Sonntag, 19. September 2021

»Die nicht sterben« von Dana Grigorcea

Originalausgabe - Erschienen im Penguin Verlag - 2021 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar im Rahmen des Deutschen Buchpreises!

B. ist eine kleine Stadt in den Bergen, an der Grenze zu Transsilvanien. Eine junge, in Paris ausgebildete Künstlerin, verbringt hier ihre Sommerferien in der Villa ihrer Großtante. Sie liebt die Natur, die bukolische Landschaft und das einfache Leben der Einheimischen. Was sie lange Zeit nicht wahrhaben will, sind die sozialen Abgründe, die Perspektivlosigkeit und Verzweiflung ihrer Freunde. Das Unheil aber kommt mit dem Fund einer Leiche – übel zugerichtet wie vom Fürsten der Finsternis.


Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2021 ist »Die nicht sterben« von Dana Grigorcea mein Patenbuch beim #buchpreisbloggen. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich vor der Bekanntgabe der Longlist den Titel so gar nicht auf dem Schirm hatte und nicht so recht wusste, was mich da bei der Lektüre erwartet. Ein Glücksfall, wie ich nun feststellen darf, denn wer weiß, ob ich ohne das Buchpreisbloggen überhaupt zu »Die nicht sterben« gegriffen hätte.


Dana Grigorcea erzählt in »Die nicht sterben« eine erfrischend moderne Variante des Dracula-Mythos mit der richtigen Portion Historie, Fantasie und Gegenwartskritik. Inklusive eines kleinen Seitenhiebes auf »Twilight«, was mich als zugegebenermaßen früheres Fangirl doch arg erheitert hat.


Samstag, 11. September 2021

Neu im Bücherregal - Die August-Bücher 2021

Ganz wunderbare Bücher haben sich im Laufe des Augusts hier angesammelt. Und weil ich, wie so oft, jedes Buch gleich direkt lesen möchte, bin ich kurz davor, eine Leseliste für den September zu bauen, damit sich kein Buch vordrängelt oder aus Versehen vergessen wird. Nur sind Leselisten und ich nicht immer die besten Freund*innen, deswegen besteht dieses Vorhaben bisher nur aus einem separaten Bücherstapel, auf welchem sich die beliebtesten Kandidaten für den Platz in meiner Lesehand tummeln. Zwei der August-Bücher habe ich auch schon gelesen und werde noch darüber ausführlich berichten. Deswegen sollte ich nun auch keine Zeit verlieren, es geht nun also direkt weiter, hier die August-Bücher, hurtig-hurtig!

Sonntag, 5. September 2021

Deutscher Buchpreis 2021 - Die Longlist #dbp21

Wieder so eine buchige Tradition, die mir besonders gut gefällt. Der Deutsche Buchpreis! Jedes Jahr hibble ich dem Bekanntgabetermin der Longlist entgegen, gehe auf Jagd nach dem Leseprobenheft, lese interessiert die Leseproben aller nominierten Titel, um sie anschließend bei Twitter mit gifs zu untermalen, schreibe Beiträge zur Long- und Shortlist und freue mich auf die Preisverleihung (mit dem großen Wunschtraum, eines Tages auch bei der Preisverleihung direkt im Kaisersaal des Frankfurter Römer dabei zu sein). 

Dieses Jahr ist der Deutsche Buchpreis ganz besonders für mich, denn ich bin eine von 20 Buchpreisblogger*innen. Jede*r von uns bekommt ein Patenbuch aus der Longlist zugewiesen, welches wir lesen, rezensieren und diskutieren. Außerdem habe ich so direkt ein Leseprobenheft zugeschickt bekommen, die Jagd war dieses Jahr also relativ unspektakulär (mein Wunschtraum mit dem Kaisersaal würde sich dieses Jahr auch eigentlich erfüllen, denn ich habe eine Einladung bekommen, nur werde ich aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie nicht zur Frankfurter Buchmesse fahren. Sehr schade. Vielleicht klappt das irgendwann anders mal). 

Um die Spannung nicht unnötig in die Länge zu treiben, verrate ich direkt mein Patenbuch für den Deutschen Buchpreis: "Die nicht sterben" von Dana Grigorcea. Ich bin ganz ehrlich, ich hatte das Buch bisher so gar nicht auf dem Schirm, bin aber deswegen umso gespannter es zu lesen. 

Überhaupt enthält die Longlist dieses Jahr für mich einige unerwartete und unbekannte Bücher. Bisher habe ich auch nur ein einziges nominiertes Buch gelesen ("Identitti" von Mithu Sanyal. Wirklich großartig!). Ein weiteres nominiertes Buch habe ich letztens gekauft ("Drei Kameradinnen" von Shida Bazyar) und mal sehen, welche Leseproben mich noch dazu bringen werden, die dazugehörigen Bücher zu lesen.

Kommen wir nun aber zur Bewertung. Bei Twitter findet ihr hier den Thread mit passenden gifs zur jeweiligen Leseprobe. Hier folgt nun die höchst offizielle Besprechung inklusive der Smiley-Skala  (😃, 😐, ☹️), einer Zusammenfassung des jeweiligen Textes in einem Satz und einem Lieblingssatz.


Dienstag, 31. August 2021

Das war das Dicke-Bücher-Camp 2021

Huch, es ist schon wieder Ende August? Wie ist denn das passiert? Damit schließt das Dicke-Bücher-Camp für dieses Jahr seine Tore und hinterlässt knapp 3000 Beiträge unter dem Hashtag #dickebüchercamp bei Instagram und hoffentlich unzählige Lesestunden, die ihr mit den dicken Büchern verbracht habt. Es war mir wieder ein Fest, mit euch gemeinsam zu lesen, Bücher zu entdecken und die 500-Seiten-Marke zu knacken. Insgesamt habe ich dieses Mal im Dicke-Bücher-Camp vier Bücher gelesen und stecke bei Buch Nummer 5 auf Seite 181, das wird mich also noch in den September begleiten.


Sonntag, 29. August 2021

Die Überlebenden von Alex Schulman

Originaltitel: Överlevarna - Aus dem Schwedischen von Hanna Granz - Erschienen bei dtv - 2021 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar!

Nach zwei Jahrzehnten kehren die Brüder Benjamin, Pierre und Nils zum Ort ihrer Kindheit – ein Holzhaus am See – zurück, um die Asche ihrer Mutter zu verstreuen. Eine Reise durch die raue, unberührte Natur wie auch durch die Zeit. Im Kampf um die Liebe der Mutter, die abweisend und grob, dann wieder beinahe zärtlich war, haben die Jungen sich damals aufgerieben bis zur Erschöpfung. Heute fühlen sie sich so weit voneinander entfernt, dass es kein Aufeinanderzu mehr zu geben scheint. Und doch ist da dieser Rest Hoffnung, den Riss in der Welt zu kitten, wenn sie sich noch einmal gemeinsam in die Vergangenheit vorwagen.

Intensive Lesestunden verspricht der Verlag mit diesem Debütroman des schwedischen Autors Alex Schulman. Eine Familiengeschichte, die unter die Haut geht. Drei Brüder, ein Sommer am See und all die Tragik, die sich darin widerspiegelt. 

Gemeinsam mit einer lieben Freundin durfte ich "Die Überlebenden" lesen. Mit hohen Erwartungen ging ich in die Lektüre. Ich hatte mir eine Geschichte ähnlich wie "Ein wenig Leben" oder "Mein Ein und Alles" erhofft. Tragisch. Emotional. Melancholisch. Geheimnisvoll. Intensiv. All diese großen Adjektive streift Alex Schulman zwar, schlussendlich bleiben sie doch hohl. 

"Ihre Köpfe sanken tiefer Richtung Oberfläche. Die Armbewegungen wurden kürzer. Zu Beginn hatte das Wasser von ihren Schwimmzügen geschäumt, jetzt schwieg der See. An der Boje drehte Benjamin sich um. Ihr Sommerhaus ein roter Legostein in der Ferne. Erst jetzt wurde ihm klar, wie weit es zurück zum Ufer war." (Seite 23)

Benjamin, Pierre und Nils kehren als Erwachsene nach dem Tod ihrer Mutter zurück zum Ferienhaus ihrer Familie. Dort verlebten sie vor über 20 Jahren einen Sommer, der die Geschichte der Familie für immer verändern hat. Alex Schulman verwebt die Vergangenheit mit der Gegenwart sehr gekonnt, indem er abwechselnd zwischen den beiden Zeitebenen hin- und herspringt und außerdem die Gegenwartsebene rückwärts erzählt. Als Leser*in wissen wir also schon, auf was alles hinausläuft. Oder eben nicht. Denn der große Knall kommt am Ende. Oder eben doch am Anfang. 

Neben dem gelungenen Aufbau der Geschichte beschreibt der Autor gekonnt die melancholische Atmosphäre eines längst vergangenen Sommers mit all den Farben, Gerüchen, Gefühlen, Gedanken, die damit verbunden sind. Ein Sommerhaus am See, irgendwo in Schweden, umgeben von einem dichten, dunklen Wald zum Erkunden und Verstecken – hier kommt man leicht ins Träumen. Dabei ist die Kindheit der drei Brüder ein mystisch-verklärter Raum, zu dem man nicht zurückkehren kann und der doch, trotz aller dunklen Geheimnisse, ein Sehnsuchtsort bleibt. 

"'Eins weiß ich über Wälder', sagte Papa. 'Und zwar, dass jeder seinen eigenen Wald in sich trägt, den er in- und auswendig kennt und der ihm Geborgenheit gibt. Und einen eigenen Wald zu haben, ist das Schönste, was es gibt.'" (Seite 62)

Und trotzdem. Für mich kann "Die Überlebenden" schlussendlich eben doch nicht überzeugen. Das liegt vor allem an den Charakteren, die blutleer in einer sehr atmosphärischen Kulisse agieren. Da sind die drei Brüder, deren Geschichte wir aus Benjamins Sicht erzählt bekommen. Benjamin ist der mittlere der drei  Brüder und auf der Suche nach seinem Platz in der Familie. Dabei ist es besonders die Mutter, um deren Anerkennung er erfolglos ringt. Die Beziehung der Eltern zueinander ist undurchsichtig kühl und die  Kälte, die zwischen den Eltern und den Kindern herrscht, könnte für spannungsvolle, leise vor sich hin brodelnde Konflikte sorgen. Aber all die passiven Brandherde werden nur leicht gestreift, damit die große Enthüllung am Ende besonders schockierend ist. Wobei sich hier die Frage stellt, ob es diese überhaupt gebraucht hat.   

Zurück bleibt dieses zwickende Gefühl, dass hier eine Chance ungenutzt bleibt. Denn auch ohne große Tragik ist das Familienleben oft tragisch genug.