Samstag, 19. Juli 2014

Tampa von Alissa Nutting

(Von Hoffmann und Campe)
(Vielen lieben Dank für das Leseexemplar!)

Jaja, ich höre die Menschen schon kichern. Schon wieder so ein Sex-Buch. Aber halt. Das weiß man ja jetzt noch gar nicht. Obwohl das Cover schon sehr gut ist. Ich musste lachen. Und habe es nicht zuletzt wegen dem Knopfloch mitgenommen. Aber auch der Klappentext klang gut:

Celeste ist Ende zwanzig und tritt ihre neue Stelle als Lehrerin an einer Junior High School in Tampa, Florida, mit einer einzigen Absicht an: Sie wird einen ihrer Schüler verführen. Sie selbst hat panische Angst davor zu altern - alle erwachsenen Körper schrecken sie ab, Teenager dagegen wirken auf sie wie ein Jugendelixier. Als ihr Blick fällt auf den naiven und zurückhaltenden Jack Patrick fällt, erkennt sie in ihm das perfekte Opfer. Ohne moralische Bedenken manipuliert sie den Jungen, der seine schöne Lehrerin bewundert und sich von ihrer Aufmerksamkeit geschmeichelt fühlt. Doch ihre Gier ist unersättlich und irgendwann geht Celeste zu weit.
In ihrem literarischen Debüt erzählt Alissa Nutting von verbotenen Begierden und schildert den Tabubruch radikal aus der Perspektive ihrer gefühlskalten, psychopathischen Protagonistin. Eine moderne Antwort auf Nabokovs
Lolita und eine bissige Satire auf den Jugendwahn unserer Gesellschaft. 

Nun muss ich leider kurz lachen. Hahaha! Ich kann es mir richtig vorstellen, wie der Text entstanden ist:
"Oh, in dem Buch geht es um Sex mit Minderjährigen? Moment, da gibt es doch Buch dazu! Schreiben wir das doch einfach mit drauf, schließlich ist das ein Klassiker, dann wissen die Leute, was sie erwartet!"

NEIN! 

In Lolita geht es nicht um Sex mit Minderjährigen. In Lolita werden nicht explizit sexuelle Handlungen beschrieben. Wer Lolita als erotischen Roman liest, hat was falsch verstanden. Wer Tampa (ich dachte ja am Anfang an Tampere, also die finnische Stadt) als erotischen Roman liest, liegt schon irgendwie richtig. Die andere Ähnlichkeitsnennung betrifft American Psycho, was ich auch nicht wirklich verstehe, aber vielleicht gehe ich auch zu sehr vom inhaltlichen aus. Wobei das meiner Meinung nach schon sehr überlagert wird von den ganzen Sexszenen. Der angesprochene Jugendwahn findet sich eigentlich nur in kurzen Beschreibungen, dass Celeste unbedingt weiter jung aussehen möchte und dafür ein Vermögen in Hautcreme investiert. Und, dass sie sich durch den Sex mit minderjährigen Jungs jünger fühlt. Aber das ist eigentlich nur eine Nebensächlichkeit, hauptsächlich will sie sexuell befriedigt werden und erfreut sich an der Vorstellung, dass sie die Jungs in die Welt des Sex einführt (hihi). Gesellschaftskritik* seh ich da nicht so wirklich viel. 
Wahrscheinlich hätte mir das Buch insgesamt besser gefallen, wenn nicht Lolita im Klappentext genannt worden wäre. So habe ich etwas komplett anderes erwartet und wurde enttäuscht. Obwohl ich Celeste ja irgendwie sympathisch fand. Sie ist ein in sich runder Charakter. Überhaupt sind die Motivationen der Protagonisten recht eindeutig und nachvollziehbar. Obwohl ich gerade nicht mehr weiß, ob am Schluss geklärt wird, warum Jack ins Haus zurückkommt. 

Also -Klappentexten sollte man nicht vertrauen. Oder sehr misstrauisch sein. Schade.



*Mir ist gerade aufgefallen, dass ich mich vertan habe. Der Klappentext spricht von Gesellschaftssatire, nicht Gesellschaftskritik. Der Satz kann trotzdem so stehenbleiben, ich sehe da auch keine Satire.

Kommentare:

  1. Ich finde ja, schon der Klappentext klingt grausam. :ugly:

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  2. Der Klappentext erinnert mich an "Die Klavierspielerin". :ugly:

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