Samstag, 28. März 2015

Vom Wasser von John von Düffel.


Originalausgabe - Erschienen beim dtv - November 2000

Das Wasser ist der Stoff, der diese Geschichte einer deutschen Papierfabrikantenfamilie zusammenhält - ein schillernder Strom der Träume, Erinnerungen und Gedanken.

Dieses Buch ist Wasser, denn Wasser ist Liebe. Ich würde mal, ohne Recherche, behaupten, dass John von Düffel Wasser mag. Das würde auf der einen Seite die Bücher "Vom Wasser", "Schwimmen" und "Wassererzählungen" erklären und auf der anderen Seite die unfassbare Wasserliebe, die einem von jeder Seite des Buches entgegenspritzt. Aber zuerst zur Geschichte.
Denn die Geschichte wäre schon ohne Wasserliebe famos. Der Erzähler erzählt von seiner Familie. Und von einer Episode mit einer Frau, doch diese Episode ist so klein und und unscheinbar und trägt doch die Familiengeschichte, weil sie quasi die Rahmenhandlung der Erzählung ist, jedenfalls habe ich das so verstanden, nachdem ich am Schluss noch einmal den Anfang gelesen habe. "Wir kehren immer zum Wasser zurück."
Die Familie des Erzählers besitzt seit drei Generationen eine Papierfabrik. Der Ururgroßvater hat sie gebaut, auf einem Landgut mit dem Namen Mißgunst. Zwischen zwei Flüssen gelegen, bietet diese Stelle die optimalen Bedingungen, um eine Papierfabrik zu betreiben. Und so fließen die Flüsse durch die Fabrik, um die Fabrik und in das Leben der Papierfabrikantenfamilie. Wasser spielt immer eine wichtige Rolle. Wasser bringt den Tod, Wasser bringt neues Wissen, Wasser verändert den Lauf der Geschichte. Die Fabrik wird vom Urgroßvater übernommen, der ein Zahlenfuchs ist und drei Söhne hat. Die beiden älteren Brüder ziehen in den Krieg, zurück bleibt der Krüppel, der nun plötzlich die Fabrik übernehmen muss, und der doch viel lieber malt und angelt. 

Sie ist eine Flucht, diese Jagd, und der Krüppel versucht gar nicht erst, dies zu verbergen, während er hastig und gehetzt mit den schweren, schlurfenden Anglerstiefeln durch die taufeuchten Wiesen watet.

Erst durch die Küchenaushilfe kommt er zur Ruhe und sie in eine Position, die der Papierfabrik zu neuer Größe verhilft. 

Der Erzähler erzählt und erfährt neue Geschichten aus seiner Familie, und fährt mit seiner Freundin nach Frankreich, ans Meer. Dort kann er schwimmen, denn er schwimmt sehr gut. Er schwimmt um sein Leben, weil Wasser das entscheidende Element in seiner Familie ist. 

Und ich, ein Wasserflüchtiger in dieser wasserlosen Stadt, ich sehnte mich auf einmal danach, die Macht des Wassers möge wieder von meinem Leben Besitz ergreifen.

Durch "Vom Wasser" habe ich gelernt, dass Wasser nicht gleich Wasser ist und man Wasser auf die unterschiedlichsten Arten beschreiben kann. Egal, welche Wasserbeschreibung euch nun einfällt - in diesem Buch ist sie sicherlich enthalten. So viele Adjektive! So viel Wasser! Und das, während ich in dieser wasserlosen Stadt sitze, was natürlich sehr gemein ist, denn München hat ja Wasser, aber trotzdem ist Hamburg für mich meine Wasserstadt und man sollte dieses Buch am Wasser oder im Wasser lesen. Deswegen schäme ich mich auch ein bisschen, dass für das fancy Bücherbild ein Foto aus Finnland für den Wassereffekt herhalten musste. Tampere, um genau zu sein. Da war ich zwar nur einen Tag, aber ich stand mit den Füßen im Wasser, das war schön. Man sollte mal wieder nach Finnland. Und ans Wasser. Man sollte immer ans Wasser. Und wenn man Wasser mag, sollte man "Vom Wasser" lesen.

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