Sonntag, 8. März 2020

Nix passiert von Kathrin Weßling.


Originalausgabe - Erschienen bei Ullstein fünf - Januar 2020 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar!

Alex ist verlassen worden. Und ohne Jenny ist Berlin einfach nichts. Kurzentschlossen nimmt Alex sich eine Auszeit im Kaff seiner Kindheit. Doch statt Erholung sieht er sich mit einer Idylle konfrontiert, die keine ist, nie wirklich eine war – auf jeden Fall nicht für ihn. Statt Unterstützung gibt es Familienstreit, offene Rechnungen mit alten Freunden und vor allem Langeweile. Und Alex fragt sich, ob er die Kleinstadt eigentlich jemals hinter sich gelassen hat. Und was überhaupt Zuhause bedeutet. 

Vor zwei Jahren erschien "Super, und dir?" von Kathrin Weßling und die ersten beiden Absätze der damaligen Rezension könnten exakt genauso auch hier wieder stehen, nur der Buchtitel müsste durch "Nix passiert" ausgetauscht werden und der Salbei auf dem Foto ist leider schon sehr lange vertrocknet und abgestorben, was mich nun sehr traurig macht. 

Alex ist wie mein Salbei. Nach der Trennung von Jenny liegt er vertrocknet, abgestorben und apathisch in seiner Berliner Wohnung herum und weiß nicht, was jetzt passieren soll. Und es passiert auch nix. Er tauscht den eintönigen Ausblick auf seine Wohnungsdecke durch das eintönige Leben in seiner Heimatstadt und kehrt für ein paar Tage, ein paar Wochen, wer weiß das schon so genau, zu seinen Eltern zurück. Und auch, wenn J.R.R. Tolkien sagt, dass "Not all those who wander are lost", so ist Alex doch sehr verloren in seiner Wanderung in die Vergangenheit. Diese Kleinstadt, die hat nie so richtig gepasst und passt auch jetzt mit Anfang 30 nicht.
Ähnlich wie in "Schöner als überall" wird hier der Sehnsuchtsort "Daheim in der Kleinstadt" beschrieben, der sich so sehr vom Leben in der (Groß-)Stadt oder dem Leben auf dem Dorf unterscheidet. Klar. Sonst wär es ja auch irgendwie immer dasselbe.

Alex wohnt dann also in seinem alten Kinderzimmer oder eben auch nicht, weil seine Eltern sein Kinderzimmer längst in einen eigenen Raum verwandelt haben, er schläft stattdessen im Keller und sinniert darüber, wie sehr er Jenny vermisst oder eben auch nicht und was das überhaupt alles soll und wie sehr er diese Kleinstadt hasst, aber Berlin eben auch und wohl jeder von uns kennt diesen Schmerz und dieses Gefühl, nicht zu wissen, was jetzt kommt, nennt sich meist Erwachsen werden und ist echt anstrengend. 

"Hoffnung ist wie eine Wand aus Frischhaltefolie, mit der man eine Lawine aufhalten will. Hoffnung ist wirklich so ein Dreck." (Seite 12)

Doch während ich bei "Super, und dir?" einen Zugang zur Protagonistin gefunden habe, tu ich mir mit Alex aus "Nix passiert" etwas schwer. Ich möchte ihn schütteln und ihm sagen, dass er sich doch bitte mal nicht so anstellen soll, andere Mütter haben auch schöne Töchter und überhaupt, was soll dieses Generation-Berlin-Gejammere jetzt schon wieder? Alex bleibt mir fern, während ich die Kleinstadt Braus so gut verstehen kann und ich Gänsehaut bei den Beschreibungen der Kleinstadt und dem Leben darin bekomme. Genau so. Und ich möchte da nicht unbedingt wieder zurück.

Kathrin Weißling zeigt mit "Nix passiert" meisterhaft, wie anstrengend das Leben sein kann. Und das ist manchmal anstrengend zu lesen. Und vielleicht hätte das Buch und Alex noch etwas Zeit gebraucht, um zu reifen. Ich freu mich auf jeden Fall schon auf das nächste Buch. 

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