Montag, 31. August 2015

Deutscher Buchpreis 2015 - Die Longlist #deutscherbuchpreis

Wie letztes Jahr hat es wieder etwas länger gedauert, bis ich das Heft mit den Leseproben zum Deutschen Buchpreis 2015 ergattert habe. Wobei ich dieses Mal direkt zum Hugendubel am Marienplatz gegangen bin. Dort gab es einen Buchpreis-Tisch und auf dem  Buchpreis-Tisch lagen 2 (in Worten: ZWEI) Leseproben-Hefte. Die Fragen, die sich nun aufdrängen: Haben die noch mehr Exemplare versteckt? Drucken die Buchpreis-Verantwortlichen nur zehn Exemplare und verteilen die über ganz Deutschland? Leben in München ultraviele Menschen, die am Buchpreis interessiert sind? Wer mir diese Fragen beantwortet, bekommt ein Stück Streuselkuchen (der übrigens sehr lecker ist). Bis dahin darf man sich an der nun folgenden subjektiven Bewertung der 20 Longlist-Titel erfreuen. Wie schon im letzten Jahr bekommt das ganze einen fancy Titel:

Nordbrezens Deutscher-Buchpreis-Longlist-Leseproben-Lese-Erfahrung

Ich versuche den Inhalt der Leseprobe in einem Satz wiederzugeben, habe meinen Lieblingssatz rausgestrichen und verrate, ob ich weiterlesen bzw. natürlich das komplette Buch lesen würde. Und weil mich das letztes Jahr mit den Covern unfassbar genervt hat, gibt es einfach Grüppchenbilder der Cover. So.


Baba Dunjas letzte Liebe von Alina Bronsky. Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch.
Baba Dunja hat einen Plan und der Hahn ist tot.
"Seine innere Uhr ist durcheinander, schon immer gewesen, aber ich glaube nicht, dass es mit der Strahlung zu tun hat. Man kann sie nicht für alles, was blöd zur Welt kommt, verantwortlich machen."
Weiterlesen? Joah, klingt auf jeden Fall recht amüsant. 

Die Liebenden von Mantua von Ralph Dutli. Erschienen im Wallstein Verlag.
Ein Mann wartet und Vergil beobachtet.
"Hier liegt alles nicht weit von allem, die Altstadt ist eine Walnuss, ein flink verwinkeltes Centro storico, die Gassen und Gässchen ein Geflecht aus Mittelalter und Renaissance, die Plätze, Durchgänge, Tunnelgewölbe führen dich im Kreis herum, spiegeln sich gern gegenseitig, du stehst dir immer wieder selbst erstaunt gegenüber."
Weiterlesen? Nee. Klang insgesamt sehr belanglos.

Gehen, ging, gegangen von Jenny Erpenbeck. Erschienen im Albrecht Knaus Verlag.
Unterirdische Tunnel und auf dem Platz darüber gibt es einen Hungerstreik.
"Was erzählt eigentlich so ein Bild, dem die Erzählung abhandengekommen ist?"
Weiterlesen? Nicht unbedingt. Trotz aktueller Flüchtlingsthematik fehlt mir der Anreiz weiterzulesen. Dabei finde ich den Titel des Buches sehr prima.

Winters Garten von Valerie Fritsch. Erschienen im Suhrkamp Verlag.
Die Kindheit im Garten.
"Alles lebte und wandelte stetig seine Form, kam, ging schlug Wurzeln und verschwand in diesem Bienenstock."
Weiterlesen? Unbedingt. Von Valerie Fritsch bin ich seit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ein heimlicher Fan, deswegen steht das Buch auch schon auf meiner Wunschliste. 

Eigentlich müssten wir tanzen von Heinz Helle.
Eine Gruppe von Männern durchstreift verlassene Dörfer. Erschienen im Suhrkamp Verlag.
"Nach ein paar Minuten löst sich der Straßenbelag völlig auf, wird zu Schotter, der Schotter wird spärlicher, die Straße wird zu einem Weg, und der Weg wird zum Pfad, und der Pfad wird Boden."
Weiterlesen? Nachdem mich die Leseprobe irgendwie an Thomas Glavinic erinnert, kann die Antwort nur lauten: Ja!


Aberland von Gertraud Klemm. Erschienen im Literaturverlag Droschl.
Über Begebenheiten im Freibad und das Älterwerden.
"Immer reden sie durcheinander, viel über ihre Männer, vor allem über die Krankheiten der Männer und über die künstlichen Hüftgelenksköpfe der Männer und die Kinder, die ihre Männer ihnen gemacht haben, und was die jetzt wiederum beruflich oder familiär leisten."
Weiterlesen? Joah, vielleicht. Klingt nach einem fies-gemeinem Buch, das kann ja auch manchmal recht nett sein.

Risiko von Steffen Kopetzky. Erschienen im Verlag Klett-Cotta.
Ein deutscher Soldat versucht den afghanischen Emir zu töten und ein Falke fliegt.
"Und mit einem Mal die See. Weiße Städte am Mittelmeer. Der Himmel über der See. Ein Schiff."
Weiterlesen? Nee. Das Buch fand ich schon uninteressant, als es vor ein paar Monaten einmal bei "Druckfrisch" vorgestellt wurde. 

Über den Winter von Rolf Lappert. Erschienen im Carl Hanser Verlag.
Schlittenfahrt auf der zugefrorenen Außenalster.
"Er versuchte,nicht an sein Bett zu denken, nicht an erlösenden Schlaf und die Leichtigkeit nach dem Aufwachen, die einem das Gefühl gab, wieder ganz zu sein, beinahe stark genug, um sein Leben zu meistern."
Weiterlesen? Wenn man die Außenalster - also Hamburg - erwähnt, bin ich eh schon neugierig. Von Rolf Lappert habe ich bereits "Nach Hause schwimmen" gelesen und das fand ich ganz gut, deswegen - ja, kann man mal lesen. 

Wie Ihr wollt von Inger-Maria Mahlke. Erschienen im Berlin Verlag. 
Mary Grey will ihre Schuhe nicht anziehen und ist auch sonst sehr ungehorsam.
"Werde immer kindischer. Schrumpfe, nicht äußerlich, nein, da ist es nicht schlimmer als sonst, mein Inneres, was immer das ist, schrumpft. Wird immer kleiner, bis es in ihre Erwartung passt."
Weiterlesen? Klingt trotz historischem Thema auf jeden Fall interessant. Kann man sich mal merken.

Das bessere Leben von Ulrich Peltzer. Erschienen im S. Fischer Verlag.
Draußen Lärm und Straßenkampf, drinnen ein Mann im Bett mit Bier.
"Es klickte (wie ein Bolzen, der auf eine leere Trommel trifft), das Rauschen der Klimaanlage verebbte nach und nach, bis wieder nichts als Stille da war, ein klebriges Gefühl auf der Haut, Atem und Herzschlag."
Weiterlesen? Nein. Hatte für mich keinen interessanten Aspekt. 


Eine Jugend in der DDR im Schwimmbad. Schon wieder ein Schwimmband.
"Als der Sommer kam, der die Welt verändern sollte, drapierte ich mein Bettzeug so, dass es aussah, als läge jemand darin, öffnete das Fenster und sprang in die Nacht. Das war keine große Sache; wir wohnten im Hochparterre. unter dem Fenster wuchs schon kein Gras mehr deswegen."
Weiterlesen? Der Text hat Fußnoten, Fußnoten gewinnen immer. Also, ja. 

Eins im Andern von Monique Schwitter. Erschienen im Literaturverlag Droschl. 
Die Lesung einer Autorin wird von den Gläubigern ihres Mannes gestört.
"Weil das Publikum dazu neigt, eine Icherzählerin für die Autorin zu halten, eine Neigung, die sich verstärkt, wenn die Autorin ihren Ichtext auch noch selbst vorliest."
Weiterlesen? Ja! Spielt da etwa jemand mit den Erwartungen des Lesers? Inklusive "Thomas Glavinic - Das bin doch ich"-Assoziation!

Die Stunde zwischen Frau und Gitarre von Clemens J. Setz. Erschienen im Suhrkamp Verlag.
Die wilde Verfolgungsjagd eines Heißluftballons mit einem Taxi endet nach wenigen Minuten.
"- Folgen Sie diesem Heißluftballon!
Der Taxifahrer drehte den Kopf und schaute in die Richtung, in die Natalies Arm wies."
Weiterlesen? Hallo? Heißluftballonverfolgungsjagd? Natürlich möchte ich das lesen!

Bodentiefe Fenster von Anke Stelling. Erschienen im Verbrecher Verlag.
Die Erzählerin hat eine Freundin mit Kind, die der Vater gar nicht möchte.
"Ich muss die, die ich liebe, verlassen und darauf warten, dass sie sich zugrunde richten oder sich selbst helfen, dass sie freiwillig etwas ändern oder sterben."
Weiterlesen? Hmm. Hier müsste ich vielleicht noch etwas mehr lesen. Die Leseprobe selbst wirkt etwas langweilig.

Macht und Widerstand von Ilja Trojanow. Erschienen im S. Fischer Verlag.
Über Nachrichten in der Zeitung und Stammtischtreffen in einer Kneipe.
"Zwei Zeitungen pro Tag kann ich mir leisten. Beim Kauf einer dritten muss ich mich beim Abendessen einschränken."
Weiterlesen? Nein. Für mich uninteressant.


Lucia Binar und die russische Seele von Vladimir Vertlib. Erschienen im Deuticke Verlag.
Eine alte Frau wartet auf ihr Mittagessen und darauf, dass ihr jemand ihren Lieblingsgedichtband aus dem Regal herunterholt.
"Wenn ich jetzt sterbe, dann kann ich damit leben."
Weiterlesen? Hm. Nicht unbedingt. Wirkt auf mich sehr ähnlich wie "Baba Dunjas letzte Liebe", aber ohne den Humor. 

Applaus für Bronikowski von Kai Weyand. Erschienen im Wallstein Verlag.
Die Empfehlung einer Bäckereifachverkäuferin führt den Protagonisten direkt zu einem Bestattungsunternehmen.
"Ich frage Sie doch, weil Sie eine Bäckereifachverkäuferin sind. Ein dreifach zusammengesetztes Hauptwort, das ist schon was, und das Entscheidende steht in der Mitte: Fach. Sie sind vom Fach, ich bin es nicht. Ich verlasse die Bäckerei erst, wenn Sie mir etwas empfohlen haben."
Weiterlesen? Aber ja! Sehr gerne sogar. 

Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 von Frank Witzel. Erschienen im Verlag Matthes & Seitz Berlin.
Ich habe keine Ahnung, um was es geht. Meine Bleistiftnotiz sagt deswegen auch nur: "Hä?"
"Ich sitze mit meinem Malkasten und meinen Buntstiften auf dem Speicher und male ungelenk Fluchtpläne auf gewelltes Zeichenblockpapier."
Weiterlesen? Ich denke nicht, nein.

Der Fuchs und Dr. Shimamura von Christine Wunnicke. Erschienen im Berenberg Verlag.
Ein alter Arzt erinnert sich.
"Davor wollte er zu Bett gegangen sein, dachte Shimamura, doch erst  knapp davor, denn man könne ja schlecht immer vorsorglich zu Bett gehen."
Weiterlesen? Nein. Die Leseprobe fand ich schon arg langweilig. 

Siebentürmeviertel von Feridun Zaimoglu. Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch.
Der Tod einer Krähe und ein Kampf.
"Das ist der Acker unserer ersten Schande. Schnabelklappern der Vögel, die auf Zypressenästen nisten. Asche am Himmel, es brennt die windschiefe Scheune auf der Brache."
Weiterlesen? Hm, ich denke nicht. Sprachlich ist es zwar recht schick, aber ich weiß nicht, ob das ausreicht.

Meine Favoriten sind damit (beschränkt auf die Anzahl der Shortlist-Plätze, also sechs Stück): 
- Winters Garten von Valerie Fritsch
- Eigentlich müssten wir tanzen von Heinz Helle
- 89/90 von Peter Richter
- Eins im Andern von Monique Schwitter
- Die Stunde zwischen Frau und Gitarre von Clemens J. Setz
- Applaus für Bronikowski von Kai Weyand

Am 16. September wird eben jene Shortlist veröffentlicht, mal sehen, ob meine Favoriten sich in der Liste wiederfinden. Die offizielle Bekanntgabe des Preisträgers ist dann am 12. Oktober.

Sonntag, 30. August 2015

Fotobreze - August 2015

August vorbei, der erste prima Arbeitsmonat vorbei und im Ofen steht ein Streuselkuchen. Läuft bei mir. Solange der Kuchen nun abkühlt, kann ich den Monatsrückblick schreiben, der dieses Mal irgendwie kürzer ausfällt als sonst. Vielleicht sollte ich mal eine S-Bahn fotografieren. Das neue Fortbewegungsmittel, welches mich zur Arbeit bringt. Und wieder nach Hause. Wenn die S-Bahn fährt. Meistens hat sie Verspätung. Und warum habe ich eigentlich nicht all die schönen Zeichnungen und Sprüche von der Whiteboard-Wand in der Arbeit fotografiert? Wir sind Lagerstätten unseres Glücks! Oder so ähnlich. Der kleine Prinz wäre stolz auf uns. 


// Kaum bin ich da, zieht die Arbeit um und überall hängt Kunst. Oder kann das weg? //


// Da klebt ein Vampir-Minion auf meinem Bein. Hilfe? //
// Man kann auch mal den To-Do-Block für Kritzelkram benutzen //
// Und der Hund trägt seinen Schirm selber. Braver Hund //


// Beim Buch komme ich gerade nicht weiter, aber die Verfilmung von "Am grünen Rand der Welt" hat mir sehr gut gefallen //
// Und Herr Gatsby bringt mir Bücher mit ♥ //
// Die Blumenhose ist aber auch wirklich bequem, die muss man ständig tragen. Und auf Fotos macht die sich auch gut //


// Touristen-Marina entdeckt neue Dinge in München. Dieses Mal: Den Friedensengel //
// Go home, Runtastic, you're drunk! //
// Getränke kühlt man am besten in einem niedlichen Kinderplanschbecken, jawohl //


// Mit diesem Foto hol ich mir den Twitter-Fame. Lebkuchen im August. Ich mag ja Lebkuchen ja einfach nie //
// Wenn die Blu-rays plus ein Notizbuch nur 20 Euro kosten, kann man sich auch mal den Hobbit kaufen, auch, wenn die Filme schlecht sind //
// Ich hab die Leseproben zum Deutschen Buchpreis! Ein Wunder! In den nächsten Tagen folgt hierzu ein Blogeintrag //

Sonntag, 23. August 2015

Solitaire von Alice Oseman.


Originaltitel: Solitaire - Aus dem Englischen von Anja Galić - Erschienen im Deutschen Taschenbuch Verlag - 2015

Mein Name ist Victoria Spring. Manchmal hasse ich Menschen. Für meine seelische Gesundheit ist das wahrscheinlich ziemlich übel. Okay, vielleicht hasse ich nicht jeden. Aber die Liste meiner Freunde sieht im Moment so aus:
1. Michael Holden - derzeit heißester Anwärter auf den Titel Freund. Oder besser nicht.
2. Becky Allen - früher beste Freundin, jetzt anscheinend nicht mehr.
3. Lucas Ryan - s.o.
Das ist die Geschichte von Tori. Michael. Becky. Lucas. Und dem Jahr, das alles veränderte.

Tori Spring ist eigentlich der Durchschnittsteenager. Immer traurig, immer voll Weltschmerz, im Internet aktiv, in der Schule gelangweilt. Für mich ist das jedenfalls der Durchschnittsteenager, weil ich selbst als Teenager oft genau so war. Toris langweiliges Leben wird durch Solitaire durcheinandergewirbelt. Und damit ist nicht das überaus beliebte Computerkartenspiel gemeint. Solitaire ist eine anonyme Schülergruppe, die die Schule terrorisiert und über die Anschläge auf einem Blog berichtet. Blog! Tori hat natürlich auch einen Blog (obwohl im Buch immer nur gesagt wird, dass Tori einen Blog hat. Es wird nie gezeigt, was sie schreibt, das fand ich ein bisschen schade). Tori surft auch stundenlang durch Tumblr. Wahrscheinlich ist mir Tori deswegen ans Herz gewachsen. Auch, wenn sich meine Tumblr-Aktivitäten auf die Suche nach passenden gifs beschränken. Obwohl Tori Solitaire erst ignoriert, versucht sie irgendwann doch herauszufinden, wer oder was hinter der Gruppe steckt, nachdem ihr auffällt, dass fast alle Aktionen etwas mit ihr zu tun haben. 

Neben Solitaire bringt auch Michael Holden Tori durcheinander. Michael ist neu an der Schule, ein klein wenig verrückt (aber er ist Eisschnellläufer. Hallo? Wie toll ist das denn?) und versucht, eine Freundschaft zu Tori aufzubauen. Tori ist das gar nicht recht, ist sie doch eher die Einzelgängerin, die zwar einige Freunde hat, sich in dieser Freundesgruppe aber eher zurückhält und sich nur treiben lässt. Im Schneckenhaus versteckt. 

Ich frage mich, wie Michael es einfach so schafft, aus etwas Kaltem etwas Wunderbares zu machen. Ich frage mich, ob viele Leute so sind, und dann frage ich mich, ob ich auch so wäre, wenn ich nicht ständig grübeln würde.

Alice Oseman hat "Solitaire" mit gerade mal 17 Jahren geschrieben. Und ich finde, das merkt man auch. Damit meine ich jetzt nicht, dass das Buch stilistisch unausgereift wirkt, sondern, dass man sehr viele popkulturelle Erwähnungen aus der jetzigen Zeit findet. Harry Potter! Sherlock! Muse! Twilight! Hunger Games! Wenn man ein Universal-Medien-Fangirl ist, wird man sich an diesen Anspielungen erfreuen. Und gleichzeitig ist das sicherlich die größte Schwäche von "Solitaire". Ich denke, in ein paar Jahren kann man das Buch nicht mehr lesen, weil man es nicht mehr versteht. Es bleibt die Teenager-Selbstfindungs-Geschichte, die man in vielen anderen Büchern auch finden kann. In diesem Fall finde ich es aber erstaunlich, wie es Oseman hinbekommt, auch die Nebencharaktere (allen voran Charlie, der Bruder von Tori, und Nick, der Freund von Charlie) glaubwürdig und durchdacht zu beschreiben und sich nicht nur auf die Hauptprotagonisten zu konzentrieren. Weitere Abweichung: Das Buch spielt in England! Spielen nicht alle Teenager-Jugendbücher immer in den USA? So müssen die Schüler Schuluniformen tragen und alle trinken immer Tee. Michael trinkt immer Tee. Tori mag keinen Tee. Tori trinkt die ganze Zeit Diät-Zitronenlimo. 

The Times sagt über "Solitaire": "'Der Fänger im Roggen' für das digitale Zeitalter."

"Solitaire" sagt dazu:
Becky seufzt. "Großer Gott. Muss man als Jugendlicher immer gleich mit diesem Buch verglichen werden, nur weil man mal traurig ist?"
[...]
"Ich meine, hat irgendjemand von euch es überhaupt schon mal gelesen", fragt Becky. 
Es ertönt ein einstimmiges "Nein".

Das ist lustig, weil es wahr ist.

Samstag, 22. August 2015

Das SuB-Buch der Woche - Folge 36


Bücher, die keinen Klappentext haben, sind wirklich noch schlimmer als Bücher, die als Klappentext ein Zitat haben. Die Rückseite des heutigen SuB-Buch der Woche zeigt ein Foto des Autors, das ist in diesem Fall ein guter Ersatz für einen Klappentext, weil es für sich selbst spricht.

Thomas Mann - Tagebücher 1918-1921

Ein Geburtstagsgeschenk! Und ich habe es immer noch nicht gelesen, da schäme ich mich gar sehr. Das tue ich sogar wirklich, denn obwohl ich bisher nur ein einziges Werk von Thomas Mann gelesen habe ("Der kleine Herr Friedemann", über meine traurige Beziehung zu "Der Zauberberg" lege ich den Mantel des Schweigens. Irgendwann werde ich bereit sein, das Buch endlich weiterzulesen. Irgendwann), finde ich den Mann als Person doch sehr faszinierend. Den Einfluss, den er auf die Literatur und auf Deutschland hatte. Wie oft er mir während meiner Masterarbeit begegnet ist! In der Biografie von Gottfried Bermann Fischer gibt es eine Episode, wo Thomas Mann GBF (hach, ich kann es immer noch - mein erster Reflex war es auch gerade, im Register der Tagebücher nachzugucken, ob was über GBF und CZ steht ...) fragt, ob er (GBF) denn wirklich weiterhin Verleger sein möchte. Voll unverschämt! Und in einer anderen Episode fragt Thomas Mann, an welche seiner Werke man sich wohl nach seinem Tod noch erinnern wird. Der bescheidene Mann. 

Auch, wenn ich das sehr oft an dieser Stelle schreibe, aber die Tagebücher von Thomas Mann muss ich wirklich bald demnächst mal lesen. Tagebücher lesen hat immer so einen Reiz des Verbotenen. Tagebücher von fremden Menschen liest man schließlich nicht. hat Thomas Mann ein Tagebuch mit einem Schloss dran verwendet? 

Sonntag, 16. August 2015

Schöne Töchter von Flix.


Originalausgabe - Erschienen im Carlsen Verlag - 2015

Ich bin kein großer Comic-Leser. Oder Graphic-Novel-Leser. Früher als Kind mochte ich Mickey Maus, Das Lustige Taschenbuch und Bussi Bär. Als in der Schule Mangas angesagt waren, war ich zu doof, die geänderte Leserichtung zu verstehen. Jetzt lese ich manchmal (means: immer, wenn Herr Gatsby sich ein neues Buch kauft) Mahler, Nikolas Mahler, weil der mit so wenigen Strichen so viel erzählt. Ganze Bücher  nacherzählt. Da wird sogar Thomas  Bernhard erträglich. 

Dies also als kleine Einführung in den Themenkomplex "Marina und die Comics", ein Themenkomplex, der gar kein Themenkomplex ist, weil dafür viel zu klein.

Nun hat mich aber vor gut einem Monat das Internet dazu verführt, doch ein Comicbuch zu kaufen. Und zwar von Flix. "Schöne Töchter" heißt das Buch, die Comics erscheinen jeden Sonntag im Tagesspiegel und es gibt sie auch alle online. Warum kauf ich mir also ein sehr großes Comicbuch, wenn ich doch eh schon (fast) alle Comics daraus kenne?

1. Weil ich "Schöne Töchter" wirklich sehr gerne mag
2. Weil ich durch die Vorbestellung eine persönliche Widmung von Flix bekommen habe (und ich albern bin)


Wenn ich mich richtig erinnere, war Folge 4 mein erster Kontakt mit den schönen Töchtern. Und ich saß damals am Laptop und musste heulen. Auch schön. Danach wurde das Archiv durchwühlt, bei Facebook "Gefällt mir" geklickt und ich freute mich regelmäßig über die neuen Folgen von "Schöne Töchter". 

Ich mag an "Schöne Töchter", dass Flix es schafft, die unterschiedlichsten Frauentypen auf Papier zu bringen. Und nicht nur äußerlich unterscheiden sich die Flix-Töchter, jede Figur hat ihre eigene Persönlichkeit, jede verweist auf ein anderes Thema im Leben einer Frau. Einer Tochter. Eigentlich eines Menschen. Ja, es geht viel um Liebe. Aber eben nicht nur. Und auch nicht nur in der Friede-Freude-Eierkuchen-Version. 
Und - im Gegensatz zu den geschätzten Mahler-Comics - lässt sich bei Flix in jedem Comic so viel entdecken. Großer Vorteil der Buchausgabe. Man kann die Bilder ganz genau betrachten, ohne Hinzoomen. Also. Schon mit Hinzoomen. Aber mit manuellem Augenzoomen. 


Dendemann sagt dazu sehr richtig: "Schatz, guck mal! Der Flix hat 128 wundervolle  neue Seiten an Dir entdeckt."