Sonntag, 14. August 2016

"Es ist gefährlich, bei Stum zu schwimmen" von Ulla Scheler


Originalausgabe - Erschienen bei heyne fliegt - 2016 - Herzlichen Dank für das Leseexemplar!

Ben ist seit Ewigkeiten Hannas bester Freund. Er ist anders. Wild, tollkühn, ein Graffiti-Künstler, ein Geschichtenerzähler. Und keiner versteht Hanna so wie er. Nach dem Abi packen die beiden Bens klappriges Auto voll und fahren zum Meer. An einen verwunschenen Strand, um den sich eine düstere Legende rankt. Sie erzählen sich Geschichten. Bauen Lagerfeuer. Kommen einander dort nahe wie nie zuvor. Und Hanna hofft, endlich hinter das Geheimnis zu kommen, das Ben oft so unberechenbar und verzweifelt werden lässt. Doch dann passiert etwas Schreckliches …

Geständnis: Bis vor kurzem hatte ich "Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen" nicht auf meinem Bücherradar. Obwohl das Buch quasi nach mir schreit. Das Cover. Das Meer. Alles einfach. Umso mehr freue ich mich, dass ich diese kleine Perle entdeckt habe. Beziehungsweise, dass mich Heyne anstupst hat. Denn zu "Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen" (am Handy hab ich mir extra einen Kurzbefehl eingestellt, damit ich nur #es eingeben und nicht immer den ganzen Titel tippen muss. Faszination Technik!) fand am letzten Freitag ein Instawalk statt. Und ich war eingeladen. Hurra!


Zusammen mit acht weiteren Münchner Blogger-Instagram-Twitter-Youtube-Menschen und Ulla Scheler (hier kurz ein Fangirl-Moment: Gott, ich bin schwer verliebt in Ulla. Extrem sympathisches Mädel) wurden wir von Nadja (stattreisen-muenchen.de) in die Münchner Street Art-Szene eingeführt. Und geführt. Im Alltag achtet man für gewöhnlich eher selten auf die bunten Sprayereien. Aber ein zweiter Blick lohnt sich auf jeden Fall. 


Warum Street Art? Weil Ben aus "Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen" sprayt. Ganz im Gegensatz zu den meisten Werken, die wir uns in München angesehen haben, tut er das aber illegal. Hanna, seine beste Freundin, sieht seinen Drang nach Kunst im öffentlichen Raum eher skeptisch. Hanna ist die Ruhige, Vernünftige, die Ben erdet. Wohingegen er sie an ihre Grenzen bringt – I dare you. Nach dem Abi driften die Beiden auseinander. Ein letzter gemeinsamer Ausflug vor dem Erwachsenwerden. Ans Meer. 

"Weißer Streifen um weißer Streifen verschwand unter der Kühlerhaube. Es sah aus, als würde sie die Straße fressen. Sie fraß und fraß und fraß." (S. 56)

Am Meer angekommen verändert sich die Freundschaft von Hanna und Ben. Die Nähe zwischen den Beiden wird intensiver, drängender, umfassender. Gleichzeitig entfernen sich die Beiden Stück für Stück voneinander. Auseinandergetrieben von einer alten Legende, die ihnen ein Mädchen am Strand erzählt. Wahrheit und Fiktion verwischen und am Ende, am Ende ist Ben verschwunden.


"Und dazwischen bist du, und du weißt, du kannst das Meer nicht verändern. Weder seine Farbe noch wie groß die Wellen werden. Aber während du dort sitzt, verändert es dich." (S. 289)

Zu Beginn war ich – ähnlich wie Tina – unsicher, ob ich überhaupt noch in die Zielgruppe gehöre. Dieses Nach-Abi-Gefühl hatte ich selbst vor zehn Jahren nicht. Den Drang zum Meer zu fahren versteh ich hingegen sehr. Und so schlichen sich Hanna und Ben auf Zehenspitzen in mein Herz. Erst nach dem Instawalk habe ich das Buch beendet (und ich bin ohne Spoiler durch das Treffen gekommen. Ich finde, das muss besonders gewürdigt werden!), dann aber in einem Rutsch, weil mich die Geschichte und die Geschichte in der Geschichte gefesselt haben. Ulla transportiert die Gefühle ihrer Protagonisten ganz ohne Holzhammer und Klischees. Viel mehr gleitet man wie bei den Gezeiten zusammen mit Hanna und Ben ins Meer und plötzlich steht man bis zum Hals im Wasser, weil man die Flut nicht bemerkt hat. Denn es ist gefährlich, stürmisch zu leben. Und zu lieben. Ein großartiger Debütroman, der Meersehnsucht weckt.


An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an den Heyne Verlag für die Einladung und für das Leseexemplar! Außerdem natürlich ein großes "Hurra" an die anderen Mitgeher und besonders an Ulla! Ich freu mich schon sehr auf dein nächstes Buch!

Kommentare:

  1. Liebe Marina,
    was für eine tolle Aktion. Bei so etwas würde ich ja auch gerne mal mitmachen. So cool. Mittlerweile habt ihr alle mich davon überzeugt, dass ich dieses Buch lesen muss. Vielleicht lese ich es gleich als Nächstes. :D
    Danke für diesen schönen Einblick.

    Liebst, Lotta

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  2. Ich finde, dass so ein Rundgang echt mal ein schöner, anderer Weg ist, sich einem Buch anzunähern. Und "Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen" lohnt sich wirklich!

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