Sonntag, 15. November 2015

Ich. Bin. So. Glücklich. von Jessica Knoll.


Originaltitel: Luckiest Girl Alive - Ins Deutsche übertragen von Kristiane Dorn-Ruhl - Erschienen bei Egmont INK - 2015

Ani FaNelli müsste die glücklichste Frau der Welt sein: Sie hat einen glamourösen Job, trägt die neueste Designerkleidung und wird in wenigen Wochen ihrem gut aussehenden, adeligen Verlobten auf einer sündhaft teuren Hochzeit das Jawort geben. Anis Leben ist perfekt. Fast. Denn Ani hat ein Geheimnis. Ein dunkles, brutales Geheimnis, das sie seit ihrer Jugend verfolgt. Jetzt hat es sie eingeholt. Und es droht, ihre perfekte Bilderbuchwelt für immer zu zerstören.

Nachdem wir jetzt den Klappentext gelesen haben, vergessen wir ihn sofort wieder. Der ist schon arg furchtbar. Und wird dem Buch so gar nicht gerecht. Das ist nämlich überraschend packend.


Ani FaNelli lebt das perfekte Leben (wobei man sich schon darüber streiten könnte, was denn daran perfekt ist, aber das nur am Rande). Verlobter prima, Wohnung prima, Job prima, Haare prima, Klamotten prima. Dass sie in die Klamotten nur reinpasst, weil sie gefühlt gar nichts isst und gefühlt ständig Sport macht - hey. Wer schön sein will, muss leiden. Wer in New York dazugehören will, muss noch viel mehr leiden. Und verdrängen. Nämlich das alte Leben. Dazu gehört auch das im Klappentext angesprochene Geheimnis. Dieses wird meiner Meinung nach sehr schnell angesprochen, weswegen ich nicht verstehe, warum so getan wird, als dürfte dieses Geheimnis niemals ans Licht kommen. Die Frage ist nun - verrate ich das Geheimnis oder schweige ich?

TifAni FaNelli ist ein durchschnittliches Highschool-Mädchen, welches von einer reinen Mädchenschule auf eine Privatschule wechselt. Inklusive "Hilfe, ich bin die Neue"-Drama. TifAni möchte unbedingt dazugehören. Zur obersten Schicht. Zu den coolen Kids. Die Frage ist nun - was würde sie dafür opfern und würde sie dafür auch über Leichen gehen?



(Spoiler - TifAni wird von den coolen Jungs vergewaltigt, will das aber niemanden sagen, weil sie Angst hat, dann nicht mehr dazuzugehören. Zusammen mit Arthur, einem Jungen, der aufgrund seines Körperumfangs gemobbt wird, schmiedet sie unschuldige Rachepläne - bis Arthur eines Tages in der Schule Amok läuft)



TifAni - Ani - FaNelli ist eine unfassbar unsympathische Protagonistin und trotzdem konnte ich nicht aufhören "Ich. Bin. So. Glücklich." zu lesen. Genauso wie "Gone Girl" packen einen die vielen Unklarheiten und Verstrickungen, die die Autorin geschickt einsetzt, um den Leser zu verunsichern. Die extrem oberflächliche Welt wird durch die fiese, aber auf verwirrende Art und Weise auch realistische Ani mit Leben gefüllt. So liest man Seite für Seite für Seite, ist plötzlich am Ende und muss erstmal Luft holen. "Ich. Bin. So. Glücklich." zeigt sehr spannend, wie bestimmte Entscheidungen ein ganzes Leben beeinflussen können. Oder es mit einem Handgriff auslöschen.

Daumen hoch für diesen mit subtiler Spannung ausgestatteten Pageturner!

Kommentare:

  1. Daumen hoch für den letzten Satz!

    AntwortenLöschen
  2. Ich finde, der hat Potenzial, als Sticker auf Büchern zu kleben!

    AntwortenLöschen