Sonntag, 14. Oktober 2012

Wochenbuchrückblick.

Eine Woche ist vorbei und schon wieder kann ich mit stolzgeschwellter Brust sagen - ich habe zwei Bücher fertig gelesen! Nein, der Zauberberg war nicht dabei. Der Zauberberg ist mein ... Dings. Wie heißt das? Ein Ding, an dem man immer scheitern wird? Gibt es dafür überhaupt ein eigenes fancy Wort?

Jedenfalls habe ich ja schon letztes Mal gesagt, dass ich Schnitzlers "Flucht in die Finsternis" angefangen habe. Jetzt ist es beendet und ich fand es wirklich gut. Ich mag Schnitzlers Art zu schreiben. Innenansichten! Gedankengänge! Insbesondere in diesem Fall irre Gedankengänge. Trotz dieser vielen inneren Dinge könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass das Buch auch einen interessanten Film geben würde (und bestimmt gibt es schon längst einen Film davon, nur bin ich gerade zu faul zum Suchen). 4 von 5 Punkten. Ich bin mir nicht mehr genau sicher, warum nur 4 Punkte, aber ich glaube, ich hätte mir noch ein bisschen mehr Wien gewünscht. Wien geht doch immer. Dachte ich. 

Und dann.

Sarah Kuttners "Wachstumsschmerz". 
Nein. Meine Vorfreude wurde nicht enttäuscht. Eigentlich so gar nicht. Außer am Ende. Das Ende mag ich nicht. Aber erstmal:

"Es fehlt eigentlich nur noch ein Poster von Audrey Hepburn, und ich kann gleich einen Mode-Blog eröffnen und anhand kleiner Videos Schminktipps geben."

So viel Liebe. Wie schafft es Frau Kuttner nur immer wieder solche schönen, weil wahren Sätze zu schreiben? Warum hat man ständig das Gefühl, man müsste immer mit dem Kopf nicken, wenn die Protagonistin Luise denkt? Gut, könnte an den relativ normalen Denkproblemen liegen, die Luise hat, weil die wohl eher typisch sind für diese Generation, die erwachsen spielt und es nicht ist und nicht weiß, was als nächtes kommen wird/soll/muss/kann/dings (ich habe mir ja bis Ende Dezember verboten über irgendwelche Zukunftsdinge nachzudenken, jawohl. Danach kann ich panisch im Kreis rennen, weil ich nicht weiß was ich will). 

"Man kann ja gar nicht mehr gegen das Establishment sein, wenn besetzte Häuser als nonchalant gelden, die eigenen Eltern sich bei uns Gras ausleihen, Nena penentrant Chucks und Charlotte Roche Schluppenblusen und Gretchenfrisur trägt."

Wie amüsant ist es denn bitte, wenn Sarah Kuttner Charlotte Roche in ihrem Buch erwähnt? Wenn doch die beiden ständig verwechselt werden. 

Zur Geschichte. Luise liebt Flo, Flo liebt Luise, Luise ist ein bisschen unzufrieden mit der Gesamtsituation ihres Lebens, weil sie nicht wirklich weiß, was sie noch machen soll/muss/kann/will. Ihre Arbeit als Herrenschneiderin gefällt ihr, aber sie hat das Gefühl, sie müsste noch mehr machen. Irgendetwas größeres erreichen. Luise und Flo ziehen zusammen und dann, irgendwie, passt das alles nicht mehr. Luise ist genervt von so viel Wir und so wenig Flo-Ich. Weil der sich immer lieber verkriecht und Problemen aus dem Weg geht. Bei der Hochzeit eines befreundeten Paares fließen Tränen, aber nicht aus Rührung. Alles doof dann irgendwie, Luise möchte eine Pause, bemerkt, wie sehr sie Flo vermisst und dann.
Ja. 
Man weiß eigentlich von Anfang an, dass das Buch kein wirklich glückliches Ende haben wird, weil immer wieder Memo-Kapitel kommen, in denen Luise alleine in der gemeinsamen Wohnung sitzt. Und alles doof ist. Sehr. Trennungskram. Obwohl ich ja voller Hoffnung mir eingeredet habe, dass Flo vielleicht stirbt. Irgendwie fand ich das dann etwas weniger schlimm als eine Trennung. Was Quatsch ist. Sehr. Manchmal denke ich dumme Dinge. Und zum Glück stirbt er nicht. Er mag nur irgendwie nicht mehr. Und das ist traurig. Und das Ende ist deswegen auch traurig, weil ich nicht weiß, was es bedeuten soll. Luise bringt Flo (der zu Freunden gezogen ist) Winterklamotten vorbei, sie reden nicht, Luise geht wieder, steht unten auf der Straße, weint und - wird dann von hinten umarmt. Ende. Beziehungsweise nicht ganz, weil dann noch ein Memo-Kapitel kommt, wo Luise meint, dass sie mit jemanden anderen geschlafen hat. 

Toll.

Und jetzt? Was soll das bedeuten? Ja oder nein? Alles gut oder eher nicht? Mich verwirrt das. Ich wünsche mir ein gutes Ende, weil das sonst so traurig ist.
Deswegen wusste ich auch nicht, wie viele Punkte ich vergeben sollte. Ich mochte das Buch. Sehr. Aber das Ende. Das Ende! Ich bin jetzt aber einfach zu sehr ein Fangirl von Sarah Kuttner und vergebe 5 von 5 Punkten, weil ich sie liebe. Auch wenn ich das Ende wohl noch ein bisschen überdenken muss.

Weil jetzt nur der Zauberberg zum Lesen übrig bleibt, habe ich mir panisch schnell zwei Bücher gekauft. "Before I fall" von Lauren Oliver (angeblich die erste Autorin mit O in meiner Bücherinventarliste. Seltsam), welches ich auf Englisch lese, weil mir das Cover sehr gut gefällt und weil der deutsche Titel mit "Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie" extrem dämlich und sperrig ist. Und dann noch "Lolita" von Vladimir Nabokov in einer Ausgabe der BILD. Ich schäme mich zwar, aber! Die normale Ausgabe von Lolita finde ich so hässlich. Bei dieser hier ist die komische Sonnenbrille zwar auch noch drauf, aber ansonsten gefällt sie mir sehr gut. Rotschnitt! Gebunden! Und so! Es gibt auch einen Schuber mit allen Ausgaben dieser "Skandal!"-Reihe der BILD, die mir auch gut gefällt, wobei ich nicht ganz verstehe, was an diesen Büchern so skandalträchtig ist. Naja. Egal. Hauptsache ich hab ne schöne Ausgabe. Hehe.


Mal gucken, wie lange die Bücher dann reichen. Wenn ich heute noch daran denke, dann werde ich meiner Frau Mutter noch schreiben, dass ich einen Büchernachschub brauche. Einen, den ich mir nicht erst hier zusammenkaufen muss, sondern der schon in meinem Zimmer steht.

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