Mittwoch, 9. September 2009

Kabinett der Anatomie.

Kinder, unter 16. Bitte nicht lesen. :P

Also. Gestern waren wir nun endlich in der Ausstellung Körperwelten. Und - als erstes Fazit.
Ich fand es toll, wirklich. Und ich will jetzt schon wieder Medizin studieren. Ganz schlimm.

Man kommt rein. Und hört ein Herz schlagen. Bum-Bum. Bum-Bum. Bum-Bum. Sehr fein. Die erste Figur (also das einzelne Herz zähle ich mal nicht, weil das sah irgendwie so künstlich aus) bestand nur aus Blutgefäßen, so wie im Icon. Solche Figuren fand ich immer am tollsten. Da gab es auch nur einen Kopf, das sah so verdammt schön aus. Fast was fürs Wohnzimmer. Genauso wie das kleine Ferkelchen und das Zicklein. Niedlich, irgendwie. Und faszinierend. Wie feingegliedert die Blutgefäße doch sind.
Um unseren pubertären Status gleich mal zu unterstreichen.
Freundin A guckt sich die erste Figur an: "Ah, das ist ein Mann."
Ich muss leicht kichern.
Freundin B guckt kritisch: "Aha? Woran sieht man das jetzt?"
Ich muss wieder leicht lesie kichern. Man will ja Haltung bewahren und so. Aber. *fuchtel* Das war schon sehr lustig, irgendwie.

Dann kamen die ersten Figuren mit dieser typischen Muskel-Sehnen-Optik. Wahnsinn. Sieht echt grandiöst aus. Und ich musste mich immer wieder daran erinner, dass das echte Menschen sind. Waren. Das das echt ist. Okay. Das das zwar meist gefüllt mit Plastik/Silikon ist, aber trotzdem. Echt echt. Und so. Manchmal vergisst man das.
Das Gehirn fand ich irgendwie klein, dafür das man immer so stolz herumtut, dass Menschen ja so intelligent sind aufgrund des großen Gehirnes und so.
Die Frau mit den Schrauben überall an den Knochen - das war echt interessant was medizinisches alles möglich ist. Genauso wie bei dem künstlichen Hüftgelenk und dem Künstlichen Knie. Sowas gibt es doch, oder? Jedenfalls war das Kniegelenkt aus Metall. Und ich bezweifle, dass der gute Gunther von Hagen da freiwillig Metall irgendwo reinschraubt.
Eine Figur war vollkommen ausgeklappt und mit Fäden an der Decke befestigt. Wahnsinn. Sah aus wie eine Marionette. Nur mit sehr, sehr, sehr, sehr vielen Teilen.
Die Raucherlunge war - ekelig. Da ich aber nicht rauche, muss ich da keine Angst haben. Wenn ich aber rauchen würde, würde mir das wirklich zu denken geben. Wenn man dann im Vergleich eine normale Lunge hat. Bäh.
Auch die Tumore fand ich nicht sehr schön.
Aber auch das Sportlerherz fand ich etwas zu groß. Also. Sportler brauchen sowas ja. Ich nicht.
Die Föten (Ich hoffe das ist die richtige Mehrzahl von Fötus) fand ich - hm. Es ist schon irgendwie unschön wenn man sieht wie klein man selber doch mal war und wie klein so Kinder doch sind und dann sind sie - tot. Das ist echt traurig. Ich glaube als Schwangere ist das auch etwas heftig (Ey! Nicht, dass ich schwanger wäre. Ich vermute nur, dass es heftig ist wenn man schwanger ist :P ).
Die Figur, die ich etwas - geschmacklos fand wird wahrscheinlich von den Meisten gar nicht als so schlimm empfunden.
Ein Kleinkind in der Blutgefäßoptik (Was mir ja eigentlich gefällt, aber trotzdem) sitzt auf einem Fohlen (in Muskel-Sehnen-Knochen-Optik). Und das Fohlen ist als Schaukelpferd dargestellt. Das fand ich dann doch etwas zu viel. Ich weiß nicht warum mich das so gestört hat. Irgendwie. Ein kleines totes Pferd als Schaukelpferd zu benutzen fand ich etwas geschmacklos. Hm. Naja.

Weiter bei den anderen Figuren. Der Torwart der in der einen Hand einen Ball fängt und in der anderen Hand seine gesamten Organe hält. Hui. Was man so alles machen kann. Das ist cool.
Die Giraffe! Wahnsinn! So groß! Hach! Und ein Ziegenbock mit Fell. Überhaupt, es war toll, ein paar Figuren hatten noch Haare und Wimpern und bei einer sah man noch die vielen Tattoos. Die zwar etwas verblasst waren, aber trotzdem. Wahnsinn. Sehr interessant.
(Die aufgeklebten Brustwarzen fand ich manchmal sehr witzig. Genauso wie die Bauchnabel)
Überhaupt, die meisten Figuren waren Männer.
Warum nur?
Ist das aufgrund von sekundären Geschlechtsteilen bei Frauen hinderlich das Innere des Körpers zu zeigen? Und dann noch die störenden Geschlechtsorgane im Inneren. Hm. Könnte sein.

(Ich würde übrigens gerne Fotos zeigen, aber man durfte ja nicht fotografieren, der Ausstellungskatalog hat unverschämte 19 Euro gekostet, obwohl ich ihn gerne gekauft hätte, aber ich will jetzt keine Fotos aus dem Internet verlinken)

Dann. *trommelwirbel* Der Raum! Der Raum mit den zwei Sex-Akten! Der Raum, den der Oberbürgermeister von Augsburg mit einer (mit SEINER!) Wolldecke betreten hat, um eine der Akte zu bedecken.
Ja, das ist Augsburg. Sind sie nicht niedlich?
Erst freuen sie sich wie Sau, dass in der Messe endlich eine interessante, publikumsmagnetenhafte Ausstellung kommt und dann stellt man sich so an.
Weil, ganz ehrlich. Wenn ich ein Problem habe, ein Kunstwerk (weil das ist es doch, oder? Für mich, die sich medizinisch nicht so auskennt, ist das eher Kunst als Wissensvermittlung. Oder eine Mischung aus beiden, aber eher mit dem Augenmerk auf Kunst) zu sehen, welches Seks darstellt - dann gehe ich entweder nicht zu der Ausstellung oder ich gehe nicht in den Raum. Ganz einfach. Aber ich veranstalte doch nicht so ein Hick-Hack. Das ist WERBUNG! Gratis Werbung für die Ausstellung. Die Einstellung der Kirche finde ich gut. Sie findet es nicht toll, aber sie sagt dazu nichts mehr, weil sie eben keine Werbung machen will. Nur die Stadtführung hat das noch nicht so wirklich verstanden. Und der Herr von Hagen nutzt das aus und zerteilt medienwirksam die umstrittene Skulptur, weil nach Gerichtsurteil sind ja Emotionen dargestellt und das ist bäh und deswegen schneidet er den Oberkörper ab. Und die Füße (Meine Füße sind auch immer total emotional ...). Weil dann sieht man ja keine Emotionen mehr. Aber dafür ist die Skulptur auf den reinen Sex-Akt reduziert. Sehr sinnvoll, ja.
Man sah es aber trotzdem nicht.
In der Zeitung stand, dass die eine der beiden Sex-Akte wieder ab Dienstag gezeigt wird. Wurde sie aber nicht. Sie war hinter einem Bauzaun, der zweimal mit Folie abgedeckt wurde. Und die zweite Skulptur war immer noch in Goldfolie eingewickelt. Trotzdem hangen überall Fotos der beiden Akte. Sehr sinnvoll das. Und es lief ein Video wie ein wütender Oberbürgermeister eben seine Decke über eine Skulptur legt. Jaja. Fein das.
Ich musste den Kopf schütteln über so viel Engstirnigkeit. Und den meisten anderen Leuten im Raum ging es auch so.

Mal ehrlich.
Die Entscheidung, ob ich meinen Körper für diese Ausstellung spende haben doch die Körperspender selbstständig gefällt. Und man kann angeben wie man nicht dargestellt werden will. Also. Wo genau ist jetzt das Problem? Ich versteh es nicht. Vielleicht bin ich zu naiv. Ich habe auch spontan entschieden, dass ich meinen Körper lieber als Organspendematerial freigebe als für eine Körperweltenausstellung.
Was jetzt vielleicht blöd klingt, weil die Ausstellung hat mir wirklich sehr, sehr gut gefallen. Aber ich denke eine Organspende ist doch etwas sinnvoller als eine sensationsgeile Ausstellung. Entschuldigung. So ist es doch, irgendwie.
Und ich finde diese Zweigeteiltheit meiner Meinung auch sehr krank, ist aber irgendwie so.

Also ich würde mal sagen, wenn die Ausstellung in der Nähe von Menschen ist, sollten Menschen hingehen. Und sich selber ein Urteil bilden. Und interessant ist es auf jeden Fall.

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