Samstag, 7. November 2015

Die Schatten von Race Point von Patry Francis.


Originaltitel: The Orphans of Race Point - Aus dem Amerikanischen von Claudia Feldmann - Erschienen bei mare - 2015

Eine Liebe, die stärker ist als das Leben. Ein Zwischenfall, der alles verändert.
Als Kinder sind Hallie Costa und Gus Silva unzertrennlich, als Teenager werden sie ein Liebespaar - bis ein dramatischer Vorfall am Strand von Race Point die beiden auseinandertreibt. Doch Hallie kann ihren Kindheitsfreund nicht vergessen, und als Gus Jahre später des Mordes angeklagt wird, muss sie sich ihren Gefühlen stellen. Bei der Rückkehr an den Ort ihrer Vergangenheit stößt sie auf dunkle Geheimnisse von ungeahnter Dimension ...

Bei "Die Schatten von Race Point" leide ich unter Aufschieberitis. Die Lektüre des 588-seitenstarken Buches dauerte sehr lange, was größtenteils am Umfang lag. In meiner Tasche ist einfach kein Platz für dieses dicke Buch. Und auch bei der Fahrt zur Frankfurter Buchmesse bin ich lieber auf einen dünneren Wegbegleiter umgestiegen, obwohl ich da endlich  mal genug Zeit gehabt hätte, mehrere Kapitel am Stück zu lesen. Zuhause war ich immer zu müde und hatte zu viel Angst, dass mir das Buch aufs Gesicht fällt. Und nun - nun liegt diese angefangene Rezension bereits seit einer Woche unvollständig im Entwürfe-Ordner. Das tut mir auch sehr leid, aber irgendwie bin ich mit den Schatten einfach nicht richtig warm geworden.


Patry Francis umspannt mit ihrer Geschichte rund um die Freundschaft zwischen Hallie, Gus und Neil einen Zeitraum von 30 Jahren. Zu Beginn - 1978 - freunden sich die drei kindlichen Protagonisten miteinander an, nachdem Gus mitansehen musste, wie sein Vater seine Mutter ermordert und Hallies Vater es schafft, den traumatisierten Jungen wieder zurück in ein halbwegs normales Leben zu führen. In den nächsten Jahren entwickelt sich zwischen Hallie und Gus eine Liebesbeziehung, die ein dramatisches Ende nimmt, als Gus Neil (der für mich immer das fünfte Rad am Wagen ist) verprügelt und dabei auch Hallie erwischt. Bis zu diesem Punkt konnte mich das Buch noch fesseln. Oder jedenfalls fast fesseln.

Doch dann verlässt Patry Francis für mich den Pfad der interessanten Lektüre und wird - kitschig. Und zwar richtig kitschig. Dornenvögel-kitschig. Denn Gus wird Priester. Einfach so. Seine Religiosität wird zwar im Vorfeld kurz angesprochen, doch wie genau es zu dieser Entscheidung kam, bleibt für mich undurchsichtig. Ich hatte das Gefühl, dieser Twist musste nur rein, damit die Liebesgeschichte zwischen Hallie und Gus noch tragischer wird. Ab der Mitte des Buches folgt nämlich ein tragisch-kitschiges Ereignis dem nächsten. Gus kommt unschuldig ins Gefängnis! Hallie sorgt sich immer noch um ihren gefallenen Engel. Die Tochter der Frau, die Gus angeblich getötet hat, taucht plötzlich auf (ein furchtbar nerviger Teil, weil Patry Francis plötzlich in die Ich-Perspektive wechselt ...) und will Kontakt zu Gus aufnehmen. Es stellt sich heraus, dass die Frau, die Gus angeblich getötet hat, noch lebt! Oh weh! Und weil das alles noch nicht reicht, hat da plötzlich auch noch Neil seine Finger im Spiel (wahrscheinlich hat die Autorin gemerkt, dass sie die vermeintlich dritte Hauptperson fast 200 Seite gar nicht mehr erwähnt hat). Ein Samstag-Abend-Film bei ZDF würde vor Neid erblassen.

Da tröstet auch die atemberaubende Kulisse der Küste von Provincetown nicht mehr darüber hinweg, überhaupt spielt das Meer gar nicht mal so eine wichtige Rolle, wie ich gedacht habe. Und selbst die beiden Zitate, die ich mir aus dem Buch herausgeschrieben habe, sind nicht von der Autorin selbst, sondern nur Widmungen bzw. Kapitelüberschriften von anderen Autoren.

So bleibt leider nur ein sehr kitschig geratener Türstopper mit einem netten Cover übrig. 

Kommentare:

Koffer hat gesagt…

Provincetown ist eigentlich voll fad, aber man kann dort Wale sehen. WALE!

Marina hat gesagt…

Selbst Wale gibt es keine in dem Buch. :(