Dienstag, 31. Oktober 2017

Lauter gute Absichten von Christopher Isherwood.


Originaltitel: All the Conspirators - Aus dem Englischen von Gregor Runge - Erschienen bei Hoffmann und Campe - 2017 - Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar!

Philipp Lindsay steht sich selbst im Weg. Der junge Mann aus gutem Londoner Hause fühlt sich zu Höherem berufen und scheitert doch ständig an seinen eigenen Ansprüchen und den Erwartungen seiner Familie. Unabhängigkeit sucht er erst als Maler und Dichter, dann als Geschäftsmann. Nach Afrika will er reisen, als Plantagenbesitzer arbeiten und kommt doch nicht weiter als bis in die Arbeiterviertel Londons, wo er schließlich einen Zusammenbruch erleidet. 

Mit den wunderschönen Bänden von Christopher Isherwood macht mit Hoffmann und Campe seit Jahren froh (hier beispielsweise "Praterveilchen"). Nun ist mit "Lauter gute Absichten" der Debütroman des Autors erschienen und durfte selbstverständlich nicht in meiner Isherwood-Sammlung fehlen.

Um was geht es?

Unser Held Philipp Lindsay ist gar kein Held. Er ist ein angry young man, lebt auf kosten seiner Familie, versucht sich als Künster, als Landschaftsmaler und Dichter und endet doch an einem Büro-Schreibtisch. Genervt, entnervt will er aus diesem Korsett ausbrechen – Afrika ruft! Das große Glück ist nur eine Schifffahrt entfernt, endlich flügge werden, endlich der Familie entkommen! Doch Philipp fehlt der Mut und so endet die Geschichte dort, wo sie begonnen hat. 

Anfangs war ich sehr irritiert von "Lauter gute Absichten", weil der Leser direkt in einen Streit zwischen Philipp und seinem Freund Allen geworfen wird. Um was es geht, wo sie überhaupt sind – unwichtig. Was man aber direkt mitbekommt: Zwischen den beiden jungen Männern besteht eine Spannung, die nichts mit dem derzeitigen Streit zu tun hat. Und weil der Autor Christopher Isherwood heißt und weil der Verlag schreibt, dass dieser Roman stark autobiografisch ist, stellt sich direkt die Frage, ob Philipp und Allen möglicherweise schwul sind. Darauf gibt der Roman aber keine Antwort, jedenfalls hab ich keine heraus gelesen. Es ist auch nicht wichtig. Viel interessanter ist das Spannungsverhältnis zwischen Philipp und seiner Familie, die ihn drängt, einem normalen Bürojob nachzugehen anstatt sich in der brotlosen Kunst zu verlieren. 

Ganz besonders Joan, die Schwester von Philipp, ist eine faszinierende Persönlichkeit, die zwischen Loyalität zu ihrem Bruder und Loyalität zu ihrer Mutter schwankt. Zudem hat sie einen Vielleicht-Vielleicht-nicht-Verlobten an der Backe, der ihre Aufmerksamkeit fordert. 

Zerrissenheit – ein Thema, welches sich in wohl allen Werken von Christopher Isherwood findet. Wie findet man seinen Platz in der Gesellschaft, wenn die Gesellschaft doch will, dass man ganz anders ist als man eigentlich sein möchte? 

Mit dem angry young man Philipp ist Isherwood eine weitere interessante Charakterstudie zu dieser Frage gelungen, die mit keinem happy end endet. Aufgrund des sehr holprigen Einstiegs würde ich "Lauter gute Absichten" prinzipiell Isherwood-Fans empfehlen. Neulinge sollten lieber zu "A Single Man" greifen, weil dieses sehr viel runder und gefälliger gestaltet ist. 

Freitag, 27. Oktober 2017

10 Jahre Nordbreze und so. 10 Buchempfehlungen oder so. Tag 10: Brösels Bücherregal.


Liebste Breze, es ist mir eine Freude und Ehre, auf Deine Jubiläumsparty eingeladen zu sein. Zehn Jahre Nordbreze und so. - Happy Blogbirthday! Es ist so schön, dass es Dich und Deinen Blog gibt.

Tatsächlich überschneiden sich unsere Leservorlieben nicht allzu oft, vor allem weil bei mir sehr oft der geschätzte Jugendbuchbereich vorkommt. Aber, Brösel kann nicht nur Jugendbuch, daher habe ich nach einer tollen Mitte gesucht. Quasi sogar schon ein Klassiker für mich, da ich ihn immer wieder gern empfehle: "Das also ist mein Leben" von Stephen Chbosky. Auch in Buchhandlungen versteckt sich der Roman mal bei der Belletristik und auch im Bereich Jugendbuch, eindeutig gibt es hier nicht, zum Glück! Ich liebe Charlie und seine Sicht auf die Dinge während seines ersten Jahres in der Highschool. Er schreibt zudem Briefe an einen Unbekannten, macht Erfahrungen mit Veränderungen in der Familie, Liebe, Drogen und Gefühle, die er vorher nicht kannte. Bis er erkennt, weshalb er der Mensch wurde, der er wurde. Freundschaft, dramatisch viel Gefühl, Musik und Liebe, dies ist eins meiner Lieblingsbücher für Dich.

Brösel von Brösels Bücherregal

Zum Abschluss der Party gibts noch einen Keks! Bröselchen gehört zu den wenigen auserwählten Menschen, die schon einmal in unserem Wohn-/Bücherzimmer schlafen durften. Über Brösel-Sichtungen freue ich mich immer ganz besonders, ihre sympathisch-fränkische Art ist einzigartig.

Mit dem unterschiedlichen Lesegeschmack hat Brösel Recht. Macht aber nix, ich freu mich umso mehr darüber, dass sie mir auch eine Buchempfehlung zum Jubiläum ausstellt. Verrückterweise hatte ich "Das also ist mein Leben" schon mal auf meiner Merkliste stehen. Nach der Sichtung von "Vielleicht lieber morgen", der Verfilmung des Buches unter einem anderen Namen, habe ich das Buch wieder gestrichen. Aber nicht, weil mir der Film nicht gefallen hat, sondern, weil ich der Meinung war, dass der Film ausgereicht hat, um die Story zu transportieren.

Das ist nun aber schon so lange her, ich kann mich eigentlich gar nicht mehr an den Inhalt erinnern (nur noch an Emma Watson), deswegen hat das Buch gute Chance, demnächst gelesen zu werden.

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Zum 10-jährigen Jubiläum meines Blog wünsche ich mir von 10 lieben Menschen 10 Buchempfehlungen. Alle Infos zu dieser Reihe und zum dazugehörigen Gewinnspiel findet ihr hier

Donnerstag, 26. Oktober 2017

10 Jahre Nordbreze und so. 10 Buchempfehlungen oder so. Tag 9: Josefina.


Liebe Marina

Zehn Jahre! Ich blogge seit über neun Jahren, nur deinetwegen. Mein erster (inzwischen privater) Blogeintrag beginnt mit den Worten „Nur wegen [Marina].“ Danke dafür!

Du bekommst dafür eine Buchempfehlung von mir, obwohl ich das generell schwierig finde und bei dir besonders. Man will ja ein Buch empfehlen, von dem man glaubt, der andere könnte es gut finden, aber man selbst muss es auch gut finden, denn wer will schon ein schlechtes Buch empfehlen? Aber ich bin nicht sicher, ob ich weiß, was du gut findest. Ich versuche es deswegen mit einem Buch, von dem ich gerne wüsste, ob du es gut findest: Lethargie von Wojciech Kuczok. Man muss sich nicht speziell für die polnische Gesellschaft interessieren, um die Beobachtungen und die Sprache in dem Buch gut zu finden. Die Perspektive und Innensicht gibt Blick auf das Leben der Figuren, die sich mit alltäglichen, zwischenmenschlichen und finanziellen Zwängen konfrontiert sehen und dabei zwischen kindlichem Trotz und Emanzipation schwanken; dabei ist das Buch ebenso lakonisch wie präzise in der Beschreibung von der Absurdität des Lebens.

Als Extra empfehle ich dir zusätzlich auch noch Greasy Lake und andere Geschichten von T. C. Boyle, weil ich weiß, dass du Kurzgeschichten nicht magst, ich aber schon. Man muss auch mal egoistisch sein und das ist eine ziemlich gute Sammlung ziemlich guter Kurzgeschichten.
Ich leihe dir beide Bücher auch gerne, komm mal wieder in den Norden! 

In ewiger Bloggerliebe


Meine liebste Josefina! Wir haben uns in einem Forum kennengelernt, als Foren noch im Trend lagen und niemand was von Facebook, Twitter oder Instagram gehört hat. Auch das Bloggen war noch neu und frisch. 

Josefina ist aber nicht einfach nur eine Internet-Freundin, wir kennen uns auch in echt. Hamburg verbindet. Und so schmerzt es mich gar sehr, dass wir uns aufgrund der großen Kilometerdifferenz zwischen Hamburg und München nicht mehr so oft sehen. Zum Glück gibt es das Internet. Um den Bogen wieder zu schließen.

Lustigerweise habe ich "Lethargie" von Kuczok im Bücherregal stehen, weil Josefina es Herrn Gatsby und mir geschenkt hat. Gelesen habe ich es aber augenscheinlich noch nicht, obwohl es so vielversprechend klingt. Aber das tun diese fiesen Bücher ja meistens. 

Mit den Kurzgeschichten hat Josefina auch Recht. Ich tu mir da immer noch schwer. Manchmal mag ich sie, meistens dann doch wieder nicht. Aber T. C. Boyle klingt vielversprechend. Bis zum nächsten Hamburg-Besuch habe ich hoffentlich eines der beiden Bücher gelesen. Ansonsten muss ich leider, leider im hohen Norden bleiben.

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Mittwoch, 25. Oktober 2017

10 Jahre Nordbreze und so. 10 Buchempfehlungen oder so. Tag 8: Die Liebe zu den Büchern.


Liebe Marina, ich habe ja immer ein bisschen Angst, wenn mich ein anderer Büchermensch nach einem Buchtipp fragt. Die Wahrscheinlichkeit, dass du alles davon schon kennst und gelesen hast, ist sehr hoch. Natürlich habe ich deine Anfrage trotzdem nicht abgelehnt, denn einer der zehn tollen Menschen zu sein, die dir ein Buch empfehlen dürfen, ist ja irgendwie auch eine Ehre. Ich wünsche dir einen fantastischen Bloggeburtstag und hoffe, dass es mindestens noch die nächsten zehn Jahre hier weitergeht. Damit wir möglichst viele tolle Bücher empfohlen bekommen, die wir unbedingt kaufen müssen.

Ich versuche jetzt mein Glück und werfe hiermit feierlich „bleiben“ von Judith W. Taschler in die Runde. Ich hatte keinerlei Erwartungen an das Buch und die Autorin und habe es wahrscheinlich deshalb in kurzer Zeit regelrecht verschlungen. Taschler erzählt hier eine äußerst bewegende und mitreißende Geschichte, die besonders durch ihren Erzählstil geprägt wird und eine große Bandbreite an Emotionen bedient. Am Ende ist es aber einfach nur tragisch und ich persönlich war kurz sprachlos. Aus genau diesem Grund, und weil ich denke, dass die Autorin eine großartige Erzählerin ist, solltest du dieses Buch unbedingt mal lesen. Ich könnte mir zumindest vorstellen, dass es auch dir gefallen könnte.


Die Angst, anderen Buchmenschen Bücher zu empfehlen kenne ich recht gut. Beziehungsweise würde ich gerne sehr viel öfter Bücher verschenken, ich habe aber immer Angst, dass der Beschenkte, das Buch schon hat. Aber ein bisschen Risiko muss sein. Deswegen freut mich hier auch jede Buchempfehlung so sehr, weil daraus auch immer etwas sehr persönliches spricht.

Und persönlich ist ein wunderbares Stichwort für Petzi, die wohl zu den Bloggern gehört, die ich in den letzten Jahren am häufigsten gesehen habe. München-Homebase sei Dank! 

Von Judith W. Taschler hatte ich schon einmal "Roman ohne U" auf meine Merkliste gesetzt, es aber dann wieder verworfen. Mein Interesse war doch nicht groß genug. "bleiben" klingt auf den ersten Blick so, als könnte es einem ähnlichen Schicksal erliegen. Irgendwas reizt mich an der Story, aber für das große Interesse fehlt dann doch etwas. Jetzt, da mir aber Petzi das Buch empfohlen hat, könnte das den Ausschlag geben, dass das Buch länger auf der Merkliste stehen darf. Oder sogar den nächsten Schritt nimmt und ins Bücherregal einzieht. Wobei ich mir ja eigentlich insgeheim vorgenommen habe, dass ich alle Buchempfehlungen aus dieser Reihe lesen. Aber psst ... dazu demnächst mehr! 

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Dienstag, 24. Oktober 2017

10 Jahre Nordbreze und so. 10 Buchempfehlungen oder so. Tag 7: Buchrevier.


Liebe Marina,
ich muss zugeben, es war dieser kranke Blogname ‚Nordbreze und so’, der mir sofort gefallen hat. Seitdem bist du auf meinem Radar und ich klammheimlicher Fan. Nachdem ich seit Jahren darunter leide, dass mein Blog in deiner Blogroll gar nicht auftaucht, habe ich mich jetzt sehr gefreut, dass ich zu den zehn ausgewählten Bloggern gehöre, die zu deinem Blogjubiläum eine Buchempfehlung geben dürfen.
Ich habe gar nicht so lange nachdenken müssen und sofort ein Buch aus dem Regal gezogen, von dem ich nahezu sicher bin, dass du es mögen wirst. Und zwar den Debütroman von Nino Haratischwili „Juja“. Ich habe auf deinem Blog geschaut – da taucht Nino, die zu meinen Lieblingsautorinnen gehört, nicht auf. Ich bin fast ein wenig neidisch, dass du die wunderbare Geschichtenwelt dieser Autorin noch entdecken kannst. Wenn dir „Juja“ gefallen sollte, warten noch ihre beiden weiteren Romane „Mein sanfter Zwilling“ und der Mega-Schmöcker „Das achte Leben (für Brilka)“ auf Dich.  Im Herbst 2018 erscheint dann Ninos neuester Roman bei der FVA. Ach ja, wenn Du wissen willst, worum es in Juja geht, dann klick mal auf die Besprechung bei mir im Buchrevier
Happy Blog-Birthday und auf die nächsten zehn Brezen-Jahre! 

Herzliche Grüße


Uh, das tut weh. Erst meinen höchstkreativen Blognamen beleidigen und dann auch noch dezent auf den fehlenden Link im Blogroll aufmerksam machen. Solche Geburtstagsgäste mag ich am liebsten. Letzteres wurde sofort behoben, denn Tobias schreibt im Buchrevier ganz besondere Buchkritiken, die sich von der Masse abheben (und dass wir über "Außer sich" von Sasha Marianna Salzmann exakt dasselbe denken, unterstreicht das gegenseitige Fantum nur noch).

Schockierenderweise habe ich von "Juja" bisher wirklich nichts gehört. Wahrscheinlich war ich von der Aussicht auf "Das achte Leben (Für Brilka)" von Nino Haratischwili so erschlagen und eingeschüchtert, dass ich weder dieses Werk noch andere Bücher von ihr jemals in die Hand genommen habe. Inhaltlich klingt es aber sehr interessant und auch die Tatsache, dass nächstes Jahr ein weiteres Buch bei einem meiner Lieblingsverlage (Fähnchen hoch für die Frankfurter Verlagsanstalt!) erscheint, klingt doch sehr vielversprechend.

Auf die Merkliste ist "Juja" schon mal gewandert! Und sobald ich es gelesen habe, werde ich dir und euch und allen davon berichten!

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Zum 10-jährigen Jubiläum meines Blog wünsche ich mir von 10 lieben Menschen 10 Buchempfehlungen. Alle Infos zu dieser Reihe und zum dazugehörigen Gewinnspiel findet ihr hier