Sonntag, 21. April 2019

Der Buchclub – Menschen, Bücher, Weißwein.

Dass ich gerne und viel lese, sollte man bei der Lektüre meines Blogs bereits mitbekommen haben. Damit gehöre ich - laut der Studie "Buch und Buchhandel in Zahlen" zu einer angeblich aussterbenden Gruppe. Immer weniger Menschen lesen (54,5% der Deutschen zählen als Selten- und Nichtleser. Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels). Ich befinde mich aber in der glücklichen Situation, einen belesenen Freundes- und Bekanntenkreis zu haben – Birds of a feather flock together. Und so kommt es auch, dass ich seit Oktober 2017 Teil eines Buchclubs bin.


Buchclub? 

Klingt das nach alten, verstaubten Tanten, die sich bei Tee und Mamorkuchen über den letzten Roman von Nora Roberts und/oder Thomas Mann unterhalten?

Gegen Tee und Mamorkuchen hätte ich zwar nichts einzuwenden (gegen Thomas Mann auch nicht!), doch unser Buchclub ist keineswegs antiquiert. Die gemeinsame Lektüre reicht von SciFi-Klassikern zu feministischen Streitschriften. Wir treffen uns für Schnitzel und Weißwein in Kneipen oder zu Pizza und Weißwein daheim auf der Couch. 

Doch wie genau läuft nun so ein Buchclub ab? Oder besser gesagt: Wie läuft unser Buchclub ab? Denn jeder Buchclub ist anders organisiert.

Der Buchclub "Schnitzelbooks" besteht derzeit aus sieben Mitgliedern und trifft sich ungefähr alle 2 Monate, um über das gelesene Buch zu sprechen und eine neue Lektüre auszuwählen. Dabei gibt es ein hochprofessionelles Auswahlverfahren. Jeder kann Buchvorschläge mitbringen und stellt diese in der Runde vor. Danach hat jedes Mitglied zwei Stimmen und kann so für zwei Bücher abstimmen. Das Buch mit den meisten Stimmen wird bis zum nächsten Termin gelesen. Bei gleicher Stimmenanzahl gibt es ein Stechen. 

Wichtigster Punkt beim Buchclub: Direkt einen neuen Termin ausmachen! 

Die Diskussionen zum gelesenen Buch reichen von oberflächlichen Betrachtungen bis zu tiefergehenden Analysen mit Querverweisen, bei denen jeder Literaturwissenschaftler vor Neid erblassen würde. Könnte auch am Weißwein liegen.


Zum Ende hin wird Buch geführt: Wie viele Punkte erhält das Buch? Mit welchem Wort würde man das Buch zusammenfassen? Und was hat man heute zum Buchclub gegessen?

Bisher haben wir im Buchclub folgendes gelesen:
- "Der nasse Fisch" von Volker Kutscher
- "Der Weltensammler" von Ilija Trojanow
- "Solaris" von Stanisław Lem 
- "Die Europäer" von Henry James
- "Unsagbare Dinge" von Laurie Penny
- "Orlando" von Virginia Woolf
- "Salz auf unserer Haut" von Benoîte Groult
- "The Haunting of Hill House" von Shirley Jackson
- "Cat Person" von Kristen Roupenian
- "Wie soll ich leben? Oder Das Leben Montaignes in einer Frage und zwanzig Antworten" von Sarah Bakewell

Die nächste Lektüre steht auch bereits fest: "Menschen im Hotel" von Vicki Baum.

Ich bin wirklich begeistert, wie gut unser Buchclub funktioniert und wie unterschiedlich die ausgewählten Bücher sind. Durch die verschiedenen persönlichen Hintergründe sind auch die Diskussionen zu den Büchern immer sehr bereichernd und erschließen neue Sichtweisen auf das Gelesene. 

Habt ihr schon mal bei einem Buchclub mitgemacht? Oder wäre das gar nichts für euch? Erzählt mir gerne von euren Buchclub-Erfahrungen! Ich finde das total spannend, weil so ein Buchclub nochmal eine ganz andere Art ist, über Bücher zu sprechen.

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