Sonntag, 30. August 2015

Fotobreze - August 2015

August vorbei, der erste prima Arbeitsmonat vorbei und im Ofen steht ein Streuselkuchen. Läuft bei mir. Solange der Kuchen nun abkühlt, kann ich den Monatsrückblick schreiben, der dieses Mal irgendwie kürzer ausfällt als sonst. Vielleicht sollte ich mal eine S-Bahn fotografieren. Das neue Fortbewegungsmittel, welches mich zur Arbeit bringt. Und wieder nach Hause. Wenn die S-Bahn fährt. Meistens hat sie Verspätung. Und warum habe ich eigentlich nicht all die schönen Zeichnungen und Sprüche von der Whiteboard-Wand in der Arbeit fotografiert? Wir sind Lagerstätten unseres Glücks! Oder so ähnlich. Der kleine Prinz wäre stolz auf uns. 


// Kaum bin ich da, zieht die Arbeit um und überall hängt Kunst. Oder kann das weg? //


// Da klebt ein Vampir-Minion auf meinem Bein. Hilfe? //
// Man kann auch mal den To-Do-Block für Kritzelkram benutzen //
// Und der Hund trägt seinen Schirm selber. Braver Hund //


// Beim Buch komme ich gerade nicht weiter, aber die Verfilmung von "Am grünen Rand der Welt" hat mir sehr gut gefallen //
// Und Herr Gatsby bringt mir Bücher mit ♥ //
// Die Blumenhose ist aber auch wirklich bequem, die muss man ständig tragen. Und auf Fotos macht die sich auch gut //


// Touristen-Marina entdeckt neue Dinge in München. Dieses Mal: Den Friedensengel //
// Go home, Runtastic, you're drunk! //
// Getränke kühlt man am besten in einem niedlichen Kinderplanschbecken, jawohl //


// Mit diesem Foto hol ich mir den Twitter-Fame. Lebkuchen im August. Ich mag ja Lebkuchen ja einfach nie //
// Wenn die Blu-rays plus ein Notizbuch nur 20 Euro kosten, kann man sich auch mal den Hobbit kaufen, auch, wenn die Filme schlecht sind //
// Ich hab die Leseproben zum Deutschen Buchpreis! Ein Wunder! In den nächsten Tagen folgt hierzu ein Blogeintrag //

Sonntag, 23. August 2015

Solitaire von Alice Oseman.


Originaltitel: Solitaire - Aus dem Englischen von Anja Galić - Erschienen im Deutschen Taschenbuch Verlag - 2015

Mein Name ist Victoria Spring. Manchmal hasse ich Menschen. Für meine seelische Gesundheit ist das wahrscheinlich ziemlich übel. Okay, vielleicht hasse ich nicht jeden. Aber die Liste meiner Freunde sieht im Moment so aus:
1. Michael Holden - derzeit heißester Anwärter auf den Titel Freund. Oder besser nicht.
2. Becky Allen - früher beste Freundin, jetzt anscheinend nicht mehr.
3. Lucas Ryan - s.o.
Das ist die Geschichte von Tori. Michael. Becky. Lucas. Und dem Jahr, das alles veränderte.

Tori Spring ist eigentlich der Durchschnittsteenager. Immer traurig, immer voll Weltschmerz, im Internet aktiv, in der Schule gelangweilt. Für mich ist das jedenfalls der Durchschnittsteenager, weil ich selbst als Teenager oft genau so war. Toris langweiliges Leben wird durch Solitaire durcheinandergewirbelt. Und damit ist nicht das überaus beliebte Computerkartenspiel gemeint. Solitaire ist eine anonyme Schülergruppe, die die Schule terrorisiert und über die Anschläge auf einem Blog berichtet. Blog! Tori hat natürlich auch einen Blog (obwohl im Buch immer nur gesagt wird, dass Tori einen Blog hat. Es wird nie gezeigt, was sie schreibt, das fand ich ein bisschen schade). Tori surft auch stundenlang durch Tumblr. Wahrscheinlich ist mir Tori deswegen ans Herz gewachsen. Auch, wenn sich meine Tumblr-Aktivitäten auf die Suche nach passenden gifs beschränken. Obwohl Tori Solitaire erst ignoriert, versucht sie irgendwann doch herauszufinden, wer oder was hinter der Gruppe steckt, nachdem ihr auffällt, dass fast alle Aktionen etwas mit ihr zu tun haben. 

Neben Solitaire bringt auch Michael Holden Tori durcheinander. Michael ist neu an der Schule, ein klein wenig verrückt (aber er ist Eisschnellläufer. Hallo? Wie toll ist das denn?) und versucht, eine Freundschaft zu Tori aufzubauen. Tori ist das gar nicht recht, ist sie doch eher die Einzelgängerin, die zwar einige Freunde hat, sich in dieser Freundesgruppe aber eher zurückhält und sich nur treiben lässt. Im Schneckenhaus versteckt. 

Ich frage mich, wie Michael es einfach so schafft, aus etwas Kaltem etwas Wunderbares zu machen. Ich frage mich, ob viele Leute so sind, und dann frage ich mich, ob ich auch so wäre, wenn ich nicht ständig grübeln würde.

Alice Oseman hat "Solitaire" mit gerade mal 17 Jahren geschrieben. Und ich finde, das merkt man auch. Damit meine ich jetzt nicht, dass das Buch stilistisch unausgereift wirkt, sondern, dass man sehr viele popkulturelle Erwähnungen aus der jetzigen Zeit findet. Harry Potter! Sherlock! Muse! Twilight! Hunger Games! Wenn man ein Universal-Medien-Fangirl ist, wird man sich an diesen Anspielungen erfreuen. Und gleichzeitig ist das sicherlich die größte Schwäche von "Solitaire". Ich denke, in ein paar Jahren kann man das Buch nicht mehr lesen, weil man es nicht mehr versteht. Es bleibt die Teenager-Selbstfindungs-Geschichte, die man in vielen anderen Büchern auch finden kann. In diesem Fall finde ich es aber erstaunlich, wie es Oseman hinbekommt, auch die Nebencharaktere (allen voran Charlie, der Bruder von Tori, und Nick, der Freund von Charlie) glaubwürdig und durchdacht zu beschreiben und sich nicht nur auf die Hauptprotagonisten zu konzentrieren. Weitere Abweichung: Das Buch spielt in England! Spielen nicht alle Teenager-Jugendbücher immer in den USA? So müssen die Schüler Schuluniformen tragen und alle trinken immer Tee. Michael trinkt immer Tee. Tori mag keinen Tee. Tori trinkt die ganze Zeit Diät-Zitronenlimo. 

The Times sagt über "Solitaire": "'Der Fänger im Roggen' für das digitale Zeitalter."

"Solitaire" sagt dazu:
Becky seufzt. "Großer Gott. Muss man als Jugendlicher immer gleich mit diesem Buch verglichen werden, nur weil man mal traurig ist?"
[...]
"Ich meine, hat irgendjemand von euch es überhaupt schon mal gelesen", fragt Becky. 
Es ertönt ein einstimmiges "Nein".

Das ist lustig, weil es wahr ist.

Samstag, 22. August 2015

Das SuB-Buch der Woche - Folge 36


Bücher, die keinen Klappentext haben, sind wirklich noch schlimmer als Bücher, die als Klappentext ein Zitat haben. Die Rückseite des heutigen SuB-Buch der Woche zeigt ein Foto des Autors, das ist in diesem Fall ein guter Ersatz für einen Klappentext, weil es für sich selbst spricht.

Thomas Mann - Tagebücher 1918-1921

Ein Geburtstagsgeschenk! Und ich habe es immer noch nicht gelesen, da schäme ich mich gar sehr. Das tue ich sogar wirklich, denn obwohl ich bisher nur ein einziges Werk von Thomas Mann gelesen habe ("Der kleine Herr Friedemann", über meine traurige Beziehung zu "Der Zauberberg" lege ich den Mantel des Schweigens. Irgendwann werde ich bereit sein, das Buch endlich weiterzulesen. Irgendwann), finde ich den Mann als Person doch sehr faszinierend. Den Einfluss, den er auf die Literatur und auf Deutschland hatte. Wie oft er mir während meiner Masterarbeit begegnet ist! In der Biografie von Gottfried Bermann Fischer gibt es eine Episode, wo Thomas Mann GBF (hach, ich kann es immer noch - mein erster Reflex war es auch gerade, im Register der Tagebücher nachzugucken, ob was über GBF und CZ steht ...) fragt, ob er (GBF) denn wirklich weiterhin Verleger sein möchte. Voll unverschämt! Und in einer anderen Episode fragt Thomas Mann, an welche seiner Werke man sich wohl nach seinem Tod noch erinnern wird. Der bescheidene Mann. 

Auch, wenn ich das sehr oft an dieser Stelle schreibe, aber die Tagebücher von Thomas Mann muss ich wirklich bald demnächst mal lesen. Tagebücher lesen hat immer so einen Reiz des Verbotenen. Tagebücher von fremden Menschen liest man schließlich nicht. hat Thomas Mann ein Tagebuch mit einem Schloss dran verwendet? 

Sonntag, 16. August 2015

Schöne Töchter von Flix.


Originalausgabe - Erschienen im Carlsen Verlag - 2015

Ich bin kein großer Comic-Leser. Oder Graphic-Novel-Leser. Früher als Kind mochte ich Mickey Maus, Das Lustige Taschenbuch und Bussi Bär. Als in der Schule Mangas angesagt waren, war ich zu doof, die geänderte Leserichtung zu verstehen. Jetzt lese ich manchmal (means: immer, wenn Herr Gatsby sich ein neues Buch kauft) Mahler, Nikolas Mahler, weil der mit so wenigen Strichen so viel erzählt. Ganze Bücher  nacherzählt. Da wird sogar Thomas  Bernhard erträglich. 

Dies also als kleine Einführung in den Themenkomplex "Marina und die Comics", ein Themenkomplex, der gar kein Themenkomplex ist, weil dafür viel zu klein.

Nun hat mich aber vor gut einem Monat das Internet dazu verführt, doch ein Comicbuch zu kaufen. Und zwar von Flix. "Schöne Töchter" heißt das Buch, die Comics erscheinen jeden Sonntag im Tagesspiegel und es gibt sie auch alle online. Warum kauf ich mir also ein sehr großes Comicbuch, wenn ich doch eh schon (fast) alle Comics daraus kenne?

1. Weil ich "Schöne Töchter" wirklich sehr gerne mag
2. Weil ich durch die Vorbestellung eine persönliche Widmung von Flix bekommen habe (und ich albern bin)


Wenn ich mich richtig erinnere, war Folge 4 mein erster Kontakt mit den schönen Töchtern. Und ich saß damals am Laptop und musste heulen. Auch schön. Danach wurde das Archiv durchwühlt, bei Facebook "Gefällt mir" geklickt und ich freute mich regelmäßig über die neuen Folgen von "Schöne Töchter". 

Ich mag an "Schöne Töchter", dass Flix es schafft, die unterschiedlichsten Frauentypen auf Papier zu bringen. Und nicht nur äußerlich unterscheiden sich die Flix-Töchter, jede Figur hat ihre eigene Persönlichkeit, jede verweist auf ein anderes Thema im Leben einer Frau. Einer Tochter. Eigentlich eines Menschen. Ja, es geht viel um Liebe. Aber eben nicht nur. Und auch nicht nur in der Friede-Freude-Eierkuchen-Version. 
Und - im Gegensatz zu den geschätzten Mahler-Comics - lässt sich bei Flix in jedem Comic so viel entdecken. Großer Vorteil der Buchausgabe. Man kann die Bilder ganz genau betrachten, ohne Hinzoomen. Also. Schon mit Hinzoomen. Aber mit manuellem Augenzoomen. 


Dendemann sagt dazu sehr richtig: "Schatz, guck mal! Der Flix hat 128 wundervolle  neue Seiten an Dir entdeckt."

Samstag, 15. August 2015

Das SuB-Buch der Woche - Folge 35


Irina Liebmanns Roman steht in der Tradition der romantischen deutschen Erzählung und streift die Grenzen von Märchen und Novelle. In einem beinahe altmodischen, weit gespanten Erzählton erfahren wir die Geschichte von Elisabeth Schlosser, die sich auf den Weg macht, um ihren erwachsenen Sohn zu retten, und dabei in eine Welt der Gespenster gleitet. Eine wunderbare literarische Erkundung über die Grenzen der weiblichen Freiheit.

Buch, wo kommst du denn her? Mein Gefühl sagt mir, dass ich "Die freien Frauen" von Irina Liebmann in Hamburg gekauft habe. Wieso, weshalb, warum - man weiß es nicht. Ich habe das Buch aber auch schon einmal begonnen, nach drei Seiten wanderte es wieder zurück ins Buchregal, weil es in dem Moment nicht so richtig gepasst hat. 

Das passt dann auch wieder zum jetzigen Moment. Irgendwas passt gerade nicht. Obwohl ich heute zum ersten Mal seit fast einem halben Jahr durchgeschlafen (vielleicht hat nun auch die letzte Körperzelle verstanden, dass ich keine Masterarbeit mehr schreiben muss) und sehr lange geschlafen habe, fühle ich mich arg matschig. Ich war beim Bäcker, aber der hatte keinen Himbeerkuchen, deswegen musste ich einen anderen Bäcker mit Himbeerkuchen suchen. Gestern beim "Oh nein, am Samstag ist Feiertag, wir werden alle sterben, lasst uns ganz viele Dinge kaufen!"-Einkauf landete eine Packung Haribo Alpenpanorama im Korb, wer möchte nicht gerne Gummibärchen in Bergform essen? 

Vielleicht schaffe ich es gleich, mich aufzuraffen und endlich ins Kino zu gehen, der Gutschein für "Am grünen Rand der Welt" mit meiner liebsten Carey Mulligan muss schließlich eingelöst werden. 

Oder sollte ich "Die freien Frauen" einfach aus dem Regal der ungelesenen Bücher verbannen? Das würde schließlich zwei Zentimeter mehr Platz bringen.