Samstag, 10. Januar 2015

[Kehrwoche] Die lange Nacht der aufgeschobenen Bücher #LNaB


Heute mal was ganz anderes. Ich  mach bei der Lesenacht der aufgeschobenen Bücher mit, eine Aktion von Herzpotenzial im Rahmen der Kehrwoche. Die letzten Tage ging es um aufgeschobene Rezensionen, abgebrochene und aufgeschobene Bücher. Letztere sollen heute Abend nochmal im Vordergrund stehen. 
Über den Abend verteilt stellen Maike und Mareike von Herzpotenzial (ich schreib IMMER erst "Potential" ...) verschiedene Fragen, die ich zum einen über Twitter oder Instagram beantworten werde, zum anderen werde ich die Antworten auch immer hier posten. Das heißt, es lohnt sich, diesen Beitrag später noch einmal zu lesen.

19.00 Uhr Zu Beginn: Stellt euch doch direkt mal kurz vor und mit welchem Buch ihr beginnt. Lest ihr eure aktuelle Lektüre, habt ihr zu “Altlasten” gegriffen und ab welcher Seite steigt ihr (wieder) ein?
Ich hab mir diese drei Bücher zurecht gelegt.
Der Zauberberg von Thomas Mann ist meine persönliche Mahnung und der Schandfleck in meinem Buchregal. Und damit meine ich nicht das Buch, sondern meine Unfähigkeit, dieses Buch endlich einmal zu Ende zu bringen. Das wird auch heute nicht geschehen, ich stehe auf 395 von 984 Seiten. Seit gefühlt hundert Jahren quäle ich mich durch dieses Buch und in der Rückschau denke ich sogar, dass das Buch mir gefallen könnte. Aber irgendwie fehlte mir bisher immer der richtige Einstieg, die richtige Situation es zu lesen.
Das dicke Kind und andere Erzählungen von Marie Luise Kaschnitz wanderte heute gemeinerweise erst aus meiner Tasche raus, ins Bücherregal hinein und liegt jetzt doch wieder neben mir. Eigentlich war der Plan, dieses Buch zu lesen, um möglicherweise über die Autorin meine Masterarbeit zu schreiben. Der Plan steht zwar noch, ist aber runtergestuft worden auf Plan B, mein Plan A gefällt mir gerade besser und deswegen besteht keine dringende Notwendigkeit mehr, dieses Buch zu lesen. Dabei waren die bisher gelesenen Erzählungen richtig gut. Bei diesem Buch bin ich auf Seite 87 von 191.
Breakfast at Tiffany's by Truman Capote. Eigentlich sollte es doch wirklich nicht so schwer sein, dieses kleine Reclambändchen zu beenden. Deswegen werde ich mit diesem Buch nun auch starten, weil ich auch endlich einmal "Kaltblütig" von Capote lesen, aber irgendwie vorher dieses hier beenden möchte. Und dann kann ich im Anschluss nochmal den Film sehen. Mein Lesezeichen (das wunderschön gefaltene Herz) verrät mir, dass ich auf Seite 59 von 134 bin. Gut. Eigentlich verrät es mir das quasi nicht mehr, weil ich es für das Foto herausgenommen habe, aber ich hab mir schlauerweise die Seitenzahl gemerkt. Ausgefuchst!

21.00 Uhr Die ersten zwei Sunden sind rum. Wie hat euch euer Buch bisher gefallen? Wollt ihr es weiterlesen oder legt ihr es jetzt endgültig zur Seite? Oder habt ihr bereits ein weiteres Buch in der Hand?
Ich hab drei Stellen bei "Breakfast at Tiffany's" angestrichen, das soll wohl was heißen! Auf jeden Fall habe ich gemerkt, dass ich sowohl Holly Golightly als auch Truman Capotes Schreibstil sehr mag. Holly wirkt so lebendig, verwirrend, fröhlich und traurig gleichzeitig. Und - die Englischlektüre ist eine gute Abwechslung. Ich sollte wieder öfter englische Bücher lesen.
Gleich gibt es Essen, danach werde ich wohl eine Erzählung von Kaschnitz lesen. Holly Golightly wandert auf jeden Fall als U-Bahn-Lektüre in meine Handtasche.

A St. Christopher's medal. But at least it came from Tiffany's

23.00 Uhr Blicken wir doch noch einmal zurück: Welche Bücher konnten euch in letzter Zeit wirklich fesseln, welche haben euch einfach nur gelangweilt?
Die Bücherliste für 2014 ist ja noch nicht so lange her, dort kann man etwas erahnen, welche Bücher mich fesselten oder langweilten. Seitdem habe ich noch kein Buch beendet. Schockierend. Aber gefesselt hat mich auf jeden Fall "Der Marsianer" von Andy Weir. Beziehungsweise fesselt mich das Buch immer noch. Mir fehlen auch nur noch knapp 200 Seiten, ich freue mich schon darauf, eine Rezension zu dem Buch zu schreiben, weil das so überhaupt nicht in mein bisheriges Leseschema reinpasst.
Gelangweilt hat mich stellenweise "The Diviners" von Libba Bray, weil das Buch zu viele Informationen vermitteln will und dabei sehr konstruiert wirkt. Fast wie eine Auftragsarbeit. Und so etwas will man als Leser nicht spüren.

01:00 Uhr Die Lesenacht ist vorbei. Wie lief der Abend für euch? Habt ihr Bücher beenden können? Welche bekommen weiterhin eine Chance, welche hakt ihr endgültig ab?
Beendet hab ich nichts, das war auch gar nicht mein Ziel. Beziehungsweise hätte ich dafür den Abend besser planen müssen. Wir haben beim Essen einen Film geguckt und waren danach im Keller, um die aussortierten Bücher zu inventieren, Oder inventarisieren. ISBNs aufschreiben, um die komplette Liste bei Bücheraufkaufseiten einzugeben. Aber das nur am Rande.
Bei "Breakfast at Tiffany's" habe ich 25 Seiten gelesen und, wie oben bereits erwähnt, beschlossen, dass ich das Buch in den nächsten Tagen weiterlesen möchte. Beziehungsweise wird es eben meine U-Bahn-Lektüre. Wer weiß, wie viel ich in den nächsten Tagen U-Bahn fahre.
"Das dicke Kind und andere Erzählungen" von Marie Luise Kaschnitz finde ich immer noch sehr interessant. Ich hab zwei Erzählungen gelesen. "Ein Tamburin, ein Pferd" erzählt von einem kleinen Mädchen, welches bei Pflegeeltern lebt. Eines Tages kommen Soldaten und durchsuchen das Haus, weil sie denken, dass dort jemand versteckt wird. Ein Kämmerchen kann nicht geöffnet werden, weil das Mädchen den Schlüssel verloren hat, die Pflegeeltern werden erschossen und das Mädchen versteckt sich in einer Kutsche. Ende. Bei "Lupinen" geht es um zwei Schwestern, die in einem Judenzug abtransportiert werden, eine der Schwestern gelingt die Flucht und sie versteckt sich bei ihrem Schwager.
Beide Geschichten bestechen durch eine einfache, schnörkellose Sprache, die so gar nicht zu den bedrückenden Geschichten passt, aber gerade deswegen gefallen mir Sprache und Geschichte. Auch hier werde ich auf jeden Fall weiterlesen.
Wie es zu erwarten war, habe ich "Der Zauberberg" von Thomas Mann nicht gelesen. Ich glaube, dass ich das Buch auch gar nicht für einen kurzen Quereinstieg eignet. Und ich weiß, dass ich bei einem kurzen Quereinstieg nach 10 Seiten schon wieder draussen bin. Vielleicht muss das Buch einfach weiter in meinem Bücherregal reifen. Wie Wein. Vielleicht muss ich auch einfach reifen. Wie Wein. Irgendwann klappt das schon noch mit dem Zauberberg und mir.

Auf jeden Fall hat mir die Lesenacht sehr viel Spaß gemacht, weil sie zeigt, dass es manchmal gar nicht notwendig ist, sich neue Bücher zu kaufen, manchmal reicht es auch, das eigene Bücherregal neu zu entdecken. Vielen lieben Dank, Maike und Mareike von Herzpotenzial für die Lesenacht!
Nun geh ich brav ins Bett und wünsche euch allen eine gute Nacht.

1 Kommentar:

Schön und Gut hat gesagt…

... ein schillernder Schreibstil. Grandios!

Auch wenn ich das Mädchen war, das Erdnüsse gegessen und nebenbei trotzdem getanzt hat :)