Samstag, 28. Februar 2015

Fotobreze - Februar 2015

Immer, wenn ich für diesen Fotomonatsabschluss die Fotos durchgucke, denk ich mir "Ach, das war doch erst letzte Woche!" und dabei war das schon vor hundert Jahren. Verwirrend. Zeitrechnung kann ich überhaupt nicht. Ich bin auch beim Zähneputzen immer sehr verwirrt, weil ich seit Weihnachten eine elektrische Zahnbürste habe, die in 30-Sekunden-Intervallen vibriert und ich mir immer denke "Ach, das waren jetzt also 30 Sekunden?" und das kann entweder als Erstaunen, weil es so kurz war oder als Erstaunen, weil es so lang war, gedacht sein. 


// Arbeitsweghimmelblau //
// Wir haben Baal gesehen! Und jetzt hat Suhrkamp Recht bekommen und die dürfen es nur noch zweimal zeigen. Eine Gemeinheit. Obwohl das Stück gar nicht mal so gut ist //
// Ein einsamer Karton an einer Straßenbahnhaltestelle. Kunst //


// Geschenke von unserem Februarübernachtungsgast Josefina. Voll schön //
// Ich finde ja "Sanftes Vergnügen" hört sich bei einer Seife irgendwie falsch an //
// Ich bin mir irgendwie sehr sicher, dass Kafka das nicht gesagt hat // 


// Essen - die herzhafte Variante //
// Blätterteig-Nest //
// Asiadinge //
// Ein Hamburger mit sehr leckeren Kartoffelwürfeln // 

 
// Essen - die süße Variante //
// Pfannkuchen auf Pfannkuchen oder doch Krapfen auf Eierkuchen? Schwierig! //
// Dieser Zimtschneckenkuchen von Zucker, Zimt und Liebe ist unfassbar lecker // 
// Mein erster Chiasamenschokopudding-Versuch. Schmeckte sogar ganz gut //


// Zu Fasching geh ich als Buch mit Käse-Toast //
// Schreibtisch aufgeräumt. Jetzt noch Motivation sammeln, ab dem 09. März geht es los mit der Masterarbeit // 
// Und hier sehen Sie, wie ich ein Buch lesen und dabei Müsli esse //


// Es ist vollbracht. Die Bücher stehen nun zusammen, nachdem Herr Gatsby eine sehr große Bücherschlange in unserem Wohnzimmer gebaut hat //
// Irgendjemand hat "Cornelia erlebt Oberammergau" verschenkt und ich weiß nicht, ob das was nettes ist oder nicht //
// Man sollte sich viel öfter für Bücherstipendien bewerben. Yay! // 


// Die böse Seite der Lego-Minifiguren //
// Mein Bruder schickt mir Tauben-Fotos, ich schicke ihm Tauben-Fotos. Es ist ein herrliches Spiel //
// Die gute Seite der Lego-Minifiguren. Ich meine - ein Hot-Dog! Ein Einhorn! //

// Heute - ein Ausflug nach Augsburg. Da fährt man über Kissing und ich habe lange nicht verstanden, warum Ortsfremde den Namen so lustig finden //
// Nach dem Ausflug nach Augsburg noch ein Ausflug zu den Eltern, um den Hund zu streicheln //
// In Augsburg musste ich mir ein Buch kaufen. Musste. Jawohl. Die Neuübersetzung von Nils Holgersson. Ich kenn von Nils Holgersson nur die Zeichentrickserie. Und trotzdem freue ich mich schon sehr auf das Buch // 

Das SuB-Buch der Woche - Folge 11.


Dieses Mal musste ich das SuB-Buch der Woche erst einmal suchen, was daran liegt, dass es doch zu einer Bücherregalzusammenlegung kam und nun stehen alle Bücher zusammen, außer meine ungelesenen Bücher, die stehen in einem extra Regal, sind deswegen aber auch von links neben mir nach vor mir gewandert - also, früher standen sie im Bücherregal links neben mir (bzw. links hinter mir) und nun stehen sie in dem Regal, welches direkt vor mir steht. Kompliziert. Auf jeden Fall musste ich nun erst gucken, in welchem Regalfach das Buch steht. Alles neu. Alles ungewohnt. Aber nun soll es um "Gegen den Tag" gehen. Von Thomas Pynchon. Auch im Jahre 2010 bei mir eingezogen.

Dieser Roman umspannt den Zeitraum zwischen der Weltausstellung in Chicago 1893 und den Jahren kurz nach dem Ersten Weltkrieg; er führt von Colorado über London und Göttingen, Venedig und Wien, den Balkan, Sibirien bis zum Hollywood der Stummfilmära sowie an ein, zwei Orte, die auf keiner Landkarte zu finden sind. Mit schrankenloser Phantasie und kauzigem Witz erzählt Thomas Pynchon von Macht, Dynamit und zügelloser Geldgier: "Vielleicht ist dies nicht die Welt, aber mit ein, zwei kleinen Änderungen könnte sie es sein."

Als ich das Buch gerade aus dem Regal holte, dachte ich mir nur "Uff, das ist aber schwer!". 1595 Seiten aus Dünndruckpapier. Ne Bibel quasi. Steht auch genauso ungelesen im Regal herum. 
Jedenfalls. Ich hab von Pynchon noch nie etwas gelesen, kenne ihn aber dreimal.
Einmal - mein Lieblingschefaushilfsbuchhändlerexkollege mag Herrn Pynchon gerne. 
Zweimal - ich mag die Simpsons-Folge, in der Herrr Pynchon mit einer Papiertüte überm Kopf auftritt. Er will ja nicht erkannt werden. 
Dreimal - eigentlich wollten Herr Gatsby und ich am Dienstag ins Kino und Inherent Vice angucken. Doch dann waren wir zu faul. Oh weh.

Das ist eigentlich recht wenig. Und ich weiß auch nicht wirklich, um was es in "Gegen den Tag" geht. Ich weiß auch nicht, ob ich das Buch wirklich irgendwann einmal lesen werde, obwohl ich gerade die erste Seite überflogen habe und die klang doch gut, aber beim Umblättern dachte ich mir dann "Uff, das ist aber schwer!", weil das Papier schon arg dünn ist, da hab ich Angst, es kaputtzumachen. Außerdem weiß ich nicht, ob ich 1595 Seiten lang meine Konzentration halten kann. Vielleicht, wenn ich einmal in der Einsamkeit ausgesetzt werde (Wald, Berg, Insel).

Donnerstag, 26. Februar 2015

Cornelia erlebt Oberammergau von Elisabeth Dreisbach. Noch einmal.


Na, konntet ihr die Nacht durchschlafen? Oder habt ihr (auch) voller Spannung eure Fingernägel abgeknabbert, weil ihr unbedingt erfahren wollt, wann Cornelia endlich was in Oberammergau erlebt? Oder wurde hier bereits in den 50er Jahren Namedropping betrieben und Cornelia bleibt weiter im Stuttgart-Schwarzwald-Bodensee-Dreieck? Bald werden wir es erfahren!


Cornelias Mutter und Herbert wollten Cornelia vom Bahnhof abholen, aber Cornelia war dort gar nicht, Cornelia war ja mit dem Schuft Harry Periot unterwegs. Die Mutter sitzt die ganze Nacht im Wohnzimmer und macht sich Sorgen. Oh weh, was ist da nur bei der Erziehung der Tochter schiefgelaufen? Sie war doch immer so ein liebes Mädchen.

Eine Anzahl netter, kleiner Kinderepisoden aus Cornelias ersten Lebensjahren stiegen plötzlich in ihr auf. Einmal hatte ein kleines Mädchen im Kindergarten Cornelia beschimpft und ihr vorgeworfen, sie sei schadenfroh. Da hatte diese erstaunt gefragt: "Schadenfroh? Was ist denn das?" Worauf die andere boshaft rief: "Das weißt du nicht? Dann bist du auch noch dumm dazu. Jeder weiß doch, was schadenfroh ist." Cornelia aber hatte ernsthaft das Köpfchen geschüttelt: "Nein, bei uns zu Hause gibt es so etwas nicht."

Cornelia kommt schließlich doch noch nach Hause und schämt sich sehr. Die Mutter ist erst böse, weil die Tochter sie belogen hat, aber sie versteht auch, dass Cornelia Freiräume braucht. Außerdem kann man ja gemeinsam beten. Doch das will Cornelia nicht.

Traurig blickte Frau Kronhaupt ihrer Tochter nach. Sollte es über Cornelia erst noch dunkler werden müssen? War Gottes Stunde für sie noch nicht gekommen?

Ich hab ein wenig Angst vor "Gottes Stunde", ich dachte, so sagt man, wenn jemand stirbt. Wer auf metaphorischer Ebene stirbt, ist nun Harry Periot, mit dem will Cornelia nämlich nichts mehr zu tun haben. Und das sagt sie ihm auch. Jawohl.
Peter ist wieder gesund, die familiäre Lage entspannt sich etwas, auch wenn Cornelia immer noch etwas mürrisch ist. In der Zwischenzeit erreichen sie weitere Briefe ihrer Freundinnen, die alle in ihren Ferien emotional gereift sind. Die Schule beginnt und Cornelia freundet sich mit einem Mädchen an, welches keinen guten Ruf hat. Oho. Das färbt auch auf Cornelia ab.

"Also stelle dir unser Hausmütterchen Cornelia Kronhaupt vor mit knallroten Lippen, ganz  modernem, kurzgeschnittenem Bubikopf, und letzthin sah ich sie bei Sopkes am Fenster stehen und - wie Lieselotte - eine Zigarette rauchend!"

Die alten Freundinnen sind ganz schockiert, die Mutter auch, aber - wie schon einmal - kann die Patentante hier helfen. Die hat nämlich Geburtstag und lädt Cornelia zu sich ein und dann machen sie eine Tour durchs Krankenhaus, besuchen eine frischgebackene Zwillingsfamilie, eine Frau, die ihr Kind nach der Geburt nicht sehen mag, eine Frau, deren Kind bei der Geburt gestorben ist (und all diese Frauen liegen in einem Zimmer, wie praktisch) und schlussendlich auch die geschlossene Anstalt, in welcher sich Frauen befinden, die geschlechtskrank sind. Emotional verstört, beschließt Cornelia, nicht mehr bockig und zickig zu sein. Und weil sie so ein artiges Mädchen ist, lädt ihre Tante sie zu einer dreiwöchigen Fahrt nach ...

....

OBERAMMERGAU ein! Ja! Auf Seite 119 von 160 fällt endlich zum ersten Mal das Wort "Oberammergau". Ich hab die Spannung gar nicht mehr ausgehalten. Jetzt erst einmal ruhig durchatmen. Wer weiß, vielleicht fahren sie wirklich dort hin und das Buch hätte berechtigterweise "Oberammergau" im Titel stehen. 

Kritische Menschen werden sich jetzt fragen, wie Cornelia denn bitte für drei Wochen nach Oberammergau fahren kann, schließlich muss sie in die Schule und den Haushalt schmeißen. Aber, da hat die Autorin mitgedacht!

"Keine Sorge, ich habe bereits mit deinem Direktor darüber gesprochen. Du bekommst drei Wochen Sonderurlaub, weil du während der großen Ferien keine Möglichkeit hattest, dich auszuruhen."

So macht man das nämlich. Falls ihr also das nächste Mal in euren Ferien nicht zur Ruhe kommt, wendet euch an den Direktor eurer Schule, da kann man sicherlich was machen. Ich denke auch, dass sich das aufs Berufsleben übertragen lässt. 
Die unzuverlässige Verwandte, die beim Schwarzwaldurlaub schon meinte, dass sie vorbeikommt, verspricht dieses mal wieder, dass sie vorbeikommt, was dieses Mal sogar wirklich geschieht. Das heißt - Cornelia und ihre Patentante fahren wirklich nach OBERAMMERGAU!
Oh, ich hab noch gar nicht verraten, warum sie nach OBERAMMERGAU fahren. Wegen den Passionsspielen. In meiner Vorstellung gucken die jetzt drei Wochen lang Passionsspiele in OBERAMMERGAU (gut, gut. Ich lass das jetzt). Machen sie dann aber gar nicht, aber dazu gleich mehr.
Viel schöner ist nämlich ein kleines Detail der Zugfahrt von Stuttgart nach Oberammergau:

Und dann die Fahrt im Schnellzug. Wie lange war es her, dass Cornelia keine Reise mehr gemacht hatte. Ob wohl einer der Reisenden dieses Stillsitzendürfen, dieses Ausruhenkönnen so genoß wie sie? [Anmerkung von mir: Nein] Schön war die Fahrt durch den spätsommerlichen Morgen. In München hatte man Aufenthalt. Tante Gabriele, die in fast übermütiger Fröhlichkeit war, setzte sich mit ihrer Nichte in das Bahnhofsrestaurant und bestellte ein gutes Mittagessen.

Als Münchenwohnerin und neuzeitlicher Mensch musste ich hier sofort an den Burger-King am Münchner Hauptbahnhof denken, aber das nur am Rande.
Unsere beiden fröhlichen Reisenden kommen in Oberammergau an, die Tante hat gar kein Zimmer gebucht (und auch keine Tickets für die Passionsspiele ...), da kommen ja schließlich nicht jeden Tag tausende Menschen hin, da kann man sowas schon mal spontan machen, aber wie es der Zufall will, kriegen sie doch noch ein Zimmer. Die Autorin übt durch Tante Gabriele leise Kritik an der Kommerzialisierung der Passionsspiele, welche aber durch die Hauswirtin relativ schnell beseitigt wird. Cornelia und Gabriele laufen durch die Stadt, sehen das Passionsspielhaus, aus welchem gerade ganz viele Menschen strömen, weil das Stück gerade zu Ende ist.

Auf den Gesichtern der meisten Besucher zeigte sich gesammelter Ernst. Vielen, selbst Männern, sah man an, dass sie vor Ergriffenheit geweint hatten.

Jetzt will ich auch einmal zu den Passionsspielen nach Oberammergau. Meine Recherchen ergaben, dass das das nächste Mal 2020 stattfinden wird. 
Die Familie, bei der Cornelia und ihre Tante wohnen, besteht aus Vater (Holzschnitzer), Mutter und Sohn (beide spielen auch bei den Passionsspielen mit) und der Schwester des Vaters, die ist herzkrank, Geigenspielerin und kann auch schnitzen (der Klappentext behauptet übrigens, dass Andrea gelähmt wäre. Ist sie aber gar nicht!). Das Mädchen heißt Andrea und ist in Cornelias Alter, weswegen sich die beiden anfreunden und sie oft den Tag zusammen verbringen. Sie reden über dies und das, ihre Familien und Oberammergau. Auch Tante Gabriele hat was zu sagen:

"Ich habe mich in den Tagen unseres Hierseins oft gefragt, wie es kommt, dass es hier in Oberammergau so viele auffallend schöne und ansprechende Menschen gibt, selbst unter der einfachen Bevölkerung. ich glaube, dass ich des Rätsels Lösung jetzt gefunden habe." [Anmerkung von mir: Inzest?]

Die wirkliche Lösung ist natürlich die Beschäftigung mit den Passionsspielen, die Gläubigkeit und weil die alle so schön Holzschnitzen können.

Am letzten Tag der Passionsspiele sehen sich Cornelia, ihre Tante Gabriele und Andrea die Vorführung auch mal an. Wenn man schon mal in der Gegend ist und so. Auf Andrea muss man nur ein bisschen aufpassen, die ist ja herzkrank und musste schon mal eine Vorführung vor zwei Wochen verlassen, weil sie so ergriffen war und ihr schwaches Herz das fast nicht mitgemacht hätte. 
Jetzt folgen acht Seiten voll emotionaler Schilderung, wie emotional und toll und emotional und bewegend und emotional die Passionsspiele doch sind. Jesus eben. Cornelia zieht Vergleiche zwischen sich und Petrus, beide hatten sie doch Jesus verleugnet. Cornelia will wieder auf den rechten Pfad der Tugend zurückkehren (was genau sie schlimmes gemacht hat, hab ich immer noch nicht verstanden). Die herzkranke Andrea bricht während der Vorstellung zusammen, wird von Ordnern rausgetragen, aber:

"Bitte, bleiben Sie hier, damit keine weitere Störung verursacht wird."

Als Cornelia und ihre Tante nach der Vorführung ergriffen ins Ferienhaus zurückkehren, liegt Andrea im Sterben. Und stirbt dann. Oder, wie es im Buch steht:

"Und während er spielte [Anmerkung von mir: Ihr Bruder spielt Geige], wurde die Seele Andreas heimgerufen."

Eigentlich wollten Cornelia und ihre Patentante noch eine Woche in Oberammergau bleiben, aber Cornelias Brüder schreiben ihr einen Brief, dass sie sie vermissen und sie soll doch bitte bald wiederkommen und das macht Cornelia dann auch.

"Gleich morgen mit dem ersten Zug will ich fahren. Sie brauchen mich nötig daheim. Und ich will jetzt wieder gerne Mutters Aschenbrödel sein. Aber ehe ich fahre, will ich noch ein paar Blumen auf Andreas Grab legen."

Ende.
Ja. Wirklich. Das sind die letzten Worte von "Cornelia erlebt Oberammergau". Ich bin sehr verstört. Warum genau ist es jetzt wieder okay das "Aschenbrödel" zu sein? Warum genau musste Andrea sterben? Warum wurde sie überhaupt eingeführt? Ihre Beerdigung wird auch nur mit einem Nebensatz erwähnt. Was soll das alles? Welche Moral will mir das Buch mitteilen? "Wenn du mit einem Schuft in den Schwarzwald fährst, fahre danach zum christlichen Ausgleich nach Oberammergau"? Warum heißt das Buch überhaupt "Cornelia erlebt Oberammergau"? Weil sie dort freudig ihr Schicksal annimmt? Das ist alles so furchtbar und so verwirrend und so gar nicht gut. Also, nicht, dass ich erwartet hätte, dass dieses Buch gut ist. Aber ich dachte, auch ein christliches Jugendbuch muss eine halbwegs interessante und glaubwürdige Geschichte haben. Ist aber anscheinend nicht so.

Mittwoch, 25. Februar 2015

Cornelia erlebt Oberammergau von Elisabeth Dreisbach.

Mein Bruder ist ein netter Mensch, mein Bruder schenkt mir Bücher. Obwohl es sich hierbei nicht wirklich um ein Geschenk handelt, er hat das Buch in einer Flohmarktkiste unserer Mutter gefunden und es mir beim letzten Pizza-Date (das ist schon so lange her, ich will mal wieder ein Pizza-Date haben) mitgebracht. Und aus reiner Neugierde musste ich das Buch nun lesen.

Eigentlich würde ich jetzt gerne den Klappentext zitieren, aber der ist so lang und erzählt eigentlich die komplette Handlung, das wäre eher schade, denn ich habe doch vor, eine wunderschöne Nacherzählung zu schreiben. Deswegen nur kurze Metadaten zum Buch - erschienen ist "Cornelia erlebt Oberammergau" zum ersten Mal 1952, meine Ausgabe ist von 1966, der Verlag heißt Christlichen Verlagshaus in Stuttgart und Elisabeth Dreisbach ist insbesondere für ihre christlichen Kinder- und Jugendbücher bekannt, darunter finden sich so wunderschöne Titel wie "Des Erbguts Hüterin", "Vom häßlichen Jettchen, das doch eine Schönheit war und andere Erzählungen" und "Annegret kommt in die Fremde". 


Cornelia ist 17 Jahre alt, hat vier jüngere Brüder und eine Mutter, die in einer Zeitschriftenredaktion Artikel zu Frauenfragen schreibt. Der Vater ist im 2. Weltkrieg gestorben, deswegen besorgt Cornelia neben der Schule (sie macht Abitur) den Haushalt. Am schönsten finde ich es, dass die ganze Familie immer mittags zusammenkommt, um daheim zu essen. Das waren noch Zeiten! 
Da Cornelia die Rolle der Hausfrau übernommen hat, die Mutter arbeitet und Herbert, der älteste Sohn eine Lehre macht, ist für die Familie recht gut gesorgt, doch der Tod des geliebten Vaters schmerzt schon sehr. Schließlich war die Ehe der Eltern eine so glückliche:

Heute, wo Cornelia bereits den Kinderschuhen entwachsen war, glaubte sie zu wissen, wo das Geheimnis dieses vorbildlichen Lebens zu suchen sei. Die Eltern waren beide gläubige Christen. Sie nannten sich nicht nur so, sondern bemühten sich auch, ihren Kindern wahres Christentum vorzuleben. Ihr Christentum war die Ursache der Harmonie, die ihr Haus erfüllte.

Leitmotiv, ick hör dir trapsen!

Nun stehen die großen Ferien vor der Tür und Cornelia und ihre Freundinnen reden über ihre Ferienpläne. Susanne fährt nach England, Ulrike in die Schweiz und Brigitte und Cornelia fahren zusammen in den Schwarzwald. Herrlich. Cornelia freut sich sehr über diese Möglichkeit, schließlich arbeitet sie daheim sehr viel und möchte sich auch einmal erholen können. Damit die Familie während ihrer Abwesenheit nicht verhungert, verdreckt und gar mit Löchern in den Socken herumlaufen muss (Mal ehrlich, wurden früher wirklich ständig Socken gestopft? In diesem Buch werden ständig Socken gestopft. Warum sind die Socken überhaupt immer kaputt gegangen?), hat eine Verwandte versprochen, drei Wochen Cornelias Stelle einzunehmen. 

Doch dann, oh weh! Der Peter, das jüngste Kind, wird krank. Masern! Impfungen gab es damals noch nicht. Und ein weiterer Schicksalsschlag! Der Mann der Verwandten hat sich das Bein gebrochen und erwartet deswegen, dass seine Frau ihn jeden Tag im Krankenhaus besucht, da kann die Verwandte nicht plötzlich auf eine andere Familie aufpassen. Nein-nein. Die Mutter bekommt auch keinen Urlaub, denn den Urlaub braucht sie für ihre Herzkur im Herbst. Es ist alles gar furchtbar, Cornelia muss auf ihren Schwarzwald-Urlaub verzichten. Sie versucht den Schmerz zu verstecken, doch es geht nicht, sie wird missmutig und sauer und zornig und fühlt sich als Arbeitspferd der Familie. Eine Ungerechtigkeit ist das! Und dann bekommt sie auch noch Briefe ihrer Freundinnen, die ihr von ihren tollen Auslandsaufenthalten berichten und mit folgenden Schlussworten schließen:

Leb wohl, meine Allerbeste, schreibe bald wieder, auch wenn Du mir nur von Wäschewaschen und Suppenkochen berichten kannst.

Die bockige, zickige Cornelia, die keine rechte Freude mehr an ihrem Sklavendasein hat, wird kurzerhand für einen Abend zur Patentante geschickt, die ist nämlich Oberin in einem Krankenhaus, die wird Cornelia schon wieder zurechtstutzen. Die Patentante Gabriele erzählt von ihrer Jugend und ihrer einzigen, großen Liebe und wie sie die Verlobung mit Doktor Kernkraft (!!!) lösen musste, weil der als Missionsarzt nach Holländisch-Indien gehen wollte, aber Gabriele wollte ihren schwerkranken Vater nicht alleine lassen. Alles sehr traurig und Cornelia ist dankbar für so viel Ehrlichkeit und fügt sich ihrem Schicksal. Doch die Situation Zuhause wird schlimmer, Peter ist weiterhin krank, Cornelia stopft weiterhin Socken und eines Abends kommt es zum Streit unter den Geschwistern, woraufhin Cornelia zu ihrer Mutter meint:

"Es hat ja keinen Sinn, dass wir miteinander reden. Es bleibt ja doch alles beim alten. Die Jungen sind frech und widerspenstig. Ich muss den ganzen Tag über kochen, waschen, flicken, putzen. Die Ferien gehen vorüber, die Schule beginnt wieder und alles geht im alten Trott weiter. Und ich habe einfach mehr als genug. Ich will nicht länger zu Schule gehen, ich mag nicht immer nur Putzfrau spielen. Ich bin den Buben auch nicht gewachsen. Du als Mutter gehörst eben ins Haus. Denke nicht, dass ich pflichtvergessen sei und dich im Stich lassen wolle - ich bin tatsächlich bereit, in die Fabrik zu gehen. Es ist mir einerlei, was meine Schulkameradinnen dazu sagen; aber ich will endlich auch mal einen Feierabend haben und einen freien Samstagnachmittag und einen Sonntag."

Die Mutter ist ganz verzweifelt und schenkt der Cornelia erst einmal eine Freikarte fürs Kino. Dort sieht sie einen Gebirgsfilm an.

Ein wundervoller Farbfilm wickelte sich vor ihren Augen ab. Das Thema war gut gewählt.

Vor dem Kino trifft sie einen Jungen, der bereits vor drei Jahren die Schule abgeschlossen hat und sie in ein Gespräch verwickelt. Unsere Cornelia ist natürlich anständig und versucht diesen Annäherungsversuch höflich, aber bestimmt abzuwehren. Daheim angekommen, erzählt sie ihrer Mutter und dem Bruder Herbert von ihrem Kinobesuch und dem jungen Mann, dem Harry Periot.

"Was - der?" Herberts Frage drückte unverhohlen Ablehnung aus. "Mit solch einem Kavalier legst du keine Ehre ein."

Ehre einlegen. Was für ein famoser Begriff. Den sollte man viel öfter benutzen. Auf jeden Fall ist Cornelia in ihrer Ehre verletzt, schließlich hat sich nichts ehrenrühriges getan. Am nächsten Tag bekommt Cornelia durch einen Boten einen Strauß Rosen überreicht. Mit einer Karte drin. Vom Harry Periot. Der sie am Wochenende zu einem Ausflug in den Schwarzwald einlädt. Oh, diese schönen Rosen! Oh, aber sie darf die Rosen gar nicht schön finden, schließlich ist der Harry Periot ein Schuft! Dieser innere Zwiespalt bringt Cornelia dazu ihre Mutter zu belügen, als diese fragt, von wem sie die Rosen bekommen hat. Cornelia behauptet nämlich, auf der Karte stand kein Absender. Huch! Wie dreist! 
In der Zwischenzeit erhält Cornelia einen Brief von ihrer Freundin Susanne aus London, die schreibt, dass London ganz schön groß ist. Cornelias Mutter unternimmt einen neuen Versuch, ihre Tochter aufzumuntern und organisiert für ihre Tochter eine Fahrt an den Bodensee. Da ist Cornelia ziemlich aufgeregt!

"Oh Mutti, das ist lieb von dir! Ich freue mich sehr. Was soll ich denn anziehen?"
"Ich denke, dein blaugeblümtes Dirndlkleid. Dann brauchst du dich nicht so sehr in acht zu nehmen und kannst dich ungezwungen bewegen."

Ein ausgefuchster Plan reift in Cornelias Kopf. Sie lässt einfach ihre Mutter im Glauben, dass sie am Wochenende an den Bodensee fährt und fährt stattdessen mit dem Harry Peroit in den Schwarzwald! Hehe.

Nicht im entferntesten ahnte Cornelia, dass sie in diesem Augenblick alles andere als frei war. In ihrem Inneren hatte ein anderer, vor dem sie zu Tode erschrocken wäre, hätte sie ihn sehen können, ein feines, unsichtbares, aber verderbliches Netz zu spinnen begonnen. Mit Unzufriedenheit fing es an, Bitterkeit und Groll kamen hinzu und nun gar noch Lüge und Unaufrichtigkeit.

Das Böse siegt, Cornelia steht am Morgen bereit, um zusammen mit Harry Peroit in den Schwarzwald zu fahren. Dort soll die liebe Brigitte überrascht werden, die dort ihre Ferien bei ihren Großeltern verbringt. Die freut sich auch sehr über den Besuch, doch den Harry Peroit findet sie nicht so gut. Der hingegen findet den Wein vom Großvater sehr gut. Und will nicht so recht nach Hause fahren, obwohl doch Cornelia pünktlich am Bahnhof sein muss, damit niemand Verdacht schöpft, dass sie gar nicht am Bodensee war. Auf der Rückfahrt macht sich der Schuft an Cornelia ran, was Cornelia gar nicht so gut findet, glücklicherweise werden durch ihre Gebete Anhalter angelockt, ein Ehepaar aus Stuttgart, die Frau hat sich am Bein verletzt und kann nicht mehr laufen und Cornelia bietet dem Ehepaar an, dass man sie mitnehmen kann, schließlich seien sie gerade auch auf dem Heimweg nach Stuttgart und so hat sie Beschützer im Auto und der Harry Peroit lässt die Finger von ihr. 

Doch an dieser Stelle möchte ich für heute schließen, schließlich befinden wir uns nun genau in der Mitte des Buches. Und ja - bisher ist Oberammergau noch kein einziges Mal erwähnt worden. Ob es wohl noch eine Rolle spielt? Wie wird Cornelias Mutter reagieren, wenn sie von der Lüge ihrer Tochter erfährt? 
Das alles und noch viel mehr gibt es morgen, wenn es wieder heißt:
"Cornelia erlebt Oberammergau" (oder irgendeinen anderen Ferienort ...)

Dienstag, 24. Februar 2015

Aufbrezeln in München - Teil 7.

Fast hätte es auch diese Woche nicht mit dem Aufbrezeln geklappt. Obwohl ich am Sonntag eine Breze gegessen habe und am Samstag eine Breze gegessen, aber leider waren beide Brezen von einem Bäcker, den ich bereits abgearbeitet habe. Und Wiederholungen sind erst sinnvoll, wenn ich alle Brezen in München durchprobiert habe. 
Glücklicherweise fuhr ich heute in die Stadt, um Unibibliotheksbücher zu eben jener Bibliothek zurückzutragen. Wer braucht schon Unibücher, wenn man sich die Bücher durch ein Stipendium selber kaufen konnte? Eben. Niemand. Und wenn man an der Haltestelle Universität aussteigt, kommt man an einer kleinen Backwarenecke vorbei. Beziehungsweise kommt man an zwei kleinen Backwarenecken vorbei - gegenüber von der alten Filiale ist jetzt eine neue Filale. Spiegelverkehrt. Das amüsiert mich sehr. Ich möchte da gerne ein Werbevideo drehen, in welchem ein Zwillingspaar gleichzeitig dort einkauft und man könnte denken, das Video einfach in der Mitte gespiegelt ist, aber dann ist das gar nicht so. Welch fantastische Idee. Hiermit sichere ich mir die Rechte. Ha!
Auf jeden Fall kaufte ich mir eine Breze und kann nun davon berichten.

Name: Breze
Preis: 0,58 Euro
Kaufort: Soon Coffee House im Zwischengeschoß der U-Bahnhaltestelle Universität.
Optik: etwas dunkel, relativ groß, wenig Salz, dicke Ärmchen, seitlich aufgesprungen
Konsistenz: außen knusprig, innen fluffig, Ärmchen auch schön knusprig, ein klein wenig trocken
Geschmack: so macht eBay Spaß. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall schmeckt die Breze nach Breze und zwar nach einer leckeren Breze.
Gesamturteil: Mein klarer Favorit. Glücklicherweise. Schließlich komme ich an Unitagen mindestens zweimal an der Filiale vorbei, kann mir also immer eine Breze kaufen. Ich empfehle, dass ihr das auch alle mal macht und vergebe 5 von 5 Brezen.