Sonntag, 10. Dezember 2017

Verstecken gilt nicht von Melina Royer.


Originalausgabe - Erschienen im Kailash Verlag - 2017 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar!

Unsicher, verängstigt und von Selbstzweifeln geplagt – Melina Royer empfindet sich lange als schüchternsten Menschen auf dem Planeten. Bis sie eines Tages beschließt, sich nicht länger von ihrem Problem blockieren zu lassen, und sich eine Gegenstrategie verordnet: Raus dem Schattendasein, rein ins Leben. Sie beginnt auf Menschen zuzugehen, gründet ihren eigenen Blog zum Thema Selbstvertrauen, kündigt ihren ungeliebten Job, spricht öffentlich über ihre Schüchternheit. Stück für Stück kämpft sie sich aus ihrem Kokon hervor. Melina Royers Erfahrung: Wir müssen es nicht hinnehmen, dass unsere Ängste uns beherrschen. Es nicht versucht zu haben, tut viel mehr weh als zu scheitern.

In der Monatsübersicht hatte ich bereits ein wenig meine Meinung zu "Verstecken gilt nicht" angedeutet. Mit etwas Abstand zur Lektüre hoffe ich nun, den Knoten in meinem Kopf zu lösen, um mehr über das Buch sagen zu können als: ¯\_(ツ)_/¯

Melina Royer erklärt in "Verstecken gilt nicht", wie sie es geschafft hat ihre Schüchternheit mit Selbstbewusstsein zu besiegen bzw. im Zaum zu halten. Anstatt sich als schüchterner Mensch immer zu verstecken, immer im Hintergrund zu bleiben, immer das eigene Licht unter den Scheffel zu stellen, sollte man darüber nachdenken, wo die Ängste liegen, seine eigenen Gefühle zuordnen und zu Wort kommen lassen und sich so auf lange Sicht gegen die Schüchternheit stellen.

Die wirklich ansprechende Verpackung und der klare Aufbau von "Verstecken gilt nicht" bringen dem Buch einige Pluspunkte ein. Außerdem kommt die Autorin wahnsinnig sympathisch rüber, erzählt offen von ihren Schwächen, ihren Stolpersteinen auf dem Weg zu einem gesunden Selbstbewusstsein. Zudem führt sie mit "Vanilla Mind" einen Blog, dem man die Liebe zum Detail anmerkt. Einen Bruch zwischen Blog und Buch gibt es hier nicht. 

Nun. Meine Knackpunkte. Ich glaube, jeder, der dieses Buch liest, wird mit dem Kopf nicken und sagen "Ja, genau so ist es!". Merkt man auch daran, dass viele Kommentare zum Buch mit "Ihr werdet es nicht glauben, aber auch ich bin schüchtern!" starten. Heißt das nun, wir sind alle schüchtern? 

Ich glaube, Schüchternheit hat viele Facetten. Es gibt leichte Fälle ("Lieber Bahn-Mitfahrer, sprich mich nicht an!") und schwere Fälle ("Niemals halte ich diesen Vortrag!"). Schüchternheit ist situationsbedingt.

Um es nun auch auszusprechen: Ihr werdet es nicht glaube, aber auch ich bin schüchtern! Fremde Menschen machen mir meist Angst. Bei größeren Gruppen versteck ich mich gerne in einer Ecke. Bei Vorträgen spreche ich viel zu schnell, weil ich schnell wieder in meiner Ecke verschwinden will. 

Was für die Schüchternheit an sich gilt, gilt meiner Meinung nach auch für die Ratschläge. Sport und gesunde Ernährung helfen schüchternen Menschen aus ihrem Loch rauszukommen, weil sie ein positiveres Selbstbild entwickeln. Dieser Satz könnte wohl in jedem Ratgeber zu jedem Thema stehen. Das ist mir irgendwie zu einfach. Ich kann nicht wirklich beschreiben, was ich mir stattdessen gewünscht hätte. Sicherlich auch keine "100 Tipps, die garantiert wirken und super einfach sind!". 

Vielleicht liegt es auch an meinem inneren Schweinehund, der so gar keine Lust auf Sport, gesunde Ernährung und das Nachdenken über Gefühle hat. Einige Seiten habe jedenfalls mit Eselsohren markiert (ja!), um Melinas Methoden nochmal genauer zu studieren. Vielleicht hilft ein Morgenritual nicht unbedingt direkt dabei, meine Schüchternheit zu besiegen. Aber vielleicht hilft es, etwas Routine und Ruhe in meinen Alltag zu bekommen, was dann dazu führt, dass mein Selbstbild positiver wird und ich mich nicht in meiner schüchternen Ecke zusammenrolle.

Denn damit hat Melina auf jeden Fall Recht: Verstecken ist keine Lösung. Verstecken güldet nicht!

Kommentare:

  1. Klingt wirklich sehr merkwürdig. Sport gegen Schüchternheit? Morgenritual gegen Schüchternheit? Ich glaube nicht, dass Schüchterne dadurch weniger schüchtern werden, dass sie durchtrainierter sind. Denn eigentlich weiß man doch, dass Schüchternheit albern ist, oder? Warum sollte man selbst weniger zu sagen haben als andere (wenn man die sich alle so anhört ...). Da hilft doch auch ein flacher Bauch nix, man findet immer was anderes, was einen denken lässt, dass man nicht gut genug ist. Oder?

    Außerdem: Das Buch ist leicht rosa. Es ist eine Frau drauf. Von einer Frau geschrieben. Und dann steht da "als Schüchternerrrr"? Nee, das überzeugt mich alles nicht. Danke für die Rezension :)

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    1. Was hat denn die Farbe des Buches mit dem Thema zu tun?
      Das Buch spricht thematisch sicherlich nicht nur Frauen an. Denn Schüchternheit ist geschlechtslos.

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  2. Schüchterner = schüchterner Mensch.
    Zum Thema flacher Bauch sage ich mal nichts, wer Dinge absichtlich aus dem Kontext reißen will, findet immer einen Weg. ;)

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  3. Es kann ja nicht nur Leute geben, die den anderen auf die Latschen tretten um sich selbst besser darzustellen als Sie wirklich sind. Das Leben macht einen zu dem was man ist und nach deiner Zeit im Ausland hast du dich meines Wissens deutlich verändert. Mach einfach weiter so, wie du bist. Es gibt Millionen Menschen und man kann es nicht jedem recht machen.

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