Freitag, 15. Mai 2015

Tanz auf Glas von Ka Hancock.


Originaltitel: "Dancing on Broken Glass" - Aus dem Amerikanischen von Katharina Volk - Erschienen im Knaur Verlag - Januar 2015

Jede Liebe ist ein Tanz - manchmal kompliziert,  manchmal wunderschön.

Vielleicht hätten Lucy Houston und Mickey Chandler sich nie verlieben dürfen. Und erst recht nicht heiraten. Doch die Liebe geht ihre eigenen Wege, und so führen Lucy und Mickey eine ungewöhnliche, aber glückliche Ehe. Das wissen sie. Und sie wissen auch, dass sie sich an ein paar Spielregeln halten müssen, um ihr Glück nicht zu gefährden. Eine Regel lautet: keine gemeinsamen Kinder. Als Lucy nach elf Jahren plötzlich doch schwanger wird, wird die Kraft ihrer Gefühle einer harten Prüfung unterzogen.

Ich entschuldige mich nun nicht dafür, dass ich einen kitschigen Liebesroman gelesen habe, ich habe schon schlimmere Dinge gelesen (siehe Nicholas Sparks) und bei all dem wissenschaftlichen Zeug, welches ich derzeit lesen muss, und bei all den Tränen, die ich vergieße, weil mir keine ebenso tollen wissenschaftlichen Formulierungen einfallen, habe ich mir nebenbei Entspannungslektüre gegönnt. Die am Schluss dann doch auch sehr anstrengend wurde. Heult ihr mal 100 Seiten lang, dann wisst ihr, von was ich spreche. 

Lucy und Mickey sind also verliebt, verlobt, verheiratet. Und das schon seit elf Jahren. Lucy ist Lehrerin, Mickey Geschäftsführer einiger Bars, sie leben in einer kleinen Kleinstadt, in der Lucy aufgewachsen ist und jeder jeden kennt. Soweit die ganz normale Ausgangssituation. Wenn da nicht. Ja, wenn da nicht die gesundheitlichen Hintergründe von Lucy und Mickey wären. 

Lucy hatte Brustkrebs, dieser konnte aber nach einer längeren Chemotherapie entfernt werden. Krebs liegt in ihrer Familie. Ihre Mutter ist bereits daran gestorben. Lucys ältere Schwester (sie hat zwei Schwestern, wobei Lucy die Jüngste ist) hatte einmal einen kleinen, entfernbaren Tumor. Schlechte Gene, also.

Mickey hat eine bipolare Störung. Er ist manisch-depressiv und verbringt des öfteren einige Tage oder einige Wochen in der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses. Nochmal schlechte Gene.
Deswegen beschließen Lucy und Mickey, dass sie keine Kinder bekommen sollten. Doch nach elf Jahren beschließt ein kleines, eifriges Spermium, dass es sehr wohl durch die verknoteten Eileiter von Lucy schwimmen kann und - schwupps - ist Lucy schwanger. Erst ist sie irritiert, dann freut sie sich, dann ist Mickey irritiert, dann freut er sich. Die ganze Familie ist erst irritiert und freut sich im Anschluss doch sehr über die Schwangerschaft. Bis die Ärztin bei einer Routineuntersuchung eine kleine, auffällige Stelle in Lucys Brust findet. Lucy und Mickey stehen vor der Entscheidung - Abtreiben oder mit der Chemotherapie warten, bis das Kind geboren wurde. Lucy entscheidet sich für das Kind und gegen die Chemotherapie, was Mickey zur Verzweiflung bringt, weil er Angst davor hat, Lucy zu verlieren und alleine mit dem Kind aufgrund seiner Erkrankung nicht klar zu kommen. Und weiter erzähle ich nichts, um das Ende nicht zu verraten. Ihr sollt doch noch einen Grund haben, zu heulen. Damit ich nicht alleine als Heulsuse dastehe. 

Was den Taschentuchbedarf angeht, hat mich das Buch nämlich sehr stark an "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" erinnert. Und das ist nichts gutes. Weinen und Lesen gleichzeitig klappt nur sehr schlecht (und bei kursiver Schrift ist das gleich doppelt anstrengend - warum auch immer). Außerdem disqualifiziert sich das Buch damit, in der U-Bahn gelesen zu werden. 

Ich mochte die beiden Hauptpersonen Lucy und Mickey sehr gerne.Vielleicht mochte ich Mickey ein klein wenig lieber und ich finde auch, dass er nicht wirklich krank wirkte. Vielleicht fehlen im Buch die wirklich starken manischen bzw. depressiven Phasen einfach. Auf jeden Fall stelle ich mir das furchtbar vor, wenn man sich nie ganz sicher sein kann, ob die positiven Emotionen, die man gerade hat, nun normale positive Emotionen sind oder bereits eine Manie. Genauso bei den negativen Emotionen und der Depression.

Kein U-Bahn-Buch also, sondern ein Mit-Tee-und-Taschentüchern-bewaffnet-im-Bett-liegen-während-es-draußen-regnet-Buch. Und ich mag das Bild vom Dancing on Broken Glass (das ist der englische Originaltitel und jetzt habe ich einen Ohrwurm von "Walking on Broken Glass" von Annie Lennox).

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