Montag, 6. Oktober 2014

Der Allesforscher von Heinrich Steinfest.

Der Mann heißt Sixten Braun und erlebt seine Verwandlung. Dazu brauchte es zwei beinahe tödliche Unfälle, eine große Liebe, eine lieblose Ehe sowie eine raffinierte Frau mit Nasenpiercing. Aber all das musste wohl sein, damit er werden konnte, was er werden sollte - nämlich ein Vater ...


Wäre das hier eine Kindergeschichte gewesen oder ein Roman von John Irving, hätte sich jetzt ein Bär ganz gut gemacht.



Schon bei den Leseproben der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2014 musste ich bei diesem Buch schummeln und zwei gute Abschnitte zitieren. Nun habe ich Der Allesforscher komplett gelesen und muss sagen - so ein gutes Buch! Lest das mal alle. 

Wenn man sich die Geschichte des Buches anguckt, könnte man denken, dass das schon ein bisschen arg zu viel ist. Sixten Braun ist Manager und gerade in Taiwan unterwegs, als er auf der Straße beobachtet, wie ein großer Wal auf einem LKW transportiert wird. Er beobachtet und beobachtet und plötzlich platzt der Wal. Herumfliegende Ex-Körperteile treffen Sixten Braun am Kopf, er erwacht im Krankenhaus. Hui. Dort verliebt er sich in seine behandelnde Ärztin. Als es im kopfmäßig wieder besser geht, fliegt er arbeitsbedingt kurz nach Japan - auf dem Rückweg stürzt sein Flugzeug ab. Auf dem offenen Meer. Er überlebt. Und, schon den Kopf geschüttelt? Danach folgen noch mehr skurrile Situationen, aus dem Manager wird ein Bademeister, aus dem alleinlebenden Mann wird ein Vater (aber nicht ganz), aus dem Vater-Sohn-Gespann wird eine Familie. Es geht ums Hürdenlaufen, Schwimmen und Bergsteigen. Der Mann hat Höhenangst und einen Sohn, den er nicht versteht. Sprachlich gemeint. Niemand versteht den Sohn. Der Sohn versteht dafür sehr viel vom Klettern. Und Malen. Ein Universalgenie? Ein - Allesforscher? 

Nicht alle Geschichten im Leben und im Buch waren so einfach gestrickt wie bei diesen Jungs, die sich Die drei Fragezeichen nannten.

Was mir an diesem Buch besonders gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass trotz aller schrägen Ereignisse (Hallo? Explodierender Wal?) nichts davon unrealistisch wirkt. Nichts. Dazu ist das Ganze in einer wunderschönen Sprache geschrieben, die mich begeistert hat. Deswegen könnte ich jetzt hier viele Sätze zitieren, die ich unterstrichen habe. Mach ich aber nicht.  Ein Abschnitt muss aber noch sein.

Und genau darin besteht ja der Sinn der Liebe: keine Erklärungen abgeben zu müssen. Im wirklichen Leben - denn die Liebe ist in der Tat genau das Gegenteil - muss man sich ständig rechtfertigen. [...] Die Liebe hingegen gipfelt darin, nicht lügen zu müssen.

Es hat mich etwas verwirrt, dass das Buch anscheinend in der alten Rechtschreibung geschrieben wurde. KK-Trennung? Busineß? Oder liegt das an der österreichischen Herkunft des Autors? Von eben jenem Autor habe ich bisher nichts gelesen, da Heinrich Steinfest überwiegend Krimis schreibt und - ich habe es schon des öfteren erwähnt - ich eigentlich keine Krimis lese. Vielleicht versuche ich es trotzdem mit einem weiteren Buch von ihm, weil das doch schon alles sehr schön war beim Allesforscher. Und überhaupt nicht aufgesetzt. Die Liebesgeschichte(n) ist/sind nicht kitschig, sondern nachvollziehbar. Und am schönsten finde ich die Vaterschaftsnichtauflösung. Auf die ich nicht näher eingehen möchte, weil man das selber lesen soll. Jawohl. Hatte ich schon gesagt, dass man dieses Buch lesen sollte? Ja? Gut. Und außerdem fände ich es prima, wenn Der Allesforscher den Deutschen Buchpreis gewinnen würde. Nachdem ich nun zwei von sechs nominierten Büchern gelesen habe, kann ich mir ja ein Urteil erlauben.

Das Leseexemplar von Der Allesforscher habe ich freundlicherweise vom Piper Verlag erhalten. Vielen lieben Dank dafür! 

Kommentare:

  1. Okay, du hast mich angefixt. Ich möchte es haben. Zum Glück habe ich noch einen Gutschein für die Mayer'sche.
    Das wär dann mein 10. Buch in den letzten 4 Wochen... ich komm gar nicht mehr mit dem Lesen hinterher!

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  2. Das freut mich! :D
    Und sag dann, wie dir das Buch gefallen hat!

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