Samstag, 17. September 2022

»Die Hauptsache« von Hilary Leichter

Originaltitel: »Temporary« - Deutsch von Gregor Runge - Erscheinen bei Arche - 2021 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an Picador

Die Heldin der Geschichte ist Zeitarbeiterin in New York. Sie arbeitet als Aushilfe in einem großen Büro, als Verkehrspolizistin, auf einem Piratenschiff, als Assistentin eines Mörders und schließlich als Mutter eines einsamen Jungen, der erzogen werden möchte. Ihr Privatleben hat sie dem ständig wechselnden Arbeitsalltag angepasst: Für jede Lebenslage gibt es den passenden Partner, achtzehn an der Zahl. Mit den Wochen werden ihre Anstellungen immer absurder – ebenso wie der ewige Versuch, dem Leben durch die Arbeit einen Sinn zu geben.

Wie viele unterschiedliche Jobs hattet ihr bereits in eurem Leben? Zwei? Fünf? Gar keinen? Wenn ich alle Praktika, Werkstudententätigkeiten und Vollzeitstellen zusammenzähle, komme ich bei mir auf bisher 13 verschiedene berufliche Stationen. Das ist irgendwie mehr, als ich angenommen habe. Und doch kann die Protagonistin aus »Die Hauptsache« darüber wohl nur müde lächeln.

»Mein Arbeitsleben spielt sich im Kurzformat ab: kurze To-do-Listen, kurze Zeiträume, kurze Röcke.« (Seite 13)

Sie ist nämlich Zeitarbeiterin und wechselt von einem Job in den nächsten. Während wir Leser*innen durch die Seiten fliegen, vermittelt ihr die Jobagentur Job um Job um Job. Büroaushilfe, Fensterputzerin, Vorstandsvorsitzende, Schuhschrank-Organisatorin, Piratin, Seepocke, Mordassistentin, Knöpfedrückerin, Flugblattverteilerin, Ersatzmutter. Immer nur vorübergehend, immer nur kurzfristig, aber immer mit der potentiellen Option einer Übernahme. 

Sonntag, 11. September 2022

Deutscher Buchpreis 2022 - Die Longlist #dbp22

Es ist wieder Zeit für den Deutschen Buchpreis! Wie schon in den vergangenen Jahren habe ich mit Spannung der Bekanntgabe der Longlist entgegengefiebert und kann schon einmal vorwegnehmen, dass die Mischung mich positiv überrascht hat. Die Suche nach dem begehrten Leseproben-Heft hat glücklicherweise dieses Jahr nicht lange gedauert und deswegen gab es bereits letzte Woche meine Leseproben-Eindrücke in gif-Form bei Twitter – und nun folgt die offizielle Zusammenfassung inklusive der sehr wichtigen Smiley-Bewertung mit  😃, 😐, oder ☹️ und einem Lieblingssatz aus der Leseprobe.


Sonntag, 4. September 2022

Lesezeit im August 2022

Wie war das im Juli noch mit der kurzen Leseliste aufgrund des Dicke-Bücher-Camps? Meine Lösung: Kurze Bücher! Verrückt, nicht wahr? Gut, vielleicht war es auch die Kombination aus kurzen Büchern und langen Zugfahrten, die im August die Leseliste mit insgesamt sechs Büchern gefüllt hat. Bei zwei 7-Stunden-Fahrten nach bzw. von Budapest hat man schließlich viel Zeit zum Lesen. Und wenn die zu lesenden Büchern dann auch noch gut sind, fliegen die Seiten nur so dahin. Alte, aber wahre Binsenwahrheit. 


Mittwoch, 31. August 2022

Das war das Dicke-Bücher-Camp 2022

Und schwuppdiwupp sind schon wieder zwei Monate rum – damit schließt das Dicke-Bücher-Camp für dieses Jahr wieder seine Pforten. Im Juli und August wurden wieder Seite um Seite von Büchern mit mehr als 500 Seiten gelesen und bei Instagram finden sich über 3700 Beiträge unter dem Hashtag #dickebüchercamp, das freut mich schon besonders. 

Ich hatte mir für dieses Jahr fünf Bücher für das Dicke-Bücher-Camp vorgenommen – was ist daraus geworden?

Montag, 8. August 2022

»Butter« von Asako Yuzuki


Originaltitel: »Butter« - Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe - Erschienen bei Blumenbar - 2022 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar

Rika, eine junge Journalistin, trifft in Tokio auf die exzentrische Serienmörderin Manako Kajii, die sich im Leben nimmt, was sie will, und Männer mit ihren exquisiten Kochkünsten verführt haben soll. Schon bald gerät sie mehr und mehr in ihren Bann … Der Überraschungsbestseller aus Japan – ein universeller Roman über Lebenskunst und die Geschichte einer weiblichen Befreiung. 

Die Idee von »Butter« klingt so einfach wie appetitlich: Eine junge Journalistin führt eine Interviewreihe mit einer mutmasslichen Mörderin, die auf ihren Prozess wartet. Angeblich habe sie mehrere Männer mit ihren selbstgekochten Gerichten getötet. Asako Yuzuki bereitet aus diesen Grundzutaten ein mehrgängiges Menü in Form von Gerichtsreportage, Kochbuch, Frauenfreundschaften und Selbstfindungsratgeber vor, das imposant aussieht, doch den großen Hunger nicht stillen kann.

Ja, die vielen Essensanspielungen müssen sein.

»Butter« macht hungrig mit den unzähligen Beschreibungen der Gerichte, die die mutmaßliche Mörderin Manako Kajii der jungen Journalistin Rika empfiehlt. Insbesondere der Butterreis mit Sojasauce klingt köstlich durch seine schlichten, aber hochwertigen Zutaten. Doch vielleicht liegt genau hier mein Problem mit dem Roman. Er will schlicht und hochwertig wirken, doch genau daran scheitert er. Alle Beziehungen, die Rika führt, sei es zu ihrer besten Freundin Reiko oder Manako Kajii, sei es zu ihrer Mutter oder zu verschiedenen Kollegen aus der Zeitungsredaktion, haben einen bitteren Beigeschmack, der das ganze Konstrukt des Romans durchzieht und unangenehm künstlich wirken lässt.