Mittwoch, 28. Dezember 2022

Meine 5 Leseperlen 2022

Das Jahr 2022 läuft zwar noch ein paar Tage, doch bei all den Feiertagen und den damit verbundenen Schmausereien und Besuchen wird die Lesezeit wohl etwas geringer ausfallen, sodass ich höchstwahrscheinlich kein Buch mehr beenden werde. Deswegen wage ich mich an einen ersten Abschluss des Lesejahres 2022 und möchte euch die fünf Bücher vorstellen, die ich als meine Leseperlen 2022 bezeichnen würde. Fünf Bücher, die auf ganz unterschiedliche Art einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen haben (meine Lieblingsbücher 2021 findet ihr hier).


Das hier sind nun also meine fünf Lieblingsbücher 2022:

»Dschinns« von Fatma Aydemir (da ich das Buch zur Zeit verliehen habe, hier nur als Platzhalter im Foto)
Selbstverständlich hat »Dschinns« auch auf meiner Lieblingsbücher-Liste einen Platz gefunden, denn es ist sehr, sehr gut und wenn ihr es immer noch nicht gelesen haben solltet, dann tut das jetzt mal. Punkt. Ich habe schon sehr lange nicht mehr eine so gute Aufarbeitung einer Familiengeschichte gelesen, die jedem Familienmitglied so viel Eigenständigkeit zugesteht, wie »Dschinns«. 
»Denn niemand hat verstanden, dass sich diese Stadt niemals erobern lässt, von niemandem. Am Ende nämlich erobert die Stadt immer dich.« (Seite 11)

»Cleopatra and Frankenstein« von Coco Mellors.
Bereits im Mai habe ich angedeutet, dass »Cleopatra and Frankenstein« einen sicheren Platz in meiner Lieblingsbücher-Liste hat und genauso ist es auch. Dieses Buch erzählt von der Liebe ganz ohne Kitsch und Pathos, lässt einen schmelzen und tut genau an den richtigen Stellen weh. Ich bin wirklich schwer verliebt. Deswegen freue ich mich gar sehr, dass das Buch schon ins Deutsche übersetzt wurde und hoffentlich bald erscheint. Denn obwohl ich sonst nicht dazu neige, Bücher zweimal zu lesen (man fragt sich, warum ich trotzdem so viele Bücher behalte, wenn ich sie nicht nochmal lese, aber das würde nun den Rahmen sprengen), möchte ich hier sehr gerne nochmal die deutsche Übersetzung lesen. 
»When the darkest part of you meets the darkest part of me, it creates light.« (Seite 37)

»Nevermore« von Cécile Wajsbrot. Aus dem Französischen von Anne Weber.
Für dieses Buch braucht man Zeit und Muße, aber dann beschenkt es die Leser*innen mit faszinierenden Einblicken in die Arbeit einer Übersetzerin, was für mich wirklich sehr bereichernd war. Die Arbeit der deutschen Übersetzerin Anne Weber kann man an dieser Stelle nicht genügend würdigen, denn sie hat es fabelhaft geschafft, ein französisches Buch über das Übersetzen von Virginia Woolfs »To the Lighthouse« gekonnt einzufangen. Eigentlich wollte ich zu »Nevermore« noch eine längere Rezension schreiben, das hat bisher nicht so gut geklappt, aber vielleicht verbinde ich das 2023 direkt mit der Lektüre von »To the Lighthouse« und mach daraus eine muntere Bücher-Collage.
»Vorher war mir nicht bewusst, wie viel Vertrauen es braucht, um zum Beispiel ein Buch zu kaufen, es in seinen Bücherschrank zu stellen und sich zu sagen, ich behalte es für später, oder mit dem Lesen anzufangen und das Buch wieder hinzulegen, weil man spürt, dass der rechte Moment dafür noch nicht gekommen ist.« (Seite 83)

»Frei« von Lea Ypi. Aus dem Englischen von Eva Bonné.
Dieses Buch hat mich beim Lesen gleichermaßen überrascht wie gepackt. Lea Ypi erzählt von ihrer Kindheit in Albanien und wie es ist, mit einer großen, politischen Lüge in der eigenen Familie aufzuwachsen. Dabei liest sich »Frei« wie ein sehr gut geschriebener Roman, der nur keiner ist, denn alles im Buch ist tatsächlich so passiert. Eine extrem lehrreiche Geschichtsstunde über Kommunismus, Kapitalismus und kaputte Kindheitserinnerungen. 
»Und nun war mir nichts geblieben als kleine, rätselhafte Splitter aus Vergangenheit, wie einzelne Noten einer längst verschollenen Oper.« (Seite 142)

»Erinnerung eines Mädchens« von Annie Ernaux. Aus dem Französischen von Sonja Finck.
Annie Ernaux schafft es wie keine andere, ihr eigenes Leben literarisch aufzuarbeiten. Von all den Büchern, die ich bisher von ihr gelesen habe, hat mich »Erinnerung eines Mädchens« am meisten beeindruckt, weil man hier ihren Kampf beim Schreiben und das Ringen um Authentizität am meisten spürt. 
»Ich habe begonnen, mich selbst zu einer literarischen Figur zu machen, zu jemanden, der die Dinge so erlebt, als müssten sie eines Tages aufgeschrieben werden.« (Seite 155)

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