Freitag, 18. September 2026

Lesezeit im August 2026

Es ist schon wieder Mitte des Monats und der Rückblick auf die gelesenen Bücher des Vormonats fehlt noch, was nie ein gutes Zeichen ist, deswegen ... huschhusch ... schnell daran erinnern, was man im August so gelesen hat und wie es einem gefallen hat. Das ist doch die Frage! Deswegen auch nur ein ganz schneller Überblick zu den elf (lol) gelesenen Büchern im August:


»Orca« von Franziska Gänsler steht meiner Meinung sehr verdient auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2026, ein wirklich sehr fesselnder Roman, bei dem ich die jugendlichen Protagonistinnen ausnahmsweise gar nicht mal so nervig finde, yay, weil sie sehr konkret mit ihren Schwierigkeiten im Großen und Kleinen gezeichnet sind. Der zweite Roman von Ruth-Maria Thomas »Die zweitgrößte Liebe« ist wie bereits »Die schönste Version« ein herrlich intensiv-leichtes Buch über harte Themen, dieses Mal geht es ums Geld und welche Unterschiede dahinter stecken. Famos! »Lieben und Lügen« von Penelope Mortimer (aus dem Englischen von F.G.U. Glass) hat mir nicht ganz so gut gefallen wie »Bevor der letzte Zug fährt«, trotzdem bin ich sehr angetan vom kritischen Blick, den Penelope Mortimer auf ihre eigene Zeit wirft. »Honey« von Imani Thompson (aus dem Englischen von Asal Dardan) ist ein wilder Ritt, uff. Aber ein guter, der zeigt, wie weh Obsession, Sexismus und Rassismus weh tun kann und sollte. Nach »Die Liebe danach« widmet sich Helene Bracht in »Irma tanzt« dem Leben ihrer Mutter und nimmt dabei sehr gefühlvoll, intim, aber nie bloßstellend, Abschied. Hurra, ein neues Buch von Sven Regener bedeutet, dass Herr Gatsby und ich wieder Vorleselektüre hatten (wobei Herr Gatbsy liest und ich zuhöre, falls sich diese Frage jemand stellt): »Frankie und Freddie« widmet sich dem Brüderpaar Lehmann und den liebgewonnenen Protagonist:innen aus Westberlin und was freu ich mich schon auf die Lesung im November von Sven Regener in München! Bei »In die Schweiz« von Emma Cline (aus dem Englischen von Nikolaus Stingl) steht dieses Mal (ein wenig ungewöhnlich) ein alter Mann im Mittelpunkt, der eine letzte Reise in die Schweiz unternimmt, um dem vorzugreifen, was sich langsam, aber sicher abzeichnet. Oder eher auflöst. Wie Emma Cline den schleichenden Gedächtnisverlust literarisch verarbeitet ist wirklich beklemmend-schön. Sachbücher kommen gerade ein wenig zu kurz, umso schöner, wenn »Die Sprache des Kapitalismus« von Simon Sahner und Daniel Stähr analytisch und nachvollziehbar Kapitalismuskritik und den Einfluss unserer Sprache auf unser Wirtschaftsbild erklärt. Noch ein Vorlesebuch, dieses Mal »Wolf« von Saša Stanišić und über meine große Stanišić-Liebe muss ich an dieser Stelle nichts sagen, Kinderbücher mit Aussage, aber ohne pädagogischen Zeigefinger, kann er ganz hervorragend! Nicht ganz so hervorragend war dagegen »Fremde« von Belle Burden (aus dem Amerikanischen von Charlotte  Breuer), da hatte ich mich vom Hype blenden lassen und war dann sehr enttäuscht, wie oberflächlich und unkritisch die Autorin über ihr eigenes Leben und die Scheidung von ihrem Mann schreibt, bei der das größte Problem zu sein scheint, wer die Mitgliedschaft im Tennisclub behalten darf. Uff. Nee, das hat für mich Bunte-Gala-Klatschpresse-Niveau, ohne bunte Bildchen. Die gab es stattdessen (wow, was für eine Überleitung) in der Graphic Novel »Portugal« von Cyril Pedrosa (aus dem Französischen von Annette von der Weppen), deren Zeichenstil mir wirklich sehr gefallen hat. Ja, es müssen mal wieder mehr Graphic Novels gelesen werden! 

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