Samstag, 9. Mai 2015

Die Falle von Melanie Raabe.

Originalausgabe - Erschienen bei btb - März 2015 - Vielen herzlichen Dank für das Leseexemplar!

Was muss passiert sein, dass du dich elf Jahre in deinem Haus vor der Welt abschottest? 

Ich bin nicht von dieser Welt. Das sagen zumindest die Leute. Als ob es nur eine Welt gäbe. Ich stehe in meinem großen, leeren Esszimmer, in dem ich niemals esse, und sehe nach draußen. Der Raum liegt im Erdgeschoss, der Blick fällt durch eine große Fensterfront auf die Wiese hinter meinem Haus und auf den Waldrand. Dann und wann kann man Rehe beobachten. Füchse. Meine Welt ist nicht weit, aber meine Welt ist sicher. Zumindest dachte ich das.

Was muss passieren, dass du es wieder verlässt?

Ich habe geschummelt. Aber eigentlich auch nicht. Denn eigentlich wollte ich "Die Falle" von Melanie Raabe schon letzte Woche lesen, als Ausgleich zur Masterarbeit. Dann hab ich das aber doch nicht gemacht. Zu behaupten, dass ich stattdessen wahnsinnig viel für die Masterarbeit gemacht hätte, wäre eine Lüge, aber ich habe brav mein Exposé geschrieben und meine Excel-Tabelle erstellt und bereits mit dem zweiten Kapitel begonnen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Ab nächster Woche wird alles anders. Deswegen habe ich dann einfach am Freitag nach der Exposé-Besprechung beschlossen, dass ich zur Belohnung jetzt doch mal was Nicht-MA-mäßiges lesen darf. Also nun "Die Falle". Und heute, also einen Tag später, bin ich schon fertig damit. Mist.

Um was geht es? Linda Conrads ist Schriftstellerin und lebt zurückgezogen am Starnberger See. Vor elf Jahren hat sie ihre Schwester tot aufgefunden und leidet seitdem unter Panikattacken, die es ihr nicht erlauben, das Haus zu verlassen. Damals hat sie den Mörder ihrer Schwester kurz am Fenster gesehen. Jetzt hat sie den Mörder ihrer Schwester kurz im Fernsehen gesehen. Jetzt will sie ihn stellen. Aber wie?

Dinge, die es nicht gibt in meiner Welt: Kastanien, die plötzlich vom Baum fallen. Kinder, die mit den Füßen durch Herbstlaub rascheln. Kostümierte Menschen in Straßenbahnen. Schicksalhafte Zufallsbegegnungen. Kleine Frauen, die von ihren großen Hunden durch die Gegend gezogen werden, als führen sie Wasserski.

Sie schreibt einen Roman. Einen Krimi. Ein Buch, über den Mord an ihrer Schwester. Und weil der Mörder, den sie im Fernsehen gesehen hat, Journalist ist, lädt sie ihn zu einem exklusiven Interview ein. Ein guter Plan. Eine Falle. Sie will ein Geständnis. Sie will wissen, warum ihre Schwester sterben musste. Doch der Mörder, der vermeintliche Mörder, der vielleicht Unschuldige, der Unschuldige, dreht den Spieß um. Fidelbum.

Ich mochte Linda Conrads. Ich mochte es, wie sie da alleine in ihrem Haus sitzt, mit ihrem Hund und den zwei Blu-Ray-Playern und ihrer Bibliothek und ihrem Wissen (denn sie hat viel Zeit zum Lesen) und ihrer Unsicherheit und ihren Ängsten und ihren Geschichten. Ihren Plan fand ich sehr klug. Und so durchdacht. Sie hat ja auch viel Zeit zum Denken. Und zum Planen. Und ich mochte die Twists, die die Autorin, also Melanie Raabe, in die Geschichte gebaut hat. Wie man als Leser plötzlich unsicher wird. Kann man der Ich-Erzählerin trauen? Kann sie sich selbst trauen? So wurde die schöne Frage "Whodunit" selbst für mich als Nicht-so-gerne-Krimi-Leserin sehr unterhaltsam. 

Das Buch teilt sich auf zwischen den Erlebnissen von Linda Conrads und Kapiteln aus ihrem Buch "Blutsschwestern". Letztere fand ich, gerade im Vergleich mit dem restlichen Buch, eher schwach. Insbesondere zum Ende hin haben mich die Kapiteleinschübe regelrecht genervt und ich wollte wieder zurück zu Linda. Bedeutet das jetzt, dass Linda Conrads gar nicht so eine gute Schriftstellerin ist? Verwirrend. 

Insgesamt aber eine kurzweilige Geschichte mit Wendungen, die den Leser zum Grübeln bringen. Hat mir gefallen.

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