Dieser furchtbar lange Januar liegt nun endlich hinter uns, wie passen so viele grau-trübe Stunden nur in 31 Tage? Wobei ich davon mindestens sieben Tage in einer Erkältungsblase verbracht habe und mich mit Krankmeldung daheim furchtbar gelangweilt habe. Die geplante Fahrt nach Berlin musste deswegen auch ausfallen. Kleine Lichtblicke gab es aber mit dem Besuch der Live-Podcast-Veranstaltung zum »Bohnigen Wachmacher« und zwei Theaterbesuchen (»Warten auf Godot« und »Beton«). Es wurde Kaffee getrunken und ins Kino gegangen (besonders empfehlenswert: »Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke«). Und ich habe ein neues Strickprojekt begonnen, auf das ich jetzt schon sehr stolz bin, obwohl ich wirklich sehr langsam stricke, aber ich glaube, das wird richtig schön. Außerdem wurde erstaunlich viel gelesen. Das kann gerne so weitergehen.
»Der Gott des Waldes« von Liz Moore. Aus dem Englischen von Cornelius Hartz.
Nein, selbstverständlich hat meine Lektüre dieses Buches fast gar nicht damit zu tun, dass Taylor Swift dieses Buch während der Eras-Tour als Hörbuch gehört hat, wie man ganz wunderbar in der ganz wunderbaren Doku zur Tour sehen konnte. 2021 hab ich »Long Bright River« von Liz Moore gelesen und wenn ich mich noch richtig erinnern kann, fand ich es für einen Krimi-Thriller-Spannungsroman ganz nett, das wird aber auch einfach nie mein Genre werden. »Der Gott des Waldes« erzählt vom Verschwinden eines 13-jährigen Mädchens aus einem Feriencamp und was das mit der vergeblichen Suche nach ihrem Bruder vor 14 Jahren zu tun hat. Spannend, ja, aber nicht nervig-spannend auf den Showeffekt geschrieben. Das war auf jeden Fall ein guter Lektüreeinstieg für 2026.
»Wachskind« von Olga Ravn. Aus dem Dänischen von Alexander Sitzmann.
»Wachskind« erinnert mich im besten Sinne an »Wachs« und das liegt wirklich nicht am Wort, wobei mich das schon auch ein wenig amüsiert. Olga Ravn erzählt aus der Perspektive einer Wachspuppe, deren Herstellerin (oder besser Mutter?) im Dänemark des 17. Jahrhunderts für eine Hexe gehalten wird. Eigener Stil, faszinierende Geschichte, diese Kombi mag ich wirklich am allerliebsten.
Der Roman von Markus Thielemann stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreis 2024 und zum Start ins neue Jahr dachte ich mir, wäre so eine naturverbundene Schäfergeschichte doch ganz nett. War sie auch. Ganz nett. Ich hatte irgendwie einen anderen Fokus erwartet und wäre bei noch mehr Naturewriting eher mitgegangen. So wars mir ein bisschen zu viel Coming of Age, wenn man das bei einem 19-Jährigen so sagen kann.
»Good Girl« von Aria Aber.
Ich hatte hier zu Beginn starke »Cleopatra and Frankenstein«-Vibes, aber boy. Nee, das war dann leider doch gar nicht meins. Party-Drogen-Exzess-Toxische-Beziehungs-Geschichten sind irgendwie so gar nicht meins. Das ärgerliche ist aber, dass mir der Stil von Aria Aber wirklich gut gefallen hat. Vielleicht muss ich einfach auf ein anderes Buch von ihr warten.
»Mädchen, Frau etc.« von Bernardine Evaristo. Aus dem Englischen von Tanja Handels. Gelesen von Constanze Becker.
Diese Lektüre war besonders wild. Und das liegt gar nicht mal so sehr am Inhalt, sondern an der Art, wie ich den Inhalt konsumiert habe. Die aktuelle Buchclub-Lektüre hab ich nämlich schon vor Jahren in der englischen Ausgabe gekauft und nach dem ersten, sehr anstrengenden Kapitel bin ich auf das deutsche Hörbuch umgestiegen, weil ich so nebenbei stricken konnte. Deswegen ist das jetzt ein bisschen gemogelt, weil ich die englische Ausgabe fotografiert habe, aber davon eigentlich nur die ersten vierzig Seiten gelesen habe, aber dieses Fass von wegen »Hörbücher hören zählt nicht als Bücher lesen« machen wir an dieser Stelle gar nicht auf (weil es auch Quatsch ist). Stattdessen erfreue ich mich sehr, das Buch (in welcher Form auch immer) endlich konsumiert zu haben, weil es sehr gut ist und ich diese verschiedenen Perspektiven und wie sie miteinander verknüpft sind, wirklich sehr gefeiert habe.

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