Sonntag, 7. Oktober 2018

Neu im Bücherregal - Die September-Bücher 2018.

Der Stapel der neu eingezogenen Bücher im September könnte eigentlich noch viel höher sein, denn vergangene Woche fand der Bücherflohmarkt an der Isar statt. Doch obwohl ich mit viel Begeisterung nach Büchern gesucht habe, war die Ausbeute in diesem Jahr relativ gering. In Zahlen: Ein Buch habe ich gekauft. Und weil das so traurig war, musste ich danach direkt in verschiedene Buchhandlungen rennen, um mir zum Ausgleich dort Bücher zu kaufen. Sehr logisch, ne? Und so kamen vierzehn Bücher zusammen. Was bedeutet, dass ich durchschnittlich jeden zweiten Tag im September ein Buch erworben habe. Wenn ich jetzt noch an jedem zweiten Tag ein Buch fertig lesen würde, dann wäre das doch auch ganz nett.


I know why the caged bird sings von Maya Angelou. Vor kurzem ist bei Suhrkamp eine deutsche Übersetzung des Buches erschienen. Mit meinem ständigen Vorsatz mehr englische Bücher zu lesen, wanderte nun also eben jene Ausgabe in das heimische Regal. Und weil ich mir erhoffe, dass die Geschichte ähnlich ist wie "Ein Baum wächst in Brooklyn" von Betty Smith oder "Ein anderes Brooklyn" von Jacqueline Woodson, wird "I know why the caged bird sings" wohl vermutlich schnell angelesen werden.

Der Koloss von Sylvia Plath. An dieser Stelle stellt sich der geneigte Leser bitte eine freudige herumspringende Marina vor. Denn diese wunderschöne Letterpress-Ausgabe habe ich preisreduziert erwerben können. Schockierenderweise stand ich aber auch kurz im Buchladen und wollte das "Der Koloss" nicht kaufen, weil ich doch nicht immer Bücher kaufen soll. Glücklicherweise hat diese vernünftige Seite viel zu leise gesprochen und nun erfreue ich mich gar sehr an diesem Gedichtband.

Girlsplaining von Katja Klengel. Vor ein paar Tagen bereits besprochen, deswegen wiederhole ich mich gerne an dieser Stelle noch einmal: Sehr schöner Comic über den alltäglichen Alltag einer alltäglichen Frau. 

Story von Bobette Buster. Eine Zusendung aus dem Hoffmann und Campe Verlag. Bisher habe ich nur einen kurzen Blick reingeworfen, der mir verraten hat, dass es diese Bücher zu verschiedenen Themen gibt wie Imkern, Einmachen, Anpflanzen und Design. 

Ich gegen Osborne von Joey Goebel. Weil mein Kopf anscheinend Buchempfehlungen von Freunden besser abspeichert als ich (danke Ayla!), wurde dieses Buch mit der unbewussten Bemerkung, dass da doch irgendwas mit war, eingepackt. 

Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson. Mehr Klassiker! Insbesondere, wenn es sich um Klassiker aus dem Hanser Verlag handelt, denn diese Ausgaben sind schon arg schick. Irgendwann werde ich alle haben. Haben. Nicht gelesen haben, nur haben.

Sechs Koffer von Maxim Biller. Ich schwöre, ich wollte das Buch schon haben, als es noch gar nicht für den Deutschen Buchpreis nominiert war. Dann habe ich mich nicht getraut es zu kaufen, weil es für den Deutschen Buchpreis nominiert ist und dann habe ich es gekauft, weil ich es wollte. Pah. Und nun habe ich es gelesen und für sehr gut befunden und ich drücke Herrn Biller heimlich die Daumen für den Gewinn, aber wahrscheinlich findet er das albern. Zu Recht.

Der Fall Ibrahim von Gaye Boralıoğlu. Hier nun also das einzige Buch, welches ich auf dem Bücherflohmarkt erworben habe. Unterstrichen mit den Worten der Verkäuferin, dass es sich hier um ein sehr experimentelles Buch handelt. Passt doch wunderbar, denn schließlich wollte ich es insbesondere deshalb haben, weil ich nach "Die Haltlosen" von Oğuz Atay unbedingt mehr türkische Literatur lesen wollte. 

Desintegriert euch! von Max Czollek. Nachdem ich nun schon offenbart habe, dass ich eine Schwäche für Letterpress-Ausgaben und Klassiker-Ausgaben habe, kann ich jetzt auch noch mitteilen, dass mir die Sachbücher von Hanser in letzter Zeit sehr gut gefallen. Treffen den richtigen Ton zu den richtigen Themen. I like. "Desintegriert euch!" wird also hoffentlich bald gelesen. Und hoffentlich gibt es auch bald eine Lesung des Autors in München.

Die letzten Tage des Patriarchats von Margarete Stokowski. Auf dieses Buch habe ich mich seit der Ankündigung gefreut. Deswegen passt es auch ganz wunderbar, dass ich es als Trostbuch kaufte, nachdem die Ausbeute auf dem Bücherflohmarkt so klein ausfiel. Mehr Stokowski für alle, bitte!

Hochdeutschland von Alexander Schimmelbusch. Schon länger fiel mir dieses Buch ins Auge und nachdem vor einer Weile Sophie Passmann bei Instagram das Buch auch in den Himmel gelobt hat, habe ich es am Frankfurter Hauptbahnhof erworben, als ich dort auf meinen Zug wartete. Und dann, dann war ich enttäuscht. Vielleicht bin ich auch einfach zu doof, um die Großartigkeit dieses Buches zu verstehen, aber ich war sehr schnell sehr gelangweilt davon. Deswegen steht das Buch jetzt auch im öffentlichen Bücherschrank bzw. steht es da schon nicht mehr, wer anders hat es schon mitgenommen. Und hat hoffentlich mehr Freude daran als ich.

Archipel von Inger-Maria Mahlke. Letztens saß ich in der Arbeit und dachte nach und mein Blick fiel auf "Archipel" im Bücherregal. Und plötzlich machte es Klick im Kopf. Wir haben "Archipel" im Bücherregal stehen! Also Buch geschnappt, Buch gelesen, Buch für gut befunden! Manchmal kann es so einfach sein. 

Mein italienischer Vater von Anika Landsteiner. Über diese Zusendung habe ich mich ganz besonders gefreut. Falls man es verpasst haben sollte: Ich mag dieses Buch. Sehr

Die Briefe der Manns herausgegeben von Kerstin Klein, Tilmann Lahme und Holger Pils. Im Januar dieses Jahres habe ich bereits "Die Manns - Geschichte einer Familie" erworben. Nun also die Briefe. Ich freu mich schon auf den sehr langen Herbst, an dem ich die beiden Bücher lesen werde. Irgendwann dann mal. 

Freitag, 5. Oktober 2018

Deutscher Buchpreis 2018 - Die Shortlist #dbp18


Vor knapp einem Monat wurde bereits die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2018 verkündet. Die Preisverleihung am 08.10.2018 rückt immer näher und deswegen nutze ich noch fix die Gelegenheit, meine bescheidene Meinung zu den nominierten Büchern abzugeben. Die diesjährige Longlist hielt so einige interessante Neuentdeckungen für mich bereit. Zwei der Bücher durften noch in mein Regal einziehen, eines  habe ich bereits gelesen, das andere sollte ich hoffentlich in den nächsten Tagen beenden. Und wie es der Zufall will, sind es beides Titel, die sich nun auch auf der Shortlist finden. Von meinen Favoriten haben es auch nur eben jene zwei Bücher auf die Shortlist geschafft. Umso gespannter bin ich nun, wie die finale Entscheidung der Jury aussehen wird.

Was sagt ihr zur Shortlist? Sind die richtigen Titel dort gelandet? Und wer gehört nun zu euren heißen Favoriten für den Preisträger? 

Nachtleuchten von María Cecilia Barbetta.
Die Platzierung hat mich etwas überrascht, weil ich "Nachtleuchten" und "Archipel" thematisch ähnlich finde und ich deswegen dachte, dass es nur einer der Titel auf die Shortlist schafft. Ich bleibe hier weiterhin skeptisch.

Sechs Koffer von Maxim Biller.
Ich konnte nicht lange widerstehen und habe mir "Sechs Koffer" nun gekauft. Und bereits gelesen. Und für herausragend befunden. Herr Biller darf gerne gewinnen. 

Die Katze und der General von Nino Haratischwili.
Seit dem Dicke-Bücher-Camp überlege ich ja ständig, ob ich mir "Brilka" kaufen soll. Die Leseprobe von "Die Katze und der General" hat mich leider nicht so richtig angesprochen, ich will die Hoffnung aber noch nicht aufgeben. Außerdem gehört die Frankfurter Verlagsanstalt zu meinen Lieblingsverlagen. Deswegen drücke ich heimlich die Daumen (verratet es nicht Herrn Biller!)

Archipel von Inger-Maria Mahlke.
Das zweite Buch, welches ich mir nach der Longlist-Verkündung besorgt habe. Ich bin noch nicht ganz fertig damit, aber schon sehr begeistert vom Schreibstil. Und die Rückwärtserzählung gibt der Geschichte ihren ganz eigenen Spannungsbogen. I like!

Gott der Barbaren von Stephan Thome.
Die Leseprobe hat mich erstaunlicherweise sehr angesprochen, ich bin mir aber immer noch nicht ganz sicher, ob das auch für das ganze Buch gilt.

Der Vogelgott von Susanne Röckel.
Herzlich willkommen zu "Marina kennt das Alphabet nicht". Ja, R kommt eigentlich vor T. Drücken wir mal beide Augen zu. Vielleicht lässt sich dann auch erkennen, ob der Vogelgott doch was kann. Die Leseprobe hat mich nicht angesprochen. 

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Vier Bücher für ... Feminismus Level 2.

Der erste Beitrag dieser (hoffentlich stetig wachsenden Reihe) ist nun ein Jahr her. Im Feminismus Level 1 haben wir Grundlagen geschaffen und uns beispielsweise mithilfe von dystopischen Gesellschaftskonstrukten vorgestellt, wie das Leben von Frauen aussehen könnte, wenn wir die Gleichberechtigung unter den Teppich kehren.

Nun steigen wir eine Stufe nach oben und widmen uns in Level 2 verschiedenen Ausprägungen von feministischen Gedanken. Ob als Comic oder Textsammlung – jedes der Bücher eröffnet der geneigten Leserin neue Eindrücke und Einblicke. Jedenfalls hoffe ich das sehr. Und wie bereits im Level 1 freue ich mich sehr über weitere Buchtipps, denn zum Thema Feminismus kann man nie genug lesen.

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Fotobreze - September 2018


// Monika wohnt jetzt hier. Damit sollte ich demnächst das Hipster-Pflanzen-Bingo durchgespielt haben //  Frank Berzbach referierte hier im Schaufenster aus seinem Buch "Die Form der Schönheit". Sehr schön, fürwahr // Lasst mal lieber alle die Handys stecken, Sofortbildkameras sind eh viel besser // Wenn man sich selbst einen Blumenstrauß in die Arbeit schicken lässt, hat man nicht nur selbst Freude daran, sondern auch die Kollegen. Alte Bauernregel! // Meine Güte, München! Du strengst dich aber in letzter Zeit ganz besonders an // Hier ebenso. Eigentlich sollte auf diesem Platz ein Foto vom Bücherflohmarkt an der Isar sein, aber irgendwie war die Isar dann schöner // Vor Lesungen sollte man essen. In diesem Fall wurde vor der Lesung von Anika Landsteiner im Manouche eine libanesische Pizza schnabuliert // Empfehlung: Flauschige Cardigans, die man tragen kann, wenn man kurz beim Bücherschrank vorbeiguckt // Jaja, München. Ich habs verstanden. Du kannst auch ganz schön sein // Und Hirsche! Ich habe Hirsche gesehen! Im Hirschgarten! Verrückt // Heute werden die Empfehlungen nur so rausgehauen: Two in One – Blumen UND Kaffee! // Die abschließenden Worte: Hach, München //

Montag, 17. September 2018

Mein italienischer Vater von Anika Landsteiner.


Originalausgabe - Erschienen bei Diana - September2018 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar

Ohne groß nachzudenken, bricht Laura auf nach Süditalien. Ihre Mutter ist gerade gestorben, ihre große Liebe zerbrochen. Jetzt will sie zu ihrem Vater, irgendwo muss es doch auf dieser Welt einen Ankerpunkt geben. Vor Jahren hat sie ihn zum letzten Mal gesehen, und mit ihrer Ankunft bringt sie alles durcheinander: Emilio sitzt im Rollstuhl, an seiner Seite Gianna, die ihn schon immer geliebt hat. Das Auftauchen der Tochter könnte ihr Glück zerstören. Schon bald nach ihrer Ankunft in der fremden Heimat stellt Laure fest, dass sie die ganze Wahrheit über ihre deutsch-italienische Familie noch lange nicht kennt.

Bereits mit ihrem ersten Buch „Gehen, um zu bleiben“ hat Anika Landsteiner gezeigt, dass sie vor allem eines ist – eine Reisende. Ganz im Gegensatz zu mir, die Reisen am liebsten von der heimischen Couch macht, zieht es Anika raus in die Welt. Indien, Kalifornien, Kolumbien und noch viele andere Länder hat Anika bereits bereist. Nun steht Italien im Mittelpunkt ihres ersten Romanes „Mein italienischer Vater“.

Samstag, 15. September 2018

Vier Bücher für ... Pflanzenfreude.

Mimose. Porzellanblume. Zwergpfeffer. Sauerklee. Efeutute. Leuchterblume. Diese Pflanze sind nach meiner Lektürerecherche zu diesem Beitrag auf meiner bis dahin noch nicht existenten Pflanzen-Wunschliste gelandet. Denn ja, ich gebe es zu. Seit einer Weile hat meine Büchersucht einen grünen Konkurrenten bekommen. Pflanzen, Leute! Das Fensterbrett im Wohnzimmer ist voll mit Sukkulenten, Kakteen und Pilea-Ablegern. Seit dem letzten Wochenende steht eine Monstera direkt neben dem Bücherregal und es werden Wetten angenommen, wer sich schneller ausbreiten wird – Pflanze oder Bücher.

Um meine beiden Obsessionen gewinnbringend zu vereinen, bin ich in die Bibliothek gegangen, um das Angebot an Pflanzenbüchern in Augenschein zu nehmen. Und so kommt es, dass zum ersten Mal, alle Bücher in diesem Beitrag aus der örtlichen Bibliothek stammen. Bibliotheken! Sollte man viel öfter nutzen! Um das an dieser Stelle auch mal gesagt zu haben.

Wer also dem Pflanzentrend ebenso erlegen ist wie ich, der sollte sich diese vier Bücher einmal näher ansehen. Für weitere Tipps bin ich sehr empfänglich, schließlich muss ich alle Bücher wieder zurückbringen und kann dann direkt wieder welche mitnehmen. Spart Platz, den man dann für Pflanzen (siehe Wunschliste) nutzen könnte ...

Sonntag, 9. September 2018

Neu im Bücherregal - Die August-Bücher 2018.

Der August sah lange Zeit sehr gut aus, was die Bücher-Neuerwerbungsquote angeht. Zwei Bücher standen auf meiner analogen Liste in meinem Kalender. Und dann. Dann kam Wien. Und ich hatte mir noch vorgenommen, dass ich in Wien keine Bücher kaufe, weil warum sollte ich dort Bücher kaufen, die aufgrund der erhöhten Mehrwertsteuer 50 Cent teurer sind?! Oder so. Doch es kam selbstverständlich anders als gedacht. Denn ich hatte nicht an preisreduzierte Mängelexemplare gedacht. Und an ganz besondere Ausgaben, die man einfach mitnehmen musste. Und schwuppdiwupp – da waren es plötzlich neun Bücher, die im August neu eingezogen sind. 


Montag, 3. September 2018

Fotobreze - August 2018


// Hallo Blumen! Gemeinsam mit Petzi von "Die Liebe zu den Büchern" gings zum Blumen-Workshop von bloomon und mit Blumen bepackt dann wieder nach Hause // Die Sukkulenten auf dem Fensterbrett sind aber immer noch Herzblatt-Pflanzen Nummer Eins. Selbst hinterm Vorhang // Nochmal Blumen, nochmal bloomon. So kann das gerne weitergehen, denn ... // ... ein schönes Leben beinhaltet auch schöne Blumen. Derzeit jedenfalls // Neues Lieblingsessen im Hause Nordbreze-Gatsby: Burrito Bowl! The hipster power is strong with this one! // Neuer Monat, neues Buchclub-Treffen. "Orlando" von Virginia Woolf hat mir ganz gut gefallen, ich mag, wie unaufgeregt die Geschichte durch die Jahrhunderte wandelt. Nächste Lektüre: Kontrastprogramm mit "Salz auf unserer Haut" // Kultur, hier! Die Alte Pinakothek gefällt mir schon ausnehmend gut. Kann man ein paar Bilder leihweise mal mit nach Hause nehmen, um zu gucken, wie die sich überm Sofa so machen? // Auf dem Friedhof (in diesem Fall der Alte Nordfriedhof) sitzen und lesen? Geht klar. // Hallo, Wien. // Niemand amüsiert sich so sehr über dieses Foto wie ich. Man sieht das "Bildnis eines weißbärtigen Mannes" von Tintoretto. Um dieses Gemälde geht es in "Alte Meister" von Thomas Bernhard, welches ich gemeinsam mit Herrn Gatsby zur Vorbereitung auf den Wien-Urlaub gelesen haben. Literatur-Nerd-Level 1000. // Aber Wien hat auch Wasser! Wasser geht immer // Und zum Abschluss nochmal Pflanzen. Wenn ihr mich in 50 Jahren sucht, ich wohn dann in einem Palmenhaus. Genauer gesagt in diesem Palmenhaus //

Sonntag, 26. August 2018

Deutscher Buchpreis 2018 - Die Longlist #dbp18




It's the most wonderful time of the year! Mal wieder. Schön, wenn man unbewusst seine Blogbeiträge zum selben Thema mit demselben Satz beginnt. Zeigt auch mal wieder, dass es sich hierbei einfach um eine meiner liebsten Buch-Traditionen handelt. Seit dem 14.08.2018 steht die Longlist zum Deutschen Buchpreis fest. Erfreulicherweise finden sich in diesem Jahr viele kleine Verlage auf der Liste. 12 Frauen und 8 Männer wurden nominiert. Thematisch hinterlassen die Leseproben bei mir den Eindruck, als würde es hauptsächlich um Tod und Krieg und Krieg und Tod und Vögel gehen. 

Obwohl es auch zur Tradition gehört, dass ich jedes Mal auf eine verzweifelte Suche nach dem Leseproben-Heft zum Deutschen Buchpreis gehe und tränenreich davon berichte, wie ich um das letzte Exemplar kämpfen musste (oder so ähnlich), konnte ich mir das in diesem Jahr glücklicherweise sparen, da ich ein Leseproben-Heft bequem in die Arbeit geliefert bekommen habe. Das sollte aber nicht zur Gewohnheit werden, irgendwie fehlt mir jetzt doch die Jagd durch die Buchhandlungen ...

Kommen wir nun also zur hochoffiziellen Bewertung der Leseproben anhand der Smiley-Skala  (😃, 😐, ☹️), der Zusammenfassung in einem Satz und einem Lieblingssatz. 


Nun also – Nordbrezens Deutscher-Buchpreis-Longlist-Leseproben-Lese-Erfahrung

Freitag, 10. August 2018

Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst von Jaron Lanier.


Originaltitel: Ten Arguments For Deleting Your Social Media Accounts Right Now - Aus dem amerikanischen Englisch von Martin Bayer und Karsten Petersen - Erschienen bei Hoffmann und Campe - 2018

Jaron Lanier, Tech-Guru und Vordenker des Internets, liefert zehn bestechende Gründe, warum wir mit Social Media Schluss machen müssen. Facebook, Google & Co. überwachen uns, manipulieren unser Verhalten, machen Politik unmöglich und uns zu ekligen, rechthaberischen Menschen. Social Media ist ein allgegenwärtiger Käfig geworden, dem wir nicht entfliehen können. Lanier hat ein aufrüttelndes Buch geschrieben, das seine Erkenntnisse als Insider des Silicon Valleys wiedergibt und dazu anregt, das eigenen Verhalten in den sozialen Netzwerken zu überdenken. Wenn wir den Kampf mit dem Wahnsinn unserer Zeit nicht verlieren wollen, bleibt uns nur eine Möglichkeit: Löschen wir all unsere Accounts! Ein Buch, das jeder lesen muss, der sich im Netz bewegt!

Die Ironie, online über ein Buch zu sprechen, welches einen dazu auffordert, seine Social-Media-Accounts zu löschen, ist mir sehr bewusst und erheitert mich auch ehrlich gesagt sehr. Als ich zum ersten Mal das Buch in einer Instagram Story gezeigt habe, bekam ich auch einige aufgeregte Nachrichten, ob ich denn vorhabe, meinen Account zu löschen.

Sonntag, 5. August 2018

Neu im Bücherregal - Die Juli-Bücher 2018.

Keine Ausrede von wegen Geburtstagsgeschenke. Keine Ausrede von wegen notwendiger Buchhandelsbesuche. Dafür erfreue ich mich viel zu sehr an den zehn neuen Büchern in meinem Bücherregal. Was mir dabei aufgefallen ist: Ich mag es total, wenn sich die Bücher im Regal verschieben. Wenn ein Buch einen neuen Nachbarn bekommt und sich dadurch das ganze Bild des Regals ändert. Mein Bücherregal ist quasi ein lebender Organismus. Ein dekoratives Element mit Eigenleben. Die Vorstellung gefällt mir gerade gar sehr. 


Dienstag, 31. Juli 2018

Fotobreze - Juli 2018


// Das Filmfest in München lohnt sich schon deswegen sehr, weil man so sehr günstig in sehr fancy Kinos kann. In diesem Fall sahen wir "Hannah" im Gloria Filmpalast // Der Buchclub las "Unsagbare Dinge", ich sage, dass mir "Untenrum frei" etwas besser gefällt, weil sich Laurie Penny (verständlicherweise!) sehr auf den englischsprachigen Kulturbereich fokussiert // Warum kann man eigentlich nicht im Olympiasee schwimmen? // Ich habe Eukalyptus gekauft, ich Held! // Literaturhaus, meine Perle! Im Juli ging es zweimal diese Treppe hoch (und zweimal runter, ne). Einmal zur Hommage für Philip Roth (mit Jo Lendle und Denis Scheck!) und zur einmal zur Lesung von Katharina Adler aus "Ida". Letzteres möchte ich ganz bald mal lesen // Ebenso wie dieses Buch, welches mich aus den heiligen Piper-Hallen erreicht hat. Mit Taschentüchern. Gutes oder schlechtes Zeichen? // Das Dicke-Bücher-Camp läuft! Und wie! // Deswegen habe ich mich ganz besonders gefreut, dass ich am 15.07. bei 1Live Klubbing was darüber erzählen durfte. Radio-Breze! // Wenn man schon keine Zimtschnecken im Café findet (siehe nächstes Bild), dann backt man einfach  selbst Himbeer-Zimtschnecken // Eine weitere Episode von "Zimtschnecken in München und was wir stattdessen gegessen haben" // Biergarten-Zeit – Brezen-Zeit – Obazda-Zeit // Und im Nen waren wir auch noch essen. Sehr vorzüglich! //

Sonntag, 15. Juli 2018

Vier Bücher für ... den literarischen Urlaub.

Mitte Juli, der Balkon lädt zum Sonnenbaden ein, das Freibad ruft, die Sommerferien stehen in Bayern vor der Türe und dann geht es mit Badehose und dem kleinen Schwesterlein Richtung Süden. Oder so ähnlich. Bisher habe ich keinen Strandurlaub geplant (ist wahrscheinlich auch besser so, den Sonnenbrand krieg ich auch in München wunderbar hin), stattdessen geht es Ende August nach Wien. Das ist in meiner geografischen Vorstellung auch irgendwie im Süden, passt also zum Urlaubsthema. Als Leserin muss ich aber gar nicht meine Siebensachen packen, sondern es reicht ein Griff ins Bücherregal, um fremde Länder zu betreten. 

Für die nun folgenden vier Bücher benötigt man glücklicherweise keinen gültigen Reisepass und auch kein vollgetanktes Auto und trotzdem kann man einen Ausflug nach Frankreich, Italien und Griechenland wagen:

Samstag, 7. Juli 2018

Neu im Bücherregal - Die Juni-Bücher 2018.

15 neue Bücher. Das ist ungefähr ein Regalbrett in einem der schmalen Billy-Regale. Keine guten Voraussetzungen, wenn man sich die eh schon sehr vollen Bücherregale im Wohnzimmer ansieht. Doch im Geburtstagsmonat darf man auch mal etwas auf den Putz hauen. Finde ich. Und vielleicht lenkt mich das Dicke-Bücher-Camp im Juli und August so sehr ab, dass ich gar nicht dazukomme, neue Bücher zu besorgen. 


Donnerstag, 5. Juli 2018

Das Dicke-Bücher-Camp


Die schönsten Ideen sind spontane Ideen. Anfang dieser Woche saß ich mal wieder ratlos vor dem Bücherregal und suchte ein Buch für das Treffen des Buchclubs. Dabei stolperten meine Augen immer wieder über die vielen dicken Bücher, die in meinem Bücherregal mit den ungelesenen Bücher stehen. Ein Trauerspiel, welches ich direkt in einer Instagram Story der Öffentlichkeit mitteilen musste.

Sonntag, 1. Juli 2018

Fotobreze - Juni 2018


// Zimtschneckensuche. Bald können wir daraus eine Reihe machen: "Zimtschnecken in München und was wir stattdessen gegessen haben" // Deswegen hier gleich noch ein Avocdadobrot mit Rührei im Instagramtauglichen Mary's Coffee Club // Der Hund mal wieder. Der kommt viel zu selten zu Besuch! // Dafür gibt es einfach überall Dachse. Gut so! // Salut, Paris! Hier im Café, welches direkt neben Shakespeare & Company liegt // Abendstimmung im Disneyland. Famos, sag ich euch! // Abendstimmung in Paris. Ebenfalls sehr famos und mit Sacré-Cœur ganz klein ganz hinten! // Auch Paris ist der Meinung, dass ich mehr Pflanzen brauche! // Gestern ging es zu einem Blogger-Event bei arsEdition. MyNotes, die Notizbuchreihe des Verlags, stand im Mittelpunkt. Genauso wie Glück und Aquarellmalerei. Und Kuchen! Rote Beete-Schoko-Kuchen von Oma! //

Sonntag, 17. Juni 2018

Zum 30. Geburtstag – 30 Weisheiten einer Nordbreze.


Es fühlt sich noch sehr ungewohnt an das zu sagen, aber ich bin nun 30 Jahre. Früher dachte ich, mit 30 muss man mit Mann, Kind und Hund im Eigenheim sitzen und eine Schwarzwälder Kirschtorte essen. Stattdessen habe ich meinen 30. Geburtstag im Disneyland Paris verbracht und es war der größte Spaß meines Lebens.

Nachdem mich nun mein Alter auch offiziell als weise Frau ausweist, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um euch 30 Dinge, die ich in den letzten 30 Jahren gelernt habe, mitzuteilen.

Montag, 4. Juni 2018

Warum ich keine Bücher abbrechen kann.

Ich lese gerne. Ich lese viel. Ich lese die unterschiedlichsten Bücher. Unterhaltungsromane, Bücher aus dem Feuilleton, dicke Bücher, dünne Bücher, Neuerscheinungen, Klassiker. Ich lese auch relativ schnell, 100 Seiten schaffe ich meist in einer Stunde. Vorausgesetzt, die Lektüre hat mich gepackt. Wenn das nicht der Fall ist, verwandelt sich die ansonsten recht glückliche Buchbeziehung zu einem klebrigen Kaugummi. Das beginnt meist mit dem Überfliegen von Absätzen oder Überblättern von ganzen Seiten. Irgendwann wird das Buch zur Seite gelegt und ich lese einfach eine Woche gar nicht. Vielleicht packt mich die Lust ja wieder. Doch dann lacht mich ein anderes Buch an und das alte Buch wird beiseite gelegt. Erst auf den Stapel der angefangenen Bücher. In ganz schlimmen Fällen (Hallo "Der Zauberberg"!) wandert das Buch zurück in das Regal der ungelesenen Bücher. 


Sonntag, 3. Juni 2018

Neu im Bücherregal - Die Mai-Bücher 2018

Wie war das nochmal mit der im letzten "Neu im Bücherregal"-Beitrag erwähnten Aussortier-Aktion? Soweit das mich betrifft, hat kein Buch die Wohnung verlassen. Ganz im Gegenteil. Da guckt man einmal nicht richtig hin und schwuppdiwupp ist der Monat zu Ende und es türmen sich schon wieder neue Bücher auf dem Tisch, die darauf warten, ins Regal zu ziehen. Ich gehe langsam davon aus, dass ich Opfer einer unkoordinierten Zellteilung im Bücherregal bin. Nur deswegen werden es immer mehr und mehr und mehr Bücher. Damit kann ich auch direkt die ganze Schuld von mir weisen. Ich hab damit nichts zu tun. Wie bei einer verrückten Katzendame. Nur laufen mir eben Bücher zu. Was mir auch viel sympathischer ist. Katzen wären sehr unpraktisch. Niemand hier mag Katzen (sorry). Bücher dafür umso mehr.


Samstag, 2. Juni 2018

Fotobreze - Mai 2018


// Jahrelang darüber nachgedacht und dann in einer Kurzschlussentscheidung einfach mal gemacht. Hiermit gehöre ich offiziell zu den bösen Mädchen, denn ich habe nun ein Tattoo. Und bin sehr glücklich damit  // Im Buchclub wurde zuletzt Henry James gelesen und ich bin schon sehr angetan von seiner Art die kleinen und großen Unterschiede zwischen Europäern und US-Amerikanern zu beschreiben // Helge Schneider im Circus Krone. Sehr verrückt, sehr sympathisch und überraschend, wenn man plötzlich unerwartet Lieblingsmenschen dort trifft // Beim Hörgang laufend Neuhausen-Nymphenburg erkunden und neuer Literatur lauschen – immer wieder schön // Ebenso schön: ATM // Insbesonderen, wenn ATM mal wieder Literatur lauscht. In diesem Fall dem Frühlingsmix im Literaturhaus mit Mareike Fallwickl // Wieder ATM, wieder Literatur. Im Lost Weekend stellte Mercedes Lauenstein ihren neuen Roman "Blanca" vor. Roadtrips durch Italien. Sollte man auch mal machen // Hallo Berlin, mal wieder. Dieses Mal aber nur ein beruflicher Kurztrip inklusive Zugfahrt mit dem wirklich sehr schnellen München-Berlin-Zug // So ne Wand in der Wohnung. Das wäre genau richtig // Rausgehen ist das neue drinnen Lesen – auf zum Modular Festival in Augsburg. Hauptsächlich wegen: // Olli Schulz. Ich hör viel zu selten Musik, aber Olli geht immer // Wenn man länger nicht in Augsburg war, ist es da sogar fast hübsch //

Montag, 21. Mai 2018

Die Entdeckung des Glücks von Isabell Prophet.


Originalausgabe - Erschienen Mosaik - 2017 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar

„Bist du glücklich mit deinem Job?“ Auf diese einfache Frage eine klare Antwort zu geben, fällt den meisten Menschen schwer. Gerade wenn es um den Beruf geht, schwanken wir oft zwischen Freude und Disziplin, Ehrgeiz und Überforderung. Doch glücklich sein kann man lernen – es hat uns nur noch niemand gezeigt, wie. Isabell Prophet analysiert und erklärt fundiert und unterhaltsam, welche Weichen wir stellen müssen, um glücklich in unserem Tun zu werden.

Darum mag ich Buchempfehlungen von anderen Menschen so gerne. Man stößt dadurch auf ganz neue Lektüren, die man ansonsten wohl nicht gefunden hätte. So ging es mir mit "Die Entdeckung des Glücks" von Isabell Prophet, welches dank Melina von Vanilla Mind meine Aufmerksamkeit erregt hat. 

Isabell Prophet widmet sich in "Die Entdeckung des Glücks" einem so einfachen und deswegen so schwierigen Thema: Glück in der Arbeit. Dazu muss man eines voranstellen: Durch Arbeit allein wird man nicht glücklich. Wer sein Seelenheil in der Arbeit sucht, sollte viel Ausdauer und eine Grubenlampe mitbringen, um fündig zu werden. Aber wenn man als Standard-Angesteller die meiste Zeit des Tages am Arbeitsplatz verbringt, sollte man sich vielleicht mal damit auseinandersetzen, ob und wie die Arbeit ins eigene Glückskonto einzahlt.

Sonntag, 6. Mai 2018

Neu im Bücherregal - Die April-Bücher 2018

Wenn ich eine Reise tue, dann gehören Ausflüge in Buchhandlungen zum festen Programmbestandteil. Deswegen verbrachte ich in Berlin auch viel Zeit in verschiedenen Buchhandlungen (Hallo Dussmann, hallo Ocelot!) und ging dort selten mit leeren Händen hinaus. Dazu kamen noch Ausflüge in Münchner Buchhandlungen, ein Zeitvertreib-Buchkauf in Frankfurt und postalische Zusendungen. Und schwuppdiwupp ist man bei zwölf neuen Büchern im April. Eine großangelegte Aussortier-Aktion im heimischen Buchregal für mehr Platz sollte wohl für den Mai eingeplant werden. Wie ich  mehr Zeit ranschaffe, um die Bücher zu lesen, müsst ihr mir noch verraten. 


Freitag, 4. Mai 2018

Super, und dir? von Kathrin Weßling.


Originalausgabe - Erschienen bei Ullstein fünf - 2018 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar

Marlene Beckmann ist 31 Jahre alt und lebt das Leben, das sie sich gewünscht hat. Auf die Frage, wie es ihr geht, antwortet sie reflexartig: "Super, un dir?" Tatsächlich fühlt sich aber gar nichts super an. Doch sie wahrt den Schein. Bis sie ihren ersten richtigen Job antritt. Bis sie vor lauter Überstunden kein Privatleben mehr hat. Bis der Druck schließlich größer wird als sie ...

Die Bücher von Kathrin Weßling sind irgendwie wie Helium. Man freut sich davor diebisch, dass man gleich was verrücktes macht, dann inhaliert man sie viel zu schnell, lacht und weint und freut sich sehr und nach viel zu kurzer Zeit ist der Spaß dann auch wieder vorbei.

Schon bei der ersten Ankündigung zu "Super, und dir?" musste ich freudig die Hände in die Höhe werfen, gehört doch Kathrin Weßling zu meinen liebsten Internet-Menschen, so gerne sehe ich ihr bei Instagram beim Leben zu. 

Montag, 30. April 2018

Fotobreze - April 2018


// Hallo Heinrich Matters, ich mag dich schon sehr gern – insbesondere dein Frühstück // Was ist jetzt? - In Berlin! Endlich mal! // Schon schick auch in dunkel // Der Salbei und ich, wir sind jetzt sehr gute Freunde // Noch mehr von diesem Berlin. Das nächste Mal schaff ich es auch mal in den Reichstag // In Berlin muss man auch zu Dussmann wenn man Bücher mag // Wenn ich die Buchbranche nicht so gerne mögen würde, würde ich in die Politik wechseln, weil die so schöne Gebäude haben // A magazine for the get-up-and-go-generation! // Käse und Flieder, da lass dich nieder! // Immer noch schwer verliebt in Stuckrad-Barre // Haidhausen schmeckt großartig (Lavendel mit Brombeere) // An Pflanzen kann ich gerade sehr schwer vorbeigehen ... Der Stijlmarkt am vergangenen Wochenende war deswegen besonders gefährlich. Stattdessen erwarb ich aber ein Armband. Läuft //

Sonntag, 29. April 2018

Nachlese - Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen von Benjamin von Stuckrad-Barre.


Originalausgabe - Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch - 2018 - Vielen lieben Dank für das Rezensionsexemplar!

"Einen besseren Chronisten unserer Zeit gibt es nicht." - Die Zeit
Benjamin von Stuckrad-Barre über: Boris Becker, Jürgen Fliege, Ferdinand von Schirach, Madonna, Christian Ulmen, Sommer ohne iPad, Urlaubsfragen, Helmut Dietl, Thomas Bernhard, Phoshopphing, Rainald Goetz, Fussball-WM, Tattoos, Schweinegrippe, Jan Hofer, Thomas Demand, Jörg Fauser, Helge Malchow, Axel Springer, Berlinale, Harald Schmidts 2013, Walter Kempowski, Happy, Sunset Blvd.

Beginnen wir diesen Text direkt mit sehr viel Gefühlsduselei: Als ich gerade diesen Blogbeitrag angelegt habe, bildete sich plötzlich ein emotionaler Kloß in meinem Hals. Warum? Weil ich mich so wahnsinnig auf die Lesung von Benjamin von Stuckrad-Barre gefreut habe und jetzt ist sie vorbei. Diese Nachbesprechung ist fürs Erste der letzte (hihi) Baustein meiner Stuckrad-Barre-Obsession – bis dann ein neuer Text, ein neues Buch erscheint. 

2017 war "Panikherz" eines meiner am liebsten gelesenen Bücher. Keine Frage also, dass ich mich schon sehr auf "Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen" gefreut habe. Allein der Titel verdient eine Runde Applaus. Remix 3 also. Die beiden Vorgänger kenne ich nicht, bieten aber einen guten Anlass, den Stuckrad-Barre'schen Lesekonsum zu verlängern. 

"Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen" ist eine Textsammlung aus verschiedenen bereits erschienenen Artikeln, die alle um denselben Themenkomplex kreisen: (gescheiterte) Helden. Wie bereits in "Panikherz" lernen wir viel über die Menschen, die Benjamin von Stuckrad-Barre auf die eine oder andere Art verehrt, faszinierend findet. So gucken wir gemeinsam mit Boris Becker das Wimbledon-Finale, schreiben ein Drehbuch mit Hemlut Dietl, trinken in einer kurzen Pause mit Jan Hofer Kaffee und blicken mit Harald Schmidt auf das Jahr 2013 zurück. 

Dem Zeit-Zitat kann ich nur zustimmen. Benjamin von Stuckrad-Barre hat die Gabe, ganz genau hinzusehen, ganz genau zu erfassen, was eine Person umtreibt, ohne die Person dabei bloßzustellen. In jedem Text spürt man Stuckrad-Barres Liebe, Verehrung, Faszination für die porträtierte Person, selbst wenn es sich dabei um Jürgen Fliege handelt, der leichtgläubigen Menschen gesegnetes Wasser verkaufen will. 

Zwei Texte stechen für mich besonders heraus.

In "Eine Redaktionskonferenz zu Thomas Bernhards Geburtstag" schildert Stuckrad-Barre eine eben solche Redaktionskonferenz auf so grandiose Weise, dass man sich das als Kurzfilm wünscht. Oder lieber nicht. Meine Kopfversion ist eh viel besser. 

Und in "Der Verleger" wird eigentlich nur das Büro von Kiepenheuer & Witsch-Verleger Helge Malchow beschrieben und doch steckt so viel mehr zwischen den Zeilen, sodass ich als Buchbranchen-Mensch nur innerlich jubilieren kann. 

"Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen" ist eine wahre Goldgrube für alle, die sich an großartigen Porträts erfreuen können.


Dementsprechend groß war meine Freude auf die "Lesung" mit Stuckrad-Barre in München. Lesung muss hier in Anführungszeichen gesetzt werden, denn das, was Stuckrad-Barre dort oben auf der Bühne abliefert, ist keine Wasserglas-Lesung (ins Wasserglas kommen eh nur die Zigarettenstummel), sondern eine Pop-Performance mit Licht und Musik (Passenderweise hat Janine von Frau Hemingway dazu gerade einen Beitrag geschrieben, dem ich nur kräftig zustimmen kann). Da wird abgeschweift, erzählt, geraucht, plötzlich liest Joko Winterscheidt gemeinsam mit Benjamin von Stuckrad-Barre "Madonna live in L.A." in einer neuen Version, in der Bettina Böttinger die Hauptrolle spielt, die Gucci-Gang macht ein Bühnenfoto und selbstverständlich gibt es zum Ende der "Lesung" Stage Diving zu "Angels" von Robbie Williams. Hallo Literaturhaus, das hätte ich gerne bei der nächsten Lesung mit Carlos Ruiz Zafón auch!

Das ist alles so wirr, so emotional, so übertrieben, so fantastisch – genauso wie Benjamin von Stuckrad-Barre selbst. 

Vollgepumpt mit Glücksgefühlen stehe ich am Ende des Abends in der Signierschlange und erfreue mich besonders daran, dass ich wie bereits bei Saša Stanišić die im Buch genannte "Brezel" von Benjamin von Stuckrad-Barre korrigiert bekomme. Eine Nordbreze muss tun, was eine Nordbreze tun muss. 

"Beim Lesen dieser Geschichten hatte man Glückserlebnisse wie sonst nur bei der Lektüre von Fitzgerald oder Capote, da sitzt jedes Wort, da ist alles an seinem Platz, Poesie durch Reduktion [...]" (Seite 47)

Auch wenn Benjamin von Stuckrad-Barre hier über Ferdinand von Schirach spricht, so passt es doch ebenso gut zu seinem Buch. Texte voller Glückserlebnisse, Lesungen voller Erinnerungen. Ein Fest für Herz und Verstand. 

Freitag, 20. April 2018

One of us is lying von Karen M. McManus.


Originaltitel: One of Us Is Lying - Aus dem Amerikanischen von Anja Galić - Erschienen bei cbj - 2018 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar!

An einem Nachmittag sind fünf Schüler in der Bayview High zum Nachsitzen versammelt. Bronwyn, das Superhirn auf dem Weg nach Yale, bricht niemals die Regeln. Klassenschönheit Addy ist die perfekte Homecoming-Queen. Nate hat seinen Ruf als Drogendealer weg. Cooper glänzt als Baseball-Spieler. Und Simon hat die berüchtigte Gossip-App der Schule unter seiner Kontrolle. Als Simon plötzlich zusammenbricht und kurz darauf im Krankenhaus stirbt, ermittelt die Polizei wegen Mordes. Simon wollte am Folgetag einen Skandalpost absetzen. Im Schlaglicht: Bronwyn, Addy, Nate und Cooper. Jeder der vier hat etwas zu verbergen – und damit ein Motiv...

Als ich "One of us is lying" zum ersten Mal (in der englischen Ausgabe) entdeckt habe, hatte ich mir davon eine ebenso gute Lügengeschichte wie bei "Solange wir lügen" versprochen. Außerdem wurde das Buch mit "The Breakfast Club" verglichen, einen Film, den ich schon lange sehen möchte. Wohlwollende Voraussetzungen für die Lektüre.

Doch dazu kam es nicht.

(Uh, das klingt so schön nach Clickbaiting!)

Auf Seite 139 musste ich das Buch abbrechen. Und ich breche wirklich selten Bücher ab, weil ich eigentlich immer wissen will, wie die Geschichte endet. Doch bei "One of us is lying" war bereits nach einem Drittel der Seiten der Punkt erreicht, an dem ich die bisher schon investierte Lesezeit gerne zurückfordern wollte. Normalerweise würde ich noch einmal die Augen verdrehen und das Buch in den Bücherschrank stellen. Nachdem ich das Buch aber als Rezensionsexemplar erhalten habe, möchte ich die Gründe, weswegen "One of us is lying" für mich zum Abbruchkandidaten wurde, festhalten.

Mir war von Anfang an klar, dass bei einem Buch, welches an einer High School spielt, auch Klischees bedient werden. Aber man kann Klischees bedienen und das kreativ nutzen oder man kann Klischees bedienen und diese unreflektiert stehen lassen. Natürlich haben wir die Streberin in der Runde, natürlich die Schönheit, den Sportler, den Außenseiter und einen, der unbedingt dazugehören will. Natürlich wollen diese Personen nichts miteinander zu tun haben. Aber so platt wie bei "One of us is lying" wurden Protagonisten schon lange nicht beschrieben. Und das sage ich als Fan von "High School Musical"!



Wenden wir uns noch kurz einer Protagonistin zu, die es auf den wenigen von mir gelesenen Seiten schafft, 100 Jahre Feminismus mit den Füßen zu treten. Hallo Addy! Addy ist die Schöne aus der Runde der Verdächtigen und selbstverständlich mit einem der beliebtesten Jungs der Schule zusammen. Und auch, wenn mir mehrere Leser versichert haben, dass Addy noch eine gewaltige Entwicklung durchmacht, komme ich über folgenden Satz einfach nicht hinweg:

"Ich weise Jack nie ab, weil ich immer an das denken muss, was meine Mutter auf der Fahrt zu meinem ersten Frauenarzttermin zu mir gesagt hat: Wenn du zu oft Nein sagst, wird schon bald eine andere Ja sagen." Seite 62.

Weil das noch nicht reicht, zieht sich Addy selbstverständlich so an, wie es der liebe Freund gerne hätte und wird so zum netten Accessoire des netten Freundes. Ich muss leider ein bisschen brechen.

Nachdem ich dann auch noch das Ende des Buches erraten habe, konnten mich die verbliebenen Seiten des Buches wirklich gar nicht mehr locken. Vielleicht entgeht mir dabei eine ganz großartige Geschichte, die sich erst auf den folgenden Seiten entwickelt. Vielleicht würden mich die Protagonisten überraschen. Vielleicht bin ich doch zu hart mit meinem Urteil. Aber wenn es eine Autorin nicht schafft, wenigstens ein wenig Interesse beim Leser zu wecken, dann ist mir meine Lesezeit zu kostbar, um sie weiter in dieses Buch zu stecken.

Wie seht ihr das? Ab welchem Punkt brecht ihr Bücher ab? Hat jemand von euch "One of us is lying" gelesen und wie fällt euer Urteil aus? 

Sonntag, 8. April 2018

Ein anderes Brooklyn von Jacqueline Woodson.


Originaltitel: Another Brooklyn - Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit - Erschienen bei Piper - 2018

Die Freundinnen Angela und Sylvia, August und Gigi ziehen über das glühende Pflaster Brooklyns der Siebzigerjahre. Im Hauseingang nebenan dämmert ein Junkie, Vietnamkriegsveteranen laufen durch die Straßen. Solange die Mädchen zusammen sind, kann ihnen das nichts anhaben. Doch wenn sie zu Frauen werden. werden sie verwundbar. 

Der Trend zum Brooklyn-Buch hält an. Und nach "Ein Baum wächst in Brooklyn" ist dies nun das zweite Buch über den New Yorker Stadtteil, welches mich beeindruckt zurücklässt. In "Ein anderes Brooklyn" versteckt sich ein Kleinod, welchem ich noch viele weitere Leser wünsche. Soviel schon einmal vorweg.

Auf knapp 160 Seiten erzählt Jacqueline Woodson die Geschichte von vier Freundinnen, die im ärmlichen Brooklyn leben und dort die Schwelle zwischen Mädchen und Frau überspringen müssen. Doch wie gelingt die Metamorphose zur Erwachsenen zwischen Armut, Drogendealern, Kriegsveteranen, bedrohlichen Männern und Zukunftsträumen? Angela, Sylvia, Gigi und August – vier Mädchen, vier Schicksale, die sich in einem Wort zusammenfassen lassen: Brooklyn.

August ist dabei unsere Begleiterin durch das Brooklyn der Siebzigerjahre. Gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem jüngeren Bruder ist sie erst vor kurzem nach New York gezogen und beobachtet die eingeschworene Gruppe rund um Angela, Sylvia und Gigi vom Fenster aus. Dazugehören. Das ist das, was sie will. Teil der Geschichte werden. Teil der Erinnerung.

"Ich hob den Kopf, betrachtete die sich färbenden Blätter und dachte, dass wir alle irgendwann heimkehren. Irgendwann wurde das ganze Leben, alles und jeder, Erinnerung." (Seite 153)

Was für mich "Ein anderes Brooklyn" so besonderes macht, ist die Tatsache, dass Jacqueline Woodson auf so eindringliche, auf so einfache Art und Weise das Leben der vier ganz unterschiedlichen Mädchen beschreibt und dafür wenige Worte benötigt, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Es ist auch weniger die Geschichte an sich, die den Reiz von "Ein anderes Brooklyn" ausmacht, es ist die Sprache, die einen in einen Sog zieht, mit dem die Seiten des Buches nur so verfliegen.

Armut, Rassismus, Sexualität, Politik –  "Ein anderes Brooklyn" schafft ein Bewusstsein, wie es sich in den Siebzigerjahren angefühlt haben muss, als Heranwachsende in Brooklyn zu leben. Eine literarische Geschichtsstunde verbunden mit einer höchst poetischen Sprache. Solche Bücher wünscht man sich viel häufiger zu entdecken. 


Dienstag, 3. April 2018

Fotobreze - März 2018


// Und dann ist der Tag gekommen, an dem man zum ersten Mal eine Session hält und der eigene Name steht auf  einem Zettel. Verrückt // Hier so im Lovelace  beim Blogger Market von Mucbook war das nämlich // Darf ich vorstellen? Lauch und Bacon, die beiden sympathischen Zwergkaninchen aus dem Zoohandel im Leipziger Hauptbahnhof. Fast hätten wir sie mitgenommen // Gute-Nacht-Geschichten in der wunderschönen Monacensia. Warum war ich da bisher noch nie? // Die Leipziger Buchmesse 2018 in vier Marina-Varianten - Nr. 1 bei der fancy LYX LOUNGE-Party // Nr. 2 mit Mikrofon beim LovelyBooks Community-Treffen // Nr. 3 mit ATM für die guten alten Zeiten // Nr. 4 beim schönsten Projekt der Messe: Buchregal ausmalen // Manchmal gefällt mir München doch sehr // Dieses Wetter ey, März! Das war kein Spaß mehr // Was für ein Abend! Joachim Meyerhoff liest aus "Die Zweisamkeit der Einzelgänger" und katapultiert sich damit auf Platz 1 meiner liebsten Lesungsmenschen // Es ist angerichtet, es war angerichtet zur Bookshelf-Tour 2.0 //

Bringen wir es direkt hinter uns: Wie verrückt war bitte das Wetter im März? 20 Zentimeter Schnee in Leipzig zur Buchmesse. Mittendrin eine nicht auf Schnee eingestellte Marina. Kein schönes Erlebnis. Dafür war das die Buchmesse umso mehr. Anstrengend, aber wunderschön. Langsam sollte man darauf achten, mich nicht in die Nähe von Mikros zu lassen. Nach der ersten eigenen Session beim Blogger Market in München hatte ich auf der Buchmesse gefühlt immer ein Mikro in der Hand. Außer bei der Bastelstunde, da hatte ich es nur vor der Nase. Wer sich das noch nachträglich angucken will, kann das hier tun. In München ging es buchlastig weiter beim Indiebookday und bei der fantastischen Lesung von Joachim Meyerhoff. Große Liebe. 

Der letzte gelesene Buch-Satz:
"Irgendwann wurde das ganze Leben alles und jeder, Erinnerung."
aus "Ein anderes Brooklyn" von Jacqueline Woodson, Seite 153.

Nächsten Monat und so:
Der April hat nun schon begonnen und mir einen Berlin-Besuch ins Haus gespült. In zwei Wochen hingegen fahre ich nach Berlin – sofern ich nicht schon wieder krank werde. Außerdem geplant: Ein neuer Versuch Yoga in den Kalender einzugliedern. Ende des Monats geht es wieder zu einer Lesung, dieses Mal von und mit Benjamin von Stuckrad-Barre. 

Montag, 2. April 2018

Neu im Bücherregal - Die März-Bücher 2018

Was hat es eigentlich mit diesem März und dem obsessiven Bücherkauf zu tun? Bereits in den vergangenen Jahren musste ich feststellen, dass ich im März zügellos Bücher gekauft habe. Ohne Rücksicht auf Verluste (und drohende Krisen im Bücherregal) wurden Bücher nach Hause geschleppt und gehortet. Und wie bereits im letzten Jahr mussten deswegen die Bücher, die ich im Rahmen des Indiebookdays gekauft habe, in einem eigenen Blogbeitrag Platz  nehmen. Nun bleiben also noch sechs weitere Bücher übrig, die im März neu bei mir eingezogen sind. Und das ganz ohne Buchmessen-Käufe, auf die ich in diesem Jahr wohlweislich verzichtet habe. Das mit dem Buchkauf-Verbot im April spare ich mir, ich muss eh sparen. Und wirklich jedes der folgenden Bücher musste ganz dringend in mein Bücherregal einziehen, weil: 


Wa(h)re Gefühle – Authentizität im Konsumkapitalismus herausgegeben von Eva Illouz. Ja, an dieser Stelle ist ein kurzer irritierter Blick zulässig. Wie bitte schafft es ein Suhrkamp Taschenbuch Wissenschafts-Band auf den Stapel der neu erworbenen Bücher in diesem Umfeld? Die Lösung ist so simpel wie genial. Der Marketingmensch in mir fühlt sich gar sehr angesprochen durch den Titel (ha, dieser Wortwitz!) und bei Aufsätzen wie beispielsweise "Authentizität in kommerziellen Glückwünschen. Die Grußkarte als Gefühlsware" kann ich nicht anders als konsumieren. Nämlich eben jenes Buch. 

Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen von Benjamin von Stuckrad-Barre. Meine heimliche Leidenschaft für Stuckrad-Barre (nicht nur für den Namen, aber auch) habe ich bereits bei "Panikherz" offen gelegt. Ende des Monats darf ich den werten Herren, der gerade Instagram mit seinen Stories zum Buch überflutet live und in Farbe und in München bei einer Lesung bewundern und man kann sich ungefähr vorstellen, wie sehr ich mich darauf freue. Die Antwort: Sehr! Ebenso sehr freue ich mich auf die Lektüre dieses Buches mit dem wohl fantastischsten Titel aller Zeiten. Kein Einspruch erlaubt. 

Ein anderes Brooklyn von Jacqueline Woodson. Möglicherweise bin ich da einem ganz großen Ding auf der Spur. Bücher, die in Brooklyn spielen! Nachdem "Ein Baum wächst in Brooklyn" zu meinen Lieblingen 2017 gehört hat, freu ich mich, wieder einmal in den New Yorker Stadtteil eintauchen zu können. Irgendwann dann auch mal in echt. Bestimmt. 

Die Geschichte der Liebe von Nicole Krauss. Buchige Gastgeschenke zu Bookshelf-Partys – Teil 1. Erster Kommentar hierzu: Ja, es gab mal wieder eine Bookshelf-Tour, das heißt, Menschen kamen zu uns nach Hause, haben gegessen, getrunken und sich dabei Bücher angeguckt. Es war ein Fest mit Hund und Baby und lieben Menschen. Dabei wurden mir auch eben jenes Buch überreicht (und auch das nächste folgende), weil besonders empfehlenswert. Ich bin nun gespannt. 

Sommerhaus, später von Judith Hermann. Buchige Gastgeschenke zu Bookshelf-Partys – Teil 2. Wie mir eine kurze Recherche verraten hat, habe ich das Buch verrückterweise 2008 bereits gelesen. Ich kann mich nicht daran erinnern, vergab damals aber 4 von 5 Punkten. Nach zehn Jahren kann diese Vergesslichkeit schon einmal einsetzen, deswegen werde ich das späte Sommerhaus auf jeden Fall noch einmal lesen.  

Panthertage von Sarah Elise Bischof. Und da ist sie nun, die Schuldige an den beiden vorherigen Buchgeschenken. Eben jene Sarah gehört zu den wunderbaren Menschen, mit denen ich arbeitsmäßig die meisten Tage in der Woche verbringen darf. Nachdem ich nun im vergangenen Monat endlich die Gelegenheit hatte, zu einer ihrer Lesungen zu gehen, ist die Lektüre des dazugehörigen Buches Ehrensache. Ich schreibe so etwas selten, denke es mir aber oft, deswegen hier nun ausnahmsweise mal auch in Buchstaben-Form: Sarah ist ein so starker, ein so herzensguter Mensch, die trotz und wegen der Diagnose Epilepsie jeden Tag auskostet und damit einfach nur ansteckend ist. ♥

Sonntag, 25. März 2018

Zum Indiebookday 2018: Neu im Bücherregal


Wie bereits im vergangenen Jahr wurde der Indiebookday wieder als Feiertag für Buchmenschen zelebriert. Eine Tour durch sechs Münchner Buchhandlungen mit Kollegen und Freunden inklusive Kuchenfinale stand auf dem Plan. Und wie auch im letzten Jahr eskalierte das ganze zu einem Einkaufsrausch, der mich mit sechs neuen Büchern zurückgelassen hat. Aus diesem Grund werden die gestern erworbenen Bücher aus der März-Aufstellung herausgenommen und hier einzeln nochmal präsentiert.

Nachdem ich Ende Januar noch vier Bücher aus unabhängigen Verlagen präsentiert habe, die 2018 erscheinen, kann ich mit stolzgeschwellter Brust verkünden, dass ich nun alle vier Bücher besitze. Möglicherweise muss ich das Format also nochmal wiederholen, um für den Herbst gewappnet zu sein.

Hier nun aber alle sechs Bücher, die gestern heimtückisch in meinen Jutebeutel gesprungen sind:

Bestseller von Beka Adamaschwili. Erschienen bei Voland & Quist. Diese Buchblogger-Influencer! Da rede ich auf der Buchmesse mit Sarah und Julia und beide loben "Bestseller" in den höchsten Tönen und dann kann ich nicht anders, als das Buch direkt am Indiebookday zu kaufen. Mir wurden Fußnoten versprochen und ein ironisch-böser Blick auf die Literaturszene. Das werde ich überprüfen! 

Nicht zur Veröffentlichung bestimmt von Elisabeth Borchers. Erschienen bei weissbooks. Als ich dem nicht anwesenden Herrn Gatsby während der Indiebookday-Tour ein Foto meiner bisher erstandenen Bücher geschickt habe, war seine Antwort nur: "War ja klar dass du Borchers kaufst". Ich bin wohl zu vorhersehbar. Aber wie soll man als Liebhaberin von Verlagsgeschichte bitte an einem Buch über Verlagsgeschichte vorbeigehen? Eben!

Peach von Emma Glass. Erschienen in der Edition Nautilus. Wie bitte hätte ich dieses düster-klebrige Buch in der Buchhandlung stehen lassen können, wenn es sich doch schon seit Wochen in meinem Kopf eingenistet hat? 118 Seiten. Wahrscheinlich hab ich "Peach" innerhalb von einer Stunde inhaliert und ich freu mich schon jetzt auf diese poetische Stunde. 

Tyll von Daniel Kehlmann. Erschienen in der Büchergilde Gutenberg. Eben jenes Buch stand in der Rowohlt-Ausgabe auf meinem Weihnachtswunschzettel. Und auch auf dem Wunschzettel von Herrn Gatsby. Eingezogen ist es bisher aber noch nicht. Die optisch wirklich herausragende Ausgabe der Büchergilde hat nun das Fass zum Überlaufen gebraucht. Nun gilt es abzuwarten, ob ich nach der Lektüre genauso "sprachtrunken, bildersatt und verzaubert" bin wie Denis Scheck. 

Nordwasser von Ian McGuire. Erschienen bei mare. Schon auf der Leipziger Buchmesse winkte mir die Walflosse fröhlich-düster zu, doch ich konnte dem Kaufreflex widerstehen. Schließlich hatte ich den Indiebookday schon im Kopf und wusste, dass sich im Buchmessen-Koffer kein Platz mehr für ein Buch finden würde. Schlussendlich durfte der Wal also doch ins Regal, nur eben zeitverzögert und mit dem Jutebeutel als Transportmittel. 

Eileen von Ottessa Moshfegh. Erschienen bei liebeskind. Schon seit längerer Zeit schleiche ich um dieses Buch herum. Gestern nun lag es als Mängelexemplar bei Buch & Töne und mein Herz klopfte ganz schnell und meine Hände packten das Buch noch schneller an sich, um es an jenes schnell klopfende Herz zu pressen. 

Am allerliebsten hätte ich nun eine Woche frei, um alle Bücher direkt sofort gleich zu lesen. Geht aber nicht. Häppchenweise ist das ganze wahrscheinlich auch magenschonender. Von den fünf Büchern, die ich mir am Indiebookday 2017 gekauft habe, habe ich in der Zwischenzeit drei gelesen. "Hinfallen ist wie anlehnen, nur später" von Sebastian 23 und "Das unendliche Buch" von Noëlle Revaz teilen sich das Schicksal der ungelesenen Bücher. Wir werden sehen, wie viele der 2018-Bücher ich in einem Jahr gelesen haben werde. 

Seit ihr gestern auch zum Indiebookday ausgezogen, um nach Büchern aus kleinen, unabhängigen Verlagen zu stöbern? Wart ihr erfolgreich? 

Freitag, 23. März 2018

Ins Blaue! Natur in der Literatur im Literaturhaus München

Eine der ersten Lektionen, die ich von Tina im Hinblick aufs Schreiben von Newsletter-Texten gelernt habe, war diese hier: Man schreibt nicht über das Wetter. Lustigerweise fällt mir das wirklich immer dann ein, wenn ich dazu ansetze, einen Satz über das Wetter zu schreiben. In diesem Fall ignoriere ich die Regel, denn man muss über das Wetter sprechen, wenn man über Natur spricht. Und das will ich tun.

In dieser Woche durfte ich der Ausstellungseröffnung zu "Ins Blaue! Natur in der Literatur" im Literaturhaus München beiwohnen und während drinnen über Blumen, Blau und Blätter gesprochen wurde, tanzten draußen Schneeflocken am Nachthimmel. Ein absurdes Bild. Und der traurige Grund, warum man einen Teil der Ausstellung (noch) nicht besuchen konnte. Das Literaturhaus hat, um dem Thema gerecht zu werden, einen kleinen Garten angelegt, der aber aufgrund der Kälte noch dick eingepackt sein muss, damit er Überlebensschancen hat.

Stattdessen gab es im warmen Ausstellungsraum Natürliches und Künstlerisches zu entdecken. Neben Zitaten aus 2.500 Jahren Weltliteratur zum Thema Natur ("In einem Blumentopf können Sie Dreck eigentlich nicht Dreck nennen." - Bertold Brecht) gab es Naturstücke von zeitgenössischen Schriftstellern und Schriftstellerinnen zu bestaunen. Ein räudiges Tier von Eva Menasse, ein Pailletten-Vögelchen von Teresa Präauer oder Gestein von Raoul Schrott, immer begleitet von Texten der Autoren. Dazu eine Dunkelkammer mit Vogelgezwitscher und einen weißen Raum, der die Farbe wechselt – Gegensätze ziehen sich an. Ein Bett aus Gras, ein Blumenmeer und wunderschöne Hermetosphäre (Mini-Biotope in geschlossenen Gefäßen inklusive tropischer Springschwänze – ich bin sehr begeistert!). 

Bei der begleitenden Blogparade des Literaturhaus Münchens stellt sich die Frage: Was verbindet euch mit Natur? Eine fiese Frage für einen Standard-Stadtbewohner wie mich. Besonders viel Natur bekomme ich normalerweise nicht ab. Ich bin kein großer Spaziergänger, und wenn, dann beschränkt sich das auf Ausflüge in den Nymphenburger Park. Kann man einen von Menschenhand gestalteten Park aber wirklich als Natur bezeichnen? 

Passenderweise sagte jemand bei der Ausstellungseröffnung "Je weiter sich der Mensch von der Natur entfernt, desto intensiver setzt er sich mit ihr auseinander." – vielleicht ist das eine Erklärung, warum ich mir die Natur im Kleinen in die Wohnung hole und meine Sukkulenten-Sammlung wächst und gedeiht. Und anstatt Schnittblumen müde zu belächeln, erfreut sich mein Herz nun regelmäßig an Tulpen in der heimischen Blumenvase. Weswegen die Blumenvase wohl auch der Gegenstand gewesen wäre, den ich der Ausstellung zur Verfügung gestellt hätte, wenn ich ein zeitgenössischer Autor wäre. Konjunktiv-Party!

Wer also den Frühling in kleinen Portionen erleben möchte, dem kann ich "Ins Blaue!" nur empfehlen. Und vielleicht kehrt irgendwann die Sonne aus ihrem Winterschlaf zurück und man kann den Literaturhaus-Garten beim Blühen zugucken. 

Ins Blaue! Natur in der Literatur
Literaturhaus München
Montag bis Freitag 10:00 - 19:00 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage: 10:00 - 18:00 Uhr
Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro

Sonntag, 11. März 2018

Dunkelgrün fast schwarz von Mareike Fallwickl.


Originalausgabe - Erschienen in der Frankfurter Verlagsanstalt - 2018 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar

Moritz, Raffael und Johanna sind immer zu dritt, doch ihre Freundschaft ist Gift. Sechzehn Jahre vergehen, bis das fatale Dreieck erneut zusammenfindet und die Vergangenheit sie einholt – mit unberechenbarer Wucht.

Seit Anfang des Jahres hat wohl jeder, der sich irgendwie in Buchblogs oder bei Bookstagram herumtreibt, dieses waldgrüne Cover das ein oder andere Mal gesehen. Auch ich habe bereits recht früh ein Leseexemplar erhalten und bin doch erst jetzt dazu gekommen "Dunkelgrün fast schwarz" zu lesen. Was auch teilweise daran lag, dass vor dem 05.03.2018 keine Rezensionen veröffentlicht werden durften und ich bin immer ganz schlecht darin, ewig darauf zu warten, einen Blogbeitrag zu veröffentlichen.

Worum geht es?

Der Klappentext lässt es bereits vermuten. Moritz, Raffael und Johanna. Eine Dreiecksgeschichte, die lange vorbei scheint. Aber wann sind Beziehungen wirklich vorbei? Was ist, wenn die Geister der Vergangenheit plötzlich vor deiner Tür stehen? So ergeht es Moritz, der sich mit seiner schwangeren Freundin ein hübsches Nest in Hallein, einem kleinen Städtchen bei Salzburg, gebaut hat. Raffael steht unvermittelt vor seiner Tür. Sechzehn Jahre haben sie sich nicht gesehen, nichts voneinander gehört. Und mit Raffael kehrt das giftige Grün ist Moritz' Leben zurück. 

Mareike Fallwickl erzählt in "Dunkelgrün fast schwarz" die Geschichte einer Freundschaft aus drei Perspektiven. Moritz, der schüchterne Junge, der durch Raffael aus seinem Schneckenhaus herauskommt und in einem Spinnennetz landet. Johanna, die nach einem tragischen Schicksalsschlag Aufmerksamkeit sucht. Und Marie, Moritz' Mutter, die schon früh ahnt, welches gefährliche Potential in Raffael steckt.

Ich bin ganz ehrlich. Ich habe für "Dunkelgrün fast schwarz" fast zwei Wochen gebraucht, um es zu beenden. Wer mich und meine Lesegeschwindigkeit kennt, weiß, dass das nicht gerade normal ist. Abgesehen davon, dass ich unter der Woche selten zum Lesen gekommen bin, habe ich mich teilweise auch davor gedrückt weiterzulesen. Ich hatte in der ersten Hälfte auch zeitweise daran gedacht, nicht über dieses Buch zu schreiben.

Warum?

Weil irgendwie die Chemie zwischen dem Buch und mir nicht gepasst hat. Irgendwas hat immer gezwickt und gezwackt. Ich mochte die Idee, drei Freunde, die sich nach Jahren wiedertreffen und deren gesamte gemeinsame Geschichte auf dem Prüfstand steht. Und obwohl ich auch die Sprache mag, in der man sich sicherlich verlieren kann, so wirkte es insgesamt doch etwas künstlich auf mich. Zu gewollt. Selbst Moritz' Synästhesie, die ich ansonsten wahnsinnig interessant finde, konnte mich nicht richtig überzeugen.

Und ich gebe es zu. Es ist schwer, Kritik an einem Buch zu üben, auf das man sich so gefreut hat. Ein Buch, welches in meiner Filterblase gefeiert wird, weil es "eine von uns" geschrieben hat, denn Mareike ist selbst Buchbloggerin.

Die zweite Hälfte des Buches konnte mich hingegen wieder versöhnen. Die Geschichte nimmt Fahrt auf, die Protagonisten erscheinen weniger kalt und handeln nachvollziehbarer. Auf die Kapitel mit Marie habe ich mich am meisten gefreut, weil ihre Perspektive der ganzen Geschichte noch einmal eine andere Wendung gibt. Und auch sprachlich wird "Dunkelgrün fast schwarz" entspannter, weniger gewollt, mehr gekonnt. 

Vielleicht muss das auch so. Vielleicht ist es gut, dass ich mich als Leser am Buch reibe, es mir nicht zu einfach gemacht wird. Denn so wird "Dunkelgrün fast schwarz" zu einer intensiven Lesearbeit. Unbequem und fordernd. Und schlussendlich wird man für all die Mühe belohnt.

Montag, 5. März 2018

Die Oscar-Nacht 2018 auf einem Blatt.

Wie auch im vergangenen Jahr zelebrierten Herr Gatsby und ich in der vergangenen Nacht die Übertragung der 90. Oscar-Verleihung mit selbstgemachten Hamburgern, einer Folge Neo Magazine Royale zum Wachbleiben und einer Runde Vorschlaf zum Aufwachen. Oder so ähnlich.

Obwohl ich schon 2017 behauptet habe, dass wir zur Vorbereitung auf unser Tipp-Spiel viele der nominierten Filme gesehen habe, hat sich das in diesem Jahr nochmal gesteigert. Von den neun nominierten Filmen für Best Picture habe ich sechs gesehen! Und bei den fiesen, kleinen Kategorien, bei denen ich immer falsch liege (Foreign Language Film, Documentary Feature, Documentary Short, Live Action Short und Animated Short), haben wir alle Trailer gesehen. Mehr Vorbereitung geht gar nicht mehr. 

Vollgepumpt mit Filmeindrücken habe ich es aber dann doch geschafft, nur 9 von 24 Kategorien richtig zu tippen. Ein neuer Negativ-Rekord, yay! Bei Herrn Gatsby sind es 15 von 24 richtigen Tipps. 


Zur Verleihung selbst kann ich irgendwie nur mit den Schultern zucken. War ganz nett, aber auch nicht mehr. Jimmy Kimmel bleibt ein fabelhafter Host, aber gerade für das Jubiläum zur 90. Oscar-Verleihung hätte ich mir ein bisschen mehr Pfiff (oh Gott, wie das Wort klingt) gewünscht. Dass bei Best Picture noch einmal die Presenter Warren Beatty und Faye Dunaway ran durften, um den "La La Land"-Fluch zu besiegen, war eine nette Geste. Die Publikumsaktion mit dem Kino war nicht besonders einfallsreich, weil es quasi dieselbe Aktion vom letzten Jahr war, nur umgekehrt. Trotzdem darf mir Gal Gadot jederzeit Snacks reichen. 

Wenn wir eh schon bei Filmen sind: Mein Lieblingsfilm aus allen nominierten Filmen dieses Jahr ist "Call me by your name". Ich hab lange gebraucht, um zu verstehen, dass das eine Buchverfilmung ist und ich das Buch vor vielen Jahren sogar gelesen habe. Timothée Chalamet ist ein gar wunderbarer Schauspieler und allein die Abspann-Szene hat einen eigenen Oscar verdient. Der Soundtrack ist sehr berührend und bei "Mystery of Love" von Sufjan Stevens bekomme ich jedes Mal feuchte Augen. 

Hat sich jemand von euch auch die Nacht um die Ohren geschlafen, um die Oscar-Verleihung zu sehen? Welcher der Filme hat euch besonders gut gefallen?