Donnerstag, 16. April 2015

Nacktschnecken von Rebecca Martin.


Originalausgabe - Erschienen bei Dumont - März 2015

Nacktschnecken erzählt von den Herausforderungen einer Liebesbeziehung und verborgenen Wünschen. Wie nebenbei wird auch das Selbstverständnis einer jungen Frau im Hier und Jetzt verhandelt. In einer Zeit, in der Widersprüche unvermeidbar sind.

Dieses Buch habe ich bei LovelyBooks gewonnen, weil ich beim Live-Stream der Lesung eine Frage gestellt habe. Deswegen ist mein Buch auch von der Autorin unterschrieben, was mich sehr freut. Sowas kommt bei mir eher selten vor. Also, dass ich Autogramme in Büchern habe. Nicht, dass ich mich selten freuen würde. Ganz und gar nicht. Ich glaube, bei einem Buch von Thomas Glavinic ist eine Unterschrift drinnen. Oder auf der Eintrittskarte von der Lesung. Aber vielleicht täusche ich mich da auch. Ist auch egal. Nacktschnecken!

Nora und Paul sind seit knapp zwei Jahren ein Paar und verbringen gerade ihren Urlaub in Frankreich. Doch dann müssen sie spontan zurück nach Deutschland, weil die Exfreundin von Paul im Krankenhaus liegt. Nora ist ein bisschen sauer deswegen, aber auch ein bisschen sauer auf sich selber, weil sie deswegen sauer ist. Es kriselt in der Beziehung und Nora lenkt sich mit einem Arbeitskollegen ab. Nora ist Schauspielerin bei einer TV-Serie, die sich "Das Gutshaus" nennt. Öffentlich-Rechtliche Daily-Soap (obwohl immer gesagt wird, dass es gar keine Daily Soap ist). Nora geht fremd, Nora trennt sich von Paul, Nora kündigt, Nora weiß nicht, was sie machen soll. 

Eigentlich folgt man mit Nora einer durchschnittlichen Anfangzwanzigjährigen durch ihr Leben. Den Schauspielteil klammere ich hier mal aus, der ist aber auch im Buch nicht so besonders wichtig. Nora will erwachsen sein, weiß aber nicht, wie das geht. Selbstfindung, quasi. Mit Gefühlen und Liebe und Sex und Freundschaft.

Wahrscheinlich würde ich das Buch als "joah, ganz ok" abschreiben und ins Bücherregal zurückstellen, wenn - ja, wenn da nicht ein Punkt wäre, der das Buch für mich über ein "joah, ganz ok" hebt: Das Buch spielt in Hamburg. Und die doofe Nora sagt und tut manchmal Sachen, die ich auch sage und tue. Und das ist keine gute Sache. Das sind nämlich genau die Sachen, die zu dem ganzen Mistkram führen. 

I'm a locker-flockig-easy-going-in-every-situation-chick. Peng peng!

Teilweise hatte ich aber auch richtig Angst vor dem Buch, weil ich mich verfolgt fühlte. Hattet ihr das schon mal, dass ihr ein Buch gelesen habt und genau die gleiche Situation gab es in eurem Leben auch? Also gut, es ist nicht die haargenau gleiche Situation, aber. Nora und Paul essen Pizza und überlegen, ob sie Game of Thrones gucken sollen (die richtige Antwort ist: Ja, sollt ihr!). Paul schlägt dann vor, dass man ja auch "Der große Gatsby" gucken könnte. Nora fragt, ob Paul mit dabei war, als sie "Der große Gatsby" im Schauspielhaus gesehen hat. 

"Das mit der riesigen Torte?"

Und ich so - bääm! Rebecca Martin! Wer bist du und warum verfolgst du mich? Ich zitiere mich selbst aus dem Jahre 2012 - Februar 2012, als ich in Hamburg war:

Abends gingen wir erst in die Turnhalle zum Essen, aber Dieter Bohlen war nicht da. Danach Theater, auch wieder ohne Dieter Bohlen. Zum Glück. Der große Gatsby. Liebe Hamburg-Menschen, guckt euch dieses Stück an, liebe Nicht-Hamburg-Menschen, guckt euch dieses Stück an. Um mich selbst zu zitieren bezüglich des Bühnenbilds:
"So sieht es in meinem Kopf aus!"
Riesen Sahnetorten! Glitzer! Wunderhübsche Kleider. Wir sollten etwas unternehmen! Aber was unternimmt man denn???
Ich bin so arg verliebt, ich werde mir wohl demnächst das Buch kaufen müssen.
An dem Tag hab ich Herrn Gatsby kennen gelernt. But that's another story.

Auf jeden Fall hat mir diese Stelle sehr gefallen. Und auch die Beschreibung des Treppenviertels (nicht Treppengebiet, aber den Fehler finde ich arg niedlich) erinnert mich an meinen Ausflug ins Treppenviertel. Überhaupt haben die Nacktschnecken arges Fernheimweh ausgelöst. Ich vermisse Hamburg. Wer Hamburg auch mag und auf Junge-Generationsselbstfindungsbücher steht, der kann Nacktschnecken lesen. Allen anderen empfehle ich das thematisch sehr ähnlich gehaltene Buch "Der Tag, als meine Frau einen Mann fand" von Sibylle Berg.

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