerstehen. Und hallo? Das Buch wird mit Leonardo DiCaprio verfilmt. Das Buch erscheint aber erst im November, ich habe also gar nichts gesagt. 

Weil wir längst woanders sind von Rasha Khayat. Aufgrund des ganz wunderbaren Covers und der höchst interessanten Geschichte möchte ich dieses Buch schon lange haben. Teilweise dachte ich bereits, dass ich es schon habe. Stimmte aber gar nicht. Heute in der U-Bahn habe ich die ersten Seiten gelesen und möchte unbedingt sofort weiterlesen. Aber erst muss dieser Beitrag noch geschrieben werden. 

Open City von Teju Cole. Wenn ich mich richtig erinnere, hat mir Josefina dieses Buch schon vor Ewigkeiten empfohlen. Hier ist es nun, dank Oxfam. Und wie bei jedem Buch, welches in New York (in diesem Fall Manhattan) spielt, werde ich wieder sehr wehmütig, dass ich dort immer noch nicht war. Wann klappt das denn nun endlich mal?

Samstag, 2. Juni 2018

Fotobreze - Mai 2018


// Jahrelang darüber nachgedacht und dann in einer Kurzschlussentscheidung einfach mal gemacht. Hiermit gehöre ich offiziell zu den bösen Mädchen, denn ich habe nun ein Tattoo. Und bin sehr glücklich damit  // Im Buchclub wurde zuletzt Henry James gelesen und ich bin schon sehr angetan von seiner Art die kleinen und großen Unterschiede zwischen Europäern und US-Amerikanern zu beschreiben // Helge Schneider im Circus Krone. Sehr verrückt, sehr sympathisch und überraschend, wenn man plötzlich unerwartet Lieblingsmenschen dort trifft // Beim Hörgang laufend Neuhausen-Nymphenburg erkunden und neuer Literatur lauschen – immer wieder schön // Ebenso schön: ATM // Insbesonderen, wenn ATM mal wieder Literatur lauscht. In diesem Fall dem Frühlingsmix im Literaturhaus mit Mareike Fallwickl // Wieder ATM, wieder Literatur. Im Lost Weekend stellte Mercedes Lauenstein ihren neuen Roman "Blanca" vor. Roadtrips durch Italien. Sollte man auch mal machen // Hallo Berlin, mal wieder. Dieses Mal aber nur ein beruflicher Kurztrip inklusive Zugfahrt mit dem wirklich sehr schnellen München-Berlin-Zug // So ne Wand in der Wohnung. Das wäre genau richtig // Rausgehen ist das neue drinnen Lesen – auf zum Modular Festival in Augsburg. Hauptsächlich wegen: // Olli Schulz. Ich hör viel zu selten Musik, aber Olli geht immer // Wenn man länger nicht in Augsburg war, ist es da sogar fast hübsch //

Dieser Mai, ey. Schon wieder vorbei und so vieles was bleibt. Den linken Oberarm ziert nun ein Tattoo bis ich 80 Jahre und noch älter werde. Bei Helge Schneider habe ich eine liebe alte Freundin aus Augsburgzeiten wiedergesehen. Und zum Ende des Monats ging es in eben jene Stadt, um die Festival-Saison zu eröffnen (und direkt wieder zu beenden, wir wollen es jetzt auch nicht übertreiben). Dazu Literatur, Literatur, Literatur! So kann es gerne jeden Monat sein. 

Der letzte gelesene Buch-Satz:
"Heute war der so etwas von allerbeste 20. Juni 2014, den ich haben konnte."
aus "Panthertage" von Sarah Elise Bischof, Seite 192.

Nächsten Monat und so:
Gut, der Juni, der ist jetzt schon zwei Tage alt. Und wie das so üblich ist, ist der Juni der Geburtstagsmonat. Deswegen erfreue ich mich auch gerade am Urlaubsstatus und an der damit verbundenen Reise, die nächste Woche ansteht: Paris, baby! ATM goes Disneyland. Ich finde, das ist die beste Möglichkeit, seinen 30. Geburtstag zu feiern. Keine Widerworte erlaubt. 

Montag, 21. Mai 2018

Die Entdeckung des Glücks von Isabell Prophet.


Originalausgabe - Erschienen Mosaik - 2017 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar

„Bist du glücklich mit deinem Job?“ Auf diese einfache Frage eine klare Antwort zu geben, fällt den meisten Menschen schwer. Gerade wenn es um den Beruf geht, schwanken wir oft zwischen Freude und Disziplin, Ehrgeiz und Überforderung. Doch glücklich sein kann man lernen – es hat uns nur noch niemand gezeigt, wie. Isabell Prophet analysiert und erklärt fundiert und unterhaltsam, welche Weichen wir stellen müssen, um glücklich in unserem Tun zu werden.

Darum mag ich Buchempfehlungen von anderen Menschen so gerne. Man stößt dadurch auf ganz neue Lektüren, die man ansonsten wohl nicht gefunden hätte. So ging es mir mit "Die Entdeckung des Glücks" von Isabell Prophet, welches dank Melina von Vanilla Mind meine Aufmerksamkeit erregt hat. 

Isabell Prophet widmet sich in "Die Entdeckung des Glücks" einem so einfachen und deswegen so schwierigen Thema: Glück in der Arbeit. Dazu muss man eines voranstellen: Durch Arbeit allein wird man nicht glücklich. Wer sein Seelenheil in der Arbeit sucht, sollte viel Ausdauer und eine Grubenlampe mitbringen, um fündig zu werden. Aber wenn man als Standard-Angesteller die meiste Zeit des Tages am Arbeitsplatz verbringt, sollte man sich vielleicht mal damit auseinandersetzen, ob und wie die Arbeit ins eigene Glückskonto einzahlt.

"Die Entdeckung des Glücks" ist dabei in drei Teile eingeteilt. "Wie wir unser Glück verhindern" widmet sich der Frage, was Glück überhaupt ist und warum unser Gehirn dazu neigt, Glück zu ignorieren. In "Wo wir unser Glück finden" versucht die Autorin Glückspunkte zu definieren, die auch und gerade für den Arbeitsplatz gelten. Im letzten Teil "Was wir für unser Glück tun können" geht es um Anregungen, die man direkt umsetzen kann, um sich etwas mehr Glück ins Arbeitsleben zu holen.

Sehr oft habe ich mich bei der Lektüre ertappt gefühlt. Ja, ich lese bereits nach dem Aufstehen im Bett die ersten Mails. Und ja, ich neige dazu, nach Feierabend eher nervige Dinge aus dem Arbeitstag zu erzählen, anstatt mich über die positiven Punkte zu freuen. Und wie? Multitasking ist gar nichts positives? Aber ich kann doch so gut mehrere Dinge gleichzeitig machen! Wirklich ...

Nein. Kann ich nicht. Auch, wenn ich es mir noch so oft einrede, ich kann nicht jemanden zuhören und gleichzeitig auf meinem Smartphone Tweets lesen. Und wenn ich Arbeitsmails schon vor dem Aufstehen lese, will mein Kopf schon während der S-Bahn-Fahrt alle Probleme lösen. All das führt nicht dazu, dass ich mich glücklicher fühle. Aber warum ist es so schwer, aus diesen Routinen auszubrechen?

Das versucht Isabell Prophet mithilfe von Studien und Erkenntnissen aus der Neurowissenschaft und der Psychologie zu erklären und gibt dabei direkt Mini-Anleitungen, wie man Glück in den Arbeitsalltag einbauen kann. Dabei gibt sie selbst zu, dass wir uns viel zu oft viel zu viel Stress machen, um die vermeintliche Selbstverwirklichung, Selbstoptimierung zu erreichen. Das hat wenig mit Glück zu tun. Und manchmal kann man auch noch so viel verändern, Pflanzen auf den Schreibtisch stellen und ein Glückstagebuch führen. Es hilft nicht. Manchmal ist eine Kündigung der richtige Weg zum Glück. 

Ich werde nun sicherlich nicht damit beginnen ein Glückstagebuch zu führen (gegen mehr Pflanzen am Schreibtisch hätte ich aber nichts!), aber vielleicht kann ich meine Morgenroutine ändern und nicht direkt meine Mails lesen. Und doch öfter kleine Pause einlegen, um mal Luft zu holen (Atmen, ey. Atmen ist so ein Thema, dass mich wirklich verfolgt. Sobald ich mich aufs Atmen konzentriere, vergesse ich, wie das überhaupt funktioniert). 

Arbeit allein macht nicht glücklich. Aber ich kann meine Arbeit so gestalten, dass sie zu meinem Glück beiträgt. 

Sonntag, 6. Mai 2018

Neu im Bücherregal - Die April-Bücher 2018

Wenn ich eine Reise tue, dann gehören Ausflüge in Buchhandlungen zum festen Programmbestandteil. Deswegen verbrachte ich in Berlin auch viel Zeit in verschiedenen Buchhandlungen (Hallo Dussmann, hallo Ocelot!) und ging dort selten mit leeren Händen hinaus. Dazu kamen noch Ausflüge in Münchner Buchhandlungen, ein Zeitvertreib-Buchkauf in Frankfurt und postalische Zusendungen. Und schwuppdiwupp ist man bei zwölf neuen Büchern im April. Eine großangelegte Aussortier-Aktion im heimischen Buchregal für mehr Platz sollte wohl für den Mai eingeplant werden. Wie ich  mehr Zeit ranschaffe, um die Bücher zu lesen, müsst ihr mir noch verraten. 


Frauen, die Blumen kaufen von Vanessa Montfort. Ein wenig hatte ich auf ein Buch wie "Die schönste Art, sein Herz zu verlieren" gehofft. Leichte Sommerunterhaltung, ohne seicht zu werden. Naja. Sagen wir mal so, vielleicht ist das Buch auch genau das, aber eben für eine andere Zielgruppe. Mit der Mid-Life-Crisis von 40-jährigen Frauen kann ich so gar nichts anfangen. Und dass eine der Protagonistinnen Marina heißt und nicht aufs Meer will, ist das i-Tüpfelchen ... 

Sturmhöhe von Emily Brontë. Damit nicht gleich ein Aufschrei durch die Menge geht: "Sturmhöhe" habe ich bereits gelesen, doch nur in der Anaconda-Ausgabe. Nun begab es sich aber, dass Herr Gatsby die fürs Auge und für den Kopf viel schönere Ausgabe von Hanser preisreduziert entdeckt und mir mitgebracht hat. Ein Segen, dieser Mann. 

Feminist Fight Club von Jessica Bennett. Ich hatte das dieses Buch bereits in der englischen Ausgabe auf meinen Wunschzettel gepackt und hatte bisher nicht mitbekommen, dass auch eine deutsche Ausgabe erscheint. Umso schöner, dass es Karla bei Instagram vorgestellt hat. Und noch viel schöner, dass ich es im Anschluss dort gewonnen habe. Danke dafür! ♥

Was zu dir gehört von Garth Greenwell. Instagram made me buy ist. In diesem Fall hat der literarische Nerd so großartig von diesem Buch gesprochen, dass ich nicht daran vorbeigehen konnte. 

Wie hoch die Wasser steigen von Anja Kampmann. Dieser Sternenhimmel auf dem Cover, eine Ölplattform mitten im Meer, Sturm, Freundschaft, Tod und Leid – klingt nach der perfekten Lektüre für mich. 

Super, und dir? von Kathrin Weßling. Hierzu hatte ich meine Lobeshymne bereits gesungen und ich bleibe dabei. Wann genau erscheint das nächste Buch von Kathrin Weßling? 

Die Mutter aller Fragen von Rebecca Solnit. Weil ich "Wenn Männer mir die Welt erklären" schon sehr fantastisch fand, durfte nun ein weiteres Buch von Rebecca Solnit in meinem Bücherregal Platz nehmen. Wer sich nun fragt, was die Mutter aller Fragen ist – genau das. "Warum haben Sie keine Kinder?"

Bibliodiversität von Susan Hawthorne. Der kleine Buchbranchen-Nerd hat wieder zugeschlagen. "Der Begriff Bibliodiversität bezeichnet die kulturelle Vielfalt innerhalb des Verlagswesens." In Zeiten, in denen Buchcover gefühlt alle gleich aussehen und sich die immer gleichen Bücher stapelweise in den Buchhandlungen finden, klingt das Thema doch sehr ansprechend. Und nachdem es das Buch beim Indiebookday in den Münchner Buchhandlungen nicht gab, hab ich es nun bei Ocelot in Berlin mitgenommen. 

Notes on 'Camp' von Susan Sontag. Von Susan Sontag habe ich bisher noch nicht gelesen, das sollte sich aber demnächst hoffentlich mal ändern. Irgendwann während der Lektüre habe ich dann auch verstanden, was "Camp" ist ...

The duke in his domain von Truman Capote. Ich finde diese Penguin Modern-Bändchen ja wirklich sehr nett, weil sie klein und handlich und schick und vielseitig sind. Deswegen durfte auch Capote und ... 

Fame von Andy Warhol. ... dieser Band mit. Es wird jetzt auch immer ein Band (also eigentlich nur noch Capote oder Warhol, die anderen habe ich bereits gelesen) in die Tasche gepackt, denn die Büchlein kann ich dann doch mal in der S-Bahn lesen. Hurra. 

Why I am not going to by a computer von Wendell Berry. Der aus der Zeit gefallene Titel hat mich hier gelockt. Das Büchlein wurde auch schon gelesen, aber ich kann nicht wirklich etwas dazu sagen, weil der Text und das Thema in meinen Augen so sehr veraltet sind, dass man nicht mehr wirklich darüber diskutieren kann. Trotzdem aber vom Prinzip recht interessant, weil es sich auch auf andere technische Neuerungen beziehen lässt.

Freitag, 4. Mai 2018

Super, und dir? von Kathrin Weßling.


Originalausgabe - Erschienen bei Ullstein fünf - 2018 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar

Marlene Beckmann ist 31 Jahre alt und lebt das Leben, das sie sich gewünscht hat. Auf die Frage, wie es ihr geht, antwortet sie reflexartig: "Super, un dir?" Tatsächlich fühlt sich aber gar nichts super an. Doch sie wahrt den Schein. Bis sie ihren ersten richtigen Job antritt. Bis sie vor lauter Überstunden kein Privatleben mehr hat. Bis der Druck schließlich größer wird als sie ...

Die Bücher von Kathrin Weßling sind irgendwie wie Helium. Man freut sich davor diebisch, dass man gleich was verrücktes macht, dann inhaliert man sie viel zu schnell, lacht und weint und freut sich sehr und nach viel zu kurzer Zeit ist der Spaß dann auch wieder vorbei.

Schon bei der ersten Ankündigung zu "Super, und dir?" musste ich freudig die Hände in die Höhe werfen, gehört doch Kathrin Weßling zu meinen liebsten Internet-Menschen, so gerne sehe ich ihr bei Instagram beim Leben zu. 

Und nun also "Super, und dir?". Obwohl bereits Anfang April erschienen und obwohl bereits Buch-Blogger wie Mareike von Herzpotenzial positiv berichteten, habe ich es doch erst jetzt geschafft, das Buch zu lesen. Und wie schon zu vermuten war, war es ein viel zu kurzes Vergnügen. Nach knapp vier Stunden schlug ich das Buch zu und dachte nur: "Kann am Ende bitte alles super sein, geht das bitte? Nein? Ich will das aber. Sehr."

"Man sieht nicht, wie das Mädchen ertrinkt, ganz im Gegenteil. Es reitet die Wellen, während der Sturm aufzieht, und es lächelt, es winkt den anderen zu, schon viel zu weit vom Strand entfernt, Wasser in den Lungen, Wasser im Kopf, und ruft: Alles in Ordnung, es geht mir sehr, sehr gut!" (Seite 20)

Marlene Beckmann ist also 31, Volontärin als Community Manager in einer angesagten Firma, die Zeugs verkauft, welches niemand braucht und doch ganz dringend benötigt. Sie arbeitet mit Influencern zusammen, versucht Kampagnen zu pitchen und wer noch mehr Buzzwords braucht, der findet sie auch. Marlene, das sind irgendwie wir. Marlene legt sich ins Zeug, Marlene will was schaffen, Marlene übersieht dabei, dass ihr Privatleben auf der Strecke bleibt und was nicht mithalten kann, das wird zurückgelassen oder schöngeredet oder im Drogenrausch versenkt. Marlene, das sind wir irgendwie natürlich nicht. Wir würden selbstverständlich vorher die Reißleine ziehen, die Alarmsirenen hören, auf uns achten.

Aber würden wir das?

Kathrin Weßling beschreibt in "Super, und dir?" sehr anschaulich, wie aus einem ganz normalen Leben mit ganz  normalen Vorstellungen und Wünschen ganz schnell ein Leben am Abgrund werden kann. Wie sehr man sich verstellen kann, wie wenig offensichtlich offensichtliche Probleme sein können. Wie schnell man den Kontakt zum Boden verliert, wie schnell man sich viel zu viel aufreibt für Job, Ansehen, Likes und vermeintliche Liebe. Und damit entsteht ein Sittenporträt einer Generation, von der man sich eigentlich am liebsten abgrenzen will. Aber wir gehören alle irgendwie dazu, wir spielen alle das Spiel mit und hoffen, dass es am Ende gut ausgeht. Am Ende soll bitte alles super sein, oder?

"Irgendwo im Atlantik schwimmt gerade eine Wal-Familie, und es ist ihr so was von scheißegal, wie traurig und erbärmlich dein Leben ist." (Seite 191)

Montag, 30. April 2018

Fotobreze - April 2018


// Hallo Heinrich Matters, ich mag dich schon sehr gern – insbesondere dein Frühstück // Was ist jetzt? - In Berlin! Endlich mal! // Schon schick auch in dunkel // Der Salbei und ich, wir sind jetzt sehr gute Freunde // Noch mehr von diesem Berlin. Das nächste Mal schaff ich es auch mal in den Reichstag // In Berlin muss man auch zu Dussmann wenn man Bücher mag // Wenn ich die Buchbranche nicht so gerne mögen würde, würde ich in die Politik wechseln, weil die so schöne Gebäude haben // A magazine for the get-up-and-go-generation! // Käse und Flieder, da lass dich nieder! // Immer noch schwer verliebt in Stuckrad-Barre // Haidhausen schmeckt großartig (Lavendel mit Brombeere) // An Pflanzen kann ich gerade sehr schwer vorbeigehen ... Der Stijlmarkt am vergangenen Wochenende war deswegen besonders gefährlich. Stattdessen erwarb ich aber ein Armband. Läuft //

Verrückt, ich war in Berlin! Und nicht krank! Obwohl es geregnet hat. Weswegen ich mich ungeplant im Symposium zu Imre Kertész wiederfand. Und hinter Iris Radisch saß (die mit einem Tintenfüller schreibt und deswegen schwarze Tintenflecken auf ihren Händen hat. Fand ich großartig). Genügend Zeit für viele Schritte durch Berlin, viele Buchkäufe in Berlin und überhaupt Berlin blieb trotzdem. In München schien dann einfach immer dann die Sonne, wenn es darauf ankam. Mit Salbei und Käse auf dem Balkon zu sitzen ist zum Beispiel sehr schick.

Der letzte gelesene Buch-Satz:
"Ich mag keine Männer, die immer Kuchen essen!", erklärte Gertrude und zupfte an dem Fliederbusch.
aus "Die Europäer" von Henry James, Seite 24.

Nächsten Monat und so:
Urlaub. Also jetzt gerade. Und viele Termine mit Literatur. Salvatorplatz 1! Helge Schneider! Hörgang! Frühlings-Mix! Außerdem ein Termin, auf dessen Ergebnis ich schon sehr gespannt bin. Bis dahin wird gelesen. Sehr viel hoffentlich. Muss mal wieder sein. 

Sonntag, 29. April 2018

Nachlese - Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen von Benjamin von Stuckrad-Barre.


Originalausgabe - Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch - 2018 - Vielen lieben Dank für das Rezensionsexemplar!

"Einen besseren Chronisten unserer Zeit gibt es nicht." - Die Zeit
Benjamin von Stuckrad-Barre über: Boris Becker, Jürgen Fliege, Ferdinand von Schirach, Madonna, Christian Ulmen, Sommer ohne iPad, Urlaubsfragen, Helmut Dietl, Thomas Bernhard, Phoshopphing, Rainald Goetz, Fussball-WM, Tattoos, Schweinegrippe, Jan Hofer, Thomas Demand, Jörg Fauser, Helge Malchow, Axel Springer, Berlinale, Harald Schmidts 2013, Walter Kempowski, Happy, Sunset Blvd.

Beginnen wir diesen Text direkt mit sehr viel Gefühlsduselei: Als ich gerade diesen Blogbeitrag angelegt habe, bildete sich plötzlich ein emotionaler Kloß in meinem Hals. Warum? Weil ich mich so wahnsinnig auf die Lesung von Benjamin von Stuckrad-Barre gefreut habe und jetzt ist sie vorbei. Diese Nachbesprechung ist fürs Erste der letzte (hihi) Baustein meiner Stuckrad-Barre-Obsession – bis dann ein neuer Text, ein neues Buch erscheint. 

2017 war "Panikherz" eines meiner am liebsten gelesenen Bücher. Keine Frage also, dass ich mich schon sehr auf "Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen" gefreut habe. Allein der Titel verdient eine Runde Applaus. Remix 3 also. Die beiden Vorgänger kenne ich nicht, bieten aber einen guten Anlass, den Stuckrad-Barre'schen Lesekonsum zu verlängern. 

"Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen" ist eine Textsammlung aus verschiedenen bereits erschienenen Artikeln, die alle um denselben Themenkomplex kreisen: (gescheiterte) Helden. Wie bereits in "Panikherz" lernen wir viel über die Menschen, die Benjamin von Stuckrad-Barre auf die eine oder andere Art verehrt, faszinierend findet. So gucken wir gemeinsam mit Boris Becker das Wimbledon-Finale, schreiben ein Drehbuch mit Hemlut Dietl, trinken in einer kurzen Pause mit Jan Hofer Kaffee und blicken mit Harald Schmidt auf das Jahr 2013 zurück. 

Dem Zeit-Zitat kann ich nur zustimmen. Benjamin von Stuckrad-Barre hat die Gabe, ganz genau hinzusehen, ganz genau zu erfassen, was eine Person umtreibt, ohne die Person dabei bloßzustellen. In jedem Text spürt man Stuckrad-Barres Liebe, Verehrung, Faszination für die porträtierte Person, selbst wenn es sich dabei um Jürgen Fliege handelt, der leichtgläubigen Menschen gesegnetes Wasser verkaufen will. 

Zwei Texte stechen für mich besonders heraus.

In "Eine Redaktionskonferenz zu Thomas Bernhards Geburtstag" schildert Stuckrad-Barre eine eben solche Redaktionskonferenz auf so grandiose Weise, dass man sich das als Kurzfilm wünscht. Oder lieber nicht. Meine Kopfversion ist eh viel besser. 

Und in "Der Verleger" wird eigentlich nur das Büro von Kiepenheuer & Witsch-Verleger Helge Malchow beschrieben und doch steckt so viel mehr zwischen den Zeilen, sodass ich als Buchbranchen-Mensch nur innerlich jubilieren kann. 

"Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen" ist eine wahre Goldgrube für alle, die sich an großartigen Porträts erfreuen können.


Dementsprechend groß war meine Freude auf die "Lesung" mit Stuckrad-Barre in München. Lesung muss hier in Anführungszeichen gesetzt werden, denn das, was Stuckrad-Barre dort oben auf der Bühne abliefert, ist keine Wasserglas-Lesung (ins Wasserglas kommen eh nur die Zigarettenstummel), sondern eine Pop-Performance mit Licht und Musik (Passenderweise hat Janine von Frau Hemingway dazu gerade einen Beitrag geschrieben, dem ich nur kräftig zustimmen kann). Da wird abgeschweift, erzählt, geraucht, plötzlich liest Joko Winterscheidt gemeinsam mit Benjamin von Stuckrad-Barre "Madonna live in L.A." in einer neuen Version, in der Bettina Böttinger die Hauptrolle spielt, die Gucci-Gang macht ein Bühnenfoto und selbstverständlich gibt es zum Ende der "Lesung" Stage Diving zu "Angels" von Robbie Williams. Hallo Literaturhaus, das hätte ich gerne bei der nächsten Lesung mit Carlos Ruiz Zafón auch!

Das ist alles so wirr, so emotional, so übertrieben, so fantastisch – genauso wie Benjamin von Stuckrad-Barre selbst. 

Vollgepumpt mit Glücksgefühlen stehe ich am Ende des Abends in der Signierschlange und erfreue mich besonders daran, dass ich wie bereits bei Saša Stanišić die im Buch genannte "Brezel" von Benjamin von Stuckrad-Barre korrigiert bekomme. Eine Nordbreze muss tun, was eine Nordbreze tun muss. 

"Beim Lesen dieser Geschichten hatte man Glückserlebnisse wie sonst nur bei der Lektüre von Fitzgerald oder Capote, da sitzt jedes Wort, da ist alles an seinem Platz, Poesie durch Reduktion [...]" (Seite 47)

Auch wenn Benjamin von Stuckrad-Barre hier über Ferdinand von Schirach spricht, so passt es doch ebenso gut zu seinem Buch. Texte voller Glückserlebnisse, Lesungen voller Erinnerungen. Ein Fest für Herz und Verstand. 

Freitag, 20. April 2018

One of us is lying von Karen M. McManus.


Originaltitel: One of Us Is Lying - Aus dem Amerikanischen von Anja Galić - Erschienen bei cbj - 2018 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar!

An einem Nachmittag sind fünf Schüler in der Bayview High zum Nachsitzen versammelt. Bronwyn, das Superhirn auf dem Weg nach Yale, bricht niemals die Regeln. Klassenschönheit Addy ist die perfekte Homecoming-Queen. Nate hat seinen Ruf als Drogendealer weg. Cooper glänzt als Baseball-Spieler. Und Simon hat die berüchtigte Gossip-App der Schule unter seiner Kontrolle. Als Simon plötzlich zusammenbricht und kurz darauf im Krankenhaus stirbt, ermittelt die Polizei wegen Mordes. Simon wollte am Folgetag einen Skandalpost absetzen. Im Schlaglicht: Bronwyn, Addy, Nate und Cooper. Jeder der vier hat etwas zu verbergen – und damit ein Motiv...

Als ich "One of us is lying" zum ersten Mal (in der englischen Ausgabe) entdeckt habe, hatte ich mir davon eine ebenso gute Lügengeschichte wie bei "Solange wir lügen" versprochen. Außerdem wurde das Buch mit "The Breakfast Club" verglichen, einen Film, den ich schon lange sehen möchte. Wohlwollende Voraussetzungen für die Lektüre.

Doch dazu kam es nicht.

(Uh, das klingt so schön nach Clickbaiting!)

Auf Seite 139 musste ich das Buch abbrechen. Und ich breche wirklich selten Bücher ab, weil ich eigentlich immer wissen will, wie die Geschichte endet. Doch bei "One of us is lying" war bereits nach einem Drittel der Seiten der Punkt erreicht, an dem ich die bisher schon investierte Lesezeit gerne zurückfordern wollte. Normalerweise würde ich noch einmal die Augen verdrehen und das Buch in den Bücherschrank stellen. Nachdem ich das Buch aber als Rezensionsexemplar erhalten habe, möchte ich die Gründe, weswegen "One of us is lying" für mich zum Abbruchkandidaten wurde, festhalten.

Mir war von Anfang an klar, dass bei einem Buch, welches an einer High School spielt, auch Klischees bedient werden. Aber man kann Klischees bedienen und das kreativ nutzen oder man kann Klischees bedienen und diese unreflektiert stehen lassen. Natürlich haben wir die Streberin in der Runde, natürlich die Schönheit, den Sportler, den Außenseiter und einen, der unbedingt dazugehören will. Natürlich wollen diese Personen nichts miteinander zu tun haben. Aber so platt wie bei "One of us is lying" wurden Protagonisten schon lange nicht beschrieben. Und das sage ich als Fan von "High School Musical"!



Wenden wir uns noch kurz einer Protagonistin zu, die es auf den wenigen von mir gelesenen Seiten schafft, 100 Jahre Feminismus mit den Füßen zu treten. Hallo Addy! Addy ist die Schöne aus der Runde der Verdächtigen und selbstverständlich mit einem der beliebtesten Jungs der Schule zusammen. Und auch, wenn mir mehrere Leser versichert haben, dass Addy noch eine gewaltige Entwicklung durchmacht, komme ich über folgenden Satz einfach nicht hinweg:

"Ich weise Jack nie ab, weil ich immer an das denken muss, was meine Mutter auf der Fahrt zu meinem ersten Frauenarzttermin zu mir gesagt hat: Wenn du zu oft Nein sagst, wird schon bald eine andere Ja sagen." Seite 62.

Weil das noch nicht reicht, zieht sich Addy selbstverständlich so an, wie es der liebe Freund gerne hätte und wird so zum netten Accessoire des netten Freundes. Ich muss leider ein bisschen brechen.

Nachdem ich dann auch noch das Ende des Buches erraten habe, konnten mich die verbliebenen Seiten des Buches wirklich gar nicht mehr locken. Vielleicht entgeht mir dabei eine ganz großartige Geschichte, die sich erst auf den folgenden Seiten entwickelt. Vielleicht würden mich die Protagonisten überraschen. Vielleicht bin ich doch zu hart mit meinem Urteil. Aber wenn es eine Autorin nicht schafft, wenigstens ein wenig Interesse beim Leser zu wecken, dann ist mir meine Lesezeit zu kostbar, um sie weiter in dieses Buch zu stecken.

Wie seht ihr das? Ab welchem Punkt brecht ihr Bücher ab? Hat jemand von euch "One of us is lying" gelesen und wie fällt euer Urteil aus? 

Sonntag, 8. April 2018

Ein anderes Brooklyn von Jacqueline Woodson.


Originaltitel: Another Brooklyn - Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit - Erschienen bei Piper - 2018

Die Freundinnen Angela und Sylvia, August und Gigi ziehen über das glühende Pflaster Brooklyns der Siebzigerjahre. Im Hauseingang nebenan dämmert ein Junkie, Vietnamkriegsveteranen laufen durch die Straßen. Solange die Mädchen zusammen sind, kann ihnen das nichts anhaben. Doch wenn sie zu Frauen werden. werden sie verwundbar. 

Der Trend zum Brooklyn-Buch hält an. Und nach "Ein Baum wächst in Brooklyn" ist dies nun das zweite Buch über den New Yorker Stadtteil, welches mich beeindruckt zurücklässt. In "Ein anderes Brooklyn" versteckt sich ein Kleinod, welchem ich noch viele weitere Leser wünsche. Soviel schon einmal vorweg.

Auf knapp 160 Seiten erzählt Jacqueline Woodson die Geschichte von vier Freundinnen, die im ärmlichen Brooklyn leben und dort die Schwelle zwischen Mädchen und Frau überspringen müssen. Doch wie gelingt die Metamorphose zur Erwachsenen zwischen Armut, Drogendealern, Kriegsveteranen, bedrohlichen Männern und Zukunftsträumen? Angela, Sylvia, Gigi und August – vier Mädchen, vier Schicksale, die sich in einem Wort zusammenfassen lassen: Brooklyn.

August ist dabei unsere Begleiterin durch das Brooklyn der Siebzigerjahre. Gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem jüngeren Bruder ist sie erst vor kurzem nach New York gezogen und beobachtet die eingeschworene Gruppe rund um Angela, Sylvia und Gigi vom Fenster aus. Dazugehören. Das ist das, was sie will. Teil der Geschichte werden. Teil der Erinnerung.

"Ich hob den Kopf, betrachtete die sich färbenden Blätter und dachte, dass wir alle irgendwann heimkehren. Irgendwann wurde das ganze Leben, alles und jeder, Erinnerung." (Seite 153)

Was für mich "Ein anderes Brooklyn" so besonderes macht, ist die Tatsache, dass Jacqueline Woodson auf so eindringliche, auf so einfache Art und Weise das Leben der vier ganz unterschiedlichen Mädchen beschreibt und dafür wenige Worte benötigt, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Es ist auch weniger die Geschichte an sich, die den Reiz von "Ein anderes Brooklyn" ausmacht, es ist die Sprache, die einen in einen Sog zieht, mit dem die Seiten des Buches nur so verfliegen.

Armut, Rassismus, Sexualität, Politik –  "Ein anderes Brooklyn" schafft ein Bewusstsein, wie es sich in den Siebzigerjahren angefühlt haben muss, als Heranwachsende in Brooklyn zu leben. Eine literarische Geschichtsstunde verbunden mit einer höchst poetischen Sprache. Solche Bücher wünscht man sich viel häufiger zu entdecken. 


Dienstag, 3. April 2018

Fotobreze - März 2018


// Und dann ist der Tag gekommen, an dem man zum ersten Mal eine Session hält und der eigene Name steht auf  einem Zettel. Verrückt // Hier so im Lovelace  beim Blogger Market von Mucbook war das nämlich // Darf ich vorstellen? Lauch und Bacon, die beiden sympathischen Zwergkaninchen aus dem Zoohandel im Leipziger Hauptbahnhof. Fast hätten wir sie mitgenommen // Gute-Nacht-Geschichten in der wunderschönen Monacensia. Warum war ich da bisher noch nie? // Die Leipziger Buchmesse 2018 in vier Marina-Varianten - Nr. 1 bei der fancy LYX LOUNGE-Party // Nr. 2 mit Mikrofon beim LovelyBooks Community-Treffen // Nr. 3 mit ATM für die guten alten Zeiten // Nr. 4 beim schönsten Projekt der Messe: Buchregal ausmalen // Manchmal gefällt mir München doch sehr // Dieses Wetter ey, März! Das war kein Spaß mehr // Was für ein Abend! Joachim Meyerhoff liest aus "Die Zweisamkeit der Einzelgänger" und katapultiert sich damit auf Platz 1 meiner liebsten Lesungsmenschen // Es ist angerichtet, es war angerichtet zur Bookshelf-Tour 2.0 //

Bringen wir es direkt hinter uns: Wie verrückt war bitte das Wetter im März? 20 Zentimeter Schnee in Leipzig zur Buchmesse. Mittendrin eine nicht auf Schnee eingestellte Marina. Kein schönes Erlebnis. Dafür war das die Buchmesse umso mehr. Anstrengend, aber wunderschön. Langsam sollte man darauf achten, mich nicht in die Nähe von Mikros zu lassen. Nach der ersten eigenen Session beim Blogger Market in München hatte ich auf der Buchmesse gefühlt immer ein Mikro in der Hand. Außer bei der Bastelstunde, da hatte ich es nur vor der Nase. Wer sich das noch nachträglich angucken will, kann das hier tun. In München ging es buchlastig weiter beim Indiebookday und bei der fantastischen Lesung von Joachim Meyerhoff. Große Liebe. 

Der letzte gelesene Buch-Satz:
"Irgendwann wurde das ganze Leben alles und jeder, Erinnerung."
aus "Ein anderes Brooklyn" von Jacqueline Woodson, Seite 153.

Nächsten Monat und so:
Der April hat nun schon begonnen und mir einen Berlin-Besuch ins Haus gespült. In zwei Wochen hingegen fahre ich nach Berlin – sofern ich nicht schon wieder krank werde. Außerdem geplant: Ein neuer Versuch Yoga in den Kalender einzugliedern. Ende des Monats geht es wieder zu einer Lesung, dieses Mal von und mit Benjamin von Stuckrad-Barre. 

Montag, 2. April 2018

Neu im Bücherregal - Die März-Bücher 2018

Was hat es eigentlich mit diesem März und dem obsessiven Bücherkauf zu tun? Bereits in den vergangenen Jahren musste ich feststellen, dass ich im März zügellos Bücher gekauft habe. Ohne Rücksicht auf Verluste (und drohende Krisen im Bücherregal) wurden Bücher nach Hause geschleppt und gehortet. Und wie bereits im letzten Jahr mussten deswegen die Bücher, die ich im Rahmen des Indiebookdays gekauft habe, in einem eigenen Blogbeitrag Platz  nehmen. Nun bleiben also noch sechs weitere Bücher übrig, die im März neu bei mir eingezogen sind. Und das ganz ohne Buchmessen-Käufe, auf die ich in diesem Jahr wohlweislich verzichtet habe. Das mit dem Buchkauf-Verbot im April spare ich mir, ich muss eh sparen. Und wirklich jedes der folgenden Bücher musste ganz dringend in mein Bücherregal einziehen, weil: 


Wa(h)re Gefühle – Authentizität im Konsumkapitalismus herausgegeben von Eva Illouz. Ja, an dieser Stelle ist ein kurzer irritierter Blick zulässig. Wie bitte schafft es ein Suhrkamp Taschenbuch Wissenschafts-Band auf den Stapel der neu erworbenen Bücher in diesem Umfeld? Die Lösung ist so simpel wie genial. Der Marketingmensch in mir fühlt sich gar sehr angesprochen durch den Titel (ha, dieser Wortwitz!) und bei Aufsätzen wie beispielsweise "Authentizität in kommerziellen Glückwünschen. Die Grußkarte als Gefühlsware" kann ich nicht anders als konsumieren. Nämlich eben jenes Buch. 

Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen von Benjamin von Stuckrad-Barre. Meine heimliche Leidenschaft für Stuckrad-Barre (nicht nur für den Namen, aber auch) habe ich bereits bei "Panikherz" offen gelegt. Ende des Monats darf ich den werten Herren, der gerade Instagram mit seinen Stories zum Buch überflutet live und in Farbe und in München bei einer Lesung bewundern und man kann sich ungefähr vorstellen, wie sehr ich mich darauf freue. Die Antwort: Sehr! Ebenso sehr freue ich mich auf die Lektüre dieses Buches mit dem wohl fantastischsten Titel aller Zeiten. Kein Einspruch erlaubt. 

Ein anderes Brooklyn von Jacqueline Woodson. Möglicherweise bin ich da einem ganz großen Ding auf der Spur. Bücher, die in Brooklyn spielen! Nachdem "Ein Baum wächst in Brooklyn" zu meinen Lieblingen 2017 gehört hat, freu ich mich, wieder einmal in den New Yorker Stadtteil eintauchen zu können. Irgendwann dann auch mal in echt. Bestimmt. 

Die Geschichte der Liebe von Nicole Krauss. Buchige Gastgeschenke zu Bookshelf-Partys – Teil 1. Erster Kommentar hierzu: Ja, es gab mal wieder eine Bookshelf-Tour, das heißt, Menschen kamen zu uns nach Hause, haben gegessen, getrunken und sich dabei Bücher angeguckt. Es war ein Fest mit Hund und Baby und lieben Menschen. Dabei wurden mir auch eben jenes Buch überreicht (und auch das nächste folgende), weil besonders empfehlenswert. Ich bin nun gespannt. 

Sommerhaus, später von Judith Hermann. Buchige Gastgeschenke zu Bookshelf-Partys – Teil 2. Wie mir eine kurze Recherche verraten hat, habe ich das Buch verrückterweise 2008 bereits gelesen. Ich kann mich nicht daran erinnern, vergab damals aber 4 von 5 Punkten. Nach zehn Jahren kann diese Vergesslichkeit schon einmal einsetzen, deswegen werde ich das späte Sommerhaus auf jeden Fall noch einmal lesen.  

Panthertage von Sarah Elise Bischof. Und da ist sie nun, die Schuldige an den beiden vorherigen Buchgeschenken. Eben jene Sarah gehört zu den wunderbaren Menschen, mit denen ich arbeitsmäßig die meisten Tage in der Woche verbringen darf. Nachdem ich nun im vergangenen Monat endlich die Gelegenheit hatte, zu einer ihrer Lesungen zu gehen, ist die Lektüre des dazugehörigen Buches Ehrensache. Ich schreibe so etwas selten, denke es mir aber oft, deswegen hier nun ausnahmsweise mal auch in Buchstaben-Form: Sarah ist ein so starker, ein so herzensguter Mensch, die trotz und wegen der Diagnose Epilepsie jeden Tag auskostet und damit einfach nur ansteckend ist. ♥

Sonntag, 25. März 2018

Zum Indiebookday 2018: Neu im Bücherregal


Wie bereits im vergangenen Jahr wurde der Indiebookday wieder als Feiertag für Buchmenschen zelebriert. Eine Tour durch sechs Münchner Buchhandlungen mit Kollegen und Freunden inklusive Kuchenfinale stand auf dem Plan. Und wie auch im letzten Jahr eskalierte das ganze zu einem Einkaufsrausch, der mich mit sechs neuen Büchern zurückgelassen hat. Aus diesem Grund werden die gestern erworbenen Bücher aus der März-Aufstellung herausgenommen und hier einzeln nochmal präsentiert.

Nachdem ich Ende Januar noch vier Bücher aus unabhängigen Verlagen präsentiert habe, die 2018 erscheinen, kann ich mit stolzgeschwellter Brust verkünden, dass ich nun alle vier Bücher besitze. Möglicherweise muss ich das Format also nochmal wiederholen, um für den Herbst gewappnet zu sein.

Hier nun aber alle sechs Bücher, die gestern heimtückisch in meinen Jutebeutel gesprungen sind:

Bestseller von Beka Adamaschwili. Erschienen bei Voland & Quist. Diese Buchblogger-Influencer! Da rede ich auf der Buchmesse mit Sarah und Julia und beide loben "Bestseller" in den höchsten Tönen und dann kann ich nicht anders, als das Buch direkt am Indiebookday zu kaufen. Mir wurden Fußnoten versprochen und ein ironisch-böser Blick auf die Literaturszene. Das werde ich überprüfen! 

Nicht zur Veröffentlichung bestimmt von Elisabeth Borchers. Erschienen bei weissbooks. Als ich dem nicht anwesenden Herrn Gatsby während der Indiebookday-Tour ein Foto meiner bisher erstandenen Bücher geschickt habe, war seine Antwort nur: "War ja klar dass du Borchers kaufst". Ich bin wohl zu vorhersehbar. Aber wie soll man als Liebhaberin von Verlagsgeschichte bitte an einem Buch über Verlagsgeschichte vorbeigehen? Eben!

Peach von Emma Glass. Erschienen in der Edition Nautilus. Wie bitte hätte ich dieses düster-klebrige Buch in der Buchhandlung stehen lassen können, wenn es sich doch schon seit Wochen in meinem Kopf eingenistet hat? 118 Seiten. Wahrscheinlich hab ich "Peach" innerhalb von einer Stunde inhaliert und ich freu mich schon jetzt auf diese poetische Stunde. 

Tyll von Daniel Kehlmann. Erschienen in der Büchergilde Gutenberg. Eben jenes Buch stand in der Rowohlt-Ausgabe auf meinem Weihnachtswunschzettel. Und auch auf dem Wunschzettel von Herrn Gatsby. Eingezogen ist es bisher aber noch nicht. Die optisch wirklich herausragende Ausgabe der Büchergilde hat nun das Fass zum Überlaufen gebraucht. Nun gilt es abzuwarten, ob ich nach der Lektüre genauso "sprachtrunken, bildersatt und verzaubert" bin wie Denis Scheck. 

Nordwasser von Ian McGuire. Erschienen bei mare. Schon auf der Leipziger Buchmesse winkte mir die Walflosse fröhlich-düster zu, doch ich konnte dem Kaufreflex widerstehen. Schließlich hatte ich den Indiebookday schon im Kopf und wusste, dass sich im Buchmessen-Koffer kein Platz mehr für ein Buch finden würde. Schlussendlich durfte der Wal also doch ins Regal, nur eben zeitverzögert und mit dem Jutebeutel als Transportmittel. 

Eileen von Ottessa Moshfegh. Erschienen bei liebeskind. Schon seit längerer Zeit schleiche ich um dieses Buch herum. Gestern nun lag es als Mängelexemplar bei Buch & Töne und mein Herz klopfte ganz schnell und meine Hände packten das Buch noch schneller an sich, um es an jenes schnell klopfende Herz zu pressen. 

Am allerliebsten hätte ich nun eine Woche frei, um alle Bücher direkt sofort gleich zu lesen. Geht aber nicht. Häppchenweise ist das ganze wahrscheinlich auch magenschonender. Von den fünf Büchern, die ich mir am Indiebookday 2017 gekauft habe, habe ich in der Zwischenzeit drei gelesen. "Hinfallen ist wie anlehnen, nur später" von Sebastian 23 und "Das unendliche Buch" von Noëlle Revaz teilen sich das Schicksal der ungelesenen Bücher. Wir werden sehen, wie viele der 2018-Bücher ich in einem Jahr gelesen haben werde. 

Seit ihr gestern auch zum Indiebookday ausgezogen, um nach Büchern aus kleinen, unabhängigen Verlagen zu stöbern? Wart ihr erfolgreich? 

Freitag, 23. März 2018

Ins Blaue! Natur in der Literatur im Literaturhaus München

Eine der ersten Lektionen, die ich von Tina im Hinblick aufs Schreiben von Newsletter-Texten gelernt habe, war diese hier: Man schreibt nicht über das Wetter. Lustigerweise fällt mir das wirklich immer dann ein, wenn ich dazu ansetze, einen Satz über das Wetter zu schreiben. In diesem Fall ignoriere ich die Regel, denn man muss über das Wetter sprechen, wenn man über Natur spricht. Und das will ich tun.

In dieser Woche durfte ich der Ausstellungseröffnung zu "Ins Blaue! Natur in der Literatur" im Literaturhaus München beiwohnen und während drinnen über Blumen, Blau und Blätter gesprochen wurde, tanzten draußen Schneeflocken am Nachthimmel. Ein absurdes Bild. Und der traurige Grund, warum man einen Teil der Ausstellung (noch) nicht besuchen konnte. Das Literaturhaus hat, um dem Thema gerecht zu werden, einen kleinen Garten angelegt, der aber aufgrund der Kälte noch dick eingepackt sein muss, damit er Überlebensschancen hat.

Stattdessen gab es im warmen Ausstellungsraum Natürliches und Künstlerisches zu entdecken. Neben Zitaten aus 2.500 Jahren Weltliteratur zum Thema Natur ("In einem Blumentopf können Sie Dreck eigentlich nicht Dreck nennen." - Bertold Brecht) gab es Naturstücke von zeitgenössischen Schriftstellern und Schriftstellerinnen zu bestaunen. Ein räudiges Tier von Eva Menasse, ein Pailletten-Vögelchen von Teresa Präauer oder Gestein von Raoul Schrott, immer begleitet von Texten der Autoren. Dazu eine Dunkelkammer mit Vogelgezwitscher und einen weißen Raum, der die Farbe wechselt – Gegensätze ziehen sich an. Ein Bett aus Gras, ein Blumenmeer und wunderschöne Hermetosphäre (Mini-Biotope in geschlossenen Gefäßen inklusive tropischer Springschwänze – ich bin sehr begeistert!). 

Bei der begleitenden Blogparade des Literaturhaus Münchens stellt sich die Frage: Was verbindet euch mit Natur? Eine fiese Frage für einen Standard-Stadtbewohner wie mich. Besonders viel Natur bekomme ich normalerweise nicht ab. Ich bin kein großer Spaziergänger, und wenn, dann beschränkt sich das auf Ausflüge in den Nymphenburger Park. Kann man einen von Menschenhand gestalteten Park aber wirklich als Natur bezeichnen? 

Passenderweise sagte jemand bei der Ausstellungseröffnung "Je weiter sich der Mensch von der Natur entfernt, desto intensiver setzt er sich mit ihr auseinander." – vielleicht ist das eine Erklärung, warum ich mir die Natur im Kleinen in die Wohnung hole und meine Sukkulenten-Sammlung wächst und gedeiht. Und anstatt Schnittblumen müde zu belächeln, erfreut sich mein Herz nun regelmäßig an Tulpen in der heimischen Blumenvase. Weswegen die Blumenvase wohl auch der Gegenstand gewesen wäre, den ich der Ausstellung zur Verfügung gestellt hätte, wenn ich ein zeitgenössischer Autor wäre. Konjunktiv-Party!

Wer also den Frühling in kleinen Portionen erleben möchte, dem kann ich "Ins Blaue!" nur empfehlen. Und vielleicht kehrt irgendwann die Sonne aus ihrem Winterschlaf zurück und man kann den Literaturhaus-Garten beim Blühen zugucken. 

Ins Blaue! Natur in der Literatur
Literaturhaus München
Montag bis Freitag 10:00 - 19:00 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage: 10:00 - 18:00 Uhr
Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro

Sonntag, 11. März 2018

Dunkelgrün fast schwarz von Mareike Fallwickl.


Originalausgabe - Erschienen in der Frankfurter Verlagsanstalt - 2018 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar

Moritz, Raffael und Johanna sind immer zu dritt, doch ihre Freundschaft ist Gift. Sechzehn Jahre vergehen, bis das fatale Dreieck erneut zusammenfindet und die Vergangenheit sie einholt – mit unberechenbarer Wucht.

Seit Anfang des Jahres hat wohl jeder, der sich irgendwie in Buchblogs oder bei Bookstagram herumtreibt, dieses waldgrüne Cover das ein oder andere Mal gesehen. Auch ich habe bereits recht früh ein Leseexemplar erhalten und bin doch erst jetzt dazu gekommen "Dunkelgrün fast schwarz" zu lesen. Was auch teilweise daran lag, dass vor dem 05.03.2018 keine Rezensionen veröffentlicht werden durften und ich bin immer ganz schlecht darin, ewig darauf zu warten, einen Blogbeitrag zu veröffentlichen.

Worum geht es?

Der Klappentext lässt es bereits vermuten. Moritz, Raffael und Johanna. Eine Dreiecksgeschichte, die lange vorbei scheint. Aber wann sind Beziehungen wirklich vorbei? Was ist, wenn die Geister der Vergangenheit plötzlich vor deiner Tür stehen? So ergeht es Moritz, der sich mit seiner schwangeren Freundin ein hübsches Nest in Hallein, einem kleinen Städtchen bei Salzburg, gebaut hat. Raffael steht unvermittelt vor seiner Tür. Sechzehn Jahre haben sie sich nicht gesehen, nichts voneinander gehört. Und mit Raffael kehrt das giftige Grün ist Moritz' Leben zurück. 

Mareike Fallwickl erzählt in "Dunkelgrün fast schwarz" die Geschichte einer Freundschaft aus drei Perspektiven. Moritz, der schüchterne Junge, der durch Raffael aus seinem Schneckenhaus herauskommt und in einem Spinnennetz landet. Johanna, die nach einem tragischen Schicksalsschlag Aufmerksamkeit sucht. Und Marie, Moritz' Mutter, die schon früh ahnt, welches gefährliche Potential in Raffael steckt.

Ich bin ganz ehrlich. Ich habe für "Dunkelgrün fast schwarz" fast zwei Wochen gebraucht, um es zu beenden. Wer mich und meine Lesegeschwindigkeit kennt, weiß, dass das nicht gerade normal ist. Abgesehen davon, dass ich unter der Woche selten zum Lesen gekommen bin, habe ich mich teilweise auch davor gedrückt weiterzulesen. Ich hatte in der ersten Hälfte auch zeitweise daran gedacht, nicht über dieses Buch zu schreiben.

Warum?

Weil irgendwie die Chemie zwischen dem Buch und mir nicht gepasst hat. Irgendwas hat immer gezwickt und gezwackt. Ich mochte die Idee, drei Freunde, die sich nach Jahren wiedertreffen und deren gesamte gemeinsame Geschichte auf dem Prüfstand steht. Und obwohl ich auch die Sprache mag, in der man sich sicherlich verlieren kann, so wirkte es insgesamt doch etwas künstlich auf mich. Zu gewollt. Selbst Moritz' Synästhesie, die ich ansonsten wahnsinnig interessant finde, konnte mich nicht richtig überzeugen.

Und ich gebe es zu. Es ist schwer, Kritik an einem Buch zu üben, auf das man sich so gefreut hat. Ein Buch, welches in meiner Filterblase gefeiert wird, weil es "eine von uns" geschrieben hat, denn Mareike ist selbst Buchbloggerin.

Die zweite Hälfte des Buches konnte mich hingegen wieder versöhnen. Die Geschichte nimmt Fahrt auf, die Protagonisten erscheinen weniger kalt und handeln nachvollziehbarer. Auf die Kapitel mit Marie habe ich mich am meisten gefreut, weil ihre Perspektive der ganzen Geschichte noch einmal eine andere Wendung gibt. Und auch sprachlich wird "Dunkelgrün fast schwarz" entspannter, weniger gewollt, mehr gekonnt. 

Vielleicht muss das auch so. Vielleicht ist es gut, dass ich mich als Leser am Buch reibe, es mir nicht zu einfach gemacht wird. Denn so wird "Dunkelgrün fast schwarz" zu einer intensiven Lesearbeit. Unbequem und fordernd. Und schlussendlich wird man für all die Mühe belohnt.

Montag, 5. März 2018

Die Oscar-Nacht 2018 auf einem Blatt.

Wie auch im vergangenen Jahr zelebrierten Herr Gatsby und ich in der vergangenen Nacht die Übertragung der 90. Oscar-Verleihung mit selbstgemachten Hamburgern, einer Folge Neo Magazine Royale zum Wachbleiben und einer Runde Vorschlaf zum Aufwachen. Oder so ähnlich.

Obwohl ich schon 2017 behauptet habe, dass wir zur Vorbereitung auf unser Tipp-Spiel viele der nominierten Filme gesehen habe, hat sich das in diesem Jahr nochmal gesteigert. Von den neun nominierten Filmen für Best Picture habe ich sechs gesehen! Und bei den fiesen, kleinen Kategorien, bei denen ich immer falsch liege (Foreign Language Film, Documentary Feature, Documentary Short, Live Action Short und Animated Short), haben wir alle Trailer gesehen. Mehr Vorbereitung geht gar nicht mehr. 

Vollgepumpt mit Filmeindrücken habe ich es aber dann doch geschafft, nur 9 von 24 Kategorien richtig zu tippen. Ein neuer Negativ-Rekord, yay! Bei Herrn Gatsby sind es 15 von 24 richtigen Tipps. 


Zur Verleihung selbst kann ich irgendwie nur mit den Schultern zucken. War ganz nett, aber auch nicht mehr. Jimmy Kimmel bleibt ein fabelhafter Host, aber gerade für das Jubiläum zur 90. Oscar-Verleihung hätte ich mir ein bisschen mehr Pfiff (oh Gott, wie das Wort klingt) gewünscht. Dass bei Best Picture noch einmal die Presenter Warren Beatty und Faye Dunaway ran durften, um den "La La Land"-Fluch zu besiegen, war eine nette Geste. Die Publikumsaktion mit dem Kino war nicht besonders einfallsreich, weil es quasi dieselbe Aktion vom letzten Jahr war, nur umgekehrt. Trotzdem darf mir Gal Gadot jederzeit Snacks reichen. 

Wenn wir eh schon bei Filmen sind: Mein Lieblingsfilm aus allen nominierten Filmen dieses Jahr ist "Call me by your name". Ich hab lange gebraucht, um zu verstehen, dass das eine Buchverfilmung ist und ich das Buch vor vielen Jahren sogar gelesen habe. Timothée Chalamet ist ein gar wunderbarer Schauspieler und allein die Abspann-Szene hat einen eigenen Oscar verdient. Der Soundtrack ist sehr berührend und bei "Mystery of Love" von Sufjan Stevens bekomme ich jedes Mal feuchte Augen. 

Hat sich jemand von euch auch die Nacht um die Ohren geschlafen, um die Oscar-Verleihung zu sehen? Welcher der Filme hat euch besonders gut gefallen? 

Sonntag, 4. März 2018

Neu im Bücherregal - Die Februar-Bücher 2018

Merke: Wenn man eine Kategorie hat, in der man neue Bücher aus dem vergangenen Monat zeigt, dann sollte man wenigstens dafür sorgen, dass die neu hinzugekommenen Bücher auch zum Fototermin in Reichweite sind. In diesem Fall ist das aber eben nicht der Fall. Denn meine gute Seele hat zwei Bücher verliehen, die es jetzt nicht aufs Foto geschafft haben. "Verliere mich. Nicht." von Laura Kneidl und "Save me" von Mona Kasten. Damit das jetzt aber nicht so wirkt, als würde ich mich für meine "Young Adult"-Phase schämen, erwähne ich es extra hier im Vortext, damit ihr es euch alle merkt. 

Stattdessen findet man hier nun also nur vier der sechs neu eingezogenen Bücher, die sich farblich ganz hervorragend zusammen machen. Und ich möchte an dieser Stelle meinen grünen Daumen loben, denn bitte – wie gut sieht meine Pilea aus? Und sie bekommt schon wieder Babys, dieses Luder. Hoffentlich bleibt sie so fortpflanzungsfreudig, damit noch viele kleine Ableger hier herumstehen können. Gemeinsam mit folgenden Büchern nämlich:


The Beats, Die Geschichte der Beat-Literatur – eine Graphic Novel herausgegeben von Harvey Pekar und Paul Buhle. Niemand braucht den Valentinstag, wenn Herr Gatsby einem auch einfach so sehr schicke Bücher schenkt. Der erste Eindruck ist noch ein wenig verwirrend, aber demnächst beschäftige ich mich dann mal intensiver mit dieser Graphic Novel und berichte. Die Beat-Generation verfolgt mich gerade eh, denn nach Tinas Empfehlung zu "Jack" von Anthony McCarten ist auch dieses Buch ganz weit oben auf meiner Wunschliste gelandet. 

Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt von Jesmyn Ward. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an meinen Beitrag mit vier Büchern, die 2018 erscheinen. Schwuppdiwupp ist eines der Bücher bei mir eingezogen. Ich möchte es bitte jetzt sofort gleich unbedingt lesen. Schenkt mir jemand Zeit dafür?

Verbrechen von Ferdinand von Schirach. Vor Begeisterung hüpfend stand im vor dem Bücherschrank, als ich dieses Buch dort entdeckte. Yay. Denn von Herrn von Schirach wollte ich schon lange ein Buch lesen. 

One of us is lying von Karen M. McManus. Hand hoch, wer bei dem Titel auch sofort einen ABBA-Ohrwurm hat. Schon die englische Ausgabe hat sich in meiner Wunschliste angesiedelt, weil ich mir ein ähnliches Buch wie "Solange wir lügen" davon verspreche (und ich LIEBE "Solange wir lügen"). Nun habe ich die deutsche Ausgabe im Bloggerportal angefordert und bin mal gespannt, was mich wirklich erwartet. 

Donnerstag, 1. März 2018

Vier Bücher für ... den Kopf.

Was meine Lesegewohnheiten angeht, bin ich doch etwas unkreativ. Romane? Yes, please! Jugendbücher? Sure! New Adult, Young Adult, Whatever Adult? Geht auch. Nur selten wage ich einen Blick über den Tellerrand, was eigentlich so schade ist. Denn immer, wenn ich doch mal außerhalb meiner Routine lese, entdecke ich spannende neue Themen, die zum Nachdenken anregen. So zum Beispiel beim Thema Feminismus. Ein Buch führt zum dabei zum nächsten. Deswegen möchte ich versuchen, öfter auch mal zu einem Sachbuch zu greifen. Dass das nicht immer gleichbedeutend mit "In 5 Schritten zum PERFEKTEN Leben"-Ratgebern ist, muss mein Kopf noch lernen.

Deswegen präsentiere ich hier nun vier Kopf-Bücher, die meinen (Lese-)Horizont erweitert haben und wie immer freue mich sehr, wenn ihr in den Kommentaren die Liste noch um eure persönlichen Buchtipps ergänzt!  



Das Ende von Eddy von Édouard Louis
Sehr klug von mir, erstmal lang und breit Sachbücher anzupreisen und dann die Liste mit einem Roman zu beginnen. ABER! Édouard Louis erzählt in "Das Ende von Eddy" nicht nur von seiner Kindheit und Jugend in der französischen Provinz, er verpackt darin geschickt eine Sozialstudie. Und plötzlich hat man Lust, Pierre Bourdieu zu lesen. Verrückt! 
Originaltitel: En finir avec Eddy Bellegueule - Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel - Erschienen im S. FISCHER Verlag - Juni 2016
Unter Weißen von Mohamed Amjahid
Es tut mir leid, dass ich nach der Lektüre des Buches nichts dazu geschrieben habe, denn dieses Buch hat jede Öffentlichkeit wohlverdient. Mohamed Amjahid erzählt darin, wie es sich Rassismus im Alltag wirklich anfühlt und zieht dem weißen, priviligierten Leser dabei die Gutmensch-Maske vom Gesicht. Höchst informativ und pointiert geschrieben.
Originalausgabe - Erschienen bei Hanser Berlin - 2017
Wie wir leben wollen herausgegeben von Matthias Jügler
Ein gar wunderbarer Sammelband von ganz unterschiedlichen Autoren (Hallo Saša Stanišić!) zum Thema Flucht, Heimat und Identität. Sollte man immer wieder lesen und daran wachsen.
Originalausgabe - Erschienen bei Suhrkamp - 2016
Es ist Liebe von Stephan Porombka
Ich hatte bereits von diesem Buch geschwärmt und werde nicht müde es zu wiederholen. Hier stimmt einfach alles. Das Design, der Satz, die Sätze, das Gefühl. Und mit Ratschlägen, die ich nicht in die Schublade der schlechten Ratgeber packen muss: "Las dir nicht schlechtreden, was du machst, wenn du mit Bilder und geschriebenen und gesprochenen Texten als Momentaufnahmen von dir experimentierst."
Originalausgabe - Erschienen bei Hanser - 2017